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Ryanair-Chef zeigt sich gemäßigt im Starlink-Streit mit Musk

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O'Leary lieferte sich Schlagabtausch mit Musk
©AFP, APA, SIMON WOHLFAHRT
Ryanair-Chef Michael O'Leary schlägt nach dem verbalen Schlagabtausch mit US-Milliardär Elon Musk über dessen Satellitensystem Starlink sachlichere Töne an. "Wenn er in Ryanair investieren möchte, hielten wir das für ein sehr gutes Investment", sagte O'Leary am Mittwoch in Dublin. Das stehe Musk jederzeit frei - allerdings könnten Nicht-Europäer keine Mehrheit an europäischen Fluggesellschaften erlangen, ergänzte er bei einer Pressekonferenz.

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Ausgelöst hatte den Streit vergangene Woche die Weigerung O'Learys, den von Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX betriebenen Internetdienst Starlink anzuschaffen. Die Manager hatten sich gegenseitig als "Idiot" und "Vollidiot" bezeichnet. Für die Ryanair-Flotte von mehr als 600 Flugzeugen sei Starlink zu teuer, weil die Antenne auf dem Flugzeug mehr Luftwiderstand und damit höheren Treibstoffverbrauch verursacht, wie O'Leary erklärte. Das bedeute bis zu 250 Mio. Dollar (213,17 Mio. Euro) höhere Kosten im Jahr. Diese seien nicht hereinzuholen, weil Passagiere auf den bei Ryanair üblichen Kurzstreckenflügen keinen Aufschlag für die Internetverbindung zahlen würden.

Musk entgegnete zunächst, O'Leary sei über die technischen Details "falsch informiert". Daraufhin warf der Ire dem US-Unternehmer in einem Radiointerview vor, "null Ahnung" von Luftfahrt zu haben, und bezeichnete Musks Social-Media-Plattform X als "Jauchegrube". Musk forderte daraufhin auf X am Freitag, O'Leary zu feuern und nannte die Anregung eines Nutzers, die Airline doch einfach zu kaufen, eine gute Idee. Ryanair-Aktien reagierten darauf nicht. Das lässt darauf schließen, dass Anleger die per Abstimmung von Musk-Fans auf X unterstützte Übernahmeidee nicht ernst nehmen.

Ryanair ist allerdings seit einem Jahr im Gespräch mit Starlink, wie O'Leary jetzt offenbarte. "Wir mögen das System", sagte er, doch die Kosten seien zu hoch. Starlink habe argumentiert, die meisten Passagiere seien bereit, für schnelleres Internet zu bezahlen - eine Einschätzung, die Ryanair aus Erfahrung nicht teile. Die Airline suche einen Betreiber, der die Installation selbst bezahlen würde. Auf X scherzte der Ire, Musk wisse noch weniger über Eigentums- und Kontrollvorschriften für Fluggesellschaften als über die Aerodynamik von Flugzeugen. Ausländische Investoren dürfen an europäischen Airlines nach einer EU-Regel von 2008 keine Mehrheit halten.

Ryanair nutzte den Streit zu einer Werbeaktion: Der Billigflieger bot Musk und "allen anderen Idioten" auf X ein "Idioten-Sonderangebot" mit 100.000 Tickets für 16,99 Euro an. Die öffentliche Aufmerksamkeit für den Streit habe die Buchungen in den vergangenen Tagen um zwei bis drei Prozent angekurbelt, sagte O'Leary.

Fluggesellschaften sind zu einer immer wichtigeren Kundengruppe für Starlink geworden, ein Netzwerk, das von Tausenden von Satelliten in der niedrigen Erdumlaufbahn betrieben wird und schnelleres und zuverlässigeres WLAN an Bord bieten soll. Analysten zufolge ist Starlink ein Premium-Produkt, das sich vor allem für Langstreckenflüge lohnt, die Ryanair nicht im Programm hat. Starlink ist mit rund 9.400 Satelliten weltweit das größte System. SpaceX erhielt kürzlich in den USA eine Genehmigung, 7.500 weitere Satelliten ins All zu schießen. Mehr als zwei Dutzend Fluggesellschaften, darunter United Airlines und Lufthansa, führen den Dienst in ihren Flotten ein. Lufthansas Entscheidung für Starlink stieß in der SPD-Bundestagsfraktion auf Kritik. Der Vorwurf lautete, man mache sich damit vom streitbaren Milliardär Musk abhängig und übergehe die Deutsche Telekom als Anbieter.

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