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"Liebhaberinnen": Der Versuch einer Jelinek-Aktualisierung

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Moderne Jelinek-Romanadaption zur Ökonomie der Liebe
©Coin Film, Jakob Berger, APA
Mit ihrem 1975 erschienenen Roman "Die Liebhaberinnen" hat die damals 29-jährige Elfriede Jelinek ihren Ruf als literarisch wie gesellschaftspolitisch radikale Autorin gefestigt. "Es ist die Geschichte von zwei Mädchen aus einem Milieu, in dem der Entscheidungsfreiheit dauernd unsichtbare Grenzen gesetzt sind", hieß es damals über den von zwei jungen Frauen aufgenommenen "Konkurrenzkampf auf Leben und Besserleben". Am 22. Oktober kommt eine Verfilmung in die Kinos.

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Die unter dem Künstlernamen Koxi arbeitende luxemburgische Komponistin und Filmemacherin Caroline Kox hat in ihrem ersten Spielfilm den Versuch unternommen, die über 50 Jahre alte Geschichte ins Heute zu transponieren. Die Adaption nach einem Drehbuch von Koxi und Antonio De Luca feierte im Februar im Berlinale-Forum ihre Weltpremiere.

Im Original arbeitet die Hauptfigur Brigitte in einer steirischen Miederwarenfabrik und näht Büstenhalter im Akkord. In der Verfilmung spielt Johanna Wokalek nun eine Messehostess, die mit ihren Kolleginnen in knappem Outfit Interessenten für luxuriöse Minibunker zu interessieren versucht und dabei auch Anzüglichkeiten der Kundschaft auszuhalten hat. Da sie ihre eigene Wohnung untervermieten muss, um finanziell über die Runden zu kommen, benützt sie den Bunker oder die Garderobe ihres 24/7-Fitnessklubs als Schlafmöglichkeit - prekäre Lebensumstände, die nicht lange gut gehen können. Deswegen entschließt sie sich, den unbeholfenen Werbungen des wohlhabenden Muttersöhnchens Heinz (Ben Münchow) nachzugeben.

Wie sehr Brigitte alles auf eine Karte setzt und den Mann mit ihren forcierten Liebesbekundungen überrumpelt, ist tragikomisch und unglaubwürdig zugleich. Das Missverhältnis zwischen der selbstbewusst agierenden Frau, die das liebende und sich nach Geborgenheit und Mutterglück sehnende Weibchen spielt, ohne dass der hilflos wirkende Partner sich verarscht fühlt, ist eklatant. Wie sehr das intendiert wird, um die Absurdität und Lächerlichkeit dieses von den ökonomischen Umständen erzwungenen Einsatzes von Gefühlen bloßzustellen, ist ebenso fraglich wie die auch noch heute bestehende Gültigkeit dieser Konstruktion von Geschlechterabhängigkeit.

Deutlich besser getroffen scheint die Transponierung der zweiten der beiden "Liebhaberinnen" in die Gegenwart: Die junge Paula (Hannah Schiller) ist mit ihren Followern und damit auch mit Brigitte über ihren Social-Media-Kanal verbunden, auf dem sie die Wünsche ihrer Kundschaft bedient, die von Zuwendung über Fetischismus bis zur angedeuteten Pornografie reichen. Koxi bedient sich dort auch immer wieder des Smartphone-Bildformats und schafft dabei eine zwar fremd, aber doch nachvollziehbar wirkende Welt der Selbstauslieferung.

Was diese filmische Neuinterpretation von "Die Liebhaberinnen" letztlich zeigt, ist weniger die weiterwirkende Gültigkeit der von Jelinek beschriebenen Mechanismen von Macht, Markt und Gender als die Erkenntnis, wie weit die Autorin ihrer Zeit voraus war. Dass Elfriede Jelinek ihre Themen nicht, die ästhetische Herangehensweise bei ihrer Behandlung aber radikal geändert hat, kommt wohl nicht von ungefähr.

(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)

BERLIN - DEUTSCHLAND: FOTO: APA/APA/COIN Film/Jakob Berger

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