Schicksale von

Griechenland:
Weinender Pensionist spricht

Berührendes Foto sorgt für Aufregung: 77-Jähriger über Elend des Landes entsetzt

Ein griechischer Pensionist bricht vor einer Bank in Thessaloniki zusammen. © Bild: SAKIS MITROLIDIS/AFP/Getty Images

Das Foto eines älteren griechischen Mannes, der weinend vor einer Bank in Thessaloniki sitzt, hat in den sozialen Netzwerken für Aufsehen gesorgt - es zeigt die ganz persönliche Seite des griechischen Finanzdramas. Bei dem Mann handelt es sich um den 77-jährigen Pensionisten Giorgos Chatzifotiadis.

THEMEN:

Er berichtete, wie er bereits zuvor bei drei Banken gewesen sei, um für seine kranke Frau wenigstens einen Teil der Pension zu ergattern. Doch fand er sich stets vor verschlossenen Türen wieder.

"Ich bin einfach zusammengebrochen"

Die vierte Bank habe dann geöffnet gehabt, dennoch habe er kein Geld für seine Frau bekommen, berichtete Chatzifotiadis. "Da bin ich einfach zusammengebrochen." Mehr noch als seine persönlichen Probleme aber habe ihn die Situation seines Landes getroffen, sagte er weiter: "Ich ertrage es nicht, dieses Elend zu sehen".

Pensionisten stehen vor einer Bank in Griechenland und warten auf ihr Geld.
© REUTERS/Alexandros Avramidis Ein anderer Pensionist weint vor der Bank in Thessaloniki.

Chatzifotiadis und seine Frau haben mehrere Jahre in Deutschland gearbeitet - von dort stammt auch die Rente seiner Frau. "Ich habe hart gearbeitet", sagte der Pensionist. Nun erträgt er es kaum, wenn Menschen auf den Straßen um ein paar Cent für Brot betteln. "Europa und Griechenland haben Fehler gemacht. Wir müssen gemeinsam eine Lösung finden", sagte er. Genug Geld, um am Sonntag zum 80 Kilometer entfernten Wahllokal zum Referendum über die Sparpolitik zu fahren, habe er aber nicht.

Pensionisten stehen vor einer Bank in Griechenland und warten auf ihr Geld.
© REUTERS/Alexandros Avramidis Die Verzweiflung ist groß.

60 Euro pro Tag für Pensionisten

Derzeit spielen sich dramatische Szenen in Griechenland ab. Am Freitag hat auch der katholische Erzbischof von Athen, Sevastianos Rossolatos, Alarm geschlagen. "Pensionisten stehen in langen Schlangen vor dem Banken, um die erlaubten 60 Euro pro Tag abzuheben, manche kollabieren aufgrund der Hitze oder stehen nachts auf, um um drei Uhr morgens die ersten in der Schlange zu sein", zitierte Kathpress den Geistlichen. Selbst Diözesen und Pfarren könnten ihre Angestellten ohne den Zugriff auf die Bankengelder nicht bezahlen. Angesichts der "vollkommenen Unsicherheit" sei dies "eine verzweifelte Lage", sagte der Bischof in Radio Vatikan.

Im Land wird wegen der Beschränkungen im Zahlungsverkehr unterdessen das Kleingeld knapp. Jeder wolle mit 20-Euro-Scheinen vom Geldautomaten zahlen, sagt eine Gemüsehändlerin im Athener Vorort Piräus. Aber auch diese Banknoten werden knapp. Deswegen sinkt das Limit von 60 Euro am Tag am Geldautomaten in vielen Fällen auf 50 Euro.

Pensionisten stehen vor einer Bank in Griechenland und warten auf ihr Geld.
© REUTERS/Alexandros Avramidis Viele Pensionisten warten vor Banken auf ihr Geld.

Kommentare

B2Brawler melden

@ higgs70 fortsetzung

//irgendwie war die maximale länge überschritten

-igkeit eines Staates bei so großen Abwertungen geht ja auch verloren oder nicht?

higgs70
higgs70 melden

Völlig richtig, eine Währungsabwertung ist nichts anderes als ein Sanieren auf Kosten anderer. Und die Situation jetzt ist natürlich eine völlig andere, weil die Summen andere sind.
Nur mein Punkt war der, dass die Streichung dieser Tradition der potentiellen Leistungsbilanzaufbesserung schnell zu Überschuldung führt (die Drachmenabwertung 1998 -über 13%-hatte keine nennenswerte Auswirkungen auf Resteuropa, wohl aber die letzte Krise) und dass Sie bei Einzelwährungen auch das Instrumentarium der Inflationspolitik zur Verfügung haben, beides fällt mit gemeinsamer Währung weg.

Und dass wiederum bringt uns full turn zum jetzigen Fiasko, denn wäre Griechenland (oder auch Spanien, Italien,Portugal, also die Länder mit Abwertungstradition) bei eigenständigen Währungen geblieben, hätten alle Partner gewusst, dass die Potentialität der Abwertung besteht und würden nicht mit Riesensummen drinhängen. Also zumindest ich würde dort, wo man mit Federstrich mein Kapital vernichten kann, nicht mit großen Summen hineingehen und ich vermute mal Fonds, Großinvestoren und Banken halten es ähnlich.

All das hätte man sich vorher überlegen müssen, aber man sah in monokausaler Verblendung nichts anderes als den großen Markt - und jetzt hamma zu großen Markt halt die große Krise, denn die Bankenprobleme sind alles andere als bereinigt und Griechenland wackelt nicht allein.

Jacuzzi melden

Perfekt formuliert, higgs70!
Das Problem bei der EU war von vorneherein, dass die EU-Gründer völlig ungleiche Staaten mit unterschiedlichen Wirtschaften und Wirtschaftsschwerpunkten über den Euro einfach gekoppelt haben. Dadurch entstehen nicht nur Märkte für die "besseren" Wirtschaften (= Supergeschäft für Großkonzerne), sondern auch Abhängigkeiten für die "schlechteren" Staaten u. deren Bewohner

Jacuzzi melden

Einen Staat zu sanieren geht immer nur, indem man der Bevölkerung das Letzte bis zum Verhungern nimmt. Denn die kann sich nicht wehren, kann nichts auf die Seite bringen, kann nicht davonlaufen. Ich kann die beiden Männer gut verstehen: ein einstmals stolzes Land mit stolzen Bürgern kann seine Bürger plötzlich nicht mehr ernähren! Es droht der totale Zusammenbruch der Wirtschaft.

Jacuzzi melden

Ganz Europa sitzt auf einem gigantischen Schuldenberg. Das wirkliche Vermögen haben nur ganz wenige.
Schulden sind das Geld der Zukunft! Das heißt, wir leben alle auf Kosten unserer (und besonders unserer Kinder) Zukunft. Wenn sich dann die Zukunft nicht so gestaltet, wie wir uns das vorgestellt haben, bricht schließlich das gesamte System zusammen und wir sind ärmer als zuvor.

Jacuzzi melden

Griechenland ist erst der Anfang.
Und Griechenland ist zu klein, um eine neue Weltwirtschaftskrise auszulösen.
Aber die schwarzen Wolken dort hinten am fernen Horizont sind schon die nächste Weltwirtschaftskrise.

Was hat Steuerflucht der Oligarchen und Korruption in Griechenland sowie unser anti-nachhaltiges Schuldgeldsystem mit der EU zu tun? Und überall die enge Verknüpfung zwischen Politik und Finanzwirtschaft? Die 290 EZB Tastaturgeldmilliarden wurden bis einige wenige zur 'Sanierung' des Finanzmarkts und nicht für die rasch verarmenden 90% der Griechen die 10% des Gesamtvermögens haben.

higgs70
higgs70 melden

Man nenne mich einen Zyniker, aber alle jene Befürworter der EU, die immer mit dem großen völkerverbindenden Projekt argumentierten, mögen sich jetzt bitte einmal dazu aufraffen, genau hinzusehen,ob das das gewünschte Resultat ist.


Nudlsupp melden

Einen Zyniker nenne ich sie nicht. Ich stimme auch jedem zu, der Reformbedarf bei den Institutionen der EU sieht. So war gestern auf ZDF ein hoch interessanter Bericht. Die Säuglingssterblichkeit in Griechenland ist seit Beginn der Krise um 50(!) Prozent gestiegen, für weite Teile der Bevölkerung ist das Gesundheitssystem nicht mehr zugänglich. Sie mögen mich jetzt einen Träumer nennen Higgs......

Nudlsupp melden

aber wenn mehrere hunderte Milliarden für die Aktionäre der Großbanken da sind, dann halte ich es nicht für so visionär auch den Menschen zu helfen. Das was in Griechenland zur Zeit abgeht, ist abartig, das hätte so auch nie eskalieren müssen, wenn man etwas mehr Verantwortung gezeigt hätte, aber das Projekt EU, egal wie man die "Umsetzung" sieht, hat dem Kontinent viel gebracht.

higgs70
higgs70 melden

Nun,ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass mich Ihr letzter Satz verblüfft;-))
Und ich glaube recht gut zu wissen was Sie sehen, ein großes internationales Projekt das die Völker zusammenbringt, das Leben für alle stabiler macht, Kriege verhindert, den Nationalismus zurückdrängt und die Wirtschaft beflügelt.
Ich hingegen sehe ein Riesengebilde in dem sich die Machtverteilung vom politischen System zu Großkonzernen verschiebt, in dem reaktionsweise der Nationalismus anwächst und die Gefahr dass österr.Soldaten irgendwo stehen,wo ich sie nicht haben will. Und ich bin überzeugter Gegner jedes politischen Großgebildes, aber nicht aus Nationalismus sondern weil Dinge vor Ort für die Leute ebendort zu regeln sind, weil in großen Einheiten die demokratische Mitbestimmung nolens volens sinkt, weil die Modulbauweise viele Vorteile und Zentralisierung hauptsächlich Nachteile hat, weil man lokale Probleme verstehen muss um etwas zu entscheiden und weil große Einheiten wie gesagt Monopolbildung und damit Konzernherrschaft befördern. Hier werden wir uns wohl nicht einig werden, aber schön,dass Sie Ihre Sicht der Dinge verteidigen auch wenns hier immer reichlich Gegenwind haben;-)

P.S. Dem ersten Teil Ihres postings stimme ich vollkommen zu.

parteilos melden

Ich gebe ihnen recht, genau so ises...

11223344 melden

jaja, die liebe eu. bringt mehr leid und probleme als die meisten kriege. heute griechenland und morgen österreich???? naja, lassen wir uns überraschen was unsere diktatoren weiter ausbrüten. aber die armut steigt weiter und auch das leid wird in ganz europa immer grösser.

Zwiegespraech
Zwiegespraech melden

dann wandere doch aus, auf solche Suderer wie dich können wir gerne verzichten!

Bill Rizer
Bill Rizer melden

Davonlaufen ist aber keine Lösung, wir sollten es doch schaffen, im eigenen Land wieder eine Demokratie hinzukriegen. Das hat immerhin schonmal funktioniert.

Exceeding melden

Dein nick "Uniqua" klingt mehr nach ignorantem Brot...ich stimme 11223344 voll zu: So wird es uns auch mal ergehen, davor kommen aber noch Italien, Spanien, usw...

B2Brawler melden


@Exceeding da muss ich dich leider enttäuschen wenn Italien und Spanien ähnliches erleiden gibts die Union whs nicht mehr. Und zu der ganze negativen Eu stimmung hier-> Es ist nicht die schuld der union das grichenland so viel schulden angehäuft hat.

gentlemann0815 melden

Es liegt nicht an den Pensionen. Diese sind niedrig, es ist das Versagen der früheren Griechischen Regierungen die dieses Desaster verbrockt haben. Diese müssten vor EU Gericht gebracht werden und Verurteilt werden. Die jetzige Regierung kann hier nur noch zusehen. Das wäre zumindest ein Warnung an alle anderen Regierungsschefs hier endlich aufzuwachen. Natürlich bringt das den Leuten nichts mehr.

higgs70
higgs70 melden

@B2Brawler
Doch, sehr wohl. In der Sache ist von Anfang an alles schiefgegangen was schiefgehen konnte. Denn dass die griechischen Daten falsch waren, wusste der restliche EU-Haufen auch, nur wollte man auf Biegen und Brechen den großen Markt. Aber das Hauptproblem war, dass kein Genie sich überlegt hatte, was Länder mit Abwertungstradition tun werden, wenn sie es nicht mehr können - jetzt wissen wir es: Schulden machen bis zum Plafond und die Banken mit hohen Zinsen fett füttern, das betrifft ja nicht nur die Griechen. Einzelstaaten mit begrenzten Ressourcen hätten die Bankzocker nie ein solches Ausmaß Risikokapital in den Rachen gestopft weil die Zinsen dafür so schön hoch waren, das taten sie in Hoffnung auf einen großen Haftungsverbund - und den haben sie jetzt. Es ist das System.

B2Brawler melden

@higgs70
ich sags gleich ich bin kein Wirtschaftsexperte :P. Aber in meinen Augen ist eine Abwertung einer Währung ja nichts anderes als ein vom Land herbeigeführter Schuldenschnitt ( die Stattsanleihen müss ja glaubich in der Währung des Landes abbezahlt werden also kurs 10000:1 mit ner neun Drachme und weg sind die Schulden ^^) Aber die Griechen würden weiter Schulden machen und die glaubwürdig

Nudlsupp melden

@B2Brawler: Mit der Abwertung haben Sie Recht. Und genau das war das Ziel der "Hartwährungsländer" damit die das künftig nicht mehr machen können. Das Ergebnis wäre wohl dasselbe gewesen, es wäre nur ruhiger abgelaufen. Solange sich die Südländer verschuldet haben, um unsere Exportüberschüsse zu finanzieren war alles in Ordnung. Meiner Meinung nach, war der große Fehler, daß man sich ....

Nudlsupp melden

von den Banken so sehr in Geiselhaft hat nehmen lassen. Man muß sich diese Ironie mal vorstellen, daß Staaten, die eigentlich die Hoheit der "Geldschöpfung" haben sollten, sich geschöpftes Giralgeld von Banken leihen, die dafür nicht mal eine Sicherheit bei der Notenbank hinterlegen müssen.

Nadeschda Eva
Nadeschda Eva melden

Die Großen sahnen ab... die Kleinen gehen vor die Hunde...
EU-Bankensystem http://mobbing-konkret.jimdo.com/eu-europ-union/ und Harvey Friedman http://mobbing-konkret.jimdo.com/harvey-friedman/

Seite 1 von 1