HIV & Aids: Erste Anzeichen, Krankheitsverlauf und Therapie

Im Schnitt hat in Österreich im Vorjahr jeden Tag eine Person eine HIV-Neudiagnose erhalten. Insgesamt waren es 376 Menschen und damit etwas mehr als im Jahr 2020. Die Österreichische Aids Gesellschaft geht davon aus, dass es etwa 9.000 HIV-Infizierte Personen in Österreich gibt. Die Aids Hilfe sieht dringenden Handlungsbedarf. Was Sie zum Thema wissen sollten.

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Wie steckt man sich mit HIV an?

Um sich mit dem HI-Virus anzustecken, muss es zu einem Austausch von Körperflüssigkeiten (Blut, Samen- oder Scheidenflüssigkeit) kommen. Die Viren dringen entweder über eine frische Wunde oder über die Schleimhaut in den Körper ein. Eine Infektion über Körperflüssigkeiten wie Speichel, Schweiß, Tränenflüssigkeit oder Urin ist nicht möglich, da sie zu wenig HI-Viren enthalten. Daher gelten auch Küssen, gemeinsam Essen und Trinken sowie Wäschewaschen als unbedenklich.

Wie gefährlich ist Sex ohne Kondom?

Am häufigsten (zu knapp 80 Prozent) wird HIV beim Geschlechtsverkehr ohne Kondom übertragen. Beim Oralverkehr besteht vor allem dann ein Risiko, wenn der Samenerguss im Mund des Partners erfolgt. Ist dies nicht der Fall, ist das Ansteckungsrisiko bei dieser Praktik gering. Besonders groß ist die Infektionsgefahr für den Mann während der Monatsblutung der Frau. Umgekehrt haben auch Frauen hier ein höheres Risiko, sich bei ungeschütztem Sex zu infizieren. Das liegt daran, dass die Schleimhaut der Scheide relativ groß ist, ein Großteil der Samenflüssigkeit beim Sex ohne Kondom im Körper bleibt und die Viruskonzentration in der Samenflüssigkeit höher ist als in der Scheidenflüssigkeit.

Stecken infizierte Schwangere automatisch ihr Baby an?

Eine Mutter, die das HI-Virus in sich trägt, kann es während der Schwangerschaft, der Geburt oder beim Stillen auf ihr Kind übertragen. Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung kann allerdings stark reduziert werden, wenn die Infektion der Mutter früh genug erkannt wird und entsprechende Maßnahmen gesetzt werden.

Kann man sich über Blutkonserven mit HIV anstecken?

Die Gefahr einer Ansteckung durch Blutkonserven ist heute nahezu ausgeschlossen. Alle Blutspenden werden auf HIV und andere sexuell übertragbare Krankheiten, wie Hepatitis, getestet. Es besteht allerdings ein Restrisiko, das bei 1:3 Millionen liegt. Mit anderen Worten: Theoretisch ist eine von drei Millionen Konserven virusverseucht.

Was bedeutet antiretrovirale Therapie?

Bei dieser Therapie kommen Medikamente zum Einsatz, die die Vermehrung der HI-Viren im Körper verlangsamen. Werden mindestens drei verschiedene Medikamente dieser Art miteinander kombiniert, spricht man von der hochaktiven antiretroviralen Therapie. 20,9 Millionen HIV/Aids-Betroffene erhalten mittlerweile eine antiretrovirale Therapie. "Dieser weltweite Zuwachs ist Hauptbestandteil des Rückgangs der Zahl der Todesopfer durch Aids", wie UNAIDS in einer Aussendung mitteilt. Um die Krankheit möglichst zurückzudrängen, müssten allerdings weitere 15,8 Millionen Betroffene behandelt werden.

Wie merkt man, dass man sich angesteckt hat?

Einige Wochen nach der Infektion mit HIV können grippeähnliche Symptome (Fieber, Anschwellen der Lymphknoten, Muskel- und Gelenkschmerzen, Müdigkeit) auftreten. Ab und zu klagen frisch Infizierte auch über Hautausschläge. Meist aber bleibt die Infektion lange Zeit gänzlich unbemerkt. Aufschluss gibt erst ein HIV-Test. Den kann man bei einem Arzt oder der österreichischen Aids-Hilfe durchführen lassen. Die meisten Tests suchen im Blut nach HIV-Antikörpern. Diese bilden sich rund zwölf Wochen nach der Infektion. Folglich ist erst ab diesem Zeitpunkt ein HIV-Test sinnvoll.

Wie verläuft die Krankheit?

Im Anschluss an die Infektion folgt eine symptomfreie Phase, die unbehandelt im Durchschnitt zehn bis zwölf Jahre dauert. Allerdings können erste Anzeichen auch schon nach wenigen Monaten auftreten. Theoretisch kann die Phase bis zum Ausbruch aber auch ein ganzes Leben lang dauern. Nach einiger Zeit treten bei den meisten Menschen erste Symptome wie länger andauernde Lymphknotenschwellungen, Gewichtsverlust, Nachtschweiß, Fieber und Durchfall auf.

Kann man sich gegen HIV impfen lassen?

Über mehrere Jahrzehnte sind alle Versuche gescheitert, einen wirksamen Aids-Impfstoff zu entwickeln. Der Grund: Die Außenseite des Virus ähnelt körpereigenen Strukturen und löst daher keine Immunantwort aus. Ende 2021 führten Wissenschafter des Nationalen US-Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) zusammen mit Experten des Biotechnologieunternehmens Moderna erstmals erfolgreiche Tierversuche mit einem experimentellen Impfstoff auf mRNA-Basis durch.

Der Impfstoff kombiniert mehrere Eigenschaften, mit denen man die Defizite ähnlicher experimenteller Impfstoffe womöglich überwinden könne, erklärten die Forscher. Die im Tierversuch erzielte Schutzrate betrug 79 Prozent. In weiterer Folge wollte man die Wirksamkeit des Vakzins verbessern und die Zahl der notwendigen Impfungen zum Erreichen einer starken Immunantwort verringern, wurden im Tierversuch doch insgesamt zehn Dosen verabreicht.

Kann man Aids heilen?

Im Juli 2022 vermeldeten Aids-Forscher, dass ein vierter Patient von dem HI-Virus vollständig geheilt worden sei. Im Jahr 2019 wurde bei dem heute 66 Jahre alten Mann Leukämie diagnostiziert. Daraufhin erhielt er eine Knochenmarktransplantation mit Stammzellen eines nicht verwandten Spenders mit einer seltenen Mutation, bei der ein Teil des CCR5-Gens fehlt. Menschen ohne dieses Gen kann der Aids-Erreger nichts anhaben. Im März 2021 setzte der Patient die antiretroviralen Medikamente ab und gilt seither als vollständig geheilt.

Damit ist er der zweite HIV-Patient, der in diesem Jahr vollständig geheilt werden konnte. Im Februar hatten Forscher eine als New Yorker Patientin bekannte US-Bürgerin für genesen erklärt. Zuvor konnten bereits Patienten aus London und Berlin geheilt werden. Wie der 66-jährige US-Amerikaner erhielten auch sie eine Knochenmarktransplantation mit Stammzellen. Der 66-Jährige war 31 Jahre lang mit dem HI-Virus infiziert, länger als die anderen Menschen, die vollständig geheilt werden konnten.

Ein Medikament zur Heilung, das breite Anwendung finden kann, gibt es noch nicht. Was es allerdings gibt, sind Medikamente, die die Vermehrung von HIV im Körper behindern und dadurch den Krankheitsverlauf verlangsamen können. Die derzeit angewandte Kombinationstherapie zeigt gute Erfolge. Die Aids-Ausbruchsrate hat sich über die letzten Jahre hinweg - im Falle einer Behandlung - drastisch reduziert. Allerdings ist in der Regel eine lebenslange Medikation notwendig, die unter Umständen schwere Nebenwirkungen mit sich bringt. Damit die Therapie optimal wirkt, muss die Infektion möglichst früh erkannt und die gesetzten Maßnahmen konsequent durchgehalten werden.