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Ukrainische Band Ignea trotzt dem Krieg: "Haben keine Wahl"

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Bei Metalband Ignea darf es auch Pop sein
©Napalm Records, Lame Perfect, APA
Heizungsausfälle bei wochenlangen Temperaturen von minus 20 Grad, ganztägige Raketen- und Drohnenangriffe: Die ukrainische Band Ignea hat zum zweiten Mal in Kiew im Krieg ein Album aufgenommen. "Die Situation wird von Jahr zu Jahr schlimmer", sagt Sängerin Helle Bohdanova im APA-Interview. "Russland beschießt unsere Infrastruktur, und dieser Winter war extrem kalt. Selbst wenn wir uns warm halten konnten, ist das schlecht für das Equipment. Aufnehmen wird so nicht leichter."

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"Monumental" heißt das unter diesen Umständen entstandene, am 23. Oktober erscheinende Album. "Der ganze Prozess hat viel länger gedauert als erwartet", so Bohdanova. Besonders schlimm sei es, wenn Videodrehs geplant sind und es Alarm geben könnte. "Aber all die Leute sind trotzdem am Set erschienen. Vielleicht ist es genau das, was mich weitermachen lässt: zu sehen, wie die Menschen um mich herum aufstehen und ihre Arbeit machen. Denn egal, wie hart es ist - wir haben eigentlich keine Wahl. Wir bekommen keinen Rabatt dafür, dass wir eine ukrainische Band sind und unter diesen Bedingungen arbeiten."

Die Ukraine zu verlassen, sei kein Thema: "Wir wollen unser Land in diesen dunklen Zeiten unterstützen: Indem wir hierbleiben, schaffen wir Arbeitsplätze, weil wir Leute für Videodrehs, Aufnahmen oder Ähnliches engagieren. Das ist gewissermaßen unser Beitrag dazu, als Land durchzuhalten", betont die Sängerin. "Es ist extrem hart und zehrend, denn wir leben nun schon seit fast fünf Jahren in dieser Situation. Jetzt stehen wir wieder vor dem Winter, während unsere Infrastruktur immer wieder beschossen wird. Aber ich denke mir zumindest: Das Album ist schon aufgenommen, die Videos sind fertig, und wir können uns ein wenig entspannen."

Der Stil von Ignea ist für eine Metalband recht ungewöhnlich, da sie sich in kein Subgenre einordnen lassen und Industrial-Anklänge auf "Monumental" ebenso vertreten sind wie poppige und sphärische Töne. "Uns geht es nicht darum, uns auf eine bestimmte Richtung festzulegen, sondern vielmehr darum, mit unserer Musik eine Geschichte zu erzählen", erklärt Bohdanova. "Bei unserem letzten Album tendierten wir eher in Richtung Folk und setzten traditionelle Instrumente ein, da es um einen ukrainischen Reisenden ging, der exotische Länder besuchte. Dieses Album hingegen hat einen eher urbanen Klang."

Das übergeordnete Thema der Texte ist Nostalgie, erzählt die Sängerin. "Ich hatte von Anfang an die Vorstellung, dass Architektur eine Rolle spielen sollte - insbesondere die der Moderne und des Brutalismus. Oft empfinden Menschen tiefe Nostalgie, wenn sie an einen bestimmten Ort zurückkehren - etwa wenn sie an dem Universitätsgebäude vorbeigehen, in dem sie studiert haben, oder in ihre Heimatstadt kommen und ein altes Gebäude sehen, in dem sie ihre Kindheit verbracht haben. Gebäude fungieren für Menschen oft wie eine Art Erinnerungsspeicher."

Speziell auf die Ukraine bezogen: "Als postsowjetisches Land gibt es hier viele Plattenbauten und Gebäude der Moderne - riesige Betonbauten, die oft wunderschöne Mosaike aufweisen, die Szenen aus der Zukunft darstellen. Sie spiegeln wider, wie sich die Menschen damals - etwa in der Mitte des Jahrhunderts - die Zukunft vorgestellt haben. Man sieht dort zum Beispiel viele Mosaike, die Themen wie Weltraumforschung, technischen Fortschritt oder Ähnliches aufgreifen. Sie sind wie Zeitkapseln, die von den Träumen und Visionen der Menschen aus jener Zeit zeugen. Wenn man also alles zusammennimmt, ist es im Grunde eine Nostalgie für eine Zukunft, die nie eingetreten ist."

Nicht nur Stile und Instrumentierung auf "Monumental" ändern sich innerhalb eines Songs. Bohdanova wechselt manchmal von Klargesang zum Schreien. Welches System steckt dahinter? "Um auf das Albumthema zurückzukommen: Nostalgie ist ein sehr bittersüßes Gefühl", antwortet Helle Bohdanova. "Einerseits kann es sehr erhebend sein - man hört vielleicht eine schöne Melodie und fühlt sich beschwingt, weil man an all die guten Tage denkt. Doch wenn einem bewusst wird, dass es sich nur um Erinnerungen handelt, die nicht wirklich zurückkehren, kann man in ein Stimmungstief fallen. Genau hier kann der Schrei seinen Ursprung haben, denn im Grunde ist es eine sehr niederschmetternde und deprimierende Erfahrung."

Ignea gastieren am 20. November im Weberknecht in Wien. Touren sei während des Krieges immer schwieriger geworden, erzählt die Sängerin. "Ich bin die einzige Frau in der Band, die Männer können jederzeit zum Militärdienst eingezogen werden. Für jede Tournee außerhalb unseres Landes benötigen wir eine Sondergenehmigung. Wann immer wir im Ausland unterwegs sind, sammeln wir Spenden und sprechen über den Krieg und die aktuelle Lage. Ich finde es sehr wichtig, dass die Leute von uns erfahren, was hier alles passiert - nicht aus den Nachrichten, sondern von Menschen, die in der Ukraine leben."

(Das Gespräch führte Wolfgang Hauptmann/APA)

(S E R V I C E - https://ignea.band )

KIEW (KYJIW) - UKRAINE: FOTO: APA/APA/Napalm Records/Lame Perfect/Lame Perfect

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