Europäische Royals von

Das norwegische Königshaus

König Harald regiert seit 1991 - Auf Kronprinz Haakon folgt Ingrid als erste Frau

Die norwegische Königsfamilie © Bild: APA/EPA/HAAKON MOSVOLD LARSEN

Harald V. ist der erste norwegische König seit 1370, der in Norwegen geboren wurde. Der dritte Herrscher seit Wiedererrichtung der eigenständigen norwegischen Monarchie im Jahr 1905 kam am 21. Februar 1937 als drittes Kind und einziger Sohn des damaligen Kronprinzen Olav aus dem Hause Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg und der schwedischen Prinzessin Märtha Bernadotte zur Welt. Nach dem Tod seines Vaters am 17. Jänner 1991 bestieg Harald den Thron.

Das am Ende des 9. Jahrhunderts unter dem Reichsgründer Harald I. Harfagri (Schönhaar) entstandene Königtum Norwegen war von 1380 bis 1814 mit Dänemark und von 1814 bis 1905 mit Schweden in Personalunion vereinigt. 1905 wurde der dänische Prinz Christian Carl vom norwegischen Parlament (Storting) zum König gewählt, nachdem es im Gefolge von Auseinandersetzungen um die konsularischen Vertretungen zur Auflösung der Union mit Schweden gekommen war. Unter dem Namen Haakon VII. nahm er die ihm angebotene Krone an. Er war mit der britischen Prinzessin Maud, einer Enkelin Königin Victorias, verheiratet. Haakons Sohn Alexander, der spätere Olav V., war 1903 im englischen Sandringham geboren worden.

Royales Exil in London und den USA

Als Norwegen 1940 von den Deutschen überfallen wurde, flüchtete der dreijährige Harald mit seiner Mutter Märtha und seinen beiden älteren Schwestern Ragnhild und Astrid über Schweden in die USA, während sein Großvater und sein Vater mit der norwegischen Exilregierung in London den Widerstand gegen die Besatzungsmacht leiteten. Berühmt wurde König Haakons Antwort auf die Abdankungsaufforderung der von Hitler eingesetzten Marionettenregierung des Faschisten Vidkun Quisling: In einem Telegramm unterstrich Haralds Großvater, dass der "von einem freien Volk gewählte König nicht von einem unfreien Volk abgesetzt" werden könne.

König Olav von Norwegen mit seiner Frau Märtha und den drei Kindern
© imago/United Archives International König Olav und Königin Märtha mit ihren drei Kindern Ragnhild, Harald und Astrid

1945 kehrte die Königsfamilie nach Oslo zurück, Harald ging auf eine öffentliche Schule und betrieb zahlreiche Sportarten. Später absolvierte er die Militärakademie und studierte in Oxford (Balliol College) Wirtschafts- und Staatswissenschaften und Geschichte. Nach der Thronbesteigung seines Vaters im September 1957 wurde Harald Kronprinz. Seine Mutter Märtha, eine Schwester der tödlich verunglückten belgischen Königin Astrid (Mutter von Albert II.), war 1954 verstorben. Einen Namen als Sportsmann machte sich Harald bei nationalen und internationalen Segelwettbewerben. Mehrere Male vertrat der Thronfolger sein Land bei den Olympischen Spielen. 1987 wurde er mit dem Eintonner "Fram X" Weltmeister.

Hochzeit mit bürgerlicher Sonja Haraldsen

1959 lernte der Thronerbe die gleichaltrige Sonja Haraldsen, Tochter eines Osloer Kaufmanns, kennen. Sein Wunsch, die Bürgerliche zu ehelichen, stieß zunächst auf Widerstand auch bei der sozialdemokratischen Parlamentsmehrheit. Auch König Olav hätte eine "blaublütige" Schwiegertochter vorgezogen. Erst nach neunjähriger Wartezeit konnte am 29. August 1968 die Hochzeit stattfinden.
Sonja, Absolventin der "Ecole Professionelle de Jeunes Filles" von Lausanne und Diplom-Schneiderin, wurde Kronprinzessin und Königliche Hoheit. Sie studierte später Englisch, Französisch und Kunstgeschichte an der Osloer Universität.

Harald und Sonja von Norwegen mit Baby-Tochter Märtha Louise
© imago/ZUMA/Keystone Harald und Sonja von Norwegen mit ihrer Tochter Märtha Louise

"Natürlich habe ich mich unerwünscht gefühlt. Das tat sehr weh", sagte Sonja dazu in einem TV-Interview. Die ganz große Sympathiewelle allerdings blieb aus, nachdem die Liebe hier über Statusdenken gesiegt hatte. Zusammen mit dem farblosen Ehemann stand Königin Sonja nach Olavs Tod für einen deutlichen Popularitätsschwund der norwegischen Monarchie.

König Harald bestieg am 17. Jänner 1991 den Thron

Nach dem Tod seines Vaters am 17. Jänner 1991 bestieg Harald den Thron und wählte dieselbe Herrscherdevise wie sein Vater und Großvater "Alt for Norge" ("Alles für Norwegen"). Er ist General des Heeres und der Luftwaffe und Admiral der Marine. Mit der Annahme der Königswürde wurde Harald V. auch Haupt der evangelisch-lutherischen Staatskirche. Der vierte Träger des Namens, König Harald IV. Gille, hatte von 1130 bis 1136 regiert.

Norwegen erhielt 1991 erstmals nach 53 Jahren wieder eine Königin. Haralds Großmutter Maud war 1938 gestorben. Sein Vater war bei der Thronbesteigung bereits verwitwet. Königin Sonja besitzt den militärischen Rang eines Brigadegenerals. Sie war als Kronprinzessin Vizepräsidentin des Norwegischen Roten Kreuzes und wurde vom Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) mit der Nansen-Medaille ausgezeichnet.

Kronprinz Haakon ist Norwegens Thronfolger

Genau wie sein Vater tat sich auch König Harald mit der Partnerwahl seines Sohnes, Kronprinz Haakon, schwer. Der heute 41-Jährige verliebte sich in die allein erziehende Mutter Mette-Marit Hoiby, heute Prinzessin Mette-Marit. Die heute 41-Jährige stammte aus einfachem Haus, der Vater ihres Sohnes Marius (17) war wegen Kokainbesitzes vorbestraft, sie selbst kam Anfang der neunziger Jahre als Mitglied der Osloer House-Szene mit Drogen in Berührung.

Haakon und Mette-Marit von Norwegen
© Getty Images/Pascal Le Segretain Mette-Marit und Haakon, das norwegische Kronprinzenpaar

Haakon weigerte sich, seine große Liebe aufzugeben. Als die Schmutzkampagne in den Medien zu schlimm wurde, ging Mette-Marit in die Offensive: Drei Tage vor der Hochzeit gab sie eine Pressekonferenz, in der sie unter Tränen einräumte, als Jugendliche ein ausschweifendes Leben geführt zu haben. Sie könne dies nicht ungeschehen machen, aber sie distanziere sich von Drogen. Danach wurde die Kritik leiser. Das Paar heiratete im August 2001 und hat inzwischen zwei gemeinsame Kinder, die zehnjährige Ingrid Alexandra und den acht Jahre alten Sverre Magnus.

Ingrid Alexandra wird Norwegens erste Königin

Nach ihrem Vater ist Prinzessin Ingrid Alexandra Zweite in der Thronfolge. Das Gesetz, nachdem sie norwegische Königin werden darf, wurde erst 1990 geändert. Seitdem hat das älteste Kind - unabhängig welchen Geschlechts - ein Anrecht auf die Krone. Zuvor war die Thronfolge in Norwegen männlichen Nachkommen vorbehalten.

Jahrelang besuchten Ingrid Alexandra und ihr jüngerer Bruder Sverre Magnus ganz unroyal die örtliche Volksschule in Asker. Von diesem Sommer an gehen die beiden aber auf Privatschulen. "Als Eltern müssen wir die Entscheidungen treffen, von denen wir glauben, dass sie für unsere Kinder am besten sind", teilten Norwegens Kronprinz Haakon und seine Frau Mette-Marit über die Pressesprecherin des Hofs mit. Für Prinzessin Ingrid Alexandra sei es "für ihre zukünftige Rolle sehr wichtig, dass sie fließend Englisch" spreche, sagte die Sprecherin.

Die norwegische Königsfamilie
© Getty Images/Ragnar Singsaas Die norwegische Königsfamilie: Ari Behn, Märtha Louise, ihre Kinder Maud Angelica, Emma Tallulah und Leah Isadora, Königin Sonja, König Harald, Ingrid Alexandra, Marius, Mette-Marit, Sverre Magnus und Kronprinz Haakon

Prinzessin Märtha Louise, die "Engelsflüsterin"

Die Norweger sind wohl froh, dass das Thronfolgegesetz erst 20 Jahre nach der Geburt von Kronprinz Haakons älterer Schwester Märtha Louise geändert wurde. Die 42-Jährige, die seit 2002 mit dem umstrittenen Schriftsteller Ari Behn verheiratet ist und damals auf ihren Titel "Königliche Hoheit" verzichtete, ist in ihrer Heimat nämlich nicht unbedingt gänzlich beliebt. Die Prinzessin und ihr Mann stehen seit Jahren immer wieder in der Kritik, weil sie ihren royalen Bekanntheitsgrad systematisch und umfassend für kommerzielle Zwecke ausnutzen. Behn als Schriftsteller und Märtha Louise als "Kulturvermittlerin", die gutgläubiger Kundschaft gegen Gebühr persönliche Begegnungen mit "Engeln" versprochen hat.

Auch die Namenswahl für ihre Kinder sorgte in Norwegen für Kopfschütteln. Auf Maud Angelica (11) und Leah Isadora (9) folgte im September 2009 Emma Tallulah. "Zwar steht sie nicht ganz vorn in der Thronfolge. Aber wir haben ab sofort doch das Risiko, dass Norwegen eine Königin Emma Tallulah bekommt", meinte der schon etwas betagte Sprachforscher Finn-Erik Vinje. Im ehrwürdigen Königshaus mit Wikinger-Tradition gilt eigentlich das ungeschriebene Gesetz, neugeborenen Royals Namen mit nordischem Bezug zu geben. Tallulah aber bedeutet "rinnendes Wasser" in der Sprache des fernen Indianerstammes der Choctaw.

Prinzessin Märtha Louise mit Ehemann Ari Behn
© imago/Kamerapress Prinzessin Märtha Louise mit ihrem Ehemann Ari Behn

Kommentare