Malta: Urlaub wie aus dem Bilderbuch

Bunte Boote, türkis-klares Wasser, atemberaubende Kalksteinklippen und eine zauberhafte Inselhauptstadt, die einem Freiluftmuseum gleicht: Der Inselstaat Malta mit den Inseln Gozo und Comino ist eine Urlaubsdestination wie aus dem Bilderbuch. Leicht zu entdecken - und schwer zu vergessen

von Malta © Bild: Getty Images/istockphoto

Eine kleine Insel, viele Möglichkeiten: Gerade einmal 14,5 Kilometer lang und knapp 7,2 Kilometer breit ist Gozo, Maltas kleine Schwester. Von der Hauptstadt Valletta ist die Insel mit der Speedfähre in 45 Minuten erreichbar. Erkunden kann man sie auf vielfältige Weise: gleich zwei Hop-on-Hop-off-Buslinien bieten ihre Dienste an. Wer rechtzeitig reserviert hat, kann sich mit Chauffeur und -nicht unbedingt standesgemäß, dafür aber recht entspannt -im Tuk Tuk über die Insel fahren lassen. Und es gibt Joeys Taxi. Seit Jahrzehnten kutschiert der Gozitaner vor allem Tagestouristen über seine Insel, auf der er aufgewachsen ist. Zu sehen gibt es viel. (Fast) Alles an einem Tag abzufahren, ist zeitlich ambitioniert, aber machbar.

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© Getty Images/Davide Seddio Ein Ausflug nach Gozo, Maltas kleiner Inselschwester, lohnt auch für einen Tagestrip. Ein Abstecher zu den Salzbecken an der Nordküste sollte auf der To-do-Liste stehen

Mit Joey und seinem verbeulten Taxi geht es zunächst zur beeindruckenden Zitadelle, die auf einem Hügel über der Hauptstadt Victoria thront. Auch die Dwejra Bay wird natürlich angesteuert. Noch vor einiger Zeit konnten Besucher hier das berühmteste Wahrzeichen der Insel, das Azure Window, bestaunen. Die Steinbrücke im Meer ist allerdings 2017 eingebrochen. Beeindruckend sind die Felsklippen auf der einen und der malerische Hafen mit den bunten Fischerhäusern in der kleinen Lagune auf der anderen Seite aber allemal. Nur ein paar Kilometer entfernt liegt gleich der nächste Stopp: die Ta'Pinu-Basilika, ein imposantes Bauwerk mitten im Nirgendwo. Ein wichtiger Wallfahrtsort für Malteser noch dazu. Sehenswert sind auch die Salzpfannen in der Xwejni-Bucht. Das hier seit Hunderten von Jahren handgeschöpfte Meersalz wird an vielen Straßenständen verkauft.

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© Karina Movsesyan/Shutterstock Die Dwejra Bay im Westen von Gozo ist eine kleine Lagune mit bunten Fischerhäusern, die durch eine Höhle mit dem Meer verbunden ist

Maltas Hauptstadt als Filmkulisse

Zurück in Valletta zum Sonnenuntergang - die letzte Fähre von Gozo geht freilich erst nach Mitternacht retour -empfiehlt sich der Umstieg in eines der traditionellen Holzboote, die ein paar Meter neben dem Fährhafen ablegen und Besucher wahlweise um zwei Euro pro Nase zu den Three Cities Vittoriosa, Cospicua und Senglea vis-à-vis bringen oder um acht Euro eine kleine, knapp 20-minütige "Harbour Cruise" anbieten. Es geht vorbei am außen architektonisch beeindruckenden und innen sehenswerten Science-Museum und der einen oder anderen Filmkulisse wie dem riesigen Fort Ricasoli aus dem 17. Jahrhundert, das u. a. im Monumentalfilm "Gladiator" als Filmkulisse diente.

Postkarten-Skyline von Valletta

Vom Meer aus bietet sich zudem ein grandioser Blick auf die Festungsmauer von Valletta, die nahezu jede Postkarte (und ja, die gibt es noch zu kaufen) ziert. Unterhalb dieser Stadtmauer führt übrigens auch ein netter Spazierweg entlang am Meer. Los geht's beim Siege Bell War Memorial, vorbei an einem kleinen Fischerhafen und dem Leuchtturm. An heißen Tagen bietet sich ein Sprung ins kühle Nass an. Badeleitern sorgen für einen leichten Einstieg. Apropos heiß: Mit mehr als 300 Sonnentagen ist Malta fast immer eine Reise wert. Frühlingshaft mild sind die Monate Oktober bis Mai.

Nach knapp einer halben Stunde hat man die Landzunge fast umrundet. Einziger Haken: Wer hier unten am Meer steht, muss wieder in die Stadt hinauf. Zu sehen gibt es entlang der schachbrettartig angelegten Kopfsteinpflaster-Straßen viel. Aber Achtung, Linksverkehr! Ein Überbleibsel aus der britischen Kolonialzeit -genauso wie die roten Telefonzellen.

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© Getty Images Eines der meistbesuchten Ausflugsziele auf Malta ist das Fischerdorf Marsaxlokk mit seinen bunten Holzbooten, den "Luzzus"

Auf den türkisch-osmanischen Einfluss gehen die bunten Holzbalkone zurück, die ebenso das Stadtbild von Valletta prägen. Die Malteser nennen ihre Balkone "Gallariji". Sie gibt es in allen Farben, Variationen und Größen. Mal bis ins kleinste Detail restauriert, andere sind dem Verfall preisgegeben. Geschützt hinter Vorhängen und damit vor Blicken fremder Männer dienten die Gallariji anfangs vor allem als Aussichtsplattform und Rückzugsort für die Frauen. Heute sind sie mehrheitlich nur noch Blickfang -und Abstellkammer.

Salutkanonen: Zweimal täglich wird es laut

Sämtliche Sehenswürdigkeiten von Valletta lassen sich problemlos und gut zu Fuß erobern. Autofrei ist die Altstadt nicht, aber der Verkehr hält sich in Grenzen und kommt überraschend oft geräuschlos, weil elektrisch angefahren, daher. Die längste Straße in der kleinsten Hauptstadt der EU zählt stolze (nachgezählt!) 270 Stufen und führt direkt zum höchsten Punkt der Stadt, den Upper Barraka Gardens, einer hübschen Gartenanlage mit einem kleinen Kaffeehaus und einer großen Terrasse. Wer nicht zu Fuß gehen will, kann den Höhenunterschied auch bequem per Fahrstuhl zurücklegen. Die Fahrt mit dem Barraka-Lift von der Hafenpromenade auf die Terrasse dauert nur wenige Sekunden und kostet einen Euro. Wer noch sein Ticket der Schnellfähre nach Gozo in der Tasche hat, kann den Lift kostenlos benutzen.

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© Littleaom/Shutterstock Die Gärten von Barrakka gibt es auf Valletta gleich in doppelter Ausführung: die Upper Barrakka Gardens liegen auf dem höchsten Punkt der Stadt. Die Lower Barrakka Gardens (Foto) befinden sich an der Hafeneinfahrt des Grand Harbour. Hier wie dort ist der Ausblick grandios

Täglich um zwölf und um 16 Uhr werden unterhalb der Barrakka Gardens die Jahrhunderte alten Salutkanonen der Saluting Battery abgefeuert. Man kann dem Treiben aus sicherer Entfernung oberhalb der Terrasse zusehen. Oder man investiert drei Euro Eintrittsgeld, ist ganz nah dran und bekommt obendrein eine kurzweilige Erklärung zum Brauchtum und dem täglichen Salutschuss - übrigens auch täglich im Lock-down, aber eben ohne Zuseher - mitgeliefert. Ob nämlich dieser traditionelle Salutschuss nur leise "Puff" oder weit hörbar "Peng" macht, hängt von den Künsten des diensthabenden "Soldaten" an der Kanone ab. An dieser Stelle sei verraten: Es ist meistens nur ein "Puff" - Ohren zuhalten nicht notwendig.

Im Schlafzimmer der Adelsfamilie

Mitten in Vallettas Altstadt, die einem Freiluftmuseum gleicht, liegt auch die außen schlicht gehaltene und innen reich verzierte St. John's Co-Kathedrale. Die Kirchenpforte öffnet sich für stolze 15 Euro Eintritt. Drinnen warten viel Gold, neun reich verzierte Kapellen, Hunderte von eingelegten Marmorgrabsteinen im Boden und ein fabelhafter Blick von der Empore. Aber eben auch viele Menschen, die sich durch den Prunkbau schieben. Wertvollstes Kunstwerk ist die "Enthauptung Johannes des Täufers" von Caravaggio. Die St. John's Co-Kathedrale ist natürlich nicht die einzige Kirche, die besichtigt werden kann. Gleich 365 gibt es im Staat Malta. "Für jeden Tag des Jahres haben wir eine", sagt Joey, der Taxifahrer, scherzhaft.

Wer einen Blick in das Innere eines privaten Palastes werfen will, sollte im Sightseeing-Programm einen Abstecher zur Casa Rocca Piccola einplanen. Der Adelspalast aus dem 16. Jahrhundert ist noch heute bewohnt und zählt zu den wenigen Palästen, die unverändert erhalten geblieben sind. Die Räumlichkeiten können auf eigene Faust und mit Hilfe einer kostenlosen App fürs Handy (Kopfhörer nicht vergessen) erkundet werden - und zwar von den Schlafgemächern über den Winter-und den Sommer-Speisesaal bis zum großen Luftschutzbunker unter dem hübschen Innenhof.

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© Kathrin Gulnerits Die bunten Holzbalkone prägen Valletta - genauso wie die Restaurants mit ihren Tischen auf den Treppenstufen in den schmalen, leicht hügeligen Gassen

Mit dem Bus über die Insel

Valletta, die Kulturhauptstadt aus dem Jahr 2018, erobert Besucher im Sturm - und dennoch sollte man für ein, zwei Ausflüge die kleinste Hauptstadt der EU verlassen. Durch das beeindruckende und von Startarchitekt Renzo Piano gestaltete Valletta City Gate geht es direkt zum Busbahnhof. Busfahren ist auf Malta nicht nur sehr günstig - das Ticket kostet 1,50 Euro -, sondern vor allem sehr bequem.

Rund 30 Minuten dauert beispielsweise die Fahrt nach Mdina, die alte Hauptstadt von Malta. Mit ihren prächtigen Kirchen, Klöstern und Palästen ist die 3.000 Jahre alte Stadt mit das Schönste, was Malta zu bieten hat. Die Pferdekutschen gleich beim Haupttor kann man übrigens getrost links liegen lassen. Die Stadtbesichtigung in der "stillen Stadt", die tagsüber recht gut besucht ist, ist zu Fuß nämlich keine große Herausforderung. Apropos Haupttor: Das ist -zumindest für viele Filmfans -zugleich das Highlight von Mdina. Das imposante Stadttor ist nämlich einer der bekanntesten Drehorte von "Game of Thrones". Direkt an Mdina grenzt Rabat. Auch hier lohnt sich ein Bummel durch die engen Gassen mit den sandsteinfarbenen Häusern und den bunten Holztüren.

Zur Stärkung zwischendurch empfiehlt sich ein Abstecher in den Crystal Palace, eine typisch maltesische (und von außen nicht sehr einladende) Bar direkt beim Parkplatz vor dem Haupttor von Mdina. Die Pastizzi, eine maltesische Spezialität aus Blätterteig, werden hier frisch aus dem Ofen heraus verkauft, kosten 50 Cent das Stück und sind wahlweise mit Erbsen, Ricotta oder Hühnchen gefüllt.

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© Kathrin Gulnerits Wer wissen will, wie es in einem Wohnhaus einer maltesischen Adelsfamilie aussieht, stattet der Casa Rocca Piccola (Bild) mit seinen fast 50 Zimmern, einer Kapelle und dem riesigen Luftschutzkeller einen Besuch ab

Steile Klippen und bunte Boote

Gleich vis-à-vis vom Imbissstand fährt der Bus in Richtung Dingli Cliffs ab. Die steilen Kalkklippen an der Südküste sind mit 253 Metern die höchste Erhebung der Insel und bieten vom grünen Felsplateau mit blühenden Wildblumen und duftenden Kräutern vor allem zum Sonnenuntergang einen wunderschönen Blick auf das Mittelmeer. Im Süden von Malta und ebenfalls nur eine halbstündige Busfahrt von Valletta entfernt, lockt das Fischerdorf Marsaxlokk (gesprochen: Marsaschlock). Der Hafen ist bekannt für seine bunten "Luzzus", die sanft im Hafenbecken schaukeln. An der Hafenpromenade reiht sich ein Restaurant ans nächste. Auf den Tisch kommt - wenig überraschend und nicht nur zum Fischmarkt am Sonntag -fangfrischer Fisch.

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© Kathrin Gulnerits Der Spaziergang von der Uferpromenade von Marsaxlokk zum St. Peter's Pool dauert rund 30 Minuten. Schneller geht es mit einem Fischerboot

Nicht weit ist es von hier zum St. Peter's Pool. Für den Fußmarsch sollte man knapp 30 Minuten einplanen. Nur wenige Minuten dauert die Fahrt mit dem Fischerboot. Touren werden überall am Hafen angeboten. Allein ist man an dem Felsbadestrand mit seinem kristallklaren, grün-blauen Wasser nicht. Kaum überlaufen, weil schwerer zu erreichen, sind die Badebuchten, die in unmittelbarer Nähe des Naturpools unterhalb der Kalksteinfelsen in Richtung der Landzunge Ras il-Fenek zu finden sind. Der Weg runter zum Meer ist beschwerlich. Der Ausblick von der spektakulären Steilküste ist aber einmal mehr und wie so oft auf dieser Insel vor allem eines: Wow!

Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 37/2022 erschienen.