Der Algorithmus weiß, was uns schmeckt. Und er zeigt uns die, die es zubereiten. Ist das eine Stärkung des persönlichen Geschmacks oder nur dessen Manipulation? Wir fragen die österreichische Foodblog-Pionierin Alexandra Palla.
Sie waren von Anfang an dabei, schon zu www-Zeiten, dann Facebook, dann Instagram. Haben sich die Foodblogs, die „Contents“ mit den Kanälen verändert und wenn ja, wie?
Ja, und zwar radikal. Als ich 2010 meinen ersten Foodblog startete, war die Szene klein, gerade mal 40 Blogs in Österreich. Foodblogs waren digitale Tagebücher, Rezepte, Geschichten, ein Blick in die private Küche. Mit Instagram und TikTok hat sich alles verändert, heute sind die Food-Contents nicht mehr Blog-, sondern Plattform-getrieben. Reels, Kurzvideos und visuelles Storytelling dominieren. Die Menschen wollen schnelle Inspiration, starke Persönlichkeiten und ein Gefühl von Nähe. Insgesamt ist alles schneller und professioneller und weitaus internationaler geworden – aber auch vielfältiger als je zuvor.
Vor 20 Jahren ging’s in fast allen Foodblogs auf der ganzen Welt primär um Brownies und Banana Bread. Was sind heute die Renner? Was schauen sich die Menschen am liebsten an?
Heute funktionieren die Extreme: Entweder ultra-einfach oder ultra-spektakulär. Die Renner sind „Cooking Hacks“, Rituale, die sich mit hypnotischem Effekt inszenieren lassen, oder Step-by-step-Anleitungen. Die Menschen wollen entweder Erleichterung im Alltag, visuelle Inspiration und vor allem schnelle Unterhaltung.
Manche der Contents sind extrem aufwendig produziert – wie finanziert sich so etwas? Oder anders gefragt: Ab wann verdient man als Influencer Geld?
Die Geschäftsmodelle sind kreativ und zu 90 Prozent Mischformen mit zum Beispiel Verfassen von Kochbüchern, Kochkursen, Newsletter mit Bezahlschranke, Kooperationen mit Marken. Es ist ein engagiertes Geschäft, aber kein Rezept, um reich zu werden. Die meisten Creators verdienen erst Geld, wenn sie sich eine loyale Community aufgebaut haben – das kann schnell gehen oder Jahre dauern.
Heute funktionieren die Extreme: Entweder ultra-einfach oder ultra-spektakulär.
Das Netz ist international, die Algorithmen auch – wird unser Geschmack zukünftig von denen geprägt, die uns am geschicktesten manipulieren?
Ein Stück weit passiert das schon. Algorithmen entscheiden, welche Ästhetik sichtbar wird, und das beeinflusst Trends und Geschmäcker. Viral ist, was wir vielleicht für „typisch“ halten, auch wenn es nur ein algorithmisch verstärkter Moment ist – die Dubai-Schokolade ist da ein gutes Beispiel. Trotzdem bleibt Geschmack zutiefst kulturell verwurzelt, unsere regionalen Traditionen prägen uns stärker als jeder Algorithmus. Social Media kann verstärken, uns aber nicht umformen.
KI schreibt mittlerweile Songs, dreht Filme und schreibt Speisekarten. Werden die erfolgreichsten Food-Influencer bald künstlich generiert sein?
KI wird tatsächlich viel übernehmen, Schnitt, Ideenfindung, es wird KI-Avatare geben, die Food-Entertainment produzieren. Aber die erfolgreichsten Food-Influencer werden weiterhin Menschen sein. Essen ist zutiefst emotional, man folgt nicht nur einem Rezept, sondern einem Menschen. Ich zum Beispiel folge sehr gerne der Stefanie Herkner und ihrer Knödel-Küche. Keine KI kann eine Persönlichkeit wie die Steffi kreieren, so muss man geboren sein …

Steckbrief
Alexandra Palla
Alexandra „Xandi“ Palla war nicht nur eine der Pionierinnen in Österreichs Foodblogger-Szene, sie gründete 2012 auch den AFBA, den Austrian Food Blog Award, bei dem die besten „Content Creators“ in unterschiedlichen Kategorien ausgezeichnet werden. Darüber hinaus entwickelte Palla ein Designer-Schneidbrett, das es immerhin ins Museum für angewandte Kunst schaffte, sowie ein Mode-Label.
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 03/2026 erschienen.







