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Mit "Der Nachtzug" bringt der Bestsellerautor am 21. Oktober seinen Jubiläumsthriller heraus, nachdem er vor 20 Jahren mit "Die Therapie" seinen ersten Thriller veröffentlicht hatte. Er versetzt die Geschichte rund um den Strafverteidiger Adrian Corvin in ratternde Waggons eines Luxuszuges.
Die Voraussetzung ist wie so oft bei Fitzek äußerst brutal: Corvins Frau Judith wird ermordet, sein fünfjähriger Sohn Emil entführt. Die Ermittlungen führen nach Prag. Hier wird Corvin von der geständigen Mörderin Blanka gegen seinen Willen mit einem Ticket für den "Royal Rail Express" bis Berlin überrascht, ein Zug mit Suiten, 24-Stunden-Restaurant und Panoramafenster. Blanka will einen perfiden Deal abschließen.
Corvin soll sie in einer Art theoretischem Rollenspiel verteidigen und sie bis zur Ankunft in Berlin überzeugen, dass sie trotz des Mordes an seiner Frau nicht die Todesstrafe verdient hat (hier spielt keine Rolle, dass es die Todesstrafe in Deutschland nicht gibt). Im Gegenzug will sie verraten, wo sich Emil befindet. Um seinen Sohn zu retten, lässt sich Corvin auf die Idee ein. Wie er es selbst einmal formuliert, beginnt eine "irrsinnige Schnitzeljagd des Todes". Er gerät in eine Spirale aus dunklen Erinnerungen aus seiner Vergangenheit und fängt an, seine Moral infrage zu stellen.
Dies sei auch die erste Idee für "Der Nachtzug" gewesen, sagt Fitzek der Deutschen Presse-Agentur. Einen Strafverteidiger mit seinen eigenen Prinzipien zu konfrontieren, "ob man auch den schlimmsten Täter auf dem Planeten, der die eigene Familie zerstört hat, verteidigen kann". Der Berliner hat Rechtswissenschaft studiert, das erste Staatsexamen absolviert und im Urheberrecht promoviert, bevor es ihn in die Literatur zog.
Der Rechtsstaat sei dazu da, einen Menschen vor sich selbst zu schützen, was auch das übergeordnete Thema des Thrillers sei, findet Fitzek. Würde er, wie seine Hauptfigur im Buch, seine Prinzipien außer Acht lassen, wenn seiner Familie etwas Schlimmes angetan werde? Corvin sei - wie er selbst - ein großer Gegner der Todesstrafe, sagt er. Die Argumente ähnelten sich, etwa, dass man diese Art von Strafe nicht mehr rückgängig machen könne.
"Ich glaube aber, dass das nur in der Theorie so logisch ist. Wenn man in der Praxis betroffen ist, gibt es, vermute ich, sehr wenig Menschen, die die innere Größe haben, beispielsweise dem Mörder des Kindes zu vergeben. Ich denke eher, dass die Mehrzahl - zu der zähle ich mich auch - in einer solchen Situation die eigenen Prinzipien über Bord werfen würde", sagt Fitzek. Deshalb sei ein Rechtsstaat wichtig, der verhindere, dass "aus einem persönlichen Schmerz ein weiteres Verbrechen wird".
Interessant im neuen Fitzek-Thriller ist dieses Mal die Dramaturgie. Denn schon am Anfang - statt am Ende - erfährt der Leser von einer Frau, die sich als die Mörderin vorstellt. "Der Nachtzug" liest sich in seinen knappen Kapiteln eher wie ein Rätsel, das nach und nach geknackt wird. Durch die vielen Verstrickungen und überraschenden Enthüllungen sollte man besonders aufmerksam lesen, um nicht den Faden zu verlieren.
Der Thriller fällt weniger blutig aus als der Herbst-Vorgänger "Der Nachbar", in dem der Täter perfide Gewaltfantasien auslebt. Er wurde nach Angaben von Media Control zum meistgelesenen gebundenen Buch 2025. Auch für den neuen Roman gilt: Als Leser kann man sich darauf einstellen, dass nichts so ist, wie es scheint.
Fitzek beschäftigt sich im "Nachtzug" auch mit anderen Themen, etwa mit Gewalt gegen Frauen. In der Danksagung schreibt er, es sei kaum möglich, einen realistischen Thriller zu schreiben, ohne auf diese Gewaltproblematik einzugehen, weil sie leider traurige Realität sei. Egal, wo man hinschaue, sagt der Autor im Gespräch, "es muss sehr, sehr viel mehr getan werden". Gerade am Anfangspunkt werde seines Erachtens fast gar nicht getan, etwa beim Stichwort häusliche Gewalt.
Ähnlich wie es Präventionsprogramme für Menschen mit Pädophilie gebe, müsse es solche Programme auch mehr für Männer mit Gewalttendenz geben, oder es müsse genau auf die ersten Anzeichen geschaut werden, findet Fitzek. "Ich will sie nicht entschuldigen, ich muss aber verstehen, warum sie es machen. Da muss angesetzt werden: Wie kann ich überhaupt verhindern, dass jemand zum Täter wird?" Das passiere aber immer erst, wenn es eigentlich zu spät sei.
Daher brauche es mehr Frauenhäuser, mehr sichere Zonen und Aufklärung, was Männer etwa allein durch ihr Verhalten im Alltag tun könnten, sagt er. "Ich fühle mich immer unwohl, wenn ich in einen Fahrstuhl steige und da steht nur eine Frau allein. Ich kann die Ängste gut verstehen. Wenn ich nachts irgendwo auf einer Straße entlanglaufe und mir kommt eine Frau ohne Begleitung entgegen, wechsle ich die Straßenseite. Nicht, weil ich Angst habe, sondern weil das Mikrosachen sind, die man machen kann." Dies sei ein wichtiger Teil der Aufklärung, die auch in der Schule bei jungen Männern stattfinden müsse.
(Von Sabrina Szameitat/dpa)
(S E R V I C E - Sebastian Fitzek: "Der Nachtzug", Droemer, 352 Seiten, 26,70 Euro, erscheint am 21. Oktober)
