Leben von

Das passiert, wenn man seinem
Kind einen Tag lang alles erlaubt

Ich habe zu meinem Kind 24 Stunden lang "Ja" gesagt

Ja-Tag © Bild: Catharina Heindl

Du traust dich was", sagte eine Freundin, auch Mutter, als ich ihr von dem Experiment einer britischen Bloggerin erzählte, die ihrem Kind an einem Tag alles, wirklich alles erlaubte. Das Dumme am Neinsagen ist doch, Spaß hat daran keiner. Mein Schluss daraus: Den ganzen Tag lang nur Ja sagen könnte lustig werden. Das Experiment ist für Mutter und Kind aber viel ungefährlicher als befürchtet und brachte mir vier Erkenntnisse.

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Erstens: Ohne Regeln kann man nicht spielen. Keine längeren Ausflüge und keine Ausgaben über 25 Euro. Meine achtjährige Tochter war Feuer und Flamme und begann gleich zu verhandeln: "Du musst mir aber das Fernsehen verbieten, sonst verpasse ich ja meinen Ja-Tag", verfügte sie, "und nichts Süßes." Ich erinnerte sie: "An dem Tag darf ich dir aber nichts verbieten." Sie verschränkte die Arme und sagte bestimmt: "Okay, aber nichts Gefährliches. Was, wenn ich auf ein Hochhaus klettern will?"

Zweitens: Die besten Dinge im Leben sind gratis. Lilli wollte zwar nicht so hoch hinauf, aber schon Abenteuer erleben: im Rapsfeld Verstecken spielen, Trampolin-Wettspringen, mit dem Hund Rad fahren. Dazu Dinge, die ihr Herz freuten: Statt ein Kuscheltier zu kaufen, mit Mami umarmt einschlafen. Statt in den teuren Kletterpark zum Schwingseil am Wasser.

Ja-Tag
© Catharina Heindl

Drittens: Ein Ja kann viele Nein ersparen. Nur einmal brachte sie mein Herz zum Stehen, als sie unbedingt in die Donau springen wollte - bei 13 Grad Wassertemperatur! Als Lilli jedoch die Zehen ins kalte Wasser steckte, ließ sie es doch sein. Fazit: Eigene Erfahrungen sind die wirkungsvollsten und ersparen Müttern viel Zetern.

Viertens: Ja sagen bedeutet Freiheit. Irgendwann wurden Lilli und ich Verbündete. Wir lachten wie schon lange nicht mehr und spielten mehr "Mutter-Kind", als es zu sein. Die ganzen Neins, die ich im Alltag vorgeben muss, fielen weg. Und damit Streitereien und Erklärungen, warum das jetzt nur so ginge. Mit einem Ja-Tag gönnt man nicht nur Kindern eine gewisse Freiheit, sondern auch sich selbst.

Würde ich es wieder tun? Auf jeden Fall. Letztendlich ist das Experiment im besten Fall ein nachhaltiges. Gerade Frauen gönnen sich zu selten etwas. Sie richten ihr Leben danach aus, was sie sich verbieten - das darf ich nicht essen, das nicht tragen. Vielleicht erinnert sich Lilli später noch an das Experiment und denkt sich: Heute gönne ich mir einen Ja-Tag. Denn ich habe es verdient.

Ja Tagebucheintrag
© Catharina Heindl

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