Hygiene von

Die größten Fehler
beim Desinfizieren

Frau putzt © Bild: iStockphoto.com

Eines gleich mal vorweg: In den meisten Fällen ist der Einsatz von Desinfektionsmitteln im Haushalt nicht notwendig. Wer dennoch nicht auf diverse Präparate verzichten will, sollte sie zumindest richtig anwenden. Die Mikrobiologin und Hygienikerin Prof. Miranda Suchomel zeigt die größten Fehler beim Desinfizieren auf. Und verrät, wie man es besser macht.

1. Flächendesinfektionsmittel für die Hände? Autsch!

Nicht umsonst sind manche Präparate als Hand- und andere als Flächendesinfektionsmittel deklariert. Was manch eifrigen Keimgegner aber nicht davon abhält, seine Hände mit Zweiterem einzureiben. Die Expertin von der MedUni Wien warnt: Diverse in Flächendesinfektionsmitteln enthaltene Wirkstoffe können die Haut extrem schädigen, sie im schlimmsten Fall sogar verätzen. Mit anderen Worten: Flächendesinfektionsmittel haben auf den Händen nichts verloren. Und wie sieht es mit Handdesinfektionsmitteln aus? Kann man sie im Notfall zum Desinfizieren von Küche, Bad und Co. verwenden? Auch keine gute Idee! Der Grund: Entsprechende Produkte enthalten meist Alkohol. Weil der die Haut stark austrocknet, ist ihnen für gewöhnlich auch ein Rückfetter beigemengt. Der tut zwar den Händen gut, auf diversen Oberflächen hinterlässt er aber einen unschönen Fettfilm.

2. So bringt Handdesinfektionsmittel gar nichts

Apropos Handdesinfektionsmittel: Wetten, dass Sie jenes, das auf öffentlichen Toiletten in einem Spender zur freien Entnahme angeboten wird, schon einmal falsch angewendet haben? Tatsächlich scheinen hier dem Einfallsreichtum kaum Grenzen gesetzt. So benützen es die einen anstelle der Seife, um es anschließend wieder gründlich abzuspülen. Andere wiederum verwenden wie gewohnt Seife, tragen das Desinfektionsmittel auf die nassen Hände auf, wischen ebendiese in ein Papiertuch oder lassen sie lufttrocknen. Egal, für welche Variante Sie sich bisher entschieden haben, sie sind alle falsch. Dabei muss man das Mittel nicht erst in ein Tuch wischen, um seine Wirkung zunichte zu machen. "Wer den Alkohol auf die feuchten Hände aufträgt, verdünnt ihn", erklärt Suchomel. Womit es dann auch um den gewünschten Effekt geschehen ist.

Hände desinfizieren
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Nachdem Sie jetzt wissen, wie man es nicht machen soll, wollen wir Ihnen die korrekte Handhabung natürlich nicht vorenthalten. Die da wäre: Waschen Sie die Hände mit Seife. Spülen und trocknen Sie sie gründlich ab. Erst dann greifen Sie zum Desinfektionsmittel. Empfohlen werden drei Milliliter. "Das ist ungefähr eine hohle Hand voll", veranschaulicht Suchomel. Oft muss man zwei, drei Mal drücken, um diese Menge zu erhalten. Reiben Sie die gesamte Handoberfläche inklusive Daumen und Fingerzwischenräume mit dem Mittel ein. Und zwar so lange, bis der Alkohol vollständig verdampft ist, sprich die Hände trocken sind. "Das kann 20, 30 oder sogar 40 Sekunden dauern, je nachdem wie viel Rückfetter im Mittel enthalten ist."

3. Der sogenannte Seifenfehler

Prinzipiell gilt: Zuerst reinigen, dann desinfizieren. Doch Vorsicht: Manche Reinigungsmittel heben die Wirkung bestimmter Desinfektionsmittel auf. Man spricht hier vom sogenannten Seifenfehler. Daher empfiehlt es sich, zwischen dem Reinigen und dem Desinfizieren einen Wasserschritt einzulegen, sprich mit Wasser nachzuwischen. Dasselbe gilt übrigens auch für Desinfektionsmittel, werden sie - wenngleich für gewöhnlich auch nicht notwendig - in der Küche eingesetzt: Nach der vorgeschriebenen Einwirkzeit bitte mit Leitungswasser nachwischen! Ansonsten besteht die Gefahr, dass Rückstände auf die Lebensmittel und damit in den Organismus gelangen. Keine Sorgen müssen Sie sich dagegen bei alkoholbasierten Desinfektionsmitteln machen. Weil sich der Alkohol verflüchtigt, ist das Nachwischen hier obsolet.

Putzen
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4. Verätzungsgefahr bei chlorhaltigen Mitteln

Natürlich sollte jedes Desinfektionsmittel mit Bedacht - und vor allem unter Einhaltung der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen - verwendet werden. Besondere Vorsicht ist aber bei chlorhaltigen Präparaten geboten. Die Expertin warnt: "Bei falscher Anwendung können Chlordämpfe entstehen, die zu Verätzungen in der Lunge führen können." Dafür muss man dem Mittel nicht erst andere Chemikalien beimengen. Es reicht bereits, wenn man es mit heißem Wasser verdünnt. Dabei entstehende Dämpfe können, ohne dass man es merkt, bis tief in die Lunge vordringen und dort einen unwiederbringlichen Schaden anrichten. In der Regel ist auf den jeweiligen Produkten vermerkt, welche Sicherheitsvorkehrungen man bei ihrer Anwendung treffen sollte. Es zahlt sich aus, sie einzuhalten.

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5. Schimmelentferner in der Lunge? Nein danke!

Schimmelentferner gehört auf den Schimmelfleck. Keinesfalls aber auf die Hände und noch weniger in die Lunge oder die Augen. Egal, ob das Präparat Chlor oder Alkohol enthält: Wer es direkt auf den Schimmel sprüht, läuft Gefahr, dass Tröpfchen, sogenannte Aerosole, in die Luft und anschließend in die Lunge gelangen. Und nicht nur das: Trifft der Sprühnebel auf den Schimmel, werden Sporen in der Luft verteilt. Man atmet also nicht nur das Präparat, sondern auch die Schimmelsporen ein. Die Expertin empfiehlt daher wärmstens neben Schutzhandschuhen auch einen Mund- und einen Augenschutz zu tragen. Besagte Gefahr lässt sich aber auch ganz einfach umgehen, indem man das Mittel nicht direkt auf den Schimmel, sondern auf ein Tuch sprüht, mit dem man den Fleck dann einreibt.

Schimmel in der Wohnung
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6. Zu viel ist schlecht. Zu wenig noch mehr.

Beim Desinfizieren gilt es folgende drei Aspekte zu beachten: Der Wirkstoff muss in einer gewissen Konzentration für eine gewisse Dauer einwirken. Verwendet man eine geringere Konzentration als für den entsprechenden Wirkstoff vorgesehen, hemmt man die Mikroorganismen nur vorübergehend. "Sobald das Umfeld wieder geeignete Bedingungen bietet, schön feucht ist und ausreichend Nährstoffe vorhanden sind, vermehren sich die Mikroorganismen fröhlich weiter." Und als wäre das noch nicht genug, entwickeln sie möglicherweise auch Strategien gegen den Wirkstoff. Sprich: Sie werden resistent. So viel zur Unterdosierung. Bei einer Überdosierung kann man zwar davon ausgehen, dass man sämtliche Erreger gekillt, möglicherweise aber auch die behandelte Oberfläche ruiniert hat.

7. Nicht jedes "Desinfektionsmittel" desinfiziert

"Ein Bakterium allein", so Suchomel, "führt noch zu keiner Infektion." Unter Desinfizieren verstehen wir daher, die Anzahl der Mikroorganismen auf ein Maß zu reduzieren, dass sie keine Infektion mehr auslösen können. Das ist bei jenen Desinfektionsmitteln der Fall, die 99,999 Prozent der Erreger abtöten. Möglicherweise schaffen das auch Präparate, die 99,9 Prozent der Erreger eliminieren. Wenngleich es sich hier nicht mehr um eine Desinfektion per definitionem handelt. "Weil die Reduktion der Mikroorganismen zu gering ist." Auf keinen Fall aber für eine Desinfektion ausreichend sind Mittel, die 99 Prozent der Erreger töten. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte in die Apotheke gehen und nach einem wirksamkeitsgeprüften Produkt verlangen.


Miranda Suchomel
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Zur Person
Prof. Miranda Suchomel ist Hygienikerin und Mikrobiologin. Sie leitet die Abteilung für Medizinisch-technische Hygiene mit Schwerpunkt Desinfektion am Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie der Medizinischen Universität Wien.