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"Cool Machine": Verbrechen in einer Stadt im Wandel

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Whitehead erhielt von Biden die National Humanities Medal
©Afp, APA, SAUL LOEB
Wenn einem Roman, in dem Raub und Mord ebenso eine intensive Rolle spielen wie der Schauplatz New York, der Satz "Einen guten Beistelltisch zu finden ist schwerer, als sich zu verlieben" vorangestellt wurde, kann es nur ein außergewöhnlicher sein. Da der Autor Colson Whitehead heißt, darf man außerdem von stilistischer und inhaltlicher Qualität ausgehen. "Cool Machine" erfüllt diese Erwartungen alle.

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Das neue Buch des zweifachen Pulitzerpreisträgers stellt den Abschluss einer Harlem-Trilogie dar und setzt die Geschichte des Möbelhändlers und Gelegenheitshehlers Ray Carney fort. Man findet sich mühelos zurecht, auch wenn man die Vorgänger "Harlem Shuffle" (2021) und "Die Regeln des Spiels" (2023) nicht gelesen hat. Mit entsprechendem Vorwissen bereiten diverse Querverweise und kulturelle Anspielungen aber zusätzliches Vergnügen. Wieder ist der Roman in drei Teile mit jeweils abgeschlossener Handlung gegliedert, die zusammen ein Gesamtbild ergeben.

Nach den 50er-, 60er- und 70er-Jahren führt Whitehead nun ins New York der 80er. Die Stadt hat sich ebenso gewandelt wie ihre Einwohner. Yuppies haben sich in schicken Lokalen breitgemacht, wo vormals in düsteren Spelunken Gauner ihre Verbrechen besprachen. Rudi Giuliani setzt als damaliger Staatsanwalt der Mafia zu. Heruntergekommene Viertel werden gentrifiziert und Wohnungen für Besserverdiener geschaffen. Die Obdachlosigkeit steigt. New Wave und Rap hat Soul und Blues als Soundtrack verdrängt.

Carney hat sich von seinem kriminellen Nebenerwerb längst zurückgezogen, sein Möbelgeschäft floriert, nicht ohne Grund wurde er gerade von einer Fachzeitschrift zum Händler des Monats gekürt. Da überredet ihn 1981 ein alter Meisterdieb, bei seinem letzten Coup mitzumachen. Teil 1 wartet mit einem höchst spannenden Rififi-Diebstahl auf (eigentlich mit zwei). So ganz nebenbei, aber mit Nachhall geht es (wie im gesamten Buch) um Rassismus und um innere Werte, Moral, Familie, Lebenseinstellungen und das Sich-Zurechtfinden in einer veränderten Welt.

Im Mittelteil übernimmt Carneys Freund Pepper bei der Jagd nach einer afrikanischen Maske und einem gestohlenen Batzen Geld die Hauptrolle. Die wilde, rasante und blutige Krimihandlung unterlegt Whitehead mit dem Thema Raubkunst und Restitution, den dritten Teil dann mit dem der Korruption bis in höchste politische Kreise. Carney hilft dabei seinem Neffen aus einer gefährlichen Lage. In allen Kapiteln ist New York mehr als nur Kulisse. "Cool Machine" porträtiert die Metropole aus der Sicht jener, die nicht zur weißen Obrigkeit gehören, oft die Verlierer des Wandels.

Der in Manhattan aufgewachsene Schriftsteller hat die wunderbare Gabe, scharfe Sozialkritik in Unterhaltsames zu verpacken und ihr so mehr Reichweite zu verschaffen. Die Handlungen in "Cool Machine" sind originell, die einzelnen Abschnitte Pageturner, die Sätze sitzen. Whitehead ist ein wunderbarer Erzähler, der historisch Akkurates gekonnt mit Fiction verbindet. Seine Palette an exzentrischen Protagonisten - ob schräge Kleinkriminelle, Möbelverkäufer mit Doppelleben oder melancholische Killer - haben Tiefe. Hinter der Fassade eines Krimis verbirgt sich schonungsloser Realismus.

(Von Wolfgang Hauptmann/APA)

(S E R V I C E - Colson Whitehead: "Cool Machine", aus dem Englischen von Nikolaus Stingl, Hanser Verlag, 448 Seiten, 28,50 Euro)

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