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"Die Trauer vor dem Tod besteht aus zahlreichen Verlusten, die Menschen in dieser Zeit erleben. Die erkrankte Person ist physisch noch da, man verbringt Lebenszeit mit ihr und gleichzeitig verabschiedet man sich aber auch schon von ihr", sagt die Trauerberaterin Tanja M. Brinkmann. Häufig beginnt diese Trauer der Beraterin zufolge mit der Diagnose einer unheilbaren, zum Tod führenden Erkrankung.
Trauer ist dabei nicht nur Traurigkeit. "Typischerweise haben Menschen, die davon betroffen sind, ziemlich viel Angst und Unsicherheit", sagt Brinkmann. Hinzu kommen zum Beispiel Emotionen wie Überforderung, Erschöpfung, Verzweiflung, Schuldgefühle oder Neid auf andere, die nicht betroffen sind. Die Gefühle ähneln denen nach einem Tod. Mit einem Unterschied: "Hoffnung ist eine Besonderheit bei der Trauer vor dem Tod", sagt Brinkmann. Etwa die Hoffnung auf eine neue Therapie oder mehr gemeinsame Zeit.
Was hilft, mit dieser Trauer zurechtzukommen? "Das, was häufig passiert, ist, dass die An- und Zugehörigen ihre Gefühle und Bedürfnisse hintenanstellen, weil sie ja nicht erkrankt sind", sagt Brinkmann. Ihr Rat lautet aber: die Gefühle, Gedanken und Fragezeichen zulassen, wann immer das möglich ist - auch vor der erkrankten Person.
"Man reißt sich häufig zusammen und denkt, ich muss jetzt stark sein für denjenigen, ich darf hier meine Gefühle und Sorgen nicht zeigen", so Brinkmann. Aus ihren Beratungen weiß sie aber auch: "Wenn es doch solche Begegnungen gab, wo beide weinend nebeneinandersaßen und sich zum Beispiel über die Bestattung unterhalten haben, sind das für die Beziehung und die Erinnerung ganz wesentliche Momente."
Was möglich ist, hängt auch davon ab, wie sehr beide den bevorstehenden Tod akzeptieren können. Einen offenen Umgang erlebt Brinkmann jedoch oft als "sehr heilsam". Dann lässt sich fragen, was jetzt wichtig ist: "Wollen wir den Alltag so, wie er gewohnt war, und trotz der therapie- und erkrankungsbedingten Einschränkungen weiterführen oder wollen wir uns noch einen spezifischen Wunsch erfüllen?" Auch Bestattungswünsche oder familiäre Fragen können Thema sein.
"Richtig" Abschied zu nehmen, kann man aber nicht erzwingen. "Auch An- und Zugehörige befinden sich in einem absoluten Ausnahmezustand, in einer Extremsituation", sagt Brinkmann. "Wenn man es kann und es einem wichtig ist, halte ich es aber für gut, etwa noch bestimmte Rituale zu machen oder bestimmte Gespräche zu führen." Entscheidend ist auch hier, ob das Gegenüber dafür offen ist.
So wichtig die gemeinsame Zeit ist: Auch Angehörige brauchen jemanden, der für sie da ist. "Die größte Unterstützung, die trauernde Menschen vor dem Tod haben, ist bestenfalls ihr soziales Umfeld", sagt Brinkmann. Eine aufmerksame Kollegin oder ein Nachbar können zuhören, ohne dass Angehörige die erkrankte Person mit ihren Sorgen belasten müssen. Auch das Behandlungsteam, Hospizbegleiterinnen und -begleiter sowie Seelsorgende können unterstützen.
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