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Ohne Vorträge und Fettnäpfchen: Trauernde sensibel begleiten

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Praktische Unterstützung entlastet Trauernde im Alltag
©Joseffson, APA, dpa-tmn
Ganz gleich, ob man selbst schon einmal einen schweren Verlust erlebt hat oder nicht: Wenn man vor einem trauernden Menschen steht, ist man meistens erst einmal unsicher. Denn man weiß: Wer gerade einen geliebten Menschen verloren hat, empfindet nicht nur großen Schmerz, sondern ist auch besonders sensibel. Gerade dann möchte man nichts falsch machen oder gar etwas Unpassendes sagen oder tun. Was aber ist richtig?

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Manchen Menschen fällt es grundsätzlich schwer, sich Trauernden zu nähern. Sie fühlen sich etwas überfordert und wissen nicht, wie sie denjenigen ansprechen sollen. "Manchmal schiebt man das dann auf, und der richtige Moment ist dann oft verpasst", sagt Trauerforscherin Bettina Doering, Professorin für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Kiel.

Das bedeutet jedoch nicht, dass das, was man spontan denkt, auch immer sofort die beste Variante ist. "Es geht vor allen Dingen darum, das auszudrücken, was in einem selbst wirklich vorgeht", rät die Wissenschafterin. So etwas wie: "Das tut mir wahnsinnig leid" oder auch: "Ich kann mir vorstellen, wie schwierig das ist." Aber Vorsicht, so Doering: Eine solche Formulierung ist nur dann passend, wenn man sich diese Situation auch wirklich vorstellen kann. "Wenn ich selbst noch keine besonders schwerwiegenden Verluste erlebt habe und das Kind meiner Freundin ist gerade gestorben, dann wäre es eher unpassend, so etwas zu behaupten", meint sie. Besser wäre dann, ehrlich zu sagen: "Ich bin mir unsicher, ich weiß nicht, wie ich es ansprechen soll, aber es geht mir so nahe und ich möchte gerne für dich da sein."

Das bestätigt auch Trauerbegleiter und Dozent Thomas Achenbach aus Osnabrück. "Ich empfehle immer: Löst euch von diesem Gefühl, etwas sagen zu müssen und von dem Druck, dass etwas Kluges erwartet wird. Das ist nicht so, das kannst du in dieser Situation nicht leisten. Und du kannst auch nicht trösten, weil es für den anderen in diesem Moment keinen Trost gibt."

Sinnvoller sei es, dem Gegenüber zu sagen: "Willst du etwas erzählen? Ich höre dir zu." Dann aber, so der Autor ("ABC der Trauer", "Männer trauern anders"), sollte man auch wirklich und aktiv zuhören - und nicht den Trauernden mit persönlichen Erlebnissen zuschütten. Das erfordert, sich in die andere Person hineinfühlen, mit seinen Gefühlen mitschwingen zu können und eine gemeinsame Wellenlänge zu finden. "Es geht darum, konsequent in der Welt des Gesprächspartners zu bleiben und nichts Eigenes hineinzumischen."

Eine gute Idee kann es auch sein, dem oder der Trauernden einen Brief zu schreiben. Entscheidend dabei: Auf allgemeine Floskeln verzichten und stattdessen auf gemeinsame Momente und Ereignisse zurückblicken. "Das kann wirklich hilfreich sein, wenn man darin teilt, was man zusammen erlebt hat", weiß Achenbach.

Er appelliert aber, sich von dem Mythos freizumachen, dass man die Angehörigen nur noch mehr leiden lasse, wenn man an den Verstorbenen erinnere. "Noch trauriger kann man einen Menschen, der jemanden verloren hat, gar nicht machen", sagt der Trauerbegleiter. "Viele sind einfach total dankbar, wenn sie wissen, dass etwas ist, was bleibt." Manchmal möchten Trauernde aber auch gar nicht reden, sondern beim Schweigen nicht alleine sein.

"Grundsätzlich sollte man der Person ein Stück weit überlassen, was sie gerade braucht", sagt Bettina Doering. "Manche freuen sich über ein Gesprächsangebot, andere über eine praktische Unterstützung." Aber das kommt immer auf die Situation und auch das Verhältnis zueinander an. "Jemandem einfach einen Kuchen zu backen und an seiner Tür zu läuten, kann ein schönes Zeichen sein. Aber wenn man vorher gar keinen engen Kontakt hatte und es keinerlei Beziehung zu solch einer Geste gab, könnte es auch schnell übergriffig wirken."

Auf der anderen Seite: Auf die Aufforderung "Meld dich, wenn du etwas brauchst" reagieren Betroffene oft nicht, weil ihnen dafür oft die Kraft fehlt. Für Thomas Achenbach ist praktische Unterstützung, ohne dabei viel Aufhebens zu machen, erst einmal eine gute Idee. Als seine Mutter starb, habe sich eine Nachbarin spontan um die Wäsche der Familie gekümmert. "In der ersten Überforderungssituation war das ganz großartig", erinnert er sich.

Bei konkreter Unterstützung komme es aber auch darauf an, was angemessen ist: "Es braucht ein gutes Gespür dafür, was tatsächlich guttut", sagt er. Wenn jemand zu sehr in den Alltag der trauernden Person eingreife, könne man den Eindruck erwecken, als würde man ihm "die Lebenssouveränität absprechen".

Wer jemandem beistehen will, sollte sich laut Bettina Doering vor Floskeln hüten, etwa "Die Zeit heilt alle Wunden", die in vielen solcher Situationen zu hören sind. Oder auch eine vermeintliche Vorwegnahme dessen, was der oder die Verstorbene sich gewünscht hätte, nach dem Motto: "Er hätte nicht gewollt, dass du dich so gehen lässt."

Auch Thomas Achenbach hält Plattitüden für kontraproduktiv, wie etwa: "Ihr hattet doch so eine schöne Zeit zusammen. Jetzt guck doch mal nach vorne." Vor allem bei fortgeschrittener Trauer sei das regelrecht verletzend: "Demjenigen, der meint: 'Jetzt muss es aber auch mal gut sein', fehlt völlig das Verständnis dafür, wie heftig die Gefühle nach dem Verlust eines Menschen sind. Auch nach Wochen und Monaten noch." Denn bei Trauer gebe es nur eine Grundregel: nämlich die, dass es keine gibt.

Psychologie-Professorin Doering rät, Betroffenen ihre individuelle Zeit zu lassen: "Schaden kann dann all das, was mir das Gefühl macht, ich trauere falsch." Nach dem Motto: "Du musst jetzt auch mal Gefühle aufkommen lassen, sonst holen die dich später mal ein" oder "Du musst auch mal weinen können" beziehungsweise umgekehrt: "Du musst endlich aufhören, so zu weinen." Das sei alles totaler Blödsinn, sagt die Wissenschafterin.

Besonders schlimm sei es, wenn man Angehörige wegen stigmatisierter Todesursachen noch zur Rede stelle - etwa bei einer Überdosis Drogen oder bei einem Suizid: "Dann ist es wirklich absolut unpassend und sehr unsensibel, wenn man die Angehörigen dann noch ungläubig fragt: Und du hast wirklich nichts gemerkt vorher?", so die Trauerexpertin.

Schwer zu ertragen ist für die Trauernden vor allem eines: Wenn andere versuchen, den Kontakt zu meiden. "Ich höre davon, dass Bekannte die Straße gewechselt haben, wenn sie die Trauernden sahen, um nicht mit ihnen sprechen zu müssen", schildert Thomas Achenbach. "Das tut wirklich weh, weil sich die Betroffenen gestraft für etwas fühlen, an dem sie keine Schuld haben, aber was irgendwie schambehaftet ist."

Auch das Thema zu ignorieren, ist völlig falsch. "Wenn die Trauer kein Thema sein darf, ist es schwer", so der Autor. "Also wenn man merkt, der Gesprächspartner windet sich um alles und zieht alle möglichen Themen aus dem Hut, um bloß nicht auf das eine Thema zu kommen." Denn für den Betroffenen hat sich durch den Verlust des geliebten Menschen die Welt von Grund auf geändert. Doering: "Das Schlimmste ist, bei einer Begegnung so zu tun, als wäre nichts gewesen."

WIEN - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/dpa-tmn/Joseffson/Joseffson

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