Frauensache von

Die größten Fehler
bei der Intimhygiene

Tampons zum Schwimmen und Hausmittel gegen Scheidenpilz? Die Mythen im Check

Eine Frau hält einen Zettel, auf dem SOS steht, vor ihren Intimbereich © Bild: iStockphoto.com

Soll man frau beim Schwimmen eigentlich einen Tampon verwenden? Hilft der Verzicht auf Süßes gegen Scheidenpilz? Und warum taucht ebendieser häufig nach dem Schwimmbadbesuch auf? Wir befragten den Gynäkologen Prof. Dr. Armin Witt und räumen mit den häufigsten Mythen in Sachen Intimhygiene auf.

Irrtum Nr. 1: Infektion aus der Therme

Frau im Schwimmbad
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Eine Erfahrung, die so gut wie jede Thermen-geeichte Frau schon mal gemacht hat: Man betritt den Wellnesstempel untenherum kerngesund auf und verlässt ihn ... mit einem Scheidenpilz. Spätestens am nächsten Tag beginnt es zu jucken und zu brennen. Na toll! Hat man sich im Schwimmbad also eine Infektion eingefangen. Meint man. Allerdings zu Unrecht, wie der Experte weiß: "Die Therme verursacht keine Infektionen. Das mit Chlor oder Schwefel versetzte Wasser wirkt desinfizierend." Bakterien oder Pilze könnten sich hier jedenfalls nicht verbreiten. "Zeigt sich nach dem Thermenbesuch eine Infektion, hat man sie in Wirklichkeit schon vorher gehabt." Das aggressive Chlorbad trage lediglich zur Verstärkung der Symptome bei.

Irrtum Nr. 2: Tampons beim Schwimmen

Eine Frau hält einen Tampon
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Apropos Schwimmen: Wer nicht will, dass dabei Wasser in die Scheide gelangt, der stöpselt sie schlicht und einfach zu. Tampon einführen und die Sache ist erledigt. Richtig? Falsch! "Beim Schwimmen einen Tampon zu tragen ist absolut kontraproduktiv", weiß Witt, der auch von der Verwendung speziell präparierter, angeblich wasserabweisender Tampons abrät. "Durch den Dochteffekt zieht man sich das Wasser über den Rückholfaden in die Scheide hinein." Studien hätten gezeigt, dass sich, wenn man beim Schwimmen einen Tampon verwendet, letztlich mehr Wasser in der Scheide befindet, als wenn man ganz ohne badet. Sollte dessen Verwendung unvermeidbar sein, so empfiehlt es sich, ihn direkt nach dem Baden zu entfernen.

Irrtum Nr. 3: Hausmittel gegen Scheidenpilz

Knoblauch
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In Naturjoghurt getunkte Tampons als Hausmittel gegen Pilzinfektionen sind eine Sache. Knoblauchzehen eine andere. Ja, Sie haben richtig gelesen. Es gibt tatsächlich die Empfehlung, eine Knoblauchzehe in die Scheide einzuführen, sie dort einen Tag lang zu belassen, um sie am nächsten Tag durch eine neue zu ersetzen. Ein paar Mal hintereinander wiederholt soll dies gegen lästige wie unangenehme Scheidenpilzinfektionen helfen. Eine gute Idee? Nicht wirklich. Diverse Hausmittel könnten die Symptome zwar lindern, wissenschaftlich nachgewiesen sei ihre Wirkung aber nicht. Der Experte empfiehlt, einen Facharzt aufzusuchen anstatt darauf zu hoffen, dass Joghurttampons, Knoblauchzehen und Co. die gewünschte Wirkung erbringen.

Irrtum Nr. 4: Desinfektionsmittel im Intimbereich

Frau in der Dusche
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Desinfektionsmittel haben im Intimbereich nichts verloren. "Man darf das ökologische System in der Scheide, also das Verhältnis der Bakterien zueinander, niemals durch Desinfektion stören", mahnt Witt. In aller Deutlichkeit rät er von der Verwendung diverser Desinfektionsmittel wie Betaisodona oder Jod einerseits und desinfizierender Vaginalspülungen anderseits ab. Wer auf Laktobazillenpräparate zum Aufbau der Vaginalflora setzt, solle sich vorher informieren, ob deren Wirkung belegt ist. Bei Scheidenpilz helfen sie jedenfalls nicht - weder prophylaktisch noch nach einer Antibiotikakur. Dagegen rät der Experte zur Verwendung von pH-neutralen Duschgels. Sie tragen zur Erhaltung des pH-Werts in der Vagina bei und machen teure Produkte überflüssig.

Irrtum Nr. 5: Zuckerdiät gegen Scheidenpilz

Eine junge Frau isst ein Stück Kuchen
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Pilze ernähren sich von Zucker. Je weniger Zucker also im Körper vorhanden, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein solcher in der Scheide einnistet. Was wäre da also naheliegender, als eine zucker- sprich kohlenhydratarme Diät zu machen? Klingt logisch, ist aber ausgemachter Blödsinn. Denn tatsächlich hat der Zucker, den wir übers Essen zu uns nehmen, mit jenem, der sich in der Scheide befindet, nichts zu tun. "Frauen haben in ihrer Vagina eine eigene Zuckerfabrik", erklärt Witt. Unter Einfluss des Hormons Östrogen wird dort unabhängig von der Nahrungsaufnahme Zucker produziert. Das hat folgenden Grund: Die Laktobazillen, auch Milchsäurebakterien genannt, wandeln Zucker in Milchsäure beziehungsweise Laktat um. Die Milchsäure wiederum sorgt für das saure Klima in der Scheide, das für eine gesunde Flora unerlässlich ist. Kurzum: Ohne Zucker keine gesunde Scheidenflora.

Irrtum Nr. 6: Selbsttherapie statt Arztbesuch

Frau vor einem Regal in einem Geschäft
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Warum zum Arzt gehen, wenn man doch in der Apotheke das passende Medikament kaufen oder ausschließlich auf Hausmittel setzen kann? Nur nicht, mahnt der Experte. Und untermauert dies mit wissenschaftlich erhobenen Zahlen. So hätte die Selbsttherapie eine Trefferquote von gerade mal 18 bis 30 Prozent. Das ist nicht sehr viel. Daher solle man weder Medikamente auf eigene Faust in der Apotheke besorgen noch auf Hausmittel setzen. "Wenn man Beschwerden hat, soll man zum Arzt gehen", rät Witt. Dieser klärt die Ursache des Leidens ab und verordnet die passende Therapie. Was einem meist nicht nur Zeit, sondern auch Geld und Nerven spart.

"Intim. Endlich fit im Schritt"
© Berenkamp

Buchtipp: "Intim. Endlich fit im Schritt" von Armin Witt. Erschienen bei Berenkamp. Softcover, 189 Seiten
ISBN 978-3-85093-371-1
17,50 Euro

Zur Person: Armin Witt ist Oberarzt an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien. Er gründete das Institut Gyninfekt und führt seit 2005 eine Ordination als Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in Wien.


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