ABO

Iron-Maiden-Drummer McBrain stieg Ruhm zu Kopf

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
3 min
Nicko McBrain trommelte seit 1982 bei Iron Maiden
©Afp, Henry NICHOLLS, APA
Drummer Nicko McBrain denkt mit Schrecken daran zurück, wie ihn Iron-Maiden-Manager Rod Smallwood 1984 im Tourbus zur Rede stellte. "Ich war ein Arschloch", sagt der Schlagzeuger der dpa in London und lacht. Der Ruhm sei ihm damals zu Kopf gestiegen, ohne dass er es selbst bemerkt habe. Am 28. Oktober erscheint seine Autobiografie "Hello Boys and Girls!" auf Deutsch.

von

News auf Google bevorzugen

Auf der gigantischen "Powerslave"-Tour von Iron Maiden knöpfte sich Smallwood den Drummer vor. "Er sagte: Die Burschen haben mich gebeten, mal mit dir zu reden. Wenn du dich nicht zusammenreißt, wollen sie nicht mehr mit dir arbeiten", erzählt der 74-Jährige. "Ich war zu einem Ungeheuer geworden."

Wie im Fußball gebe es bei Iron Maiden zwei Gelbe Karten, bevor man fliegt. McBrain riss sich zusammen - und seine Gelbe Karte wurde, wie er sagt, zerrissen. "Ich mochte dieses Verhalten selbst überhaupt nicht."

Mit viel Selbstironie erzählt der Musiker im Buch von 42 Jahren bei Iron Maiden und spart auch die unangenehmen Momente nicht aus. Begonnen hatte er die Biografie schon 2012, kam dann aber nicht weiter und zahlte sogar einen Vorschuss zurück. Erst nach seinem Abschied von der Band stellte er es fertig.

McBrain erzählt, wie er mehrfach kurz davor war, die Gruppe zu verlassen. 1983 geriet er mit Sänger Bruce Dickinson aneinander. Als der Streit eskalierte, habe Dickinson ihm in die Magengrube geschlagen. "Mir blieb die Luft weg", sagt McBrain. "Ich hatte fest vor, mich mit ihm zu prügeln und dann zu gehen."

Doch Dickinson entschuldigte sich sofort. Der Streit war zufällig mitgeschnitten worden - und die Band hatte so viel Humor, dass sie die Aufnahme auf der B-Seite der Single "2 Minutes to Midnight" veröffentlichte. "Das zeigt unsere Einstellung", sagt McBrain. "Wir nehmen die Musik ernst, aber nicht uns selbst."

Als Dickinson die Band 1993 verließ, kam es erneut zum Bruch. Der Drummer nahm es ihm übel. Bei Dickinsons Rückkehr 1999 half McBrain sein christlicher Glaube. "Für mich galt: Man muss vergeben und vergessen, die andere Wange hinhalten und seine Feinde lieben." In einem Pub räumten die beiden alles aus.

Seine letzte Show mit Iron Maiden spielte McBrain im Dezember 2024 in São Paulo. Fast zwei Jahre zuvor hatte er einen Schlaganfall erlitten. "Die Arme und Handgelenke funktionieren, aber aus irgendeinem Grund bekomme ich die Geschwindigkeit nicht mehr in die Finger", sagt er. Schnelle Passagen wie den Anfang des Maiden-Klassikers "Murders in the Rue Morgue" habe er nicht mehr spielen können. "Das war zu ungefähr 80 Prozent der Grund, warum ich aufgehört habe."

(S E R V I C E - Nicko McBrain: "Hello Boys and Girls!", übersetzt von Henning Dedekind, Friedrich Pflüger und Maria Zettner, Heyne Verlag, 352 Seiten, 25,50 Euro)

Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER