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Dass Sascha eines Abends nicht nach Hause kommt, beunruhigt Mila kaum. Auch als er tagelang verschwunden bleibt und von seiner Firma verdächtigt wird, Geld veruntreut zu haben, bleibt Mila erstaunlich ruhig. Sie stößt immer wieder auf Hinweise, dass Sascha eigentlich gar nicht weg sein kann, und führt die Polizei an die richtigen Orte für ihre Ermittlungen. Für den Staatsanwalt rückt sie damit in den Kreis der Verdächtigen. Mila folgt aber unbeirrt ihrem Bauchgefühl, den Hinweisen, die sie sieht, und entwirrt so die Geschichte auf ungewöhnliche Weise.
Die Idee für das Buch entstand nach einer prägenden Begegnung, die Suter im Frühjahr 2025 mit dem Quantenphysiker Federico Faggin hatte. Er gilt als Erfinder des Mikrochips und Touchpads, befasst sich aber seit langem mit der Erforschung des menschlichen Bewusstseins. Eine seiner Erkenntnisse: Wenn der Körper stirbt, ist dies nicht das Ende des Bewusstseins.
"Seine Theorie hat mich von da an sehr beschäftigt, und dann musste ich dringend ein Buch darüber schreiben", sagt Suter. Es sei nur so viel verraten, wie der Diogenes-Verlag selbst über das Buch preisgibt: "Milas Suche nach Sascha führt sie in die verwirrenden Sphären des Bewusstseins, wo sich die Grenzen zwischen Schein und Sein verwischen." Auch der Titel des Romans, "Ein und Alles", ist doppelbödig.
Suters Frau Margrith ist 2023 gestorben, aber der Autor sagt immer noch, sie sei bei seinen neuen Werken seine erste Leserin. "Wir waren fast 50 Jahre zusammen und da wird der Unterschied zwischen du und ich immer kleiner", sagt er. "Ich kann an keine Geschichte oder Wendung denken, ohne dass ich auch im Unterbewussten weiß, wie sie darüber gedacht hätte. Deshalb sage ich: Sie liest da mit."
Suter hat öfter Themen aufgegriffen, die dem Zeitgeist vorauseilten, etwa in "Small World" (1997), als es um die Alzheimer-Krankheit ging, oder "Elefant" (2017) mit dem Thema Genmanipulation. Sendungsbewusstsein ist dem Autor allerdings suspekt. "Ich sage gerne, mein Buch fängt auf der ersten Seite an und hört auf der letzten auf. Ich habe keine Botschaft, aber wenn es trotzdem nachwirkt, habe ich natürlich gar nichts dagegen."
Ab 2. November ist Suter mit "Ein und Alles" auf Lesereise, nach München, Berlin und anderen Städten kommt er am 30. Jänner auch in den Mozartsaal des Wiener Konzerthauses. Es lesen Mavie Hörbiger und Dirk Stermann. "Es ist mehr eine Inszenierung als eine Lesung", sagt Suter. "Ich habe den Text dafür dramatisiert, damit es ein bisschen spannend wird."
Der ehemalige Werbetexter hat spät mit dem Bücherschreiben angefangen, seitdem aber durchschlagenden Erfolg. Seine mehr als 20 Bücher sind nach Verlagsangaben mehr als zehn Millionen mal verkauft und in mehr als 30 Sprachen übersetzt worden. Die Ideen reißen nicht ab, sagt Suter. Jetzt sei zuerst das achte Buch aus der Krimi-Reihe "Allmen" dran, aber er denke schon an den nächsten Roman. "Ich kann gar nichts dagegen tun. Es denkt von selbst. Es wird wieder eine Liebesgeschichte."
(S E R V I C E - Martin Suter: "Ein und Alles", Diogenes Verlag, 304 Seiten, 26,70 Euro, erscheint am 21. Oktober)
