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In welchen Dimensionen der Indoor-Skisport schon vorgestoßen ist, wird in China veranschaulicht. Seit zwei Jahren ist nahe Shanghai die L+Snow in Betrieb. Auf einer Fläche von 90.000 Quadratmetern entstand ein Wintersport-Komplex unter dem Hallendach. Rund 1,2 Kilometer Piste gibt es für Skifahrer und Snowboarder insgesamt, drei in den Schwierigkeitsgraden blau, rot und schwarz stehen zur Auswahl. Mit bis zu 8.000 Besuchern pro Tag plant der Betreiber.
33 Schneekanonen sind im Einsatz. Die L+Snow ist jedoch nicht Sport alleine. Verschiedene Erlebnisbereiche samt eines nachgebauten Alpendorfs sorgen für einen Komplex, der in der Entstehung nicht weniger als sieben Milliarden Yuan (930,64 Mio. Euro) gekostet haben soll. Den Titel als größte Skihalle hatte Shanghai jedoch nur ein Jahr inne. Seit dem Vorjahr steht in Shenzhen eine noch größere Halle, 2029 soll dann jene in Suzhou Platz eins übernehmen.
Das Geschäft mit dem künstlichen Weiß läuft auch anderorts. Am Rande von Kairo wurde 2017 eine Skihalle eröffnet, in Dubai entstand schon vor 20 Jahren ein Komplex mit fünf Pisten. Auch in Australien oder Indien wird bei draußen brütender Hitze drinnen Ski gefahren. Mehr als 130 Skihallen gibt es weltweit. In Europa gibt es in Oslo, Hemel Hempstead bei London oder im niederländischen Landgraaf - samt offizieller FIS-Rennstrecke - große Hallen. In den "klassischen" Alpenländern wie Österreich und der Schweiz fehlen sie. Der ÖSV will dies ändern.
Bedenken gibt es. So sieht Greenpeace-Sprecherin Ursula Bittner die Lage skeptisch. "Die Klimakrise lässt die Gletscher schmelzen - und die Antwort soll eine ressourcenverschwendende Skihalle sein?", meint die Wirtschaftsexpertin. "Während die Erderhitzung die Schneegrenze immer weiter nach oben verschiebt, setzt man auf Symptombekämpfung statt auf Umwelt- und Klimaschutz." Diese Symptombekämpfung werde wahrscheinlich nicht einmal funktionieren. "Weder der Spitzensport, noch der Tourismus wird so verbessert", so Bittner, die den massiven Flächenverbrauch ebenso anführt wie das auch in Österreich herrschende Problem der Wasserknappheit.
In puncto Nachhaltigkeit sehen sich die Skihallen-Betreiber aber zu Unrecht kritisiert. Um den Energiebedarf bei permanenter Kühlung auf minus drei Grad abzudecken, wurden wie im Alpenpark Neuss im Rheinland immense Photovoltaik-Anlagen (30.000 Quadratmeter Fläche) errichtet. Dazu komme ein Wärmerückgewinnungssystem sowie ein Kreislaufsystem bei der Schneeerzeugung, wie Wim Hubrechtsen in den "Salzburger Nachrichten" anmerkte. "Die meisten glauben, wir sind Klimaterroristen", wurde der Geschäftsführer von Europas größtem Skihallenbetreiber, der niederländischen Snow World, zitiert. "Ich sage, es geht jetzt besser und energieeffizienter als je zuvor."
Ab 2030 sollen demnach alle Hallen der Gruppe klima- und energieneutral laufen. Die Anlagen in Neuss oder Hamburg-Wittenburg gehen von den Dimensionen wohl am ehesten mit den Vorstellungen des ÖSV einher. Laut Hubrechtsen kommen rund 400.000 Besucher jährlich zum Skifahren nach Neuss. Der Tagespass kostet für Erwachsene 54 Euro und für Kinder 50 Euro. Einnahmen werden aber nicht nur mit dem Erlebnis Skifahren generiert.
Diverse Gastro-Angebote und Outdoor-Aktivitäten sind ebenfalls Standard. Das Gesamtvolumen eines solchen Projekts lässt sich bei 100 Millionen Euro aufwärts einordnen. Als möglicher Standort wird der Ballungsraum um Wien genannt. Eine Skihalle sieht der Wiener Sportstättenplan aber nicht vor. Klar ist: Ein solcher Bau kann nur von finanzkräftigen Investoren gestemmt werden. ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher will "klarerweise nicht an den Staat denken", wie er auf ServusTV anmerkte. Er sei "überzeugt, dass sich Leute und Firmen finden werden".
