20 ruhmreiche Ikonen des österreichischen Aromas. Vielleicht nicht so schillernd wie Sachertorte oder Wiener Schnitzel, dafür im heimischen Alltag omnipräsent.
Wenn man fragt, wie und wonach Österreich schmeckt, lautet die erste Antwort wahrscheinlich „nach Schnitzel“. Gefolgt von Sachertorte, Mozartkugel, Marillenknödel, Tafelspitz, Kaiserschmarren und Zwiebelrostbraten. Eh, diese Antwort würde auch jedem Tourismusmanager einfallen, denn darauf sind wir stolz, das sind Gerichte, die man in der ganzen Welt kennt, die Besucher aus der ganzen Welt in Österreich als erste bestellen.
Und damit fallen sie in dieser Liste auch schon wieder aus dem Sortiment. Denn hier sind wir auf der Suche nach jenen Spezialitäten, die für uns Österreicherinnen und Österreicher so alltäglich sind, dass sie uns gar nicht mehr auffallen. Die aber trotzdem besonders sind, weil sie entweder hier erfunden wurden, nur hier so zubereitet werden, nur hier bekannt sind oder eben nur hier genau so schmecken wie sie schmecken. Zum Beispiel diese hier, alphabetisch gereiht, nicht nach dem Platz, den sie in unserem Herzen haben:
1. Almdudler
Ein Kracherl, das nach Kräutern schmeckt, auf diese Idee muss man erst einmal kommen. So wie der Wiener Erwin Klein in den 1950er-Jahren. Die Bekanntheit der Marke Almdudler liegt in Österreich übrigens bei 99,9 Prozent.
2. Backerbsen
Ja, sie sind „retro“, dennoch liebt sie jedes Kind und jeder, der einmal ein österreichisches Kind war. Erfunden wurden die knusprigen Kugerln wohl nicht in Österreich, allerdings spricht Einiges dafür, dass der Vorarlberger Rudolf Ölz 1953 der erste war, der diese Suppeneinlage abgepackt angeboten hat.
3. Erdäpfelsalat
Ja, Erdäpfelsalat gibt es auf der ganzen Welt. Erfunden wurde er aber offenbar von Caspar Pautz, dem Abt des Stifts Seitenstetten im Jahr 1621, der in seinem Werk Nova Typis Navigatio festhält, „nimm dieses Papas, sauber und vorgekocht, schneide sie in Scheiben, füge Öl, Essig, Pfeffer, Salz oder auch Zucker hinzu und genieße“. Kann man stehen lassen. Abgesehen davon, ist der Erdäpfelsalat bis heute die einzig legitime Begleitung zum Wiener Schnitzel.
4. Eckerlkäse
Die Österreicher waren lange Zeit keine besonderen Käse-Esser, und das trotz saftiger Wiesen und malerischer Almen. Dieser Käse-Skepsis kam die Schweizer Erfindung des „Schmelzkäse“ Anfang des 20. Jahrhunderts sehr entgegen, in Österreich begann Josef Rupp Mitte der 1920er mit der Herstellung seines „Enzian“-Eckerlkäses. Den man auf keiner Gourmet-Käseplatte finden wird, in unseren Kühlschränken aber sehr wohl.
5. Extrawurst
Ähnliche Würste gibt es in Europa viele, allerdings ist die geschmeidige Brühwurst in Zartrosa nirgendwo so beliebt wie in Österreich: Jährlich werden knapp 10.000 Tonnen davon gegessen, damit ist die Extra unangefochten die liebste Aufschnitt-Wurst im Land.
6. Gabelbissen
Einer dieser Snacks, von dem man gar nicht glauben würde, dass es ihn überhaupt noch gibt – doch siehe da: Das Kühlregal im Supermarkt wird täglich frisch gefüllt. Hering in Aspik und Ähnliches sind in ganz Nordeuropa zu finden, ein Pappendeckel-Schüsserl mit Mayonnaise, darauf ein Stück Hering, Schinken oder Ei, überzogen mit Aspik, das gibt es allerdings nur in Österreich. Und zwar seit 1930, mehr retro geht kaum, die Beliebtheit ist aber nach wie vor ungebrochen.
7. Grießnockerln
Die Königin der Wiener Suppeneinlagen und quasi die Einzige von ihnen, die es so tatsächlich nur in Österreich gibt. Das fragile, sich im Querschnitt als Dreieck mit bogenförmig-konvexen Flanken (Reuleaux-Dreieck) erweisende Nockerl herzustellen, ist eine Kunst.
8. Liptauer
Ja, Liptau liegt nicht in Österreich, und die wesentlichen Zutaten dieses legendären Aufstrichs Brimsen und Paprika stammen jeweils aus der Slowakei und Ungarn. Egal, denn beim Heurigen erlangte der Liptauer den Status der kulinarischen Hochkultur, zubereitet nach lange überlieferten Geheimrezepturen.
9. Marillenmarmelade
Im Krapfen, in der Buchtel, in der Sachertorte und natürlich in der Palatschinke – die orangefarbene Marmelade mit der idealerweise fruchtigen Säure ist der österreichische Fruchtaufstrich schlechthin.
10. Topfengolatsche
Ein typisch österreichisches Paradoxon: Golatschen oder Kolatschen gibt es in ganz Osteuropa, es handelt sich dort um die verschiedensten Formen von runden Kuchen, denn im Altslawischen bedeutet das Wort „kolo“ nichts anderes als Rad. Wenn das kein Grund für uns Österreicher wäre, daraus eine viereckige Herrlichkeit aus Germ- oder Plunderteig zu machen, gefüllt mit flaumig-cremiger Topfenfülle, dann wissen wir auch nicht …
11. Grüner Veltliner
Österreichs National-Rebsorte. Bekannt ist die wahrscheinlich irgendwo östlich von Wien entstandene Rebsorte seit dem 16. Jahrhundert, setzte sich im 19. Jahrhundert durch, wurde nach dem zweiten Weltkrieg zur Basis des heimischen Weinbaus: Etwa ein Drittel der heimischen Rebfläche ist mit Veltliner bestockt (14.300 Hektar), es gibt ihn auch in Tschechien, der Slowakei und Ungarn, aber in weitaus geringerem Maß.
12. Estragon- und Kremser Senf
Österreicher sind wirklich stark im Senf-Konsum, knapp ein Kilo pro Kopf und Jahr. Interessant dabei vor allem, dass der österreichische Lieblingssenf der „Estragonsenf“ alias „Scharfer“ ist, der allerdings kaum nach Estragon schmeckt noch sich besonders scharf zeigt.
Anders als der zweite Favorit, der „Kremser“ alias „Süßer“, der tatsächlich süß ist und im Jahr 1819 von den Brüdern Hietzgern in Krems erfunden wurde: Damals stammte die Süße allerdings von Traubenmost, heute von Zucker.
13. Hesperiden-Essig
Was sind eigentlich Hesperiden? Nymphen aus der griechischen Mythologie, die den Apfelhain der Göttin Hera bewachen, und nein, aus denen wird kein Essig gemacht. Aber seit 1927 aromatisiert Mautner Markhof in Simmering einen Weingeist-Weinessig mit Apfelsaftkonzentrat und nennt ihn daher nach den Hesperiden. Es ist der Austro-Essig schlechthin und immer noch die beste Wahl für den Erdäpfelsalat.
14. Käsekrainer
Ob die Käsekrainer in den 1970ern in Oberösterreich oder der Steiermark erfunden wurde, darüber herrscht Unklarheit. Die slowenische Krainer (seit 2012 mit geschützter geografischer Angabe) spräche für die Steiermark, die Tradition der Käsewurst für Oberösterreich. Wie auch immer, erst in Wien kam man in den 1980ern auf die Idee, die bis dahin gesottene Käsekrainer zu grillen – ein Welterfolg.
15. Kaisersemmel
Weißbrotweckerln gibt es auf der ganzen Welt, aber nur eine ist die Kaisersemmel. Über ihren Ursprung gibt es zahlreiche Erklärungen, eine (vielleicht von Joseph Wechsberg erfundene) besagt, dass ein Wiener Bäckermeister namens Kayser 1730 durch das fünfmalige Einschlagen den Krustenanteil erheblich erhöhte. Was es zwar unmöglich macht, sie gerecht in zwei Hälften zu teilen, aber dafür rescher macht als jedes Konkurrenz-Weckerl.
16. Manner Schnitten
Jeder kennt sie, jeder liebt sie. Kein Wunder, die Manner Schnitten gibt es immerhin auch schon seit 1898 in nahezu gleicher Rezeptur, die Post brachte 2008 eine Manner-Briefmarke heraus, Manner Schnitten erhielten eine Produktplatzierung in der US-Serie „Friends“ und auch bei Terminator 3 liegen sie prominent im Bildhintergrund.
17. Pferdeleberkäse
Leberkäse ist das eine, Pferdeleberkäse das Spezielle. Von der einst vielfältigen Produktrange der österreichischen Pferdefleischhauer, Wienerisch auch „Gigerer“ genannt (von denen nur wenige übrig geblieben sind), hat neben Pferdedürre, Gulasch und Hartwürsten vor allem der Leberkäse überlebt. Etwas grober, dunkler und aromatischer ist er des Kenners Wahl. Und eine ostösterreichische Besonderheit.
18. Kornspitz
Gibt es den Kornspitz, dieses dunkle, schrotund kleiehältige Langweckerl eigentlich immer schon? Nein, erst seit 2014, da wurde es vom oberösterreichischen Backmittel-Hersteller Backaldrin erfunden und auch patentiert. Allerdings war der Kornspitz dann so erfolgreich, dass das Wiener Oberlandesgericht 2015 feststellte, dass es sich bei dem Weckerl mittlerweile um kein markenrechtlich zu schützendes Produkt mehr handelte, sondern um einen allgemein üblichen Gattungsbegriff.
19. Soletti
Andere haben Brezel, wir haben Soletti: Der Legende nach 1949 vom steirischen Bäcker Josef Zach erfunden, weil das Formen der Brezel zu viel Aufwand war und er die Teigrohlinge daher langgestreckt in den Ofen schob. Das Laugen-Salzgebäck wurde zur österreichischen Snack-Ikone, die bei keinem Familienfest fehlen durfte, nicht zuletzt, weil sie ein perfekter Träger für den Liptauer ist (siehe oben).
20. Vanillekipferl
Das Weihnachtskekserl unter den Weihnachtskekserln. Angeblich 1683 nach dem Sieg über die Türken in Wien erstmals gebacken verbreitete sich das mürb-bröselige Kipferl im gesamten damaligen Österreich-Ungarn. Vanillekipferl dürfen in Österreich in keinem adventlichen Haushalt fehlen, auch nicht bei Diabetikern. Jeder und jede macht sie ein bisschen anders, wobei wir natürlich wissen: Am besten waren die von der Oma.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 43/2026 erschienen.
