Nationalratswahl von

Facebook: Kern hat aktivste
Fans, Strache die zornigsten

Facebook-Hits der Spitzenkandidaten sind durchwegs Videos

Kern Fans © Bild: APA/Hochmuth

Bundeskanzler Christian Kern hat zwar deutlich weniger Facebook-Fans als seine Konkurrenten von FPÖ und ÖVP - die sind aber deutlich engagierter. Das zeigt eine APA-Analyse der Reaktionen auf die im Wahlkampf veröffentlichten Facebook-Postings. Ebenfalls interessant: die meistgeteilten Wahlkampfpostings waren diesmal Videos. Und Heinz Christian Strache (FPÖ) hat die "zornigsten" User.

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Auch abseits der Dirty Campaigning-Affäre um zwei von der SPÖ in Auftrag gegebene falsche Facebook-Seiten war der Social Media-Wahlkampf heuer äußerst intensiv. Rund 2.300 Nachrichten haben die sechs Spitzenkandidaten der Parlamentsparteien sowie Peter Pilz seit 12. Mai abgesetzt, dem Tag, an dem Kurz die Koalition mit der SPÖ für beendet erklärte. Für Kurz ist diese Rede auch einer seiner größten Facebook-Hits: Sie kommt seither auf 25.000 "Likes" und wurde über 640.000 mal gesehen.

Auch bei Strache und Kern sind die meist-geteilten Facebook-Beiträge Videos: Im Fall des FP-Chefs ein Interview, in dem sich der verstorbene deutsche Kanzler Helmut Schmid gegen "Zuwanderung aus fremden Zivilisationen" ausspricht (http://go.apa.at/jqpoACwc). Und bei Kern ist es ein Gespräch mit dem Schauspieler Michael Niavarani im Odeon-Theater. Pilz hat sich die meisten Likes mit einer Parlamentsrede geholt, in der er Kurz Wortbruch bei der Unterhaltsgarantie vorwirft. Nur bei Ulrike Lunacek von den Grünen und Matthias Strolz von den NEOS sind die beliebtesten Beiträge keine Videos: Bei Lunacek ist es ein Posting über ein Verbot von Pflanzenschutzmitteln und bei Strolz jenes Posting, in dem er Kurz vorwarf, NEOS-Abgeordnete für seine Liste abzuwerben

Strache vor Kurz in Zahlen

In Summe haben die Spitzenkandidaten der Parlamentsparteien inklusive Liste Pilz 1,8 Millionen Fans auf Facebook. Wobei Strache (753.500 Fans) und Kurz (700.400) die mit Abstand größte Fanbasis haben. Abgeschlagen folgt SP-Chef Christian Kern (233.000). Die Spitzenkandidaten der drei Kleinparteien - Matthias Strolz von den NEOS kommt auf (87.100), Peter Pilz auf (34.500) und die Grüne Ulrike Lunacek (20.086) - liegen allesamt unter 100.000 Fans.

Trotz des deutlichen Rückstands bei den Fans kann Kerns Facebook-Auftritt in Sachen Publikumsreaktionen (vulgo: "Likes") annähernd mit den beiden großen Accounts mithalten. Zwar liegt Kurz mit 1,3 Mio. "Likes" deutlich vor Strache (1,1 Millionen), Kern folgt aber mit vergleichsweise geringem Abstand (925.800). Deutlich dahinter liegen Peter Pilz (mit 88.300 "Likes"), Matthias Strolz von den NEOS (86.400) und die Grüne Ulrike Lunacek (32.408).

"Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache kämpfen darum, die Person mit den meisten Facebook-Fans zu sein. Gleichzeitig sind ihre User weitaus weniger aktiv als die bei Christian Kern", sagt Jakob-Moritz Eberl von der Universität Wien gegenüber der APA. Als Grund für die gute Position Kerns vermutet Roland Trnik von der Wiener Social Media Agentur Spinnwerk dessen für Wahlkämpfe günstigere User-Basis: Bei Strache kommt nämlich ein Drittel der Fans aus Deutschland, bei Kurz ein Viertel. Kern hat dagegen kaum ausländische Fans.

Strache-Fans am "zornigsten"

Eberl hat mit Kollegen die Publikums-Reaktionen auf die Facebook-Postings der Spitzenkandidaten untersucht und zieht daraus auch Rückschlüsse auf deren Wahlkampfstrategie. Seit dem Vorjahr können Facebook-User Beiträge nämlich nicht mehr nur mit einem "Like" markieren, sondern auch mit Emotionen. Und hier fällt auf, dass Strache die meisten zornigen Reaktionen erntet ("angry"), während Beiträge von Kern, Kurz und Lunacek häufig mit "Love" markiert werden. Gleich an zweiter Stelle bei den zornigen User-Reaktionen hinter Strache folgt allerdings nicht ein anderer Oppositionspolitiker, sondern wieder Kurz.

Kern betonte auf Facebook das Positive und das sei auch die Strategie, die man sich von einem Regierungspolitiker erwarten würde, sagt Eberl. Auch die zahlreichen "zornigen" Reaktionen bei Strache seien beim Chef der stärksten Oppositionspartei erwartbar. Kurz fahre dagegen eine "Doppelstrategie" und nehme immer wieder spezifische Probleme ins Visier, etwa das Migrationsthema. "Er sieht sich nicht wirklich als Regierungsmitglied", so Eberl: "Er hat seine Strategie angepasst und inszeniert sich als Außenseiter."

Welchen Einfluss Facebook-Kampagnen auf das Wahlergebnis haben, ist laut Eberl unklar: "Wir wissen grundsätzlich, dass (Wahl, Anm.)-Kampagnen recht wenig bewegen." Beeinflusst werde das Ergebnis aber wohl von der Affäre um gefälschten Facebook-Seiten der SPÖ. Und zwar weniger wegen ihrer "Dirty Campaigning"-Botschaften, sondern wegen der Medienberichterstattung darüber: "Die hat vermutlich der SPÖ geschadet und mit den Verstrickungen möglicherweise den einen oder andern bei der ÖVP verunsichert."

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