Wer ist Arabella Kiesbauer?

Sie prägt seit über drei Jahrzehnten deutsches Unterhaltungs-TV mit. So tickt Arabella Kiesbauer.

Arabella Kiesbauer prägt seit über drei Jahrzehnten das Unterhaltungsfernsehen mit. So tickt sie, das prägte sie. Ein Porträt.

von Arabella Kiesbauer © Bild: imago images/Michael Wigglesworth
  • Name: Arabella Kiesbauer, bürgerlich: Cosima Arabella-Asereba Eblinger
  • Geboren am: 8. April 1969 in Wien
  • Beruf: Moderatorin
  • Moderierte Sendungen und Shows: „Arabella“, „Bauer sucht Frau“, „Starmania“, „The Masked Singer“, Life Ball, Opernball, Song Contest in Österreich,...
  • Ausbildung: Matura am Lycée Francais, Studium Publizistik und Theaterwissenschaft
  • Familienstand: verheiratet mit dem Wiener Personalberatungsunternehmer Florens Eblinger
  • Kinder: Tochter (geb. 2007) und Sohn (geb. 2010)

1987 war es, als Arabella Kiesbauer erstmals im Fernsehen zu sehen war. Bereits mit 18 Jahren moderierte sie die damalige ORF-Jugendsendung „X-Large“. Inzwischen sind über 30 Jahre vergangen, Arabella Kiesbauer ist über 50 – und steht immer noch an vorderster Front, wenn es große Hauptabendshows im österreichischen Fernsehen zu moderieren gibt; wie etwa die Rückkehr von „Starmania“ im öffentlichen oder die Casting-Show „The Masked Singer“ im Privatfernsehen.

Arabella Starmania 2003
© imago images/SKATA Kiesbauer bei "Starmania" im Jahr 2003

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„Starmania ist Kult“, sagt Arabella im Gespräch mit News.at über die „Urmutter aller Castingshows“, die 2021 nach zwölfjähriger Pause wieder ins Fernsehen zurückkehrt. Tatsächlich ist die Show, durch die Kiesbauer 2002 zum ersten Mal führte eine der erfolgreichsten, die der ORF jemals ausgestrahlt hat. Doch selbst damals, als die Castingshows ihre Blütezeit hatten, war Arabella schon ein zwar nicht alter, aber durchaus erfahrener „Hase“ im Showgeschäft. Sie schrieb bereits in den 90er-Jahren Geschichte mit einem anderen TV-Format, dass damals die Fernsehlandschaft prägte: der Talkshow.

Arabella 1994 Talkshow
© imago images Kiesbauer prägte mit ihrer Talkshow "Arabella" ein Genre mit

Ein ganzes Genre geprägt

Ganze zehn Jahre lang (von 1994 bis 2004) moderierte Kiesbauer über 3.000 Folgen der nach ihr benannten Talkshow „Arabella“ im deutschen Privatfernsehsender ProSieben. Und prägte damit ein ganzes Genre. „Im deutschen Fernsehen gab es sogar den Begriff ‚arabellisieren‘. Alle anderen haben gesagt: ‚Wir müssen unsere Sendung ‚arabellisieren‘“ erinnert sich Kiesbauer im Gespräch mit News.at. Gemeint seien damit die berühmte "Wackelkamera", beziehungsweise generell die Ästhetik gewesen.

Arabella über „Magic Moments“ ihrer langen Karriere:
„Da fällt mir ad hoc nichts Bestimmtes ein, aber diese Verbindung mit dem Publikum, die ich spüre, wenn ich auf die Bühne gehe, hat etwas Magisches. Das ist ein unglaublicher Energieaustausch und auch eine Sensibilität, die man da hat. Selbst wenn in der 25. Reihe jemand eine Stecknadel fallen lässt, bekommt man das mit. Man ist in einem ganz besonderen Zustand.“

Sturm- und Drang-Zeiten

Diese zehn Jahre, in der sie werktags täglich im TV zu sehen war, beschreibt Kiesbauer heute als „sehr intensive Zeit“, in der sie "jung gewesen" sei und "Tabus gebrochen" hätte. "Es war schön, aber ich bin auch froh, dass es vorüber ist."

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Das macht Arabellas Stil aus

Talkshows prägten die 90er-, Castingshows die Nullerjahre; Es scheint also, als wäre die Moderatorin über die Jahre hinweg maßgeblich an sämtlichen Erfolgs-Formaten des Unterhaltungsfernsehens beteiligt gewesen. Doch was zeichnet Kiesbauers Stil aus? „Zwei Schlagwörter: Professionalität und einen und hohe Empathie auf der andern Seite“, weiß sie selbst ganz genau.

Arabella Song Contest
© imago images/K.Piles 2015 moderierte Kiesbauer (mit Weichselbraun und Tumler) den Song Contest in Wien.

Herkunft

Diese beiden Eigenschaften scheinen nicht ganz überraschend zu sein, hört man Kiesbauer über ihre Kindheit sprechen, die sie mit ihrer Mutter bei ihrer Großmutter in Wien verbracht hat. Es sei eine „sehr liebevolle, von Liebe und Fürsorge geprägte“ Kindheit gewesen, an die sie sich gerne erinnert. Auf der anderen Seite habe die Oma aber auch „eine natürliche Autorität“ gehabt, die der Moderatorin als Kind ohne streng zu sein klar machte, in welchen Grenzen sie sich zu bewegen habe.

Hannelore Arabella Kiesbauer
© imago images/Eventpress Kiesbauer mit ihrer Mutter Hannelore, 2002

Afrikanische Wurzeln - und die Suche danach

Kiesbauers Mutter, die deutsche Schauspielerin Hannelore Kiesbauer, trennte sich früh vom Vater, einem Ghanaer, der für ein Maschinenbaustudium nach Deutschland kam, wo sich die Eltern kennenlernten. Kiesbauer selbst wusste nicht viel von ihrem Vater, der nach der Trennung wieder in Ghana lebte. „Ich war ein geliebtes, umsorgtes Kind […]. Vielleicht war das der Grund, warum ich selten Fragen über meinen afrikanischen Vater und diesen Teil meiner Familie stellte“, erklärte die Moderatorin in einem Interview mit der Website buchszene.de. Erst als die Großmutter und auch der Vater starben, sei ihre Welt ins Wanken geraten und Kiesbauer begab sich auf Spurensuche nach Afrika, wo sie diesen Teil ihrer Familie, schließlich kennenlernte. Eine Reise, die sie später auch in dem Buch „Mein afrikanisches Herz“ verarbeitete. Auch der ORF durfte sie begleiten und veröffentlichte eine Dokumentation darüber.

Zerrissenheit und Anfeindungen

Kiesbauer erkundete diese, ihre afrikanische Seite, zwar erst im Erwachsenenalter, sichtbar war sie aber natürlich seit Geburt an: „In Ghana eine obruni, eine Weiße, hier bei uns eine Farbige, eine Schwarze“, beschreibt sie in dem buchszene.at-Interview eine "Zerrissenheit", die sie lange Zeit trotz der liebevollen und behüteten Umgebung, in der sie aufwuchs, verspürte. Mutter und Großmutter haben sie auf eine internationale Privatschule geschickt, "um rassistischen Anfeindungen vorzubeugen", dennoch habe sich bereits damals eine „Vorahnung“ entwickelt, nicht so zu sein wie die anderen Kinder. Konkrete Anfeindungen gab es aber erst mit ihren Auftritten in der Öffentlichkeit, im TV, die in einem Briefbombenattentat gipfelten, das 1995 von Franz Fuchs verübt wurde. Kiesbauer blieb dabei unverletzt, eine Assistentin wurde leicht verletzt.

Gesellschaftliche Engagements

Inzwischen engagiert sich die Moderatorin seit über 20 Jahren gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, wofür sie 2013 mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet wurde. „Ich muss aber leider sagen, dieses Engagement wird bis an mein Lebensende vonnöten sein – und darüber hinaus nicht nur meines, sondern das vieler Menschen“, weiß Kiesbauer im Gespräch mit News.at, dass auch im Jahr 2021 diesbezüglich immer noch sehr viel zu tun ist. Daneben engagiert sie sich auch seit 2011 als Integrationsbotschafterin im Team von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Dabei sieht sie Integration auch als Bringschuld: „Das ist wie alles im Leben, ein Geben und Nehmen, auf der einen Seite muss es natürlich den Willen geben, jemanden willkommen zu heißen und auf der anderen Seite die Bereitschaft, sich zu integrieren.“ Getan werden müsse aber "auf beiden Seiten noch viel".

Ein "unsteter Geist"

Selbst sieht sich Kiesbauer, die in Österreich aufgewachsen ist und lebt, (aufgrund der Herkunft ihrer Mutter ist sie aber deutsche Staatsbürgerin) als Europäerin, wie sie gegenüber buchszene.de sagt. Doch eigentlich sei sie ein „unsteter Geist“, der „gerne mal hier und gerne mal da ist“. Etwas, das derzeit aber – auch abgesehen von der Corona-Pandemie – nicht möglich ist, denn Kiesbauer, die seit 2004 mit dem Wiener Personalberatungsunternehmer Florens Eblinger verheiratet ist, hat zwei Kinder, die in Wien die Schule besuchen. „Das ist etwas, dieses Korsett, was nicht meiner Natur entspricht“, fühlt sich die Moderatorin deshalb durchaus ein wenig eingeengt, wie sie gegenüber News.at erzählt.

Arabella Kiesbauer Mann Florens Eblinger
© APA/Punz Kiesbauer mit ihrem Mann, Florens Eblinger

Happy Family

Unzufrieden ist die Moderatorin deshalb aber noch lange nicht: „Mir geht es wirklich gut, ich muss sagen, das Leben, das ich lebe, macht mich schon glücklich“, so Arabella im Februar 2021. Und wie ist Arabella privat? "Ein bisschen unberechenbar! Ich bin ein bisschen verrückt zuhause. Ich bin eine Mama, die in der Früh schon durch die Wohnung tanzt und das Frühstück serviert“, lacht sie glücklich, auf ihre Familie angesprochen. Dennoch: Ist einmal die Schulzeit des Nachwuchses absolviert („Das dauert aber noch acht Jahre auf jeden Fall“), gibt es für die Freigeistin „kein Halten mehr!“