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Bei der Berlinale, wo dieses Jahr ein Dokumentarfilm über seine Band ("The Ballad of Judas Priest") Premiere feierte, sagte Halford der Deutschen Presse-Agentur: "Manche Dinge - Plattenverträge oder genug Geld aufzutreiben, um Benzin in den Van zu füllen - haben sich eigentlich nicht geändert. Aber ich glaube, die Chancen sind heute flüchtiger als damals, als wir angefangen haben." Früher habe man als Nachwuchsmusiker mehr Zeit gehabt, erinnert sich der 74-Jährige, dessen Heavy-Metal-Band nach jahrelangen Startschwierigkeiten inzwischen seit rund 50 Jahren im Geschäft ist.
"Man musste damals nicht sofort von A nach B kommen. Man wurde aufgebaut. Die Labels haben dich entwickelt. Heute heißt es: Wenn du die Zahlen nicht bringst, Danke und Auf Wiedersehen - und zwar so zügig, dass die Tür dich bitte beim Rausgehen nicht am Hintern trifft!" Trotzdem rät der Metal-Veteran jungen Musikern heute, nicht zu kleine Brötchen zu backen, sondern ruhig ehrgeizige Träume zu haben: "Es ist unglaublich wichtig zu träumen. Und zum Beispiel daran zu glauben, einmal Wacken headlinen zu können. Das Größte als Musiker ist doch, wenn deine Kunst möglichst viele Menschen erreicht."
Er kenne selbst viele Musiker, die gerade in Garagen spielen und auf den Plattenvertrag oder den großen Festivalauftritt hoffen würden. "Das ist dieser unkontrollierbare Drang als Musiker. Man kann ihn nicht abschalten. Dieses Verlangen, dieser Hunger nach Erfolg - das hält die Motivation und den Traum am Leben."
Und wie sieht der Musikveteran die Social-Media-Welt von heute? "Die Art und Weise, wie Menschen Kunst konsumieren, wie sie Musik konsumieren - das hat sich stark verändert. Ich bin sehr dankbar, dass die Metal-Welt davon ein Stück weit entfernt ist". Allerdings kommentiert Rob Halford durchaus die aktuellen digitalen Debatten. Zum Beispiel sieht er mögliche Social-Media-Verbote für Jugendliche eher zwiespältig. Da werde vielleicht auch manche Begründung vorgeschoben, wie es einst auch beim Heavy Metal passiert sei.
"Ich erinnere mich, dass Kritiker des Heavy Metals früher scheinbar aus Elternsicht dachten: 'Wir tun das für die Kinder.' Aber eigentlich taten sie es für sich selbst. Aber nur weil man etwas nicht versteht, sollte man es nicht unterdrücken."
Halford, der mit Judas Priest im Sommer auch wieder Tourkonzerte in Deutschland plant, findet es entscheidend, Jugendlichen ihren Freiraum zu geben. "Menschen Chancen zu verweigern, insbesondere in ihren prägenden Jahren, halte ich nicht für richtig. Kinder sollten die Möglichkeit haben, zu wachsen. Natürlich braucht es auch Unterstützung und Sicherheitsregeln. Aber es ist dabei ein sehr, sehr schmaler Grat, nicht bei Zensur zu landen."






