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In Art Spiegelmans ikonischer Graphic Novel "Maus" wurden die Deutschen als Katzen und die Polen als Schweine gezeichnet. Bei Kadletz und Poll sind die unangepassten Jugendlichen Menschen mit aparten Katzenohren, HJ, Gestapo und Lageraufseher werden dagegen als wurstartige Gestalten dargestellt, die mit grotesk verzerrten Gesichtern so aussehen, als würden sie rosa Strumpfmasken tragen.
Deutlich liebevoller sind die Protagonisten der Geschichte gezeichnet, die sich in der beschriebenen Form zwar so nicht ereignet hat, aber die Ahnung einer Gegenkultur gibt, die mit allen Mitteln unterdrückt wurde. Jazz ist 1942 als entartete Musik behördlich verboten, ein Auftritt der Vibrafonistin Vera Auer (1919-1996) wird bei einer Razzia dem Jazzfan Ernstl zum Verhängnis. Während die Freunde rechtzeitig fliehen können, wird er verhaftet und in das Arbeitserziehungslager Oberlanzendorf gebracht. Doch die Freunde lassen ihn nicht hängen - und befreien ihn in einer wilden Aktion, bei der sie die örtliche Trachtenkapelle verstärken, und die Bewacher am Ende eines Fests kollektiv ihren Rausch ausschlafen.
Ernstl ist niemand anderer als Ernst Jandl, und zu den mutigen Freunden zählen Erni Mangold und Helmut Qualtinger. Diese drei "waren einst loser Teil dieser Szene und dienten mir als Inspiration für die Charaktere", schreibt Kadletz. "Die Historiker:innen unter den Lesenden mögen uns dies verzeihen." Die Autorin hebt aber auch hervor, dass autoritäre Regime noch immer gegen Jugendkulturen repressiv vorgehen. "Denn, frei nach dem legendären Coco Schumann: Wer den Swing in sich hat, kann nicht mehr im Gleichschritt marschieren."
(Von Wolfgang Huber-Lang/APA)
(S E R V I C E - Barbara Kadletz: "Schlurfkatzen. Als der Jazz die Nazis besiegte", illustriert von Jorghi Poll, Edition Atelier, 56 Seiten, 25 Euro, Termine: Freitag, 8.5., 19 Uhr: Buchcafé Melange, 15., Mariahilfer Straße 215; Dienstag, 19.5., 18.30 Uhr: Bücherei Neues Landgut, 10., Laxenburger Straße 4/1A)
WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Edition Atelier






