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Man lasse "die Triumphe und Tragödien der Stones, die wichtigsten Fakten, die besten Konzerte und die unvergesslichsten Bilder davon, wie sie das Publikum weltweit begeisterten, Revue passieren", verspricht der Autor in der Einleitung. Tatsächlich gelingt das alles mit "On Tour" gut, zumal Sexton auf ein riesiges Archiv zurückgreifen konnte und die Musiker selbst zu Wort kommen. Die Reise beginnt am 13. Juli 1963, als sich die Stones zum ersten Mal über die Londoner Stadtgrenzen hinauswagten und endet mit der "Hackney Diamonds Tour".
Die Geschichte(n) mit vielen Anekdoten und Fakten sind mit Konzertplakaten, Backstage- und vor allem Konzertfotografien, Tourpässen und Eintrittskarten illustriert. Man kann nachvollziehen, wie die Ausmaße der Tourneen und deren Bühnen immer größer wurden. Die Energie und Atmosphäre bei Stones-Gigs wird optisch vermittelt - ob ein Foto Sänger Mick Jagger im Sprung singend mit wehendem Haar zeigt (Madison Square Garden, 1975), die Musiker ungebremst im strömenden Regen (Cotton Bowl, Dallas, 1981) oder einen stoischen Charlie Watts an den Drums.
Enthalten ist auch das Plattencover des Livealbums der "No Security Tour", das zwei Personen aus Österreich im Publikum ziert. Hier hat Sexton bei der Beschriftung allerdings gepatzt: Das Bild wurde nicht - wie angegeben - in Wien 1999 aufgenommen, sondern 1998 beim Open-Air in Wiener Neustadt. Generell fasst der Rundfunkmoderator, Journalist und Autor die jeweiligen Karriereabschnitte übersichtlich, informativ und nicht ausufernd zusammen - das kann dennoch mehr in die Tiefe gehen, wenn er etwa beschreibt, wie viele Personen der jeweilige Tross umfasste und welche Instrumente zum Einsatz kamen.
Spannender sind naturgemäß die Rock-and-Roll-Episoden. Da sticht etwa die sagenumwobene "American Tour" von 1972, inoffiziell S.T.P. benannt - Stones Touring Party heraus. "Seitdem wird die Band mit Begriffen wie 'Dekadenz' und 'Ausschweifungen' assoziiert", lässt Sexton wissen. Dokumentiert sind Eckpunkte in der Laufbahn der Stones wie das Gratiskonzert im Londoner Hyde Park nach dem Tod von Bandmitbegründer Brian Jones (Jagger in wallender weißer Bluse) oder jener in Altamont, bei dem ein Besucher ermordet wurde (eine Luftaufnahme zeigt die enorme Besuchermenge ohne Sicherheitsabsperrungen, wie sie heute üblich sind).
"On Tour" ist auch ein Modekatalog. Die frühen Fotos zeigen die Stones in adretten uniformen Anzügen, ab den 70ern werden die Outfits bunter (vor allem in den 80ern). Gitarrist Keith Richards ist über alle Dekaden ein herrliches Motiv - ob backstage mit Spaniel "King Charles" (1971) oder lässig als personifizierter Mister Rock 'n' Roll auf der Bühne 1982. Eine der schönsten Aufnahmen geht am Ende der großformatigen Publikation über zwei Seiten und zeigt die Herren Jagger, Watts und die Gitarristen Richards und Ron Wood lachend backstage oder bei einer Fotosession - gealtert, aber immer noch spitzbübisch.
"On Tour" greift auf professionelles Material von namhaften Fotografen zurück und hebt sich so von vielen anderen Veröffentlichungen ab. Eingefleischte Fans werden wohl keine Neuigkeiten erfahren, bekommen aber ein Sammelsurium an tollen Bildern.
(Von Wolfgang Hauptmann/APA)
(S E R V I C E - Paul Sexton: "The Rolling Stones - On Tour", Prestel Verlag, 304 Seiten, 61,50 Euro)
Mick Jagger and Keith Richards of The Rolling Stones close up on stage at MSG, NYC. July 24, 1972. © Bob Gruen / www.bobgruen.com..Please contact Bob Gruen's studio to purchase a print or license this photo. email: websitemail01@aol.com phone: 212-691-0391
