Nationalratswahl 2017 von

Kurz zu Gast
bei Van der Bellen

Briefwahl: SPÖ Zweite, Grüne wohl draußen

Nationalratswahl 2017 - Kurz zu Gast
bei Van der Bellen © Bild: JOE KLAMAR / AFP

Das vorläufige Ergebnis der Nationalratswahl 2017 und die Entwicklungen rund um den Wahlabend, lesen Sie im Live-Ticker.

THEMEN:

+++ 20:28 Uhr: ÖVP hält sich alle Koalitionsoptionen offen +++

Die ÖVP möchte sich für die kommenden Regierungsverhandlungen alle möglichen Varianten offen halten und zunächst die Gespräche mit den Parlamentsparteien abwarten. Dies berichtete ÖVP-Generalsekretärin Elisabeth Köstinger am Dienstagabend nach einer Vorstandssitzung der Volkspartei. ÖVP-Chef Sebastian Kurz habe für die Koalitionsverhandlungen das volle Pouvoir seiner Partei, erklärte Köstinger.

Festlegungen auf bestimmte Koalitionen gab es in den ÖVP-Gremien noch nicht. Koalitionspräferenzen waren nach der Vorstandssitzung nur zwischen den Zeilen herauszulesen. Mehrmals betonte Köstinger etwa, dass es eine "echte Veränderung" brauche, was eher nicht auf einer Neuauflage der Koalition mit der SPÖ deutete. "Es braucht eine neue Art der Zusammenarbeit und ein neues politisches Miteinander. Die Wähler haben sich für Veränderung entschieden und uns einen klaren Auftrag zur Veränderung mitgegeben", sagte die ÖVP-Generalsekretärin.

+++ 16:18 Uhr: Kurz reist nach Wahlsieg nach Brüssel +++

ÖVP-Chef Sebastian Kurz hat sich als erstes Reiseziel nach seinem Wahlsieg vom Sonntag Brüssel ausgesucht: Er wird dort am Donnerstag EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sowie EU-Ratspräsident Donald Tusk zu einem Austausch treffen, sagte Kurz Dienstagnachmittag am Rande eines Termins vor Journalisten. Dies sei ein bewusstes pro-europäisches Signal.

Kurz wird in Brüssel am EVP-Gipfel teilnehmen. Dementsprechend sieht er in seiner Reise auch keine Provokation von Kanzler Christian Kern (SPÖ), der da ebenfalls in Brüssel weilt, wo Donnerstag und Freitag ein Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs stattfindet. Im Gegenteil, betonte Kurz, sei es für ihn eine Selbstverständlichkeit, seine Arbeit als Außenminister weiter zu erfüllen. Außerdem wolle er Europa aktiv mitgestalten und dafür brauche es eben auch entsprechende Kontakte.

+++ 16:07 Uhr: Kurz sprach mit Van der Bellen +++

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat am Dienstagnachmittag ÖVP-Chef Sebastian Kurz nach seinem Wahlsieg zu einem ersten Austausch empfangen. Man habe über inhaltliche Fragen, aber auch potenzielle Koalitionen, die sich ergeben könnten, gesprochen, erklärte Kurz im Anschluss vor Journalisten.

Der Austausch, an dem u.a. auch ÖVP-Generalsekretärin Elisabeth Köstinger teilnahm, dauerte eineinhalb Stunden. Es habe sich um ein "gutes Gespräch" gehandelt, bedankte sich Kurz danach. Wenn am Donnerstag das Endergebnis vorliegt, liege es am Bundespräsidenten, zu entscheiden, wann und ob er einen Auftrag zur Regierungsbildung erteilt. In den kommenden Tagen empfängt Van der Bellen auch die anderen Parteichefs. Es wird damit gerechnet, dass er am Freitag dem ÖVP-Chef einen Auftrag zur Regierungsbildung erteilt.

+++ 13:42 Uhr: U-Ausschüsse im Alleingang möglich +++

Die Neuvergabe der Mandate im Nationalrat bringt auch neue Konstellationen bei der Einsetzung von Untersuchungsausschüssen. Egal wer aus dem Trio SPÖ, ÖVP und FPÖ nicht der nächsten Regierung angehört, wird alleine U-Ausschüsse einsetzen lassen können.

Denn dafür sind dank Minderheitenrecht nur 46 Abgeordnete nötig, also ein Viertel der Mandatare. Diese Hürde nehmen ÖVP (62), SPÖ (52) und FPÖ (51) jeweils locker. Bisher war ein Zusammenschluss von mindestens zwei Oppositionsparteien nötig, um einen U-Ausschuss in die Wege leiten zu können.

+++ 12:54 Uhr: Kurz fordert Haltung gegen Antisemitismus +++

ÖVP-Chef Sebastian Kurz fordert von künftigen Koalitionspartnern der ÖVP ein klares Engagement gegen Antisemitismus. Dies erklärte der Außenminister in einem Interview mit der israelischen Tageszeitung "Israel Hayom". Von seiner Partei dürfte Kurz am Dienstag bei einer Vorstandssitzung freie Hand für die kommenden Regierungsgespräche bekommen.

"Der Kampf gegen den Antisemitismus und unsere Politik der Null-Toleranz gegen alle antisemitischen Tendenzen ist sehr wichtig für mich. Es handelt sich um eine klare Vorbedingung für eine Koalition unter meiner Leitung", sagte Kurz der Zeitung "Israel Hayom". Es dürfe in diesem Punkt "nicht den geringsten Zweifel geben. Die ÖVP hat sich in der Vergangenheit bemüht, gegen den Antisemitismus anzukämpfen, auch in ihren eigenen Reihen, und ich wünsche, dass sie das auch weiterhin tut", betonte der Außenminister.

+++ 12:10 Uhr: Kurz lässt sich nicht in die Karten schauen +++

ÖVP-Chef Sebastian Kurz lässt sich nach seinem Wahlsieg vom Sonntag weiter nicht in die Karten schauen, welche Koalition er anstrebt. In dieser Phase sei der Bundespräsident am Wort "und das ist auch gut so", sagte Kurz Dienstagvormittag gegenüber Journalisten. Kurz verwies darauf, dass er noch heute Nachmittag einen Termin bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat. Auf dieses Gespräch freue er sich schon sehr, man werde sich austauschen, wie es nun weitergehe.

Van der Bellen habe ihm bereits angekündigt, dass er ihm nach Vorliegen des Endergebnisses einen Regierungsbildungsauftrag erteilen werde. Das Endergebnis der Nationalratswahl wird für Donnerstag erwartet. Kurz bekräftigte, er werde alles tun, um "echte Veränderung möglich zu machen". Die Nebel ein bisschen lichten, was die nächsten Schritte der ÖVP sein werden, könnten sich am Abend. Da tagen nämlich die Gremien der Schwarzen.

+++ 11:45 Uhr: Van der Bellen will Vorschläge genau prüfen +++

Die Regierung hat Dienstagvormittag Bundespräsident Alexander Van der Bellen ihre Demissionierung angeboten. Dieser nahm sie den Konventionen entsprechend an und beauftragte gleichzeitig das Kabinett Kern, die Geschäfte weiterzuführen. Was die anstehenden Regierungsverhandlungen angeht, betonte Van der Bellen ein weiteres Mal, mit allen Parteien Gespräche zu planen. Im Anschluss werde er dem Chef der stimmenstärksten Partei, also ÖVP-Obmann Sebastian Kurz, den Auftrag zur Regierungsbildung geben.

© APA/HANS KLAUS TECHT

Versichert wurde vom Bundespräsidenten, dass er die inhaltlichen Ziele, aber auch die personellen Vorschläge bezüglich der künftigen Regierung "sehr genau prüfen" werde. Die europäischen Grundwerte müssten der Kompass für die Zukunft bleiben. Ferner mahnte Van der Bellen, dass das gemeinsame Ziel aller Parteien bei aller Unterschiedlichkeit sein müsse, Österreich in eine gute Zukunft zu führen. Er werde darauf schauen, dass bei der Regierungsbildung die Interessen Österreichs und seiner Bevölkerung über Parteitaktik stünden.

+++ 11:19 Uhr: FPÖ zeigt vor Präsidium keine Koalitionspräferenzen +++

Die FPÖ hat sich Dienstagvormittag zu einer Präsidiumssitzung versammelt. Die Teilnehmer zeigten im Vorfeld noch keine Präferenzen zu rot oder schwarz. Einzig der oberösterreichische Landeschef Manfred Haimbuchner, der sich mit der ÖVP in einer Landesregierung befindet, meinte, eine Koalition mit den Sozialdemokraten wäre "schwierig".

Ob eine Regierungsbildung mit der ÖVP oder mit der SPÖ möglich sei, werde sich aber erst zeigen, so Haimbuchner. Wichtig sei, dass es zu keiner schwarz-roten Koalition komme. Der burgenländische Parteiobmann Johann Tschürtz, der wiederum auf Landesebene in einer Regierung mit der SPÖ ist, zeigte keine Präferenzen. "Im Burgenland funktioniert es." Er arbeite mit den Sozialdemokraten auf Landesebene in einer respektvollen Regierung mit Handschlagqualität. "Das Burgenland passt." Er betonte allerdings, dass es aus seiner Sicht keine Regierungsbeteiligung um jeden Preis geben soll. Es sei wichtig, dass man seine Forderungen durchsetze.

Das blaue Urgestein Hilmar Kabas hielt beide Regierungsvarianten für möglich. Es wird davon abhängen, wo man am meisten umsetzen könne. Er sprach sich auf jeden Fall dafür aus, dass die FPÖ Regierungsverantwortung übernehmen solle. "So schlecht" sei regieren nicht. So könne man mehr umsetzen.

+++ 11:03 Uhr: Regierung trat zurück und ging weiter +++

Den Usancen nach Nationalratswahlen entsprechend hat die Regierung Dienstagvormittag ihren Rücktritt beschlossen. Nach der kurzen Ministerratssitzung marschierten die Minister mit Kanzler Christian Kern (SPÖ) an der Spitze über den Ballhausplatz zum Bundespräsidenten.

© APA/HANS PUNZ Die Minister am Weg in die Präsidentschaftskanzlei

In der Präsidentschaftskanzlei wird die Regierung Alexander Van der Bellen ihre Demissionierung anbieten. Das Staatsoberhaupt wird das Kabinett Kern dann bitten, die Geschäfte weiter zu führen, bis die neue Regierung steht.

+++ 10:13 Uhr: Britische Premierministerin gratulierte Kurz +++

Die britische Premierministerin Theresa May hat ÖVP-Chef Sebastian Kurz in der Nacht angerufen und ihm zu seinem Wahlsieg gratuliert, wie das Außenministerium am Dienstag mitteilte. In dem Gespräch habe May den Außenminister auch über den Status quo in den Brexit-Verhandlungen informiert.

Kurz habe die Wichtigkeit betont, rasch Fortschritte in den Gesprächen zu erzielen, "um chaotische Situationen zu vermeiden", hieß es weiter. May befand sich am Montagabend in Brüssel, wo sie an einem Abendessen mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, EU-Chefunterhändler Michel Barnier und dem britischen Brexit-Minister David Davis teilnahm. Dabei wurde vereinbart, die Verhandlungen über den britischen EU-Austritt zu "beschleunigen", wie es nach dem Treffen hieß.

+++ 9:57 Uhr: ÖVP und FPÖ gewinnen auch bei Parteienförderung +++

Der Wahlsieg vom Sonntag bringt der ÖVP deutlich mehr Geld. Laut Berechnungen des Politikwissenschafters Hubert Sickinger kann die Partei von Außenminister Sebastian Kurz mit 18,5 Mio. Euro Bundesförderung rechnen - ein Plus von 3,5 Mio. Euro. Mehr Parteien-, Klub- und Akademieförderung gibt es auch für die FPÖ. Die Liste Pilz hat Anspruch auf bis zu 4,8 Mio. Euro. Den Grünen bleibt fast nichts.

Die Berechnungen umfassen neben der Parteienförderung auch die Subventionen für die politische Bildungsarbeit, also die Parteiakademien, und für die Parlamentsklubs. Anspruch darauf haben Parteien mit mindestens fünf Abgeordneten ("Klubstatus") im Nationalrat. Das sind ÖVP, SPÖ, FPÖ, NEOS und Liste Pilz.

Für sie kommt Sickinger auf Förderungen von in Summe 60,4 Mio. Euro. Tatsächlich könnte 2018 aber mehr fließen. Denn der Politikwissenschafter hat weder die bei der Klubförderung relevante Erhöhung der Beamtengehälter einberechnet, noch die Valorisierung der Parteienförderung. Deren Gesamtsumme ist nämlich mit 4,6 Euro pro Stimmbürger festgelegt - und sobald die Inflation fünf Prozent übersteigt, wird der Betrag valorisiert. Das dürfte 2018 der Fall sein. Etwas weniger könnte es sein, sollten die Mittel für die Akademien im nächsten Budget neuerlich gekürzt oder eingefroren werden.

Nun zu den einzelnen Parteien: Wahlsiegerin ÖVP kann künftig mit 18,5 Mio. Euro rechnen - um 3,5 Mio. Euro mehr als 2017 (zur Verteilung auf Klub-, Parteien- und Akademieförderung siehe Tabelle). Gemeinsam mit den Spendeneinnahmen sollte das der Partei helfen, Wahlkampfkosten und Schulden abzubezahlen. Ihren Schuldenstand hat die ÖVP im August mit knapp über fünf Mio. Euro beziffert.

Bei der SPÖ steigt die Fördersumme leicht auf 16,2 Mio. Euro - womit immerhin der Schuldenabbau wie geplant fortsetzbar sein sollte. Konkrete Zahlen nannte die SPÖ bisher nicht. Sickingers Berechnungen gehen von zumindest 14 Mio. Euro aus. Zuletzt hatte die SPÖ geplant, bis 2022 schuldenfrei zu sein.

Wie die ÖVP wird auch die FPÖ deutlich mehr Geld erhalten. Förderungen von 15,6 Mio. Euro bedeuten ein Plus von 2,9 Mio. Euro für Partei, Akademie und Klub. Allein die Bundespartei kann mit 1,7 Mio. Euro mehr rechnen. Zum Vergleich: 2014 und 2015 hat die FPÖ schon mit den alten Förderbeträgen (und trotz Kreditrückzahlungen) je drei Mio. Euro Überschuss erzielt.

Für die NEOS gibt es ein Plus von 0,3 auf 5,3 Mio. Euro. Und die Liste Pilz, die im Wahlkampf noch ohne Parteienförderung auskommen musste, hat Anspruch auf 4,8 Mio. Euro. Zumindest, wenn sie auch eine Parteiakademie gründet.

Die Grünen gehen weitestgehend leer aus. Sie hatten 2017 noch Anspruch auf 8,9 Mio. Euro (davon allein 3,9 Mio. Euro für die Partei). Nun erhalten sie lediglich eine Einmalzahlung von knapp unter 500.000 Euro, auf die alle Parteien Anspruch haben, die zwar an der Vier-Prozent-Hürde scheitern, aber mehr als ein Prozent der Stimmen erreichen.

Die Zahlen basieren noch nicht auf dem Endergebnis, das erst am Donnerstag erwartet wird, sondern auf Hochrechnungen. Im Detail können sich die Summen daher noch ändern.

+++ 9:26 Uhr: Van der Bellen empfängt Parteichefs zu Gesprächen +++

Nach der Nationalratswahl und dem traditionell üblichen Rücktrittsangebot der Bundesregierung trifft Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Parteichefs der Parlamentsparteien. Den Anfang macht Dienstagnachmittag um 14.00 Uhr Wahlsieger und ÖVP-Obmann Sebastian Kurz.

Am Mittwoch empfängt Van der Bellen um 10.30 Uhr den zweitplatzierten SPÖ-Vorsitzenden Christian Kern, FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache folgt Mittwochnachmittag um 16.00 Uhr. ÖVP, SPÖ beziehungsweise FPÖ werden - in welcher Konstellation auch immer - vermutlich auch die nächste Regierung bilden.

Voraussichtlich am Donnerstag trifft der Bundespräsident noch NEOS-Chef Matthias Strolz und Liste Pilz-Anführer Peter Pilz. Frühestens am Freitag - dann liegt auch das vorläufige Endergebnis inklusive Wahlkarten vor - dürfte Van der Bellen dann den Regierungsbildungsauftrag an ÖVP-Chef Kurz erteilen.

+++ 8:00 Uhr: IHS-Chef: Nächste Regierung soll Reformen durchziehen +++

Der Leiter des Instituts für Höhere Studien (IHS), Martin Kocher, sieht für die nächste Regierung eine Reihe von Reformagenden auf dem Tisch liegen, die eigentlich im Wahlkampf relativ untergangen seien. "Viele Themen, die extrem wichtig wären, sind im Wahlkampf nur gestreift worden", sagte Kocher gegenüber der APA. Eine Senkung der Lohnnebenkosten für kleine und mittlere Einkommen kam zwar bei fast allen Parteien im Programm vor, nun müsse hier etwas unternommen werden, fordert Kocher. Österreich brauche eine Steuerreform zur Entlastung von kleinen und mittleren Einkommen. Derzeit sei der Anstieg der Belastung von 11.000 Euro Jahresgehalt aufwärts bis ca. 30.000 Euro sehr steil.

Vom Bildungsbereich habe man im Wahlkampf nur sehr wenig gehört, obwohl es einer der Schlüsselbereiche für Arbeitsmarkt und Integration sei, meinte Kocher. "Wir müssen schauen, dass wir nicht zu viele Schülerinnen und Schüler verlieren." 15 bis 20 Prozent könnten nach der Pflichtschule nicht einmal die grundlegenden Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Das hänge mit der Migration und vielen anderen Faktoren zusammen. Zur Lösung dieses Problems schlägt Kocher vor, den Schulen mehr Autonomie zu geben. Auch müssten mehr Mittel im Bildungsbereich bei den Schulen überhaupt ankommen, dazu sollte der ganze Bereich effizienter gestaltet werden. "Mehr Geld würde den Schulen auf jeden Fall helfen", denn die Schulen müssten neben der Herausforderung durch Migration auch die Digitalisierung bewältigen.

Im Pensionsbereich verweist Kocher auf die hohe Belastung des österreichischen Budgets durch Pensionszuschüsse: Ein Viertel des Budgets gehe in die Pensionen - das sei auf Dauer ein Problem, weil es keine Investitionsausgaben seien. Ein "sanftes Anheben" des Pensionsantrittsalters über die nächsten Jahre hinweg würde das Budget entlasten, so der Ökonom. Die Pensionen bzw. die Ansprüche zu kürzen wäre für ihn aber kein Ziel, sondern man sollte das tatsächliche Pensionsantrittsalter an das gesetzliche Pensionsantrittsalter deutlich annähern - dann wäre das gesamte Pensionsproblem in Österreich gelöst.

"Effizienzproblem" in vielen Bereichen

Grundsätzlich sieht Kocher großen Bedarf, weite Bereiche des Staatsgefüges effizienter zu gestalten. Österreich liege zwar bei vielen Leistungen - Gesundheit, Start-ups, Bildung - im internationalen Vergleich recht gut, "aber wir erkaufen uns die Ergebnisse zu sehr hohen Kosten". Ein "Effizienzproblem" in vielen Bereichen liege häufig daran, dass die Strukturen sehr unsauber gelöst seien: Es gebe Doppelzuständigkeiten und keine klaren Verantwortlichkeiten im Föderalismus. "Man müsste klare Zuordnungen machen", fordert Kocher. So sollte die Einnahmen- und Ausgabenverantwortung in einer Hand liegen und nicht so stark getrennt sein wie in Österreich. Die Länder hätten keine Einnahmenverantwortung, aber maximale Ausgabenverantwortung - hier ortet Kocher hohe mögliche Kosteneinsparungen. Eine Änderung des bestehenden, unsauber getrennten Systems, wäre mit dem Föderalismus durchaus in Einklang zu bringen, so der Ökonom: "Man müsste sich einigen, was sind Aufgaben des Bundes, was sind Aufgaben der Länder."

Grundsätzlich könnte derartige Reformvorhaben jede Koalition durchführen, egal welcher Konstellation, meint Kocher. Ob es bei einzelnen Koalitionsfärbungen eine höhere Wahrscheinlichkeit zur Umsetzung gebe, sei für ihn derzeit schwer zu sagen.

+++ 06:00 Uhr: Wahlbeteiligung stark wie nie gewachsen +++

Die Wahlbeteiligung ist bei dieser Nationalratswahl gestiegen wie nie zuvor in der Zweiten Republik: Schon nach Auswertung des ersten Teils der Briefwahl am Montag gab es einen Zuwachs von 4,50 Prozentpunkten auf nun 79,41 Prozent - und mit der Auszählung der noch ausständigen rund 36.000 Wahlkarten am Donnerstag wird das Plus auf fünf Punkte und die Beteiligung auf fast 80 Prozent steigen.

Diese Nationalratswahl - die den vierten Machtwechsel der Zweiten Republik brachte - hat bewiesen, dass die Österreicher durchaus zu mobilisieren sind, wenn sie das Gefühl haben, dass es "wirklich um etwas geht". Das zeigte sich schon beim Bundespräsidenten-Wahlmarathon im Vorjahr. Da stieg am dritten Wahlsonntag, bei der Wiederholung der aufgehobenen Stichwahl, die Beteiligung überraschend noch einmal (auf 74,21 Prozent) an.

Ähnlich stark wie heuer wuchs die Beteiligung bisher erst einmal - und zwar auch bei einer von der ÖVP (damals Wolfgang Schüssel) ausgerufenen vorzeitigen Neuwahl im Jahr 1995. Damals stieg die Teilnahme um 4,04 Punkte auf 85,98 Prozent.

Ein großer Teil der Wähler nützt mittlerweile die Briefwahl: Fast 15 Prozent der gültigen Stimmen der Nationalratswahl wurden am Postweg oder per Briefwahlkarte im "eigenen" Wahlkreis abgegeben. Am Donnerstag müssen die Landeswahlbehörden noch rund 36.000 Stimmen auszählen, die am Wahlsonntag entweder per Wahlkarte oder per Briefwahl in einem "fremden" Wahlkreis abgegeben wurden.

Die dann nicht ganz 80 Prozent sind allerdings bei weitem kein Rekordwert der nunmehr 22 Wahlen seit 1945. Denn bis 1986 lag die Beteiligung immer über 90 Prozent, bis 2002 nutzten noch immer mehr als vier Fünftel ihr Wahlrecht - und somit wird die jetzige Beteiligung nur die beste seit 2006. Bis 1992 bestand allerdings in einigen Bundesländern Wahlpflicht.

+++ 23:56 Uhr: SPÖ Zweite - Grüne bei 3,8 Prozent +++

Die SPÖ wird doch nicht erstmals in ihrer Geschichte Dritte bei einer Nationalratswahl: Mit der Auszählung der Briefwahl am Montag überholte sie die FPÖ und liegt nun auf Platz 2. Die Grünen müssen sich darauf einstellen, den Nationalrat tatsächlich zu verlassen. Sie kamen Montagnacht nur auf 3,76 Prozent. Und am Donnerstag sind nur noch 36.000 Wahlkarten auszuzählen.

Denn am Montag wurden bereits 758.588 per Post oder bei den Bezirkswahlbehörden im eigenen Wahlkreis abgegebene Briefwahl-Stimmen ausgezählt. 753.616 davon waren gültig, das waren beinahe 15 Prozent der bisher ausgewerteten gültigen Stimmen.

NEOS und Liste Pilz haben von den Briefwahlstimmen profitiert - sind sicher im Nationalrat vertreten.

Veränderungen haben die Briefwahlstimmen bei den Mandaten bewirkt: Die FPÖ hat nunmehr zwei weniger als im Sonntags-Ergebnis, nämlich 51 - und damit auch eines weniger als die SPÖ, die bei 52 blieb. Die ÖVP bekam noch eines (auf 62) dazu, ebenso die NEOS (auf 10). Die Liste Pilz wird acht Abgeordnete stellen.

+++ 22:55 Uhr: ÖVP in Wien jetzt Zweite vor FPÖ +++

Die ÖVP hat in Wien mit der Auszählung der Briefwahl am Montag die FPÖ überholt. Die SPÖ ist aber weit voran Erste in der Bundeshauptstadt. Die Grünen konnten nicht so viel zulegen wie in Vorarlberg, sie bauten ihr Urnenwahl-Ergebnis in Wien um 0,56 Punkte auf 5,85 Prozent aus.

Die ÖVP verbesserte sich mit den Briefwahlstimmen um fast einen Prozentpunkt, damit hat sie jetzt 21,54 Prozent - und die FPÖ fiel von 23,13 auf 21,45 Prozent zurück. Vierte in der Stadt ist die Liste Pilz mit 7,48 Prozent, die NEOS liegen mit 6,39 Prozentpunkten auf Rang 5.

Damit fehlen nur noch die Ergebnisse der Steiermark und von Salzburg, dann liegt die gesamte Auswertung der am Postweg bzw. bei Bezirkswahlbehörden im eigenen Wahlkreis abgegebene Briefwahlstimmen vor.

+++ 20:00 Uhr: Neue Briefwahlprognosen +++

Die Hochrechner haben ihre Prognosen nach der Briefwahl-Auszählung in drei Viertel der Bezirke leicht angepasst. Demnach wird die SPÖ doch Zweite vor der FPÖ - und die Grünen dürften an der Vier-Prozent-Hürde scheitern. Wie SORA/ORF geht jetzt auch ARGE Wahlen davon aus, dass die FPÖ zwei Mandate durch die mehr als 750.000 Wahlkarten-Stimmen verliert, an die ÖVP und an die NEOS.

Die ÖVP dürfte demnach 62 Mandate bekommen. Die SPÖ bleibt bei den 52 vom Sonntag, die FPÖ bekommt nur 51 und nicht 53. Die NEOS stocken um eines auf zehn auf, die Liste Pilz zieht mit acht Abgeordneten ein. 2013 hatte die SPÖ bei der Wahl ebenfalls 52 bekommen, die ÖVP 47, die FPÖ 40, die NEOS 9, die Grünen 24 und das Team Stronach 11.

Die ORF-Hochrechner von SORA sehen die ÖVP letztlich bei 31,6 Prozent, die SPÖ bei 26,9, die FPÖ bei 26,0, die NEOS bei 5,1, Pilz bei 4,3 - und die Grünen bei 3,9 Prozent. SORA gibt allerdings eine Schwankungsbreite von 0,4 Prozentpunkten an - womit die Grünen noch hoffen können.

+++ 18:42 Uhr: SPÖ bleibt im Burgenland vor ÖVP

Der hauchdünne Vorsprung der SPÖ vor der ÖVP im Burgenland wurde mit der Auszählung der Briefwahlstimmen am Montag zwar etwas dünner - von 0,15 auf 0,10 Prozentpunkte. Aber die SPÖ ist, wie durchgehend seit 1970, noch Erste im Lande. Am Donnerstag werden aber noch weitere Briefwahlstimmen und Wahlkarten ausgezählt.

32,95 Prozent hatte die SPÖ im Burgenland am Montag, nach 32,88 Prozent am Sonntag. Die ÖVP wuchs eine Spur stärker, von 32,73 auf 32,85 Prozent. Die Grünen legten von 1,82 auf 2,00 Prozent zu - in ähnlichem Ausmaß auch NEOS (auf 2,85) und die Liste Pilz (2,81). Die FPÖ verlor hingegen mit Einbeziehung der Briefwähler auf 25,26 (nach 26,02).

+++ 17:57 Uhr: Migranten-Stiftung: "Gefährlicher Populismus"

Der Flüchtlingsbeauftragte der Italienischen Bischofskonferenz, Guerino Di Tora, warnt vor dem Wahlergebnis in Österreich, aus dem ein starkes Wachstum des Populismus hervorgehe. "Dieser Populismus führt zur Errichtung von Mauern. Das ist eine gefährliche Antwort", sagte Di Tora, Präsident der Migranten-Stiftung der italienischen Bischofskonferenz CEI.

"Die Migrationswelle ist kein Notfall, sondern ein epochales Phänomen, das noch Jahrzehnte lang dauern wird. Man muss daher eine Kultur der Aufnahme fördern. Migration ist nicht das Ende der Welt, sondern der Anfang einer neuen Welt. Das bezeugen große Länder, die aus mehreren Völkern bestehen, wie zum Beispiel die USA", sagte Di Tora nach Medienangaben.

+++ 16:02 Uhr: Briefwahl-Auszählung könnte noch dauern

Die Auszählung der Briefwahl könnte (wie schon bei der BP-Wahl im Dezember 2016) bis Dienstag dauern. Die Wahlbehörden einiger Bundesländer (darunter auch Wien) erwägen eine Verschiebung auf morgen, sollte man Montag um 22.00 Uhr nicht fertig sein. Als Argument wird die hohe Fehleranfälligkeit nach stundenlangem Auszählen genannt. Heuer ist eine Rekordzahl an Wahlkarten auszuwerten.

Geschätzt mehr als 700.000 Briefwahlkuverts haben die Bezirkswahlbehörden heute ab 9.00 Uhr (früher ist laut VfGH streng verboten) aufgeschlitzt und dann die Stimmzettel ausgewertet. Bei der aufgehobenen Bundespräsidenten-Stichwahl im Mai 2016 waren 750.000 Wahlkarten auszuzählen. Aber diese Übung war vergleichsweise leicht: Denn es gab nur zwei Kandidaten, während bei der NR-Wahl - je nach Bundesland - zwischen zehn und 13 Parteien am Stimmzettel standen. Auch durch die Vorzugsstimmen (mit deren richtiger Vergabe allein schon eine Partei gültig gewählt wäre) sind die NR-Stimmzettel aufwendiger auszuzählen.

Dennoch - und obwohl es damals nur etwas mehr als 600.000 Wahlkarten waren - konnte schon bei der Wiederholung der BP-Stichwahl im Dezember der Innenminister das vorläufige Ergebnis inkl. Briefwahl erst Dienstag zu Mittag verkünden. Denn der nach Wahlberechtigten größte Wahlkreis, Innsbruck-Land, unterbrach in der Nacht die Auszählung - begründet damit, dass man mit den strengen VfGH-Vorgaben nicht schneller auswerten habe können. Die Spannung war damals freilich nicht mehr allzu groß, lag Alexander Van der Bellen doch schon in der Urnenwahl klar vor Norbert Hofer.

+++ 15:35 Uhr: Liste Pilz beriet weiteres Vorgehen +++

Die Spitze der Liste Pilz hat am Tag nach der Nationalratswahl das weitere Vorgehen nach dem wahrscheinlichen Einzug ins Parlament beraten. Viel Konkretes konnte allerdings noch nicht beschlossen werden. Für die kommenden Tage werde man eine Klausur anberaumen, sagte ein Sprecher am Montag auf Anfrage der APA. Zunächst gelte es aber, das Wahlkartenergebnis abzuwarten.

Die Liste Pilz war am Wahlsonntag mit 4,3 Prozent (SORA) bzw. 4,4 Prozent (ARGE) voraussichtlich ins Hohe Haus eingezogen. Die Chance, dass das Wahlkartenergebnis dies noch verhindert, ist minimal. Der Termin für die kommende Klausur wurde bei dem Treffen der Führungsspitze am Montag mitsamt den Kandidaten noch nicht vereinbart. Dieser soll in den kommenden Tagen bekannt gegeben werden.

+++ 14:47 Uhr: Orbán gratuliert Kurz zum Wahlsieg +++

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat dem Wahlsieger Sebastian Kurz (ÖVP) gratuliert. "Wir vertrauen darauf, dass nach einer erfolgreichen Regierungsbildung (...) die Zusammenarbeit unserer beiden Länder auf der Grundlage der auch von Ihnen vertretenen christlich-konservativen Werte verstärkt werden kann", schrieb der rechts-nationale Regierungschef am Montag laut Sprecher an Kurz.

Sowohl die ÖVP als auch die von Orban geführte Fidesz-Partei gehören der Europäischen Volkspartei (EVP) an.

+++ 14:41 Uhr: Kern will keine Türen zuschlagen +++

SPÖ-Chef Christian Kern hat nach der Sitzung der Parteigremien betont, dass die Partei geschlossen dafür eintritt, bei einer entsprechender Einladung Gespräche über eine Regierungsbeteiligung zu führen: "Wir wollen keine Türe zuschlagen, das haben wir heute klar gemacht."

Dass Wiens Bürgermeister Michael Häupl zumindest Rot-Blau skeptisch gegenübersteht, nimmt Kern zur Kenntnis. Die Position des Stadtchefs sei bekannt. Doch hätten auch die Wiener Vertreter in den Gremien für die Aufnahme von Gesprächen gestimmt.

Ohnehin geht Kern sichtlich nicht davon aus, dass die Sozialdemokraten zum Zug kommen werden. Die Programme von ÖVP und Freiheitlichen seien "fast wortident". Er nehme daher an, dass die beiden Parteien relativ rasch ein Regierungsprogramm haben werden.

+++ 14:27 Uhr: SPÖ für Gespräche mit ÖVP und FPÖ +++

Die SPÖ hat am Montagnachmittag in ihren Parteigremien beschlossen, entlang des schon vorher festgelegten Wertekompass Gespräche mit allen Parteien über eine künftige Koalition zu führen, sofern man dazu eingeladen wird. Das berichtete der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser nach der Vorstandssitzung vor Journalisten. Wiens Bürgermeister Michael Häupl dementierte Widerstand aus seiner Landespartei.

Dass sich die Wiener in den Gremien gegen einen derartigen Beschluss stark gemacht hätten, sei eine "völlige Fehlinformation", betonte Häupl. "Selbstverständlich sind wir dafür, dass mit allen geredet wird", meinte Häupl. Das Präsidium habe sich einstimmig dafür ausgesprochen, im anschließenden Vorstand seien zwei Vertreter der Jugendorganisationen dagegen gewesen. Er habe keine Bedenken gegen Gespräche mit den Freiheitlichen, erklärte Häupl. Eine Koalition mit der FPÖ will er aber freilich auch nicht, bekräftigte der Bürgermeister.

+++ 14:18 Uhr: Merkel sorgt sich nicht um EU-Kurs unter Kurz +++

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich optimistisch über eine gute Zusammenarbeit mit dem wahrscheinlichen neuen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) in der EU-Politik geäußert. Sie mache sich "nicht so dramatische Sorgen" über mögliche Differenzen etwa in der Flüchtlingspolitik, sagte Merkel am Montag in Berlin.

Sie hatte dem ÖVP-Politiker bereits am Sonntagabend zu dessen Wahlsieg gratuliert. Differenzen seien "im direkten Gespräch nicht immer so klar", fügte die CDU-Chefin hinzu. Viele Fragen wie das EU-Türkei-Migrationsabkommen oder der Kampf gegen Fluchtursachen seien nicht strittig. "Deshalb ist da manches mehr rhetorischer Qualität", sagte sie zu dem österreichischen Wahlkampf, in dem Kurz auf eine harte Position in der Flüchtlingspolitik gesetzt hatte.

+++ 14:14 Uhr: "Zu dramatisch für Schnellschüsse" +++

Nach der Wahlniederlage bei der Nationalratswahl hat Grünen-Bundessprecherin Ingrid Felipe am Montag das Ergebnis als "zu dramatisch für Schnellschüsse" bezeichnet. "Wir werden uns die notwendige Zeit nehmen für eine fundierte Analyse", sagte sie.

"Ich sage klipp und klar: das ist ein Rückschlag, aber wir werden weiter kämpfen", so Felipe. Österreich brauche eine "ökologische und solidarische Alternative zum rechten Mainstream". Dies seien die Grünen in "Hunderten Gemeinderäten, in allen Landtagen, in sechs Landesregierungen, im Bundesrat und im EU-Parlament". "Wir werden weiter kämpfen", so die Grüne Bundessprecherin, die auch Landeshauptmannstellvertreterin in Tirol ist: "Die erste Chance für ein klares Signal, dass Österreich starke Grüne braucht sind die Landtagswahlen im Frühjahr".

+++ 13:33 Uhr: Grüne wären vierte abgewählte Partei +++

Müssen sich die Grünen tatsächlich aus dem Nationalrat verabschieden, sind sie die vierte Partei, die abgewählt wurde. Das Team Stronach ging freiwillig, es löste sich während der Periode selbst auf. Vier der zehn Parteien, die die Vier-Prozent-Hürde nahmen, sind immer noch im Nationalrat: SPÖ, ÖVP, FPÖ, NEOS - und eine, die Liste Pilz, kommt heuer neu dazu.

Bei Wahlen kandidiert haben (zu einem Teil mehrfach) 81 Parteien. In den Nationalrat geschafft haben es neben den fünf jetzt gekürten SPÖ, ÖVP, FPÖ, NEOS und Liste Pilz und den Grünen vorübergehend auch KPÖ, LIF, BZÖ und Team Stronach. Wobei die Grünen die Partei wären, die sich mit Abstand am längsten (nämlich 31 Jahre) im Nationalrat hielt. Außerdem wäre angesichts ihrer festen Verankerung in den Bundesländern (dort sind sie in fünf Landesregierungen vertreten) ein Comeback bei der nächsten NR-Wahl eher wahrscheinlich.

+++ 13:21 Uhr: Hochburgen und Negativ-Rekorde +++

Die Nationalratswahl hat auch 2017 wieder Rekordergebnisse in traditionellen Hochburgen der Parteien gebracht. Wahlsieger ÖVP konnte auf seine Top-Gemeinden in Tirol und Vorarlberg bauen, die SPÖ war wie gewohnt im Burgenland stark. Die FPÖ verlegte ihre Hochburgen von der Steiermark nach Kärnten. Die NEOS waren in Vorarlberg am stärksten, die Liste Pilz in den ehemaligen Grünen Wiener Hochburgen. Mehr dazu hier.

+++ 13:11 Uhr: FPÖ bringt Svazek und Ragger +++

Dank der Zugewinne bei der gestrigen Wahl kann die FPÖ etliche Neulinge in den Nationalrat schicken, obwohl vom bisherigen Team fast alle wieder kandidiert haben. Fehlen werden etwa Thomas Schellenbacher und Harald Jannach. Zurück kehren wird der frühere Dritte Nationalratspräsident Martin Graf, neu ist unter anderem die Salzburger Landeschefin Marlene Svazek.

Sie will allerdings nach der Landtagswahl kommenden Frühling zurück nach Salzburg wechseln. Ebenfalls zu den bekannteren Neuen zählt der frühere Kärntner FPÖ-Chef und Ex-Landesrat Christian Ragger. Über die Bundesliste kommt die Anwältin Susanne Fürst. Ebenfalls ein Mandat ergattert hat Maximilian Krauss, bekannt geworden, weil ihm Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) den Job des stellvertretenden Stadtschulratspräsidenten verweigert hatte.

Aus dem Bundesrat zurück in den Nationalrat kommt Werner Herbert, Chef der freiheitlichen Gewerkschafter (AUF). Schließlich hat es noch Robert Lugar mittlerweile mit der dritten unterschiedlichen Partei in den Nationalrat geschafft. Nach Mandaten für BZÖ und Team Stronach gibt es diesmal eines von der FPÖ.

+++ 13:09 Uhr: Kern wird wohl kürzestdienender Kanzler +++

Christian Kern (SPÖ) wird wohl als kürzestdienender Bundeskanzler der Zweiten Republik in die Geschichte eingehen. Wird Wahlsieger Sebastian Kurz (ÖVP) tatsächlich Kanzler, startet er gleich mit einem Rekord: Alle Vorgänger waren bei der Angelobung wesentlich älter. Das Durchschnitts-Angelobungs-Alter liegt bei 52, Kurz ist erst 31 Jahre alt.

Kein einziger der zwölf nach Wahlen angelobten Bundeskanzler war bisher unter 40 Jahre alt - und nur einer, Leopold Figl, (im Jahr 1945) nicht viel darüber, nämlich 43 Jahre. Alfred Gusenbauer (SPÖ) zog 2006 mit 46 im Kanzleramt ein, alle anderen waren nahe oder über 50.

Mit genau 50 kam Kern ins Amt - und mit 51 wird er es höchstwahrscheinlich verlassen. Dauern die Regierungsverhandlungen nicht ungewöhnlich lange, wird er der kürzestdienende Kanzler seit 1945. Erst am 9. April 2018 wäre er einen Tag länger im Kanzleramt als Parteikollege Alfred Gusenbauer (SPÖ), der zwar 2006 überraschend den ersten Platz für die SPÖ geholt hatte, aber schon ein Jahr und elf Monate nach Angelobung Werner Faymann weichen musste. Und ein halbes Jahr lang wurde in Österreich noch nie um die nächste Regierung gerungen.

Junge Regierungschefs
© APA/Hirsch

+++ 13:06 Uhr: Düringer hofft auf Überspringen der Ein-Prozent-Hürde +++

Der Bundesparteiobmann kündigt seinen Rücktritt an - und tritt doch ab morgen als "Der Kanzler" auf. Die Systemgegner haben ihr Wahlziel erreicht, doch das "System" hat eindrucksvoll seine Macht bewiesen. Das Aushängeschild des Projekts gibt sich betont gelassen - und schaut dennoch gespannt auf Donnerstag. Am Morgen nach der Wahl war die Lage bei der Liste GILT widersprüchlich.

Nein, Roland Düringer widersteht der Versuchung, zum APA-Interview "einen kleinen Schwarzen, kurz" zu bestellen und trinkt lieber Tee. Abwarten und Tee trinken gilt es bis zur Bekanntgabe des amtlichen Endergebnisses. Schafft es GILT (ohne Briefwahl und Wahlkarten derzeit bei 0,92 Prozent) über die Ein-Prozent-Hürde, gibt es Parteienförderung (früher: Wahlkampfkostenrückerstattung). "Dann können wir denen, die uns ein Darlehen gewährt haben, ihr Geld zurückzahlen", sagt der Kabarettist, der seiner Liste selbst 500 Euro vorgestreckt hat. Rund 120.000 Euro habe der vorwiegend Facebook-basierte Wahlkampf gekostet.

Bleibt man unter ein Prozent, wird die Liste GILT so rasch wie möglich aufgelöst. Schafft man es drüber, muss die Liste als Partei zumindest vorläufig weiterbestehen. Dann wäre für Düringer sogar denkbar, dass sich jemand anderer um das von ihm initiierte demokratiepolitischen Selbstermächtigungsprojekt kümmert und es weiterführt. Mit dem Wahlergebnis ist Düringer nicht unzufrieden. "Wie mache ich aus ungültigen Stimmen gültige? Das war unser Anspruch. Und das ist uns zumindest bei der Hälfte gelungen."

+++ 12:57 Uhr: NEOS legten weiteren Fahrplan fest +++

Die NEOS haben den weiteren Fahrplan festgelegt. So solle innerhalb der kommenden zehn Tage über das Antreten bei den anstehenden Landtagswahlen entschieden werden, sagte Generalsekretär Nikola Donig nach der Vorstandssitzung am Montag zur APA. Eine Klubklausur ist für Mitte November geplant, Ende des Monats findet eine Mitgliederversammlung statt.

Rund drei Stunden saßen die NEOS am Montag zusammen, um das für sie passable Wahlergebnis zu analysieren. Auch in den kommenden Tagen werde dies bei Sitzungen noch Thema sein, hieß es. Keine Entscheidung gab es darüber, ob die derzeitige Wiener Klubchefin Beate Meinl-Reisinger tatsächlich in den Nationalrats wechseln wird. Auch Personaldiskussionen habe es bei der Sitzung am Montag keine gegeben.

Akutes Thema für die NEOS ist allerdings das Antreten bei den anstehenden Landtagswahlen. Gewählt wird im kommenden Jahr in Tirol, Kärnten, Niederösterreich und Salzburg. Dafür spricht, dass man in diesen Ländern bei der Nationalratswahl leicht zulegen konnte. Darüber entscheiden könnte auch der erweiterte Vorstand der NEOS, der am 26. und 27. Oktober - fünf Jahre nach der Parteigründung - zusammentritt. Mehr dazu hier.

+++ 12:46 Uhr: Juncker wünscht sich "stabile proeuropäische Regierung" +++

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker wünscht sich nach den Wahlen in Österreich eine "stabile proeuropäische Regierung". Ein Sprecher erklärte am Montag in Brüssel, Juncker habe bereits mit dem möglichen neuen österreichischen Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) Kontakt gehabt.

Der Kommissionspräsident habe drei Punkte in einem Glückwunschschreiben an Kurz angeführt. Zunächst die herzliche Gratulation an Kurz für dessen Wahlerfolg. Zweitens der Hinweis, dass Österreich bald die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen wird und dabei eine wichtige Rolle in der Gestaltung vieler wichtiger Angelegenheiten für die Zukunft Europas spielen werde. Drittens habe Juncker Kurz "viel Erfolg für die Bildung einer stabilen proeuropäischen Regierung" gewünscht.

+++ 12:45 Uhr Zahlreiche Wechsel bei der SPÖ +++

Zahlreiche Wechsel finden nach der Nationalratswahl im SPÖ-Parlamentsklub statt und das nicht nur, weil eine große Gruppe an Abgeordneten nicht mehr kandidiert hat. Nach derzeitigem Stand fliegen etwa Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann, pro-ge Chef Rainer Wimmer, Bundesgeschäftsführer Christoph Matznetter und die Vorsitzende der Jungen Generation Katharina Kucharowits aus dem Nationalrat.

Dem Vernehmen nach ebenfalls nicht geschafft haben dürfte es der frühere Klubchef Josef Cap, dessen Vorzugsstimmenwahlkampf gescheitert sein dürfte. Für ihn bedeutet dies wohl einen Abschied aus dem Hohen Haus nach 34 Jahren. Fix weg ist der ehemalige Verteidigungsminister Gerald Klug.

Neue Gesichter gibt es zu Hauf, allerdings wenige Prominente. Aus Niederösterreich kommt der frühere Landesrat Maurice Androsch, ebenfalls der ehemalige SJ-Chef Andreas Kollroß, heute Bürgermeister in Trumau sowie Landesgeschäftsführer Robert Laimer. Gerade noch geschafft hat es ein Jungstar, die Bürgermeisterin von Altmünster Elisabeth Feichtinger aus Oberösterreich. Vorarlberg entsendet Landesgeschäftsführer Reinhold Einwallner, Tirol unter anderem Frauenchefin Selma Yildirim. Neu aus der Steiermark ist unter anderem Gebietskrankenobfrau Verena Nussbaum.

Von den bisherigen Regierungsmitgliedern dürften neben Kanzler Christian Kern Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil, Infrastrukturminister Jörg Leichtfried, Sozialminister Alois Stöger und Staatssekretärin Muna Duzdar jedenfalls ihre Mandate annehmen. Verzichtet etwa Kanzleramtsminister Thomas Drozda, würde der frühere Bundesratspräsident Mario Lindner nachrücken. Unsicher ist, ob der zurückgetretene Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler seinen Sitz in Anspruch nimmt. Wenn nicht, hätte ÖGB-Frauenchefin Renate Anderl eine Chance.

+++ 12:33 Uhr: Blimlinger fordert Rücktritt des Grünen Bundesvorstands +++

Der Grüne Bezirksvorsteher von Wien-Neubau, der wichtigsten Hochburg der Wiener Grünen, Thomas Blimlinger, fordert als Konsequenz des Wahlergebnisses den Rücktritt des Bundesvorstands. Seiner Ansicht nach sind die Ursachen für den Absturz der Grünen nicht alleine in den Ereignissen der vergangenen Monate zu sehen, sondern auch auf langjährige Fehler der Bundespartei zurückzuführen.

"Teile der Ursache sind nicht neu, sondern es sind auch in den letzten zehn, zwölf Jahren Fehler gemacht worden", sagte der langjährige Bezirkschef, der sich Ende November aus seinem Amt zurückziehen wird, am Montag im Gespräch mit der APA. Er sei seit den Anfängen der Grünen Bewegung dabei gewesen. "Damals waren sie neu. Jetzt sind die Grünen eine stinknormale Partei, die nichts Neues an sich hat."

Seiner Ansicht nach müsse nun der Bundesvorstand zurücktreten. "Es muss jemand die Verantwortung übernehmen." Diese liege beim Parteivorstand, dem neben Parteichefin Ingrid Felipe elf Mitglieder angehören. Die Partei müsse sich nach außen öffnen, forderte Blimlinger. Namen wollte er keine nennen, doch es gebe "genug Menschen von außen, Profis von Agenturen, Leute die uns positiv gegenüberstehen", die man einbeziehen könne.

+++ 12:20 Uhr: SPÖ mehrheitlich für Verhandlungen +++

Das SPÖ-Präsidium hat sich am Montag für Koalitionsverhandlungen mit ÖVP und FPÖ ausgesprochen. Allerdings gab es dem Vernehmen nach starken Widerstand vor allem der Wiener Vertreter Michael Häupl und Renate Brauner. Auch die westlichen Bundesländer Tirol und Vorarlberg sollen gegenüber entsprechenden Verhandlungen skeptisch sein.

Einen formellen Beschluss soll es erst in der Vorstandssitzung geben, die Montagmittag begonnen hat.

+++ 12:19 Uhr: CSU setzt auf "Bundeskanzler Kurz als Verbündeten" +++

Die bayerische CSU hat mit Freude auf den Wahlsieg der ÖVP und ihres Vorsitzenden Sebastian Kurz reagiert. Der Erfolg der ÖVP habe gezeigt, dass man in der "Mitte und Mitte-Rechts" Wahlen gewinnen könne, sagte CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer am Rande einer Parteivorstandssitzung am Montag in München.

Bayern und Deutschland brauchten einen "Bundeskanzler Kurz als Verbündeten" in Europa, da die Zuwanderungsfragen noch nicht gelöst seien, so Scheuer.

Kurz habe sich als Außenminister besonders bei der Schließung der Balkan-Flüchtlingsroute als "guter Partner" erwiesen, fügte Scheuer hinzu. Kurz habe "handfeste handwerkliche Politik für Europa" betrieben. Die neue deutsche Bundesregierung müsse mit Wien intensiv in Kontakt treten, um den Herausforderungen zu begegnen.

Der CSU-Generalsekretär bescheinigte dem früheren SPÖ-Kanzler Werner Faymann in der Flüchtlingspolitik einen "Ursprungsfehler". Dieser habe darin bestanden, Österreich zu einem Transitland für die Zuwanderung nach Deutschland zu machen.

+++ 11:42 Uhr: Regierungsbildungsauftrag an Kurz frühstens am Freitag +++

Nach der Wahl ist vor der Regierungsbildung. Den Auftrag dazu wird Bundespräsident Alexander Van der Bellen wohl frühestens am Freitag nach Vorliegen des Endergebnisses inkl. Briefwahl an Wahlsieger Sebastian Kurz erteilen (ÖVP). Im Schnitt dauerte die Regierungsbildung in der 2. Republik 60 Tage, bei den vergangenen Wahlen dauerte es aber jeweils länger, bis Österreich eine neue Regierung hatte.

Der ÖVP-Chef ließ sich nach seinem Wahlsieg nicht in die Karten schauen, wie er die Regierungsbildung anlegen will. Am Zug sei nun zunächst der Bundespräsident, danach werde er Gespräche mit allen im Parlament vertretenen Parteien führen ehe es an konkrete Koalitionsverhandlungen gehe, meinte Kurz. Van der Bellen kündigte unteressen an, dass er Kurz mit der Bildung einer künftigen Bundesregierung beauftragen werde, wenn sich - wovon auszugehen ist - am Wahlsieger mit Auszählung der Briefwahl und Wahlkarten weder Montag noch Donnerstag etwas ändert. Mehr zum Zeitplan nach der Wahl hier.

Dauer REgierungsbildung
© APA/Waxmann

+++ 11:38 Uhr: Wiener Grüner Landessprecher: "Es muss sich einiges ändern" +++

Die Wiener Grünen plädieren nach dem Desaster bei der Nationalratswahl für eine Art Neustart der Bundespartei. "Dass es nicht so weitergehen kann, ist hoffentlich allen klar", sagte Landessprecher Joachim Kovacs am Montag im APA-Gespräch: "Es muss sich einiges ändern", forderte er "inhaltliche und in gewissen Bereichen vielleicht auch personelle Weichenstellungen".

Konkret auf die Frage, ob Parteichefin Ingrid Felipe zurücktreten solle, wollte sich Kovacs aber nicht äußern. Überhaupt wolle er zu Personalia derzeit noch nichts sagen, das müsse zuerst intern geklärt werden. Aber es brache jedenfalls eine "Aufbruchstimmung", denn man werde wohl nicht mehr viele Chancen bekommen, "den Karren aus dem Dreck zu ziehen".

In der Ursachenanalyse zeigte sich der Landessprecher eher zurückhaltend. Nur soviel: "Wenn man mehr als zwei Drittel der Wähler verliert, hat das nicht ein oder zwei Gründe, sondern dann gibt es eine Serie an Gründen". Man müsse diese "Katastrophe" jetzt genau analysieren und die richtigen Schlüsse daraus ziehen: "Es wird einen Kraftakt brauchen." Man müsse nun gemeinsam daran arbeiten, wie man gestärkt zurückkommen könne.

+++ 11:30 Uhr: Tiroler Grüne wollen Ergebnis "schonungslos analysieren" +++

Die Tiroler Grünen wollen das Ergebnis "schonungslos analysieren". Am Ende des Prozesses soll dann darüber entschieden werden, ob bzw. welche Personalentscheidungen folgen sollen, sagte Thimo Fiesel, Geschäftsführer der Tiroler Grünen.

"Derzeit zittern wir noch und hoffen auf die Minimalchance, den Einzug doch noch zu schaffen", sagte Fiesel, räumte aber gleichzeitig ein, dass "nicht mehr viel Hoffnung da" sei. Jetzt sei es aber jedenfalls "viel zu früh", über Personalentscheidungen nachzudenken.

Im Hinblick auf die bei einem Nichteinzug und dem damit verbundenen Verlust der Parteienförderung drohende klamme Finanzsituation der Bundespartei meinte Fiesel: "Jetzt heißt es: zusammenstehen!" Und man werde jedenfalls intern eine "solidarische Lösung" suchen.

+++ 11:20 Uhr: 2,1 Prozent für zehn "Sonstige" zusammen +++

Im Dreierrennen von SPÖ, ÖVP und FPÖ blieb am Sonntag wenig Platz für andere Parteien. NEOS und Liste Pilz konnten sich zwar behaupten, aber die Grünen müssen 31 Jahre nach dem Einzug den Nationalrat höchstwahrscheinlich verlassen. Und für zehn andere Parteien zusammen stimmten insgesamt nur 2,1 Prozent - darunter auch durchaus bekannte Akteure wie Roland Düringer und Karl Schnell.

Der Kabarettist Düringer hatte gehofft, mit seiner Liste GILT die Wahlberechtigten zu erreichen, die die Nase voll haben von der herkömmlichen Politik. Das waren am gestrigen Sonntag aber weniger als sonst (die Beteiligung wird nach der Briefwahlauszählung höher sein als zuvor) - und GILT wurde (laut vorläufigem Endergebnis) nur rund 40.000 mal angekreuzt, was einen Anteil von 0,9 Prozent ausmachte.

Das war auch schon das beste Ergebnis der "Sonstigen". Der KPÖ half es nicht, dass sie heuer mit den Jungen Grünen zusammen antrat, sie rutschte mit etwas mehr als 30.000 Stimmen und 0,7 Prozent wieder unter die Ein-Prozent-Grenze.

Zwei neue Kleinparteien, die österreichweit antraten, begeisterten jeweils nur rund 7.700 Wähler. Dazu zählt auch die Freie Liste Österreich, mit der ihr Gründer Karl Schnell seiner alten Partei, der FPÖ, Konkurrenz machen wollte - wofür er sich auch die langjährige FPÖ-Politikerin Barbara Rosenkranz sowie einige Team Stronach-Leute geholt hatte. Der Plan ging aber nicht auf, nur 0,2 Prozent wählten FLÖ - und ebenso viel schafften die "Weißen", die als (von Ex-Team Stronach-Abgeordneten unterstützte) Bürgerbewegung für direkte Demokratie auch auf Politik-Frustrierte gesetzt hatte.

Vergleichsweise großen Zuspruch fand die von Migranten gegründete Vorarlberger Arbeiterkammer-Fraktion Neue Bewegung für die Zukunft (NBZ): Sie bekam allein in Vorarlberg (nur dort schaffte sie die Kandidatur) 2.600 Stimmen. Das waren österreichweit freilich nur 0,06 Prozent. Die anderen nur ein einem oder zwei Länder antretenden Parteien (SLP, EUAUS, Männerpartei, CPÖ und ODP) holten nur 183 bis 661 Stimmen (das waren 0,00 bis 0,02 Prozent).

+++ 11:11 Uhr: Pilz-Klub: Grün-dominiert +++

Der Parlamentsklub der Liste Pilz wird fast zur Hälfte von Grünen gestellt. Neben dem Gründer Peter Pilz schafften auch Bruno Rossmann und Wolfgang Zinggl neuerlich den Einzug in den Nationalrat, ironischerweise nachdem sie bei den Grünen bei der Listenerstellung gescheitert waren. Dazu kommt Pilz' Anwalt und Spender Alfred Noll erstmals ins Parlament.


Schon im Nationalrat vertreten war Daniela Holzinger, allerdings bis zum Sommer im Klub der SPÖ. Dazu gesellen sich neu Stephanie Cox und Alma Zadic. Komplettiert wird der Klub, so man sich an die Reihung hält und Vorzugsstimmen nichts anderes ergeben, von Konsumentenschützer Peter Kolba. Gescheitert wären demnach die prominente Naturwissenschafterin Renee Schroeder sowie die ehemalige Initiatorin des Frauenvolksbegehrens Maria Stern.

+++ 10:59 Uhr: Kärntner Grüne drängen nicht auf personelle Wechsel +++

Die Kärntner Grünen drängen nach der verlorenen Nationalratswahl nicht auf personelle Veränderungen. "Jetzt warten wir einmal bis Donnerstag", meinte Rolf Holub, Mitglied des Kärntner Leitungsgremiums, am Montag gegenüber der APA. "Es wird schwer genug sein, die Bundespartei wieder aufzubauen. Wir suchen Lösungen, keine Schuldigen."

Außerdem sei das Personalthema Sache des Bundesvorstands, in dem die Kärntner, die aktuell keinen Landessprecher, sondern eben ein Leitungsgremium haben, nicht vertreten sind. Die Landesparteiführung werde am Montagabend zu einer Sitzung zusammenkommen, "da werden wir eher analysieren und Fehler finden", so Holub. Schnellschüsse brauche man aktuell jedenfalls nicht. "Wir werden viel nachdenken müssen. Es ist eine neue Zeit."

+++ 10:40 Uhr: Nur Häupl a priori gegen Rot-Blau +++

Die SPÖ ist bereit, in Koalitionsverhandlungen mit ÖVP und FPÖ einzutreten. Das machte Parteichef Christian Kern vor dem Parteipräsidium klar. Basis für die Gespräche würden Kriterienkatalog und Wertekompass sein, die bereits vor der Wahl fixiert worden waren. Während Gewerkschaft und Bundesländer den Kanzler in dieser Frage unterstützten, bremste Wiens Bürgermeister Michael Häupl. Mehr dazu hier.

+++ 10:35 Uhr: Puls-4-Reporter bei FPÖ-Wahlfeier ins Gesicht geschlagen +++

Einem Reporter des Privatfernsehsenders Puls 4 ist am Wahlabend bei der FPÖ-Wahlfeier ins Gesicht geschlagen worden. "Zum ersten Mal in meinen Leben wurde ich in diesem schönen Österreich aus dem Nichts körperlich angegriffen. Ein FPÖ-Anhänger hat mir ohne Grund ins Gesicht geschlagen", schrieb Arman Behpournia auf Facebook. Von der FPÖ gab es vorerst keinen Kommentar zu dem Vorfall.

Puls-4-Infochefin Corinna Milborn kündigte für heute, Montag, eine Anzeige an. "Motiv des Angriffs des (bisher unbekannten) Gastes war leider tatsächlich Rassismus", erklärte Milborn auf Twitter. Und Behpournia selbst schrieb: "Ich hoffe, dass für Menschen mit meinem Aussehen (schwarze Haare, dunkle Augen) das Leben in diesem schönen Österreich auch noch in Zukunft erträglich und lebenswert ist."

+++ 10:34 Uhr: Vranitzky hält SPÖ-Wahlkampf für wenig gelungen +++

Altkanzler Franz Vranitzky (SPÖ) hält den Wahlkampf seiner Partei für wenig gelungen. "Da wäre mehr drinnen gewesen", sagte Vranitzky dem Nachrichtenmagazin "profil". "Kern war in den letzten 14 Tagen großartig, aber da war es schon zu spät." Außerdem seien im Umfeld des Kanzlers "leider sehr problematische Charaktere aufgetaucht", so Vranitzky.

Die SPÖ werde gut daran tun, "sich ihre Mitarbeiter künftig besser auszusuchen". Der frühere SPÖ-Chef hält es zudem für falsch, dass die SPÖ nicht schon im Jänner Neuwahlen ausgerufen habe. "Mit der Weisheit des Rückblicks muss man sagen: Ja, man hätte damals neu wählen müssen." Kritisch sieht er auch die Debatte über eine Öffnung zur FPÖ: "Diese FPÖ-Diskussion war ein weiterer Fehler."

+++ 10:33 Uhr: Grüne bereiten Gremiensitzungen vor +++

Katzenjammer ist angesichts des drohenden Parlaments-Aus bei den Grünen angesagt. Am heutigen Montag nach der Wahl wird es noch keine Gremiensitzungen geben. Man bereitet sich aber auf den morgigen Bundesvorstand vor, teilte die Partei auf Anfrage mit.

Erst wenn das Endergebnis am Donnerstag feststeht und endgültig klar ist, ob die Grünen aus dem Parlament rausfliegen oder es doch noch schaffen, wird der Erweiterte Bundesvorstand zusammenkommen. Dort wird es wohl um personelle Frage sowie um die drohende finanzielle Not im Falle eines Parlaments-Auszugs gehen.

+++ 10:32 Uhr: FDP befürchtet Folgen für deutsche Koalitionsgespräche +++

Der Rechtsruck bei der Nationalratswahl könnte Auswirkungen auf die Koalitionsgespräche in Deutschland haben. Die liberale FDP geht davon aus, dass die Verhandlungen über eine "Jamaika-Koalition" mit Union und Grünen nun schwieriger werden. FDP-Vizechef Wolfgang Kubicki sagte am Montag im ARD, er befürchte, dass insbesondere die CSU "völlig falsche Schlüsse" aus der Nationalratswahl ziehe.

Kubicki sagte, dass die Flüchtlings- und Migrationspolitik zu den "größten Hürden" bei den Jamaika-Sondierungsgesprächen zähle. Nach dem Wahlerfolg der rechtspopulistischen AfD hatte die CSU eine Verschärfung des Kurses der Union in dieser Frage durchgesetzt. CDU und CSU gehen mit einer Quasi-Obergrenze von 200.000 Flüchtlingen pro Jahr in die Sondierungen mit FDP und Grünen. Die Sondierungsgespräche über eine Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen in Deutschland beginnen am Mittwoch.

+++ 09:57 Uhr: NEOS bereiten sich auf Opposition vor +++

Die NEOS bereiten sich auf die Opposition vor: "Wir werden ein starkes Gegengewicht zu einer rechtskonservativen Regierung sein", sagte Parteichef Matthias Strolz vor der Vorstandssitzung Montagvormittag. Neben der Analyse des Wahlergebnisses werden auch in den kommenden Tagen die möglichen Kandidaturen bei den anstehenden Landtagswahlen Thema sein.

"Ich bin zufrieden, natürlich wünscht man sich immer mehr", kommentierte Strolz auch am Tag nach der Wahl das passable Ergebnis für die NEOS. Laut den Hochrechnungen hat die Oppositionspartei 5,1 Prozent (SORA) bzw. 5,3 Prozent (ARGE Wahlen) erreicht und somit einen minimalen Zugewinn. Strolz kommentierte dies gewohnt optimistisch: "Wir haben an politischem Gewicht zugenommen." Man sei nunmehr viertstärkste statt wie bisher sechststärkste Fraktion im Nationalrat.

Strolz
© APa/Fohringer Strolz: "Ich bin zufrieden, natürlich wünscht man sich immer mehr"

"Wir gehen ab heute in den Arbeitsmodus", meinte Strolz vor der Vorstandssitzung, die in den kommenden Tagen nicht die einzige sein soll. Ein wesentliches Thema soll das Antreten bei den anstehenden vier Landtagswahlen sein. Die NEOS konnten bei der Nationalratswahlihren Stimmenanteil in den betroffenen Bundesländern leicht ausbauen. Die Verluste in Wien sieht Strolz nüchtern. Die Bundeshauptstadt sei natürlich heiß umstritten. Die Liste des ehemaligen Grünen Peter Pilz habe dort sehr großen Zuspruch erhalten. Dennoch müsse man sich das Ergebnis natürlich anschauen.

Für die Wiener NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger, die diesmal für den Nationalrat kandidiert hatte, muss das Ergebnis in der Bundeshauptstadt ebenfalls erst analysiert werden. "Ich glaube, es ist nichts falsch gelaufen", meinte sie zum Abschneiden in ihrem Bundesland. Auch sie verwies auf die starke Liste Pilz: "Das ist so in einer Demokratie." Über einen Wechsel in den Nationalrat wollte sie Montag noch nicht entscheiden. Es gebe Argumente dafür und dagegen.

Allgemeines Bedauern gab es bei den NEOS über die starken Verluste der Grünen und das mögliche Ausscheiden aus dem Nationalrat. "Das ist ein Verlust für Österreich und auch wirklich ein Schock", meinte NEOS-Chef Strolz dazu. Die Liste Pilz sei "kein wertiger Ersatz" für die Grüne Partei. Noch wisse man nicht, wofür diese überhaupt steht. Auch eine kleine Spitze gegen Pilz konnte sich Strolz nicht verkneifen: Seine Liste erinnere im Ansatz ein bisschen an das Team Stronach.

+++ 09:48 Uhr: Liste Pilz berät über vorläufiges Ergebnis +++

Der Führungszirkel der wahrscheinlichen Parlamentspartei Liste Pilz berät am Montagnachmittag, wie es mit der Bewegung nun weiter geht. Wie die APA erfuhr, findet am frühen Nachmittag in Wien ein Treffen "im kleinen Kreis" statt, die Rede ist von gut einem Dutzend Leute. Ob bereits Weichenstellungen vergenommen werden, ist unklar.

Gründer Peter Pilz betonte am Wahlabend jedenfalls die Wichtigkeit eines Parlamentsklub für den Aufbau eines Gegenprojekts zu Schwarz-Blau. Die Nummer drei auf Bundesliste, Alfred Noll, brachte zudem eine Änderung des Listennamens ins Spiel. Beide erklärten bei der Wahlparty aber auch, bis Donnerstag abwarten zu wollen, bis alle Wahlkartenstimmen ausgezählt sind.

+++ 09:27 Uhr: Internationale Reaktionen zur Wahl +++

Zahlreiche Gratulationen aus dem Ausland sind am Sonntagabend bei ÖVP-Chef Sebastian Kurz eingegangen. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy wies darauf hin, dass die ÖVP Partner seiner Partei im Europäischen Parlament sei: "Bauen wir weiter ein starkes und vereinigtes Europa", schrieb Rajoy im Kurznachrichtendienst Twitter an Kurz gerichtet.

Auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko betonte dessen europäische Orientierung: "Kurz' Sieg ist auch der Sieg eines überzeugten Europäers, der die Wichtigkeit einer gemeinsam agierenden EU für Frieden am Kontinent versteht", schrieb Poroschenko auf Facebook. Er sei überzeugt, dass die Einheit Europas und europäische Werte auch für die neue österreichische Regierung wichtig sein würden. Obwohl der ukrainische Präsident auf längere Koalitionsverhandlungen verwies, die dem ÖVP-Spitzenkandidaten bevorstünden, bezeichnete er Kurz als "jüngsten Kanzler in Österreichs Geschichte".

Der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko gratulierte "dem Freund der Ukraine" und gab sich überzeugt: "Ich glaube, dass Kurz alle Hoffnungen erfüllen wird". Die Österreicher hätten gezeigt, dass sie sich verändern wollten.

Erfreut zeigte sich auch der Generalsekretär der bayerischen CSU. Andreas Scheuer twitterte: "Das Ergebnis in Österreich freut uns." Kurz "wird bei einer Begrenzung der Zuwanderung mithelfen". Der slowenische Oppositionsführer und Ex-Premier Janez Jansa nannte den Wahlsieg von Kurz einen "wichtigen Sieg für Österreich und Europa".

Der irische Premierminister Leo Varadkar gratulierte Kurz. Sein Außenminister Charlie Flanagan‏ wünschte der künftigen Bundesregierung Erfolg für die bevorstehenden Herausforderungen, wie Flanagan auf Twitter schrieb. Glückwünsche schickte dem ÖVP-Chef auch der lettische Außenminister Edgars Rinkevics: Gratulationen für den "hart erkämpften und wohlverdienten Wahlsieg". Gratulationen kamen außerdem von der schwedischen Außenministerin Margot Wallström, ihrem dänischen Amtskollegen Anders Samuelsen, vom kosovarischen Premier Ramush Haradinaj sowie dem kroatischen Premier Andrej Plenkovic.

Die Präsidentin von Kärntens Nachbarregion Friaul Julisch Venetien, Debora Serracchiani hofft auf eine europafreundliche Strategie der neuen Regierung um Kurz. Serracchiani äußerte die Hoffnung, dass Kurz nach seinem Sieg auf die scharfen Wahlkampftöne verzichten werde. "Österreich ist eine solide Demokratie und ein strategischer Partner Italiens. Ich vertrauen, dass unser Dialog lebendig und fruchtbar bleiben wird, sowohl auf bilateraler, als auch auf europäischer Ebene", betonte Serracchiani, Nummer zwei der Regierungspartei "Partito Democratico" (PD) um Ex-Premier Matteo Renzi. Die Politikerin begrüßte auch das Abschneiden der SPÖ. "Dieses Wahlergebnis verleiht der SPÖ eine große politische Verantwortung", betonte die friaulische Präsidentin.

+++ 08:28 Uhr: AfD-Chef Gauland lobt Kurz: "Bollwerk gegen Masseninvasion Fremder" +++

Der Fraktionschef der rechtspopulistischen AfD, Alexander Gauland, lobt Wahlsieger Sebastian Kurz. Die AfD habe zwar "eine gewisse Verbindung" zur FPÖ, sagte Gauland, doch auch Kurz habe als Außenminister durch Entscheidungen in der Migrationsfrage deutlich gemacht, dass Österreich "ein Bollwerk gegen eine Masseninvasion fremder Menschen ist".

Positiv zum ÖVP-Chef äußerte sich auch die frühere AfD-Chefin Frauke Petry, die sich mit einer gemäßigteren rechtspopulistischen Partei selbstständig gemacht hat. Kurz sei ein "politisches Ausnahmetalent", sagte sie nach Angaben der "Zeit" (Onlineausgabe). Der ÖVP-Chef habe im Wahlkampf auch Themen der FPÖ aufgegriffen, sei dabei aber glaubwürdiger gewesen als etwa der bayerische CSU-Chef Horst Seehofer, der dies im Bundestagswahlkampf mit Blick auf die AfD versucht habe. "Einen Senkrechtstarter wie Kurz sehe ich hier in Deutschland in der Union nicht."

"Ich freue mich, dass Österreich jetzt eine sehr starke konservativ-bürgerliche Mehrheit hat", sagte Petry. Gauland sprach sich offen für Schwarz-Blau aus. Zwar wolle er sich nicht in österreichische Belange einmischen, er hoffe aber, "dass eine Regierung zustande kommt zwischen ÖVP-Chef Sebastian Kurz und Hans-Christian Strache von der FPÖ".

+++ 08:11 Uhr: Mehr als 750.000 Stimmen fehlen noch +++

Mehr als 750.000 Stimmen der Nationalratswahl sind noch nicht ausgezählt. Diese Briefwahl- und Wahlkartenstimmen dürften der SPÖ doch noch Platz 2 vor der FPÖ bringen. NEOS und Liste Pilz haben laut den Briefwahlprognosen nichts zu befürchten - und die Grünen müssen für den Verbleib im Nationalrat auf ein Wunder hoffen. In den Prognosen von ARGE Wahlen und SORA/ORF bleiben sie unter vier Prozent.

Den größten Teil der noch offenen Stimmen werten am Montag die Bezirkswahlbehörden aus - nämlich jene, die per Post geschickt wurden. Dies dürften mehr als 700.000 sein. Das Ergebnis lag 2013 um 22.30 Uhr vor. Heuer könnte es eventuell noch etwas später werden, werden doch alle Wahlbehörden strikt die gesetzlichen Vorgaben einhalten. Das bedeutet z.B., dass sie die Briefwahlkuverts erst Montag ab 9.00 Uhr aufschlitzen dürfen - und nicht schon am Sonntag oder früher am Montag damit beginnen dürfen.

Am Donnerstag sind die Landeswahlbehörden dran: Sie zählen die Wahlkarten aus, die am Sonntag in "fremden" Wahlkreisen abgegeben wurden - und zwar nicht nur "klassisch" als Wahlkarte, sondern heuer erstmals auch als Briefwahl (also ausgefüllt und unterschrieben). Letzteres war bei früheren Wahlen nicht möglich, und so lässt sich nicht wirklich abschätzen, wie viele Stimmen am Donnerstag noch anfallen. Zwischen 50.000 und 100.000 wurde gerechnet.

+++ 07:46 Uhr: Mit Parlaments-Aus droht Grünen Finanznot +++

Sollten die Grünen - und danach sieht es angesichts der aktuellen Hochrechnungen aus - den Wiedereinzug ins Parlament verpassen, dann hätte das auch finanziell dramatische Folgen. Die 8,9 Mio. Euro Fördergelder auf Bundesebene (Stand 2016) würden wegfallen, während gleichzeitig Millionenschulden aus dem Wahlkampf beglichen werden müssen. Einspringen müssten wohl die Landesparteien. Mehr dazu hier.

+++ 07:07 Uhr: SPÖ, ÖVP und Pilz große Gewinner in Heimat-Bezirken +++

Fast alle Spitzenkandidaten konnten ihren Heimvorteil nutzen: SPÖ-Chef Christian Kern legte in Wien-Neubau ein sattes Plus von 14 Prozentpunkten hin, ÖVP-Chef Sebastian Kurz schaffte in Meidling einen Zuwachs von 6,5 Prozentpunkten. Peter Pilz stieg in Wien-Donaustadt mit 6,2 Prozent ein. Ein fettes Minus von 14,4 Prozentpunkten für die Grünen muss Ulrike Lunacek in Wien-Leopoldstadt verkraften.

+++ 07:02 Uhr: Wahlbeteiligung dürfte über 78 Prozent wachsen +++

Mit nur 67,6 Prozent wurde die Wahlbeteiligung im vorläufigen Endergebnis am Sonntag ausgewiesen. Mit der Auszählung der Brief- und Wahlkartenwähler dürften aber noch rund 780.000 zu den 4,324.760 abgegebenen Urnenwähler-Stimmen dazukommen. Damit wird die Beteiligung auf über 78 Prozent steigen und somit höher sein als 2013 (74,91 Prozent). Auch am Ergebnis wird sich noch einiges ändern.

Die SPÖ kann davon ausgehen, letztlich doch auf Platz 2 zu kommen: Sowohl mit der Briefwahlprognose der ARGE Wahlen als auch laut SORA/ORF liegt sie letztlich bei 26,9 Prozent, die FPÖ aber auf bei 26,0 (SORA) bzw. 26,5 (ARGE). Damit muss die FPÖ den am Sonntag bei den Urnenwählern eroberten zweiten Platz wieder räumen. Unangefochten Erste bleibt die ÖVP - wobei SORA mit etwas mehr (31,6 Prozent), die ARGE von gleich viel wie im Urnenergebnis (31,4) ausgeht.

Die Grünen müssten bei den Briefwählern sehr viel besser abschneiden als von den Hochrechnern erwartet, um im Nationalrat zu bleiben. Sie liegen in beiden Prognosen unter der Vier-Prozent-Grenze: Bei SORA ganz knapp mit 3,9 Prozent, bei der ARGE deutlicher mit 3,6 Prozent. NEOS (5,0 am Sonntag) und Liste Pilz (4,1) können laut den Briefwahlschätzungen davon ausgehen, noch etwas zuzulegen.

+++ 22:49 Uhr: Strache verlangt "ehrliche Koalitionsverhandlungen

FPÖ-Chef Heinz Christian Strache fordert "ehrliche Regierungsverhandlungen". Seine Partei sei "seit heute ein großer politischer Faktor". Die Österreicher hätten mit der heutigen Wahl einen Auftrag zur Veränderung gegeben, und das wolle die FPÖ umsetzen.

Heinz-Christian Strache
© APA/ ALEX HALADA / AFP

"Wir werden uns und den Österreichern gegenüber treu bleiben", sagte Strache bei der FPÖ-Wahlfeier in der Marxhalle Sonntagabend. "More of the same" könne es nicht mehr geben. "Wir bestehen auf Veränderungen", so Straches grundsätzliche Koalitionsbedingung. Konkret nannte er unter anderem den Grenzschutz.

+++ 22:32 Uhr: Auftritt Sebastian Kurz

Gefeiert wurde beim Wahlsieger schon seit der ersten Hochrechnung, als der Parteichef Sebastian Kurz dann allerdings gegen 22.15 Uhr in der ÖVP-Wahlzentrale eintraf, gab es kein Halten mehr. Das Gedränge in den Partyzelten und in der Halle mit der Bühne war riesig. Kurz bedankte sich beim Team und den Wählern, in seiner kurzen Ansprache erklärte er: "Es ist nicht der Tag des Triumphs über andere."

© Video: News/Renate Kromp
© Video: News/Renate Kromp


Partystimmung war wenig überraschend bei der nun türkisen ÖVP schon recht zeitig aufgekommen, eine Band spielte im Kursalon Hübner, es wurde geshaked und getrunken. Fürs leibliche Wohl gab es außerdem Frankfurter mit Gebäck. Neben dem Gebäude waren aufgrund des zu erwartenden großen Andrangs zwei riesige Partyzelte aufgebaut und Gedränge herrschte nicht nur vor einer türkisen Fotobox. Moderator Peter L. Eppinger kündigte ihn von der Bühne aus eben noch an und plötzlich wurde Kurz' Erscheinen in der Menge bereits auf der Videowall übertragen.

+++ 22:20 Uhr: Minutenlanger Applaus für Ulrike Lunacek

Emotionen und viel Jubel gab es Sonntagabend in der Wahlzentrale der Grünen für Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek. Unter Tränen dankte sie allen und rief: "Wir Grüne leben weiter, und wir werden wieder stärker." Dann wiegte sie sich mit Bundessprecherin Ingrid Felipe und Geschäftsführer Robert Luschnik zu "I am what I am", bis Unterstützer die Bühne stürmten und alles in Umarmungen unterging.

© Video: News/Valerie Krb

Als Lunacek am späteren Abend im weiterhin gut gefüllten Wiener "Metropol" eintraf, wurde sie mit minutenlangem Applaus begrüßt. Sie lobte alle Unterstützer für ihren Einsatz im Wahlkampf der Grünen. Es gehe um die Bekämpfung des Klimawandels und den Einsatz für Menschenrechte und Menschenwürde. "Das braucht es", meinte sie, und starke Grüne wären dafür notwendig. Der dennoch geringe Wählerzuspruch,"das tut weh".

+++ 22:17 Uhr: Peter Pilz rockt

"Ja, es geht"-Rufen ist Peter Pilz am Wahlabend von seinen Anhängern im Schutzhaus Zukunft auf der Schmelz im 15. Wiener Gemeindebezirk empfangen worden. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Pilz seinen Mitstreitern für ihren Einsatz dankte. Die Stimmung war ob des Abschneidens mehr als ausgelassen. Es wurde getanzt und gesungen, die Band "The Untouchables" spielte Rock'n'Roll.

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© Video: News/Stefan Melichar

Außerdem lieferte Pilz noch eine musikalische Einlage:

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+++ 22:15 Uhr: Kurz schöpfte Stimmen im rechten Lager

ÖVP-Chef Sebastian Kurz konnte bei der Nationalratswahl viele Wähler der Volkspartei behalten, graste aber auch bei früheren FPÖ- und Team Stronach-Wählern. Das geht aus der SORA/ORF-Wählerstromanalyse hervor. Die Grünen erlitten ihre größten Verluste an die SPÖ und die Liste Pilz.

Der Wahlsieger ÖVP hielt 84 Prozent der Wähler von der Nationalratswahl 2013. Zugewinne holte sich Kurz vor allem von der FPÖ (168.000 Stimmen) und dem Team Stronach (114.000), das diesmal nicht mehr antrat. 121.000 Stimmen für Kurz sind ehemalige Nichtwähler.

+++ 22:03 Uhr: Straches Rede im FPÖ-Parteizelt

+++ 21:50 Uhr: Sobotka: Kurz soll mit allen reden

ÖVP-Chef Sebastian Kurz soll nun mit allen Parteien Gespräche aufnehmen, erklärte Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) bei seinem Eintreffen in der ÖVP-Wahlzentrale. Das Ergebnis sei der "klaren Haltung" von Kurz geschuldet, er habe die Partei geöffnet und alle seien mitgezogen, sagte Sobotka. Kurz als Spitzenkandidat habe gezogen und eine gewaltige Arbeit geleistet, meinte der niederösterreichische Spitzenkandidat. Der erste Platz sei "trotz vieler Anfeindungen" gelungen und selbst heute zeige sich, dass bei manchen der Wahlkampf noch nicht vorbei sei, stellte Sobotka fest.

Sobotka
© News/Isabell Widek Wolfgang Sobotka verkündet das vorläufige Endergebnis der Wahl

+++ 21:48 Uhr: Liste Pilz soll nach neuen Namen bekommen

Für den Listen-Zweiten der Liste Peter Pilz hat der Name der Liste ausgedient. Es sei wenig wahrscheinlich, dass der Name Peter Pilz beibehalten wird. Man werde sich einen neuen überlegen, es gebe "tausend" potenzielle neue Namen. Das sagte Alfred Noll Sonntagabend bei seinem Eintreffen bei der Wahlparty der Pilz-Liste.

Es sei in der Bewegung von Anfang an klar gewesen, dass man auf den Namen von Peter Pilz nur für den Wahlkampf und für die heutige Wahl am 15. Oktober gesetzt habe. Man habe Peter Pilz auch überredet, seinen eigenen Namen einzusetzen, weil der Name als Marke für den Wahlkampf funktioniert habe.

+++ 21:44 Uhr: So haben die Länder gewählt

Die Länder haben bei der heurigen Nationalratswahl durchaus unterschiedlich gewählt. Sechs von ihnen setzten die ÖVP an die Spitze, Wien die SPÖ und Kärnten die Freiheitlichen. Im Burgenland lagen am Wahlabend die Sozialdemokraten vorne, allerdings nur knapp vor der Volkspartei, womit die Wahlkarten allenfalls noch eine Änderung bringen könnten.

Hochburg der ÖVP ist Tirol mit 38,6 vor Salzburg mit 37,6 Prozent, wobei man am stärksten - nämlich um 11,1 Punkte in Kärnten zulegte. Neu im Vergleich zur Wahl 2013 sind zwei erste Plätze, jener in Oberösterreich, der von der SPÖ gewonnen wurde, und jener in der Steiermark, den man den Freiheitlichen abluchste.

Dafür erobert die FPÖ mit einem Plus von 15,3 Punkten diesmal Kärnten von der SPÖ, wobei die 33,2 Prozent auch das beste Landesergebnis der Freiheitlichen darstellten. In der Steiermark legte man zwar auf 31 Prozent zu, verlor die Spitzenposition jedoch an die ÖVP, die sich noch stärker steigerte. Ein Plus verzeichnete die FPÖ überall, das geringste in Wien, wo man von 20,6 auf 23,1 Prozent stieg. Die Bundeshauptstadt war überhaupt das schwächste FPÖ-Land. Gleiches gilt auch für die ÖVP, die zwar ordentlich dazugewann, aber nur 20,6 Prozent holte.

+++ 21:41 Uhr: Die Reaktionen der Spitzenkandidaten

So haben die Spitzenkandidaten nach der Veröffentlichung der ersten Wahlergebnisse reagiert:

+++ 21:37 Uhr: Merkel gratulierte Kurz zum Wahlsieg

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ÖVP-Chef Sebastian Kurz nach Angaben seines Sprechers am Sonntagabend zum Wahlsieg gratuliert. Merkel und Kurz hätten am Abend telefoniert und sich über das Wahlergebnis und die politische Situation in Österreich und Europa ausgetauscht, hieß es am Abend aus dem Außenministerium.

+++ 21:36 Uhr: Rendi-Wagner: "Wir lassen uns nicht unterkriegen"

Auch SPÖ-Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner hat am Sonntagabend bei der roten Wahlfeier ungebrochenen Kampfgeist versprüht. "Wir bleiben dabei. Wir lassen uns nicht unterkriegen", rief sie zu einem Kampf für sozialdemokratische Werte "ab morgen" aus. Parteichef Christian Kern schaffte es entgegen ursprünglicher Ankündigungen nicht noch einmal auf die Bühne beim Burgtheater.

Frauenministerin Pamela Rendi-Wagner
© APA/HELMUT FOHRINGER Pamela Rendi-Wagner

Rendi-Wagner begründete dies mit seinen vielen Auftritten bei den TV-Sendern. Aber sie solle von ihm ausrichten: "Danke, danke danke. Und es geht weiter", sagte sie unter lautstarkem Applaus. Die SPÖ werde für ihre Themen und für eine "faire, gerechte, solidarische Gesellschaft" kämpfen, "denn sonst tut's niemand", so die Ministerin. "Und jetzt feiern wir."

+++ 21:14 Uhr: Vorläufiges Endergebnis

Die ÖVP hat die Nationalratswahl von Sonntag gewonnen. Die Volkspartei erreichte laut vorläufigem Endergebnis (ohne Briefwahlstimmen und wahlkreisfremden Wahlkarten) 31,36 Prozent. Die FPÖ kam in der Urnenwahl auf 27,35, die SPÖ auf 26,75 Prozent. Den Sprung über die Vier-Prozent-Hürde geschafft haben die NEOS, aber auch die Liste Pilz. Die Grünen stehen mit 3,32 Prozent vor dem Nationalrats-Aus. Die Neos schafften mit 4,96 Prozent den Wiedereinzug. Die Liste Pilz kam beim erstmaligen Antreten auf 4,14 Prozent in der Urnenwahl.

Laut SORA - inklusive Wahlkarten-Prognose - erreicht die ÖVP 31,6 Prozent, die SPÖ 26,9 Prozent, die FPÖ 26,0 Prozent, die Neos 5,1 Prozent, Liste Pilz 4,3 Prozent und die Grünen 3,9 Prozent.

Das Ergebnis vom Sonntag wird (laut Hochrechnungen) durch die noch nicht ausgezählten Wahlkarten (mehr als 700.000) noch eine bedeutende Änderung erfahren. Nach den Berechnungen der ARGE Wahlen (für die APA) sowie von SORA (für den ORF) wird die SPÖ voraussichtlich die FPÖ noch von Platz zwei verdrängen. Die Liste Pilz dürfte mit den Briefwahlstimmen ihr knappes Urnen-Ergebnis von 4,1 Prozent noch um einige Zehntelprozentpunkte verbessern. Die Grünen werden trotz prognostiziertem besseren Abschneiden bei den Briefwählern den Einzug aller Voraussicht nach nicht schaffen.

In Mandaten bedeutet das vorläufige Ergebnis vom Sonntag folgende Verteilung: Die ÖVP kommt auf 61 Sitze im neuen Nationalrat, die FPÖ auf 53 und die SPÖ auf 52 Mandatare. Für die NEOS bedeutet das vorläufige Endergebnis neun Nationalratsitze, für die Liste Pilz acht. Auch hier dürften die Briefwahlstimmen noch geringfügige Änderungen bringen.

Die vorläufige Wahlbeteiligung lag laut den Zahlen des Innenministeriums bei 67,6 Prozent, allerdings ohne wahlkreisfremde Wahlkarten und Briefwählern. Die Beteiligung wird mit den Briefwahlstimmen also noch deutlich steigen. 2013 waren inklusive dieser Stimmen 74,91 Prozent der Wahlberechtigten zu den Urnen geschritten.

+++ 21:10 Uhr: Julian Schmid zur Wahlniederlage

"Wenn die Grünen gegen die Grünen kandidieren, kann es nicht gut gehen. Keine Ahnung, ob es sich noch für uns ausgeht. Wir werden uns jetzt neu aufstellen müssen, wir sind nicht mehr in den 90ern und ich hoffe dass wir bei der nächsten Wahl stark zurückkehren", sagt Jung-Mandatar Julian Schmid gegenüber News-Reporterin Valerie Krb.

Julian Schmid
© News/Valerie Krb

+++ 20:48 Uhr: Meinungsforscher nicht überrascht

Experten sind vom Ausgang der Nationalratswahl nicht überrascht. OGM-Chef Wolfgang Bachmayer rechnet damit, dass es rasch zur Bildung einer schwarz-blauen Koalition kommen könnte. Politikberater Thomas Hofer betonte, dass Rot-Blau nach derzeitigem Stand nicht vom Tisch sei. Auch Meinungsforscher Peter Hajek verwies darauf, dass die FPÖ nun in einer guten Verhandlungsposition sei.


Zuletzt wurden die Meinungsforscher nach Wahlen für ihre Umfragen, die sich nicht mit dem Wahlausgang deckten, oft gescholten. Bachmayer hob denn auch hervor, dass seine Umfrage von letzter Woche das Ergebnis der Nationalratswahl (laut den derzeitigen Hochrechnungen) ziemlich genau vorausgesagt hat - insofern sei der Ausgang für ihn "nicht überraschend".

+++ 20:45 Uhr: Rote können sich auf Wien verlassen

Die Roten können sich auf Wien verlassen: Hier konnte die SPÖ laut dem vorläufigen Endergebnis (also noch ohne Wahlkarten, Anm. ) bei der heutigen Nationalratswahl ihren ersten Platz verteidigen - und sogar mehr dazugewinnen als die FPÖ. Die SPÖ kam auf 35 Prozent, ein Plus von 3,3 Prozentpunkten. Am stärksten legte die ÖVP zu, ein totales Desaster erlebten hingegen die Grünen

Die Steiermark zeigt bei so gut wie jeder Wahl ein anderes Gesicht: War die Steiermark bei der NR-Wahl 2013 noch flächendeckend blau, so lagen ÖVP mit 31,31 und die FPÖ mit 31,00 Prozent am Sonntag fast gleichauf, die SPÖ kam auf 24,81 Prozent. In Graz wurde die bei der GR-Wahl im Februar aus der Stadtregierung geflogene SPÖ mit einem leichten Zugewinn auf 27,59 Prozent stärkste Partei.

ÖVP vor FPÖ und SPÖ lautete in Niederösterreich das vorläufige Ergebnis der Nationalratswahl. Schwarz und Blau legten zu, vor den Ergebnissen von Rot und Grün stand jeweils ein Minus. Die Grünen fielen hinter die NEOS und die Liste Pilz zurück.

+++ 20:30 Uhr: Bei der SPÖ rechnet man mit Schwarz-Blau

In der SPÖ geht man davon aus, dass die nächste Regierung schwarz-blau ist - diese Ansicht war jedenfalls bei der roten Wahlfeier allerorten zu hören. Eine Koalition ÖVP-FPÖ sei "gedealt", so etwa die Einschätzung von GPA-Chef Wolfgang Katzian. Der ehemalige Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler wäre "nicht überrascht", wenn so eine Regierung schon in zwei Wochen stünde.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die SPÖ in der nächsten Regierung sitzt, sei "nicht groß", sagte Niedermühlbichler. "Ich glaube, dass Kurz (Sebastian, ÖVP-Chef Anm.) und Strache (FPÖ-Obmann Heinz-Christian, Anm.) sich das schon ausgemacht haben. Ich wäre nicht überrascht, wenn da in den nächsten 14 Tagen Nägel mit Köpfen gemacht werden." Die SPÖ sei "selbstverständlich" für die Oppositionsrolle gewappnet, meint Niedermühlbichler. Das Ergebnis mache ihn "nicht rundum glücklich", das Abschneiden der SPÖ in Wien und dass voraussichtlich der zweite Platz drin ist, stimme ihn positiv.

+++ 20:26 Uhr: Frisur des Abends

"Liste Kurz"-Anhängerin Elisabeth Heinzl trägt die Frisur des Abends. "Die habe ich aber schon seit 10 Jahren", sagte sie gegenüber News-Reporterin Renate Kromp.

Kurz-Anhängerin
© News/Renate Kromp

Neos-Fan Michael " Schokomichi" Reimer sagt gegenüber News: "Ich bin froh, dass die Neos drinnen sind, denn Österreich braucht ein Korrektiv."

Neos Anhänger
© News/Christoph Lehermayr

Mathematiker Rudolf Taschner, der für die "Liste Kurz" angetreten ist, freut sich schon auf den Einzug ins Parlament.

Rudolf Taschner
© News/Renate Kromp Rudolf Taschner

+++ 20:22 Uhr: "Demo gegen Schwarz-Blau"

Bis zu 120 Menschen haben sich laut Angaben der Wiener Polizei am Sonntagabend nach der Nationalratswahl zur präventiven "Demo gegen Schwarz-Blau" vor dem Parlament versammelt. Zu dem um 18 Uhr gestarteten Protest aufgerufen hat der Verein "Linkswende jetzt", der von 150 bis 200 Teilnehmern sprach. Zwischenfälle gab es bei der Aktion keine, sagte Polizei-Sprecherin Irina Steirer.

Demo Schwarz-Blau
© privat Landesgerichtsstraße
© Video: privat/News

+++ 20:15 Uhr: Elefantenrunde

Die Spitzenkandidaten treffen wieder zur Elefantenrunde zusammen, dieses Mal nach der Wahl.

NR-Wahl Elefantenrunde
© News/Isabell Widek

+++ 20:08 Uhr: Le Pen gratuliert FPÖ

Die Chefin der rechtspopulistischen Partei Front National (FN) in Frankreich hat der FPÖ zum Ergebnis der Nationalratswahl gratuliert. "Bravo an unsere Freunde und Verbündeten der #FPÖ zu dem Resultat, das gekennzeichnet ist von der Verbundenheit des Volkes zu ihrer Freiheit und ihrer Identität", schrieb Le Pen am Sonntagabend auf Twitter.

+++ 20:02 Uhr: Enttäuschte FPÖ-Anhänger

Bei den Anhängern der FPÖ machte sich leichte Enttäuschung über die Platzierung breit:

© Video: News

+++ 19:59 Uhr: Drei Zweier-Koalitionen möglich

Laut der aktuellen Hochrechnung der ARGE Wahlen sind laut der Mandats-Verteilung drei Zweier-Koalitionen möglich. Sowohl Schwarz-Rot, Schwarz-Blau und Rot-Blau verfügen demnach über klare Mehrheiten im Nationalrat. Die ÖVP kommt demnach auf 61 Sitze, SPÖ und FPÖ auf je 52 Mandate. Die NEOS würden mit zehn Abgeordneten in das Hohe Haus einziehen. Die Liste Pilz wird mit acht Abgeordneten im neuen Nationalrat vertreten sein.

Voraussetzung für diese Annahme ist, dass die Grünen - wie es derzeit sowohl die Hochrechnungen der ARGE Wahlen wie auch jene von SORA prognostizieren - den Sprung über die Vier-Prozent-Hürde nicht schaffen. Sollten die Grünen mit den Wahlkarten doch noch in den Nationalrat einziehen, so könnte aufgrund der Wahlarithmetik der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass SPÖ und FPÖ nicht mehr über eine entsprechende Mandatsmehrheit verfügen.

+++ 19:49 Uhr: SJ gegen Koalition mit FPÖ und ÖVP

Geht es nach der Sozialistischen Jugend, muss die SPÖ die Regierung verlassen. Denn Vorsitzende Julia Herr sprach sich in einer Aussendung sowohl gegen eine Koalition mit der ÖVP als auch mit der FPÖ aus: "Die SPÖ darf nicht Steigbügelhalter für rechte Politik und Sozialabbau sein."

Das Ergebnis der eigenen Partei wertete Herr als respektabel. Dies komme daher, dass man sich vor allem im Finale auf soziale Themen konzentriert habe. Diesen Weg solle man fortsetzen

+++ 19:34 Uhr: Meinl-Reisinger sieht "enormen Auftrag" für Neos

Die Wiener Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger hat sich am Sonntag darüber gefreut, dass die Neos wohl im Parlament bleiben und ihr Ergebnis von 2013 (5,0 Prozent) in etwa halten oder gar leicht zulegen werden können. Für eine neue Kraft sei diese Bestätigung überhaupt nicht selbstverständlich, sagte Meinl-Reisinger. Ob sie nun in den Nationalrat wechselt, ließ sie aber noch offen.

Pink World im Leopold: Erleichterung über das Ergebnis überwiegt, aber auch Ernüchterung darüber, dass die Bäume nicht in den Himmel wuchsen, wie News-Reporter Christoph Lehermayr vor Ort berichtet.

Neos Parteizentrale
© News/Christoph Lehermayr Stimmung bei den Neos
Neos Parteizentrale
© News/Christoph Lehermayr Stimmung bei den Neos

+++ 19:30 Uhr: Liste Pilz jubelt über Abschneiden

Die Liste von Peter Pilz feiert bereits über ihr laut ORF-Hochrechnung gutes Abschneiden. "Im Moment ist die Freude groß", sagte die Listen-Zweite Stephanie Cox. Der Ex-Grüne Wolfgang Zinggl ging ebenfalls davon aus, den Einzug zu schaffen. "Es schaut gut aus", erklärte Zinggl. Entsetzen herrschte bei der Liste Pilz über den Absturz der Grünen.

Peter Pilz
© APA/HANS KLAUS TECHT

Als das Hochrechnungsergebnis für die Grünen über die Leinwand lief, gab es von den Pilz-Anhängern überraschte "Oh"-Rufe, die dann in einen lautstarken Jubel übergingen, als die eigenen Hochrechnungswerte im ORF verkündet wurden. Eine aktualisierte Hochrechnung der ARGE Wahlen von 19.30 Uhr sieht nun wie jene von SORA die Liste Pilz im Nationalrat. Demnach kommt die neue Liste auf 4,3 Prozent. Die Grünen hingegen sieht die Hochrechnung mit 3,8 Prozent weiterhin knapp gescheitert, die NEOS sind fix im Nationalrat. Weiter eng ist das Match um Platz zwei zwischen SPÖ und FPÖ. Die ÖVP ist klare Nummer eins.

Unterdessen herrscht aufgrund des Wahlergebnisses Fassungslosigkeit in der einstigen Grünen-Hochburg Mariahilf (-19%), wie News-Reporterin Valerie Krb vor Ort berichtet. Die Hoffnungen schwinden, dass ein Einzug doch noch möglich ist.

+++ 19:20 Uhr: Van der Bellen: Auftrag an Kurz, wenn Ergebnis hält

Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat angekündigt, ÖVP-Chef Sebastian Kurz mit der Bildung einer künftigen Bundesregierung zu beauftragen - sollte sich das momentane Wahlergebnis nach Auszählung aller Wahlkartenstimmen bestätigen. Kurz sei dann der "eindeutige Wahlsieger", so Van der Bellen. Das Endergebnis wird am Donnerstag feststehen.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen
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Auf die Frage, ob Kurz mit der zweitstärksten Partei eine Koalition eingehen solle, meinte Van der Bellen, dies werde er mit dem Außenminister besprechen. Das Wahlergebnis sei für ihn "in Teilbereichen" überraschend. Zum Abschneiden seiner ehemaligen Partei, den Grünen, erklärte Van der Bellen: "Das tut weh, ist schon schmerzhaft."

+++ 19:17 Uhr: Strache befürchtet Schwarz-Rot

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache befürchtet eine Fortsetzung einer Regierung aus ÖVP und SPÖ auch nach der Nationalratswahl. Er wisse nicht, was das Wort von SPÖ-Chef Christian Kern wert sei, beim Verlust des ersten Platzes in Opposition zu gehen, meinte Strache Sonntagabend auf ATV.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache
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Kern selbst bezeichnete dies als "pure Spekulation" und verwies stattdessen auf Überschneidungen in den Programmen von ÖVP und FPÖ.

+++ 19:10 Uhr: Lunacek hofft noch auf Einzug in NR

Angesichts der jüngsten Wahl-Hochrechnungen, die auf ein Herausfliegen der Grünen aus dem Nationalrat hindeuten, hat sich Spitzenkandidatin Ulrike Lunacesk Sonntagabend bestürzt gezeigt. "Ich hoffe, das (der Wiedereinzug, Anm.) wird uns noch gelingen, aber ja, es ist ein Debakel", sagte sie in der ORF-Wahlsendung über die "Zitterpartie". Nun müsse der "Neustartknopf" gedrückt werden.

Sie sprach von einer "bitteren Niederlage, da gibt es nichts zu beschönigen". Zu Peter Pilz merkte sie an, dass dieser schon vor dem Bundeskongress der Partei, bei dem er den gewünschten vierten Listenplatz nicht erreicht hatte, seine eigenen Liste vorbereitet habe. Sie bedaure diesen Schritt und auch dessen Konsequenzen.

+++ 19:03 Uhr: Kurz: "überglücklich und überwältigt"

ÖVP-Chef Sebastian Kurz hat sich Sonntagabend "überglücklich und überwältigt" über seinen Wahlsieg gezeigt. "Ich nehme diese Verantwortung mit großer Demut an", sagte Kurz in einer ersten Stellungnahme vor seinen Anhängern unter minutenlangem Applaus. "Wir haben ein Ziel verfolgt und wir haben das Unmögliche möglich gemacht", bedankte sich Kurz bei seinen Mitstreitern und den Wählern.

Sebastian Kurz, NR-Wahl
© APA/ROBERT JAEGER

Man habe von den Wählern eine "sehr große Verantwortung" übertragen bekommen, viele Menschen setzten große Hoffnung in die "Bewegung", meinte Kurz. Er verspreche, mit voller Kraft und vollem Einsatz für Veränderung zu kämpfen. Es gebe viel zu tun, es gelte, einen neuen politischen Stil zu etablieren.

+++ 19:02 Uhr: Vierte Hochrechnung

SORA/ORF: SPÖ 26,9 Prozent, ÖVP 31,6 Prozent, FPÖ 26,0 Prozent, Grüne 3,9 Prozent, Neos 5,1 Prozent, Pilz 4,3 Prozent.

© Video: News/Matthias Obergruber

+++ 19:00 Uhr: Stimmung in der FPÖ-Parteizentrale

© Video: News/Matthias Obergruber

+++ 18:55 Uhr: "Rechnen mit europafreundlichen Regierung"

EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani hat ÖVP-Chef Sebastian Kurz zum Wahlsieg gratuliert. "Wir rechnen mit einer starken europafreundlichen Regierung, um an unserer gemeinsamen Zukunft zu arbeiten", erklärte Tajani am Sonntagabend auf Twitter.

+++ 18:48 Uhr: Rede von Kern

Kern will ab Montag dafür sorgen, dass SPÖ Nummer eins wird und in dem Land über die richtigen Themen gesprochen wird.

+++ 18:40 Uhr: Rede von Kern

© Video: News/Isabell Widek
© Video: News/Isabell Widek

+++ 18:36 Uhr: SPÖ und FPÖ Kopf an Kopf

Laut einer neuen Hochrechnung der ARGE Wahlen von 18.30 Uhr wird das Rennen um Platz 2 noch eng. Die SPÖ liegt demnach bei 26,6, die FPÖ bei 26,5 Prozent. Die ÖVP wird mit 31,4 Prozent klar auf Platz 1 ausgewiesen. Fix im Nationalrat sind die Neos mit 5,3 Prozent. Die Grünen gehen in dieser Hochrechnung runter und müssen mit 3,8 Prozent wie die Liste Pilz (3,6) um den Einzug zittern.

Die Hochrechnung mit einem Auszählungsgrad von 82 Prozent beinhaltet bereits eine Hochschätzung der Wahlkarten, die (geteilt) erst am Montag und Donnerstag ausgezählt werden. Für die ÖVP bedeutet diese Hochrechnung ein Plus von gut sieben Prozentpunkten. Die FPÖ gewinnt demnach ebenfalls etwa sechs Prozentpunkte dazu, die SPÖ bleibt nahezu stabil. Für die Neos ergibt sich ein minimales Plus von weniger als einem Prozentpunkt, die Grünen verlieren knapp neun Prozenptunkte.

+++ 18:34 Uhr: Schellhorn: "Wir haben Ideen statt Intrigen geliefert"

Rede von Neos-Abgeordneten Sepp Schellhorn:

© Video: News.at

+++ 18:28 Uhr: Bures zeigt sich enttäuscht

Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) ist enttäuscht über das Abschneiden ihrer Partei. "Ich hätte mir für die Funktionäre, die Wahlhelfer und die Wähler der Sozialdemokratie und auch für mich persönlich ein besseres Ergebnis gewünscht. Aber der Wähler hat gesprochen", sagte sie vor Journalisten. Sie könne nachvollziehen, dass viele in der Sozialdemokratie "tief betroffen" seien. Auch sie selbst mache das Ergebnis "sehr nachdenklich". Nun gehe es darum, sich mit neuer Kraft gut aufzustellen, sagte Bures, die "eine tief gehende Analyse" versprach.

Bei der SPÖ ist am Sonntag das Prinzip Hoffnung beschworen worden. Dieser Strategie kam zupass, dass die Partei während diverser Durchhalteparolen auf der Bühne in der SORA-Hochrechnung von Platz 3 auf Platz 2 wanderte. Zugleich wurde Parteivorsitzender Christian Kern demonstrativ gelobt. Der sei "unbestritten", gab Wiens Bürgermeister Michael Häupl vor Journalisten zu Protokoll. "Kern hat als Person einen ausgezeichneten Wahlkampf abgeliefert", sagte Häupl. Und überhaupt: Das Ergebnis sei natürlich "nicht so, wie ich es mir wünschen würde. Aber so schlecht ist es nicht, was die SPÖ geleistet hat".

Christian Kern
© APA/VLADIMIR SIMICEK / AFP Kern-Anhänger

+++ 18:26 Uhr: Hochrechnungen für Wien

+++ 18:23 Uhr: Korun: "Damit habe ich nicht gerechnet"

Grünen-Abgeordnete Alev Korun sagte gegenüber News: "Mir geht es bei dem Ergebnis natürlich nicht gut. Damit habe ich nicht gerechnet." Die Rückmeldungen auf der Straße seien besser gewessen. Aber Wien sei noch nicht ausgezählt, also es könne sich noch was tun.

Alev Korun
© News

+++ 18:21 Uhr: Die Wahlmotive

Wahlmotive bei der Nationalratswahl 2017
© APA/Martin Hirsch

+++ 18:16 Uhr: Wie die Mandate verteilt werden

+++ 18:15 Uhr: ÖVP wird mit allen sprechen

ÖVP-Generalsekretärin Elisabeth Köstinger hat sich bei ihrem ersten Auftritt nach der Hochrechnung auf der Bühne überwältigt gezeigt. Die ÖVP will jetzt mit allen Parteien sprechen, erklärte sie danach gegenüber Journalisten. Währenddessen wurden in der ORF-Übertragung die jüngsten Daten gezeigt, woraufhin wieder Jubel in der Wahlzentrale aufbrandete.

Köstinger sprach bereits von einem "historischen" Ergebnis, das Sebastian Kurz geschuldet sei. Er habe der Partei ein neues Gesicht gegeben, so die Generalsekretärin. Wenn die Partei Erster ist, werde man demokratisch mit allen sprechen, jede Variante könne ins Auge gefasst werden, ließ sie sich noch keine Präferenz entlocken. Auch dass die SPÖ und die FPÖ eine Regierung bilden, sei nicht ausgeschlossen. Es gebe hier gute Verbindungen und Sympathien, meinte Köstinger.

+++ 18:10 Uhr: Doskozil: Parteichefwechsel kein Thema

Für Verteidigungsminister und SPÖ-Burgenland-Spitzenkandidat bei der Nationalratswahl, Hans Peter Doskozil, ist ein Parteichefwechsel in seiner Partei "auch heute und jetzt kein Thema". Doskozil war in den vergangenen Wochen mehrmals als möglicher Nachfolger von Christian Kern gehandelt worden. Den zweiten und dritten Platz halte er noch für "volatil".

Doskozil erwarte sich, dass "mit ziemlicher Sicherheit" ÖVP-Chef Sebastian Kurz in der ersten Phase Regierungsgespräche führen werde. "Wobei man auch betonen muss, auch wir haben gesagt, dass wir natürlich für alle Gespräche offen sind." Zu den Gründen der Wahlniederlage meinte der Burgenländer: "In der ersten Emotion sollten wir nicht darüber spekulieren". Jetzt sei wichtig, die Analysen zu beurteilen und auch das tatsächliche Endergebnis zu haben."

Renate Brauner (SPÖ) flammende Rede für Kern:

© Video: News

+++ 18:07 Uhr: 2. Hochrechnung: Grüne wackeln

Eine deutliche Verschiebung der Ergebnisse hat die zweite SORA-Hochrechnung für den ORF am Sonntagabend gebracht. Zwar liegt die ÖVP mit 31,5 Prozent (plus 7,5) weiter an der Spitze. Im Gegensatz zur ersten Hochrechnung kommt die SPÖ mit 27,1 Prozent (plus 0,3) nun aber klar vor der FPÖ zu liegen (25,9 Prozent, plus 5,4). Und: Die Grünen wären hier mit 3,9 Prozent (minus 8,5) nicht im Nationalrat.

Den Einzug schaffen würden nach dieser Hochrechnung die Neos (mit 5,1 Prozent, plus 0,1) sowie die Liste Peter Pilz mit 4,4 Prozent. Die Hochrechnung basiert auf 52,7 Prozent ausgezählten Stimmen, die Schwankungsbreite liegt bei 2,1 Prozent.

Grünen-Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek hat in einer ersten Reaktion auf das Wahlergebnis der Ökopartei von einer "großen Enttäuschung" gesprochen. Es handle sich um eine "bittere Niederlage", sagte Lunacek kurz angebunden zu Journalisten bei ihrem Eintreffen im Medienzentrum in der Nationalbibliothek.

+++ 18:05 Uhr: Strache: "Wir werden mit allen reden"

FPÖ-Chef Heinz Christian Strache zeigte beim Einzug ins Medienzentrum in der Nationalbibliothek sehr wortkarg. Er meinte lediglich, dass die Freiheitlichen in ihrer Verantwortung "mit allen reden werden". Strache wurde von seiner Ehefrau Philippa begleitet.

Strache mit Frau
© APA/HANS KLAUS TECHT

+++ 17:57 Uhr: Hofer: "Nur Partnerschaft auf Augenhöhe"

FPÖ-Vizeparteichef und Dritter Nationalratspräsident Norbert Hofer hat sich in einer ersten Reaktion erfreut über das "sehr, sehr gute Ergebnis" gezeigt. Er sei allerdings noch sehr gespannt auf das Endergebnis, sagte er im ORF-Fernsehen.

SPÖ-Klubchef Andreas Schieder und FPÖ-Vizeparteichef Norbert Hofer
© APA/HANS KLAUS TECHT SPÖ-Klubchef Andreas Schieder und FPÖ-Vizeparteichef Norbert Hofer

"Das Ergebnis dürfte so sein, dass viele Menschen für Veränderung gestimmt haben", sagte Hofer. "Diese Hoffnung zu erfüllen ist nun unsere Aufgabe." Zu den Koalitionspräferenzen der FPÖ wollte er sich noch nicht äußern. "Wenn dieses Wahlergebnis ungefähr eintreffen wird, sei "nur eine Partnerschaft auf Augenhöhe" denkbar, so Hofer.

+++ 17:57 Uhr: Begeisterung bei der ÖVP

Finanzminister Hans Jörg Schelling ist es am Sonntagnachmittag "sehr gut" gegangen mit der ersten Hochrechnung. Er habe sich ein Ergebnis mit einem Dreier voran erhofft, erklärte er gegenüber Journalisten. Welche Koalition nun gebildet wird, sei offen, sollte er gefragt werden, stünde er aber gerne als Minister zur Verfügung, so Schelling.

Der Vorsitzende der Europäischen Volkspartei im EU-Parlament Manfred Weber hat den Wahlsieg von ÖVP-Chef Sebastian Kurz begrüßt. Kurz sei es schon jetzt gelungen, verkrustete Strukturen aufzubrechen. Weber meinte, Kurz stehe für ein starkes Österreich in einem starken Europa. Jedenfalls "ist die ÖVP wieder da", sagte der EVP-Chef.

+++ 17:55 Uhr: 71 Prozent für ÖVP in Österreichs kleinster Gemeinde

Österreichs kleinste Gemeinde, Gramais im Tiroler Außerfern, bleibt - trotz Verlusten - fest in den Händen der ÖVP. Sie kam am Sonntag dort auf 17 der 24 abgegebenen gültigen Stimmen, was 70,83 Prozent bedeutet (2013: 85,19 Prozent). Die Wahlbeteiligung stieg auf 72,73 Prozent (33 Wahlberechtigte).

Die FPÖ verbuchte drei Stimmen für sich (12,5 Prozent) und die SPÖ eine Stimme (4,17 Prozent). Die Grünen überzeugten zwei Stimmberechtigte (8,33 Prozent). Auch die Freie Liste Österreich (FLÖ) konnte einen Wähler gewinnen. Die übrigen Parteien gingen leer aus.

Während die SPÖ und die Grünen damit das gleiche Ergebnis wie 2013 einfuhren, konnte die FPÖ zwei zusätzliche Wähler überzeugen. Gramais liegt 1.382 Meter hoch, das Gemeindegebiet erstreckt sich auf über 32 Quadratkilometer.

+++ 17:51 Uhr: Schieder hält Schwarz-Blau für wahrscheinlich

SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder gibt sich nach den ersten Hochrechnungen noch abwartend: Das Ergebnis kenne man erst am Schluss, noch sei es recht unklar, meinte Schieder in einer ersten Reaktion im ORF-Fernsehen. Die SPÖ liegt derzeit in den Hochrechnungen am dritten Platz hinter ÖVP und FPÖ.

Auf die Frage, ob die SPÖ nun in Opposition gehen werde, ließ sich Schieder nicht ein: "Wir warten einmal das Ergebnis ab", in der Regel erhalte der Erste den Auftrag zur Regierungsbildung. Schieder ortet jedenfalls eine "hohe Wahrscheinlichkeit" für eine schwarz-blaue Regierung.

+++ 17:49 Uhr: Steirischer FP-Chef spricht von Top-Ergebnis

Wir haben ein Top-Ergebnis in der Steiermark eingefahren, ich bin sehr, sehr zufrieden", sagte der steirische FPÖ-Obmann Mario Kunasek am Sonntagabend. Wenn man bedenke, dass man mit rund 25 Prozent 2013 schon sehr gut gelegen sei, sagte Kunasek. Koalitionspräferenzen habe man keine. "Wir sind bereit zu verhandlen und auch bereit, Regierungsverantwortung zu übernehmen", teilte Kunasek mit.

FPÖ
© News/Anna Gasteiger FPÖ-Parteizentrale
FPÖ
© News/Anna Gasteiger FPÖ-Parteizentrale

+++ 17:43 Uhr: Felipe: "Ergebnis macht uns betroffen"

Katastrophenstimmung hat bei den Grünen am Sonntag nach Bekanntwerden der ersten Hochrechnungen zur Nationalratswahl geherrscht. "Dieses erste Ergebnis macht uns alle sehr betroffen", sagte Bundessprecherin Ingrid Felipe auf der Bühne des "Metropol".

Betroffen sei sie, "weil wir auch wissen, welche Personen dahinter stecken", aber auch angesichts der Zuwächse der anderen Parteien: "Das ist ein Rechtsruck, und es ist ein demokratisch herbeigeführter Rechtsruck", so Felipe. "Es macht nachdenklich, was in unserer Republik los ist."

Grüne Wahlkampfhelfer
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Wahlkampfhelfer Florian sagte gegenüber News zu den ersten Hochrechnungen: “Das Ergebnis war nicht überraschend, aber natürlich habe ich auf ein besseres Ergebnis gehofft.“

+++ 17:41 Uhr: Hochrechnungen sehen ÖVP als Sieger

Sebastian Kurz und die ÖVP haben wie erwartet die Nationalratswahl für sich entschieden. Platz zwei ging vermutlich an überraschend starke Freiheitliche. Abgewählt wurde die SPÖ von Kanzler Christian Kern, die das historisch schwächste Ergebnis erzielen könnte. Wieder im Nationalrat sind die NEOS, die Grünen stürzen ab, bleiben aber wohl im Parlament, während Peter Pilz zittern muss.

Laut den aktuellen Hochrechnungen überspringt die ÖVP knapp die 30-Prozent-Marke und hält Respektabstand auf die Freiheitlichen, für die rund 27 Prozent ausgewertet wurden. Die SPÖ liegt zwischen 25 und 26 Prozent. Leicht zulegen dürften die NEOS, die zwischen fünf und sechs Prozent liegen. Wahlverlierer sind die Grünen, die aber mit vier bis fünf Prozent wieder im Nationalrat vertreten sein sollten. Die Liste Pilz ist bei der ARGE Wahlen gescheitert, bei SORA drin.

+++ 17:35 Uhr: Zitterpartie für Pilz

Für die Anhänger der Liste Pilz wird der Wahlabend zu einer Zitterpartie. Bei der ersten Hochrechnung nach 17 Uhr lag die Liste des Ex-Gründen Nationalratsabgeordneten Peter Pilz - je nach Fernsehsender - knapp über bzw. knapp unter der 4-Prozent-Hürde. Entsprechend verhalten war die Stimmung bei der Präsentation der ersten Zahlen. Bereits zuvor hatten die starken Ergebnisse von ÖVP und FPÖ für Raunen gesorgt.

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+++ 17:30 Uhr: Rupprechter geht von Kanzler Kurz aus

Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter und ÖVP-Kandidat Josef Moser haben sich am Sonntagnachmittag nach der ersten Hochrechnung hoch erfreut gezeigt. Rupprechter ging gegenüber der APA von einem nächsten Kanzler Sebastian Kurz aus.
Die Liste Sebastian Kurz sei "offensichtlich klarer Wahlsieger", das freut uns alle, sieht Rupprechter ein "historisches Ergebnis", wenn man Nummer eins wird.

+++ 17.28 Uhr: Jubel bei der ÖVP

Die Anhänger der ÖVP feiern den vorläufig ersten Platz ihrer Partei:

Fans der ÖVP in der Wahlzentrale
© APA/ROBERT JÄGER ÖVP-Anhänger
ÖVP
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ÖVP
© APA/Robert Jäger

+++ 17.25 Uhr: Enttäuschte Grüne

Während sich die blauen Fans über den Absturz der Grünen freuen, ist die Enttäuschung in der Parteizentrale der Grünen deutlich zu spüren.

© Video: News
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+++ 17.19 Uhr: Das sagen Neos zu Ergebnis

News hat nach dem Bekanntwerden der Wahlergebnisse mit Neos-Abgeordneter Claudia Gamon gesprochen: "Es ist geschafft, die Kleinen hatten es nicht leicht", sagt Gamon. Aber die Neos seien die stärkste Kleinpartei. "Wir werden gebraucht."

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Die liberale EU-Abgeordnete Angelika Mlinar sagte nach Veröffentlichung der ersten Resultate: "Wir sind froh die Größte der Kleinen zu sein". Sie habe aber Angst, dass mit diesem FPÖ-Ergebnis die pro-europäische Ausrichtung verloren gehe und Österreich in Richtung Orbán und Kaczynski steuere.

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+++ 17.15 Uhr: ÖVP vor FPÖ

Die ÖVP dürfte bei der Nationalratswahl mit 31,0 Prozent Platz 1 erreicht haben - vor der FPÖ mit ca. 27,6 Prozent. Das geht aus einer ersten Hochrechnung der ARGE Wahlen für die APA hervor. Die SPÖ kommt demnach mit rund 25,5 Prozent auf Platz 3. NEOS zieht mit rund 5,8 Prozent fix in den Nationalrat ein, die Grünen dürfen auf einen knappen Einzug hoffen. Wenig Chancen hat die Liste Pilz.

Die Grünen haben mit 4,2 Prozent Chancen auf den Wiedereinzug. Die Liste Pilz dürfte mit 3,2 Prozent an der Vier-Prozent-Hürde scheitern. Die Hochrechnung beinhaltet bereits eine Wahlkartenschätzung.

Quelle: ORF/SORA

Für die ÖVP bedeutet diese Hochrechnung (Auszählungsgrad: 41 Prozent) ein Plus von rund 7 Prozentpunkten. Die FPÖ gewinnt demnach ebenfalls etwa 7 Prozentpunkte dazu, die SPÖ verliert rund einen Prozentpunkt. Für die NEOS ergibt sich ein leichtes Plus von rund einem Prozentpunkt, die Grünen verlieren fast zwei Drittel ihrer Stimmen.

+++ 17.08 Uhr:

Das haben die ersten Hochrechnungen von ARGE Wahlen ergeben:

Die Hochrechnungen von ORF/SORA lauten: Die ÖVP (30,2 Prozent) liegt klar vor FPÖ (26,8 Prozent) und SPÖ (26,3 Prozent). Folgenden Kleinparteien sollten es knapp geschafft haben: Grüne 4,9 Prozent, Neos 5,3 Prozent und Liste Pilz 4,3 Prozent.

+++ 17.00 Uhr: Warten auf die Ergebnisse

Das Innenministerium lieferte die Daten für die Hochrechnungen ab 17.00 Uhr. Denn nach der Wahlanfechtung hat der Verfassungsgerichtshof die Weitergabe von Teilergebnissen vor Wahlschluss verboten.

+++ 16.40 Uhr: Stimmung bei den Parteien

Gespanntes Warten auf die ersten Hochrechnungen in den Parteizentralen der ÖVP und der SPÖ:

ÖVP Parteizentrale
© News ÖVP Parteizentrale

Während bei den Neos herrschte schon vor den ersten Wahlergebnissen gute Stimmung.

Neos-Parteizentrale
© News/Christoph Lehermayr Bei den Neos
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Relativ entspannt war hingegen die Stimmung in der FPÖ-Parteizentrale.

FPÖ-Parteizentrale
© News/Anna Gasteiger

Bei den Grünen wirkte die Parteizentrale um 16.30 Uhr noch recht leer.