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Ab Mitte 2027 wieder Erasmus-Aufenthalte in Großbritannien

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Nach dem Brexit verabschiedete sich Großbritannien auch aus Erasmus
©APA, GEORG HOCHMUTH, THEMENBILD
Mit dem Brexit 2020 ist Großbritannien auch aus dem Erasmus-Programm der EU ausgestiegen. Ende 2025 kam dann überraschend die Bekanntgabe der Rückkehr ins EU-Austauschprogramm. Erste Aufenthalte werden ab Mitte 2027 wieder möglich sein, schätzt man bei Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung (OeAD), die das Programm abwickelt. Schulen, Hochschulen und Jugendeinrichtungen sollten aber schon jetzt aktiv werden, um Kontakte zu Partnerinstitutionen zu knüpfen.

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Vor dem Brexit war Großbritannien eines der beliebtesten Erasmus-Ziele bei österreichischen Studierenden, Lehrlingen, Lehrenden und Schülerinnen bzw. Schülern. Im Hochschulbereich rangierte das Land mit 4.800 Personen (2014-2020) auf Rang drei hinter Deutschland und Spanien, im Schul- und Berufsbildungsbereich sogar an erster Stelle. Das lag einerseits an der Sprache, andererseits auch am Ruf der englischen Schulen bzw. Hochschulen.

Nach dem Ausstieg Großbritanniens verlagerten sich die Austauschaktivitäten im Schulbereich dann nach Irland. "Aber Irland ist voll, weil ganz Europa dorthin ausgewichen ist", so OeAD-Geschäftsführer Jakob Calice zur APA. Es gebe daher kaum noch verfügbare Partnerschulen. Im Hochschulbereich sei der Run nach Irland nicht so extrem gewesen, da etwa auch die Niederlande oder die nordischen Staaten viele Studienprogramme auf Englisch anbieten.

Für die Teilnahme an Erasmus ist eine EU-Mitgliedschaft nicht Voraussetzung - insofern sei man überrascht gewesen, dass Großbritannien auch aus dem beliebten Programm ausgestiegen sei. Das habe einerseits sicher kulturelle Gründe gehabt: "Man hat sich gesagt, dass es nicht passt, an einem Programm teilzunehmen, das eine europäische Identität formen will und europäische Werte in den Vordergrund stellt", so Calice.

Aber auch handfeste finanzielle Motive hätten eine Rolle gespielt. Bedingung für die Erasmus-Teilnahme einer Hochschule ist auch der Verzicht auf Studiengebühren für die Gaststudierenden. An britischen Unis hätten jährlich rund 30.000 Personen aus Europa einen Erasmus-Aufenthalt absolviert, umgekehrt seien nur 18.000 Briten nach Europa gegangen, meinte Calice. Nach dem Ausstieg seien die von Gebühren befreiten Studierenden aus Europa dann von zahlenden Studentinnen und Studenten aus Indien und China ersetzt worden.

Die Rückkehr erfolgt nun analog zu anderen Staaten, die trotz fehlender EU-Mitgliedschaft an Erasmus teilnehmen. Wie etwa Norwegen, Island, Liechtenstein, Serbien, Nordmazedonien oder die Türkei kauft sich Großbritannien dafür quasi ein - und zwar in alle Programmbereiche von Schulen und Hochschulen bis zu Berufsbildung und Praktika oder Jugend. Die Schweiz wird ab 2027 übrigens auch wieder an Erasmus+ teilnehmen.

Bis erste Schüler, Lehrlinge oder Studierende wieder einen Erasmus-Aufenthalt in Großbritannien absolvieren können, dürfte es aber noch dauern. Einerseits müssten die Briten wieder eine Agentur zur Abwicklung aufbauen - außerdem haben etwa die britischen Unis eine Charta zu erfüllen: Das reicht vom Verzicht auf Studiengebühren und klaren Anerkennungsprozedere über die Implementierung eines fairen, transparenten Auswahlprozesses bis zur Unterstützung bei Visa-Fragen, Wohnung und Versicherungen. Und schließlich brauche es Kooperationsvereinbarungen zwischen den einzelnen Institutionen.

Das werde im Hochschulbereich wahrscheinlich recht schnell gehen, da viele Unis über eigene Programme Erasmus-Kooperationen in eingeschränktem Ausmaß aufrechterhalten konnten, vermutet Calice. Zudem gab es über die "internationale Komponente" für Hochschulen von Erasmus+ noch 400 Mobilitäten von 2021-2025 und somit Kontakte. Im Schulbereich habe es für britische Einrichtungen dagegen keine Möglichkeit gegeben, bei Erasmus mitzumachen. Dort müssten erst wieder Kooperationen aufgebaut werden - hier gelte es für Österreich schnell zu sein: "Wir müssen früh dran sein, weil ganz Europa klopft an."

Für Studierende ist ein Erasmus-Auslandssemester in Großbritannien ab Herbst 2027 realistisch - kümmern sollte man sich darum schon in diesem Herbst, rät Calice. Praktika in Großbritannien könnten auch schon im Sommer 2027 möglich sein. Österreichische Schulen können ab dem Schuljahr 2027/2028 wieder mit Großbritannien kooperieren und ihre Schülerinnen und Schüler dorthin entsenden. Für das erste Jahr hofft er aufgrund des nötigen Aufbaus auf insgesamt rund 2.000 Auslandsaufenthalte über alle Bildungssektoren und Jugend - das entspräche in etwa dem Höchststand von 2017. Seither sei Erasmus aber deutlich ausgebaut worden, das Potenzial also deutlich höher.

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