Arabella: "Ich bin ja nicht total abgehoben"

"Starmania" kehrt nach zwölf Jahren zurück und auch Arabella Kiesbauer ist wieder dabei. Im Gespräch mit News.at erzählt sie, was sie sich davon erwartet, wie sie als Mama tickt, warum ihr Engagement gegen Rassismus nach wie vor gefragt ist und was sie als Botschafterin von Sebastian Kurz' Integrationspolitik hält.

von Arabella © Bild: APA/Hochmuth

News.at: Ab 26. Februar moderieren Sie wieder „Starmania“. Was erwarten Sie sich?
Arabella Kiesbauer: Ich freue mich sehr auf diese Reise und auf das Abenteuer, das ich gemeinsam mit den KandidatInnen begehen werde und erwarte mir tolle Stimmen und tolle Persönlichkeiten zu entdecken.

Vor zwölf Jahren, 2009, lief die letzte Staffel „Starmania“. In dieser Zeit hat sich viel verändert, auch die Form des Medienkonsums betreffend. Denken Sie, kann die Show trotzdem an einstige Erfolge anknüpfen?
„Starmania“ ist Kult und die Urmutter aller Castingshows. Aber natürlich muss man dem auch Rechnung tragen, dass ein paar Jahre ins Land gezogen sind und der Takt ein bisschen schneller geworden ist. Dementsprechend wird die Sendung nachjustiert und an die Jetzt-Zeit angepasst.

Arabella Starmania 2003
© imago images/SKATA Arabella mit den Gewinnern der 1. Staffel "Starmania" 2003 (im Bild: Arabella, Michael Tschuggnall, Christina Stürmer, Boris Uran)

Haben Sie noch Kontakt zu den ehemaligen „Starmaniacs“?
Wir sehen uns immer wieder mal und dann mit einem dicken Grinser, weil uns gleich daran erinnern, was wir gemeinsam erlebt haben. Man wird ja gern nostalgisch wegen der „guten alten Zeit“.

Dazu interessant:
Das machen die ehemaligen "Starmania"-Kandidaten heute
Wie gut kennen Sie sich aus? Testen Sie Ihr Wissen im "Starmania"-Quiz

Von 1994 bis 2004 waren Sie aus dem TV nicht wegzudenken, Sie haben ungefähr 3.000 Folgen Ihrer Talkshow „Arabella“ moderiert. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?
Das war eine sehr intensive Zeit, wir waren jung, wir haben Tabus gebrochen, wir wollten uns ausprobieren, wir wollten Grenzen überschreiten. Genau das, was junge Leute machen müssen. Es war eigentlich eine tolle Zeit, aber auch durch sehr sehr viel Arbeit geprägt. Es war schön, aber ich bin auch froh, dass es vorüber ist.

»Alle anderen haben gesagt: „Wir müssen unsere Sendung 'arabellisieren'!“«

Wie fühlt es sich an, wenn Sie heute Ausschnitte aus „Arabella“ sehen?
Ich schaue es nicht, aber ich glaube, es wäre es ein bisschen befremdlich, die Zeit ist eine ganz andere. Man muss das im damaligen Kontext sehen. Damals war das absolut hip, wir haben ein ganzes Genre geprägt, das fing bei der Kameraführung an, wofür es im deutschen Fernsehen sogar den Begriff „arabellisieren“ gab. Alle anderen haben gesagt: „Wir müssen unsere Sendung 'arabellisieren'!“ Damit war die berühmte Wackelkamera und die gesamte Ästhetik gemeint. Wir haben da wirklich Maßstäbe gesetzt.

Arabella 1994 Talkshow
© imago images 1994: Arabella moderierte von 1994 bis 2004 ihre erfolgreiche Talkshow "Arabella"

Worauf legen Sie viel wert? Lob von der Chefin, der Familie, FreundInnen, Fans,…?
Man bekommt, wenn man in der Öffentlichkeit steht, einerseits sehr viel Lob von Leuten, die einen nicht kennen, man bekommt aber auch sehr viel Schelte – ebenfalls von Leuten, die nur die Außenwirkung beurteilen können. Man muss da beides abstrahieren. Es gibt überhaupt keinen Grund, wenn man in der Öffentlichkeit steht, einen Überflieger zu bekommen. Auf der anderen Seite gibt es keinen Grund, zu glauben, man ist der größte Loser, denn das bekommt man ja auf Social Media auch zu lesen.

»Es gibt überhaupt keinen Grund, wenn man in der Öffentlichkeit steht, einen Überflieger zu bekommen.«

Wie gehen Sie mit solchen Kommentaren um?
Ich bin auch nur ein Mensch. Keiner fühlt sich damit gut, aber ich bin ja lange genug im Geschäft. Ich weiß, ich bin auch eine Projektionsfläche für andere und alles, was an überbordender Liebe kommt, muss man ebenso abstrahieren wie den Shitstorm. Das betrifft diese Projektionsfläche, aber nicht unbedingt mich als Person.

Das heißt, Feedback von bekannten Personen schätzen Sie mehr?
Man darf sich nicht abhängig machen von anderen. Ich muss mit mir im Reinen sein und ich weiß sehr wohl, wann ich gut war und wo noch Luft nach oben ist. Ich bin ja nicht total abgehoben.

Sie wurden 2013 für Ihr Engagement für Toleranz und gegen Rassismus mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet. Wie empfinden Sie die Situation derzeit in Österreich?
Ich engagiere mich seit über 20 Jahren gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und für ein friedliches Miteinander, weil ich ein kleines Stückchen dazu beitragen möchte, dass diese Gesellschaft, in der wir leben, gut miteinander umgeht. Und ich muss leider sagen, dieses Engagement wird bis an mein Lebensende vonnöten sein – und nicht nur meines, sondern das vieler Menschen. Aber das liegt nicht nur an Österreich. Der Mensch an sich ist sich oft nicht grün und wenn dann noch verschiedene Kulturen, Religionen, Hintergründe dazu kommen, wird es nicht einfacher…

»In Sachen Alltagsrassismus hat sich nicht viel verbessert. «

Verbessert hat sich also auch Jahre später noch nichts?
Nein, in Sachen Alltagsrassismus hat sich nicht viel verbessert. Ich würde gerne ein positiveres Bild zeichnen, aber man muss ja auch realistisch sein. Ich höre in Gesprächen mit anderen Betroffenen, die etwa anders aussehen so wie ich oder einen anderen Background haben, dass der Alltagsrassismus eher zugenommen hat.

Dazu auch interessant: Was tun gegen Rassismus im Alltag? Das kann jede/r einzelne tun.

2011 haben Sie sich als Integrationsbotschafterin im Team von Sebastian Kurz engagiert. Sind Sie in dieser Rolle immer noch aktiv engagiert?
Ja, da bin ich noch aktiv.

»Ich bin jemand, der Integration schon auch einfordert.«

Sind Sie zufrieden und einverstanden mit der Politik von Sebastian Kurz im Bereich Integration?
Ich bin jemand, der Integration schon auch einfordert. Also das ist, wie alles im Leben, ein Geben und Nehmen, auf der einen Seite muss es natürlich den Willen geben, jemanden willkommen zu heißen und auf der anderen Seite die Bereitschaft, sich zu integrieren. Nur so kann ein friedliches Miteinander funktionieren.

Gibt es in Österreich die Bereitschaft, Menschen willkommen zu heißen?
(überlegt) … Im Großen und Ganzen Ja. Aber auf beiden Seiten muss noch viel getan werden.

Sie sind berufstätig, Sie sind Mutter. Viele Frauen in dieser Situation sind stets vom schlechten Gewissen geplagt, da und dort nicht genug zu sein. Kennen Sie dieses Gefühl auch – und wie gehen Sie damit um?
Ja natürlich. Das ist schon ein unglaublicher Spagat, den wir berufstätigen Mütter aufs Parkett legen und ich sitze im selben Boot. Auf der anderen Seite sollten wir kein schlechtes Gewissen haben, weil wir uns ja liebevoll um unsere Familien kümmern und versuchen, die verschiedenen Rollen zu erfüllen. Aber ich habe leider auch kein Patentrezept, wie man aus dieser Zwickmühle rauskommt.

»Ich bin ein bisschen unberechenbar, also langweilig ist es mit mir auf jeden Fall nicht.«

Wie würden Ihre Kinder Mama Arabella beschreiben? Sind Sie streng?
Ich habe Prinzipien und bin schon auch streng, aber meine Tochter hat letztens etwa gesagt: „Du bist so fürsorglich.“ Ich bin halt sehr „caring“, so wie ich eben selber aufgewachsen bin, da kann ich nicht aus meiner Haut raus.
In allererster Linie bin ich wahnsinnig lustig zuhause, ein bisschen verrückt. Ich bin eine Mama, die in der Früh schon durch die Wohnung tanzt und das Frühstück serviert. Und ich bin ein bisschen unberechenbar, also langweilig ist es mit mir auf jeden Fall nicht.

Sie selbst sind bei Ihrer Oma in Wien aufgewachsen. Was hat Ihre eigene Kindheit geprägt?
Das war eine sehr liebevolle, von Fürsorge geprägte Kindheit, wie das halt bei Omas so ist. Meine Oma hatte aber auch eine natürliche Autorität. Da muss man nicht streng sein, das ist etwas, das man ausstrahlt und man als Kind weiß, in welchen Grenzen man sich bewegt. Nichtsdestotrotz muss man auch mal über diese Grenzen gehen und über die Stränge schlagen. Das gehört zum Erwachsenwerden dazu.

Haben Sie diese Grenzen sehr ausgereizt?
(antwortet mit geheimnisvoller tiefer Stimme) …Mmmmhm….seeeeer viel!

»Das Leben, das ich lebe, macht mich glücklich. [...] Mir geht es wirklich gut. «

Sie sind vielbeschäftigt. Wobei entspannen Sie sich, wo tanken Sie Kraft?
Ich liebe die Natur, die frische Luft, die Bewegung an der Natur, das hilft mir, die Stille zu finden. Auch Musik, etwa Klavier spielen, ist etwas, das mich glücklich macht. Und meine Familie natürlich. Ich muss sagen, das Leben, das ich lebe, macht mich glücklich und gibt mir Energie. Mir geht es wirklich gut.

Arabella Kiesbauer Mann Florens Eblinger
© APA/Punz Arabella mit ihrem Mann Florens Eblinger. Das Paar hat zwei Kinder

Welche Ihrer zahlreichen Moderationen war für Sie im Rückblick besonders schön? Gab es „Magic Moments“?
Da fällt mir ad hoc nichts Bestimmtes ein, aber diese Verbindung mit dem Publikum, die ich – wie auch viele KünstlerInnen – spüre, wenn ich auf die Bühne gehe, hat etwas Magisches. Das ist ein unglaublicher Energieaustausch und auch eine Sensibilität, die man entwickelt. Selbst wenn in der 25. Reihe jemand eine Stecknadel fallen lässt, bekommt man das mit. Man ist in einem ganz besonderen Zustand.

»Dieses Korsett entspricht nicht meiner Natur und engt mich ein«

Sie haben schon viel erreicht. Welche Ziele stehen noch auf Ihrer Liste?
Es gibt ja auch ein Leben ohne Fernsehen, es gibt viele Dinge, die mich interessieren, die ich gerne mache – und zum Glück im Großen und Ganzen auch realisieren kann.
Wenn sie mich fragen, was momentan nicht so geht: Ich bin eigentlich – auch abgesehen von Corona - ortsgebunden, weil meine Kinder in die Schule gehen und dieses Korsett entspricht nicht meiner Natur und engt mich ein, denn ich bin eigentlich ein unsteter Geist und gerne mal hier und da. Deshalb freue ich mich schon, wenn die Kinder nicht mehr in die Schule gehen – das dauert aber noch acht Jahre auf jeden Fall; dann gibt es kein Halten mehr.

Haben Sie da ein bestimmtes Ziel vor Augen?
Ich habe viele Sehnsuchtsorte, die ich gerne bereisen, eine Zeit dort verbringen und dann wieder weiterziehen würde. Immer nur fix an einem Ort, das wäre nichts für mich.