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Gericht stärkt Florenz im Kampf gegen Ferienwohnungen

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Die von der Stadt Florenz im vergangenen Jahr beschlossenen Einschränkungen für Ferienwohnungen sind nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts der Toskana rechtmäßig. Die Richter bestätigten damit die strengen Regeln der Stadtregierung unter Bürgermeisterin Sara Funaro und stärkten zugleich den Kurs italienischer Städte im Kampf gegen den Massentourismus.

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Das Gericht wies rund hundert Beschwerden von Unternehmern und Touristikern gegen die Verordnung aus dem Jahr 2025 zurück. Das Regelwerk untersagt neue touristische Kurzzeitvermietungen in dem von der UNESCO geschützten Stadtzentrum von Florenz. Bereits bestehende Ferienwohnungen dürfen weiter betrieben werden, benötigen künftig jedoch alle fünf Jahre eine neue Lizenz.

Nach Ansicht des Gerichts sind der Schutz des städtischen Umfelds sowie der Erhalt des historischen und kulturellen Erbes legitime Gründe für Einschränkungen bei Kurzzeitvermietungen. Die Stadt habe mit den Maßnahmen auf die negativen Folgen des Massentourismus reagiert. In Florenz werden inzwischen mehr als zehn Millionen Übernachtungen pro Jahr gezählt.

Die Richter bestätigten zudem das Verbot sogenannter Keyboxen - kleiner Schlüsselkassetten für Touristen, die in der Altstadt massenhaft an Mauern und Fahrradständern angebracht wurden. Diese ermöglichen Urlaubern den Zugang zu Ferienwohnungen ohne persönlichen Kontakt mit den Vermietern. Bereits vor einem Jahr war die Stadtverwaltung mit einer Aktion gegen die Kästen vorgegangen.

Bestätigt wurde auch die Vorschrift, wonach Ferienwohnungen künftig mindestens 28 Quadratmeter groß sein müssen. Damit sollen extrem kleine Unterkünfte wie Keller- oder Dachkammern verhindert werden, die bisher oft zu hohen Preisen online angeboten wurden.

Die Stadtverwaltung sprach von einem "historischen Tag". Bürgermeisterin Funaro wertete das Urteil als Bestätigung dafür, dass Kommunen das Recht haben, ein Gleichgewicht zwischen Wohnraum und Tourismuspolitik herzustellen, ohne gegen Eigentumsrechte oder die Verfassung zu verstoßen.

Die Stadt kündigte zugleich weitere Einschränkungen an. Künftig sollen auch Randbezirke betroffen sein, in denen Kurzzeitvermietungen zuletzt stark zugenommen hatten. Nach Ablauf der fünfjährigen Lizenzen will die Stadt zudem prüfen, ob Genehmigungen je nach Auslastung eines Viertels verlängert werden.

Gewerkschaften und Verbraucherschützer begrüßten das Urteil als Signal von nationaler Bedeutung. Vertreter der Branche kündigten hingegen Berufung beim Staatsrat an und warnten vor negativen Folgen für kleinere Anbieter. Kritiker befürchten, dass die neuen Regeln vor allem großen Investmentfonds Vorteile verschaffen könnten.

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