Frauen an der Urne von

Wenn nur Frauen
wählen würden...

...würde Österreich anders aussehen? Ja. Aber wie? Und warum?

Wähler © Bild: iStockphoto/bizoo_n

Seit 1918 dürfen Frauen in Österreich wählen. Noch bevor sie im Februar 1919 das erste Mal zur Urne schritten, waren alle Parteien besorgt über die politischen Auswirkungen dieses neuen Rechts für Frauen. Und das zu Recht, denn ginge es nach den Frauen wäre die ein oder andere Wahl in Österreich etwas anders ausgegangen. Doch warum ist das so? Warum wählen Frauen meist anders als Männer - und wie?

Was im Jahr 2018 selbstverständlich ist, musste vor 100 Jahren hart erkämpft werden. Das Wahlrecht für Frauen wurde damals ebenso vehement gefordert wie abgelehnt. Doch die Frauenrechtlerinnen setzten sich durch und so wurde am 12. November 1918 den Frauen das Wahlrecht gewährt, im Februar darauf durften sie ihr neu gewonnenes Recht zum ersten Mal ausüben. Was sie auch taten: Die Wahlbeteiligung der Frauen lag damals auf Anhieb bei 82,1 Prozent (jene der Männer bei 86,97 Prozent). Die Befürchtung der Christlichsozialen, dass Frauen stärker die Sozialdemokraten wählen würden, bewahrheitete sich jedoch nicht, denn bis 1960 hielt der Trend an, dass Frauen eher christlich-sozial, also konservativ, wählten.

Frauen wählen überdurchschnittlich Grün, Männer Blau

Erst Mitte der 70er-Jahre fingen Frauen an, mehr und mehr in Richtung Sozialdemokratie zu tendieren, wie aber auch die Männer. 1986 begann sich dann das Wahlverhalten der Männer und Frauen deutlich zu unterscheiden. Verantwortlich dafür war sowohl der neue rechtspopulistische Kurs der FPÖ unter Jörg Haider sowie auch das Entstehen der Grünen (und später des Liberalen Forums), erklärt das Demokratiezentrum Wien. Die Frauen votierten seither tendenziell überdurchschnittlich für die Grünen und unterdurchschnittlich für die FPÖ, wohingegen bei den Männern eindeutig ein Hang Richtung FPÖ erkennbar ist.

So hätte zum Beispiel bei der Präsidentschaftswahl 2016 Alexander Van der Bellen ganze 62 Prozent bekommen (allgemein 53 Prozent), wären nur Frauen am Zug gewesen, umgekehrt jedoch, hätten nur Männer wählen dürfen, säße heute Norbert Hofer im Amt. Ginge es außerdem nach den Frauen, wären die Grünen immer noch im Nationalrat vertreten und Sebastian Kurz hätte 2017 nur ganz knapp vor der SPÖ und Christian Kern gewonnen. Letztere hätte zudem die FPÖ nicht knapp sondern mit einem Abstand von sieben Prozent hinter sich gelassen. Im Jahr 1999 hätten Frauen die Nationalratswahl, die zu Schwarz-Blau I unter Wolfgang Schüssel führte, ganz anders entschieden, als die Männer. Die SPÖ hätte vor der ÖVP und der FPÖ gewonnen, bei den Männern hingegen hätte die FPÖ sogar den ersten Platz erreicht, vor rot und schwarz.

Angebote von Rot oder Grün treffen Interessen der Frauen besser

Doch warum ist das so? Warum tendieren eher Männer zur FPÖ und Frauen zu rot oder grün? „Zwar gibt es nicht ‚die‘ einheitlichen Interessen von Frauen, doch sind Frauen eher als Männer an Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Beruf und Familie interessiert, an sozialer Absicherung, an Kindererziehung, an guten Kinderbetreuungseinrichtungen und Gerechtigkeit zwischen Mann und Frau oder auch an der Zukunft ihrer Kinder. Und dazu machen die Programme von sozialdemokratischen und grünen Parteien eher Angebote als rechtspopulistische Parteien“, erklärt Universitäts-Professorin und Politikwissenschaftlerin Dr. Birgit Sauer News.at die Gründe für diese Unterschiede im Wahlverhalten.

»Gerade dieses „martialisch-männerhündische“ Auftreten rechter Parteien schreckt Frauen eher ab«

Darum würden, so Sauer, Frauen eben eher „rational“ ihren Interessen entsprechend rot-grün denn FPÖ wählen. Zudem sei auch die Präsenz von Frauen in Führungspositionen ein weiterer Punkt für die Wahlentscheidung. Auch hier wiederum Frauen für grüne und rote Parteien durchaus im Parlament oder in den Partei-Führungsriegen, die FPÖ hat jedoch vornehmlich männliches Personal - und das im Rahmen einer „männerhündischer Struktur“, so Sauer. Wählerinnen sähen darin kein Potenzial, dass ihre Interessen realisiert würden. Und gerade dieses „martialisch-männerhündische“ Auftreten rechter Parteien schrecke Frauen eher ab, wie Untersuchungen zeigen, führt die Expertin weiter aus. Männer hingegen würden sich davon eher angezogen fühlen. Zudem seien diese auch eher anfällig für „antagonistisches Framing“, also dafür, wie Rechtspopulisten oft argumentieren, zum Beispiel in Form von „Wir“ gegen „Andere“. Frauen lehnen solche ausgrenzenden Argumentationen eher ab. Um diesen - für Frauen abschreckenden - „männerhündischen Strukturen“ entgegenzuwirken, haben, so Sauer, einige europäische Rechtsparteien einen „Entdämonisierungskurs“ eingeschlagen und Frauen an ihre Spitzen gesetzt. Nicht so jedoch die FPÖ.

Ausblick in die Zukunft

Doch dieser „Gender gap“ in der Urne gehört wohl bald wieder der Vergangenheit an, so Sauer. Denn die Unterschiede im Wahlverhalten werden zunehmend kleiner, erklärt die Politikwissenschaftlerin und beruft sich dabei auf jüngste Untersuchungen. Somit werde die Wahrscheinlichkeit, dass Wahlergebnisse ohne Männerstimmen anders aussehen würden, wie dies in der Vergangenheit - auch in anderen Ländern – eben der Fall war, immer kleiner.