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Schwarzblauer Ölkäfer - der giftigste Käfer Österreichs

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Ölkäfer (Meloe proscarabaeus)
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Wirklich giftige Tiere sind in Österreich selten. Einer davon ist der Schwarzblaue Ölkäfer, im Fachjargon Meloe proscarabaeus genannt. Das Gift eines einzigen Exemplars ist ausreichend, um einen Menschen zu töten.

Wie sieht der Schwarzblaue Ölkäfer aus?

Der Schwarzblaue Ölkäfer lebt in trocken und warmen Gegenden. Bereits im Frühjahr ist er aktiv, besonders häufig anzutreffen ist er von April bis Juni. Daher auch der Name "Maiwurm". Die Weibchen des Schwarzblauen Ölkäfers sind durch ihren großen, geschwollen wirkenden Hinterleib, die dunkelblau-metallische Färbung und die stark verkürzten Flügeldecken leicht von anderen Käfern zu unterscheiden. Die weiblichen Käfer erreichen eine Körperlänge von bis zu 35 Millimeter. Da die Flügel gegenüber dem massiven Hinterleib stark unterentwickelt sind, sind diese Käfer flugunfähig.

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Das Weibchen des Ölkäfers hat stark unterentwickelte Flügel

© iStockphoto.com

Der Name des Käfers rührt zum einen von seiner Färbung und zum anderen von der ölig aussehenden Flüssigkeit, die er bei Bedrohung aus den Kniegelenken absondert, her. Hierbei handelt es sich um das Gift "Cantharidin". Nur wenige Milligramm davon ausreichen aus, um einen ausgewachsenen Menschen zu töten. Das Gift ist auch von der "Spanischen Fliege", einer mit dem Schwarzblauen Ölkäfer verwandten Art, bekannt.

Wo ist der Ölkäfer beheimatet?

Der Schwarzblaue Ölkäfer ist in Mitteleuropa verbreitet. Er besiedelt bevorzugt sandige und offene Gebiete sowie trockene Wälder, Hänge und Steppenwiesen. Auch in Österreich kommt er vor. Aufgrund der Veränderungen seines Lebensraums, insbesondere von Wiesen, nimmt sein Bestand ab. Daher wurde der Schwarzblaue Ölkäfer in Deutschland bereits in die Rote Liste gefährdeter Arten aufgenommen.

Wie gefährlich ist der Schwarzblaue Ölkäfer?

Der Schwarzblaue Ölkäfer trägt das hochgiftige Sekret Cantharidin in sich. Mit diesem verteidigt er sich gegen Feinde. Cantharidin ist für Warmblütler, einschließlich Menschen, hochgradig giftig. Bereits eine geringe Menge kann ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen. 0,5 Milligramm Cantharidin pro Kilogramm Körpergewicht sind für den Menschen tödlich. Zum Vergleich: Bei Arsen liegt die tödliche Dosis bei 1,4 Milligramm. Ein einzelner Käfer enthält ausreichend Gift, um einen Menschen zu töten.

Im antiken Griechenland wurde das Gift zur Todesstrafe eingesetzt. In geringerer Dosis und bei äußerlicher Anwendung kam es auch als langanhaltendes, allerdings äußerst schmerzhaftes und durchaus gefährliches Potenzmittel zum Einsatz.

Kaum ein Grund zur Besorgnis!

Obwohl der Schwarzblaue Ölkäfer giftig ist, besteht kaum ein Grund zur Besorgnis. Versehentliche Vergiftungen sind äußerst unwahrscheinlich. Todesfälle durch Ölkäfer sind nicht bekannt. Dennoch sollte man Ölkäfer nicht berühren, aufheben oder gar essen.

Haustiere wie Hunde oder Katzen meiden Ölkäfer aufgrund des unangenehmen Geruchs des öligen Sekrets. Tiere wie Rinder oder Pferde könnten Ölkäfer allerdings unbemerkt mit dem Futter aufnehmen. 2019 starben in Wisconsin, USA, 14 Pferde. Weitere 100 weitere mussten medizinisch betreut werden, nachdem sie Ölkäfer übers Futter zu sich nahmen.

Was tun bei Kontakt mit dem Ölkäfer?

Kinder sind meist unbedarft und neugierig. Die Gefahr, dass sie Ölkäfer anfassen und das Gift zu Augen und Mund führen, ist bei ihnen höher als bei Erwachsenen.

Ist das Gift in die Augen gelangt, muss umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Im Falle des Hautkontakts sollte man die betroffene Stelle gründlich mit Wasser und Seife waschen und anschließend gut abspülen. Bei auftretenden Reaktionen wie Blasen oder Verätzungen wird empfohlen, Kontakt mit der Giftnotrufzentrale (01 406 43 43) aufzunehmen. Ebenso sofort die Vergiftungszentrale anrufen sollte man, wenn ein Käfer verschluckt oder das Gift eingenommen wurde. Bitte kein Erbrechen auslösen!

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Der Schwarzblaue Ölkäfer sollte nicht berührt werden

© iStockphoto.com

Fortpflanzung und Leben der Ölkäfer

Der Schwarzblaue Ölkäfer durchläuft verschiedene Entwicklungsstadien. Die Weibchen legen nach der Paarung fünf bis sechs Mal im Abstand von ein bis zwei Wochen je 3.000 bis 9.500 Eier in selbst gegrabene Erdhöhlen ab.

Nach der Eiablage schlüpfen Larven, die sich dann auf den Weg in Richtung Blüten machen. Dort lauern sie Wildbienen auf. Zum Teil bilden mehrere Larven einen Klumpen, der einer Blüte sehr ähnlich sieht. Kommt ihnen eine Wildbiene nahe, klammern sich die Larven an sie, um von ihr in ihr Nest getragen zu werden, wo sie sich über das Ei der Biene und über die gesammelten Vorräte hermachen. Dies ist allerdings nur dann möglich, wenn es sich um die passende Wildbienenart handelt. Nach drei Häutungsphasen überwintern die Larven im Boden. Zwischen März und Mai schlüpfen die fertigen Käfer und der Kreislauf beginnt von Neuem.

Die Reise der Larven ist gefährlich und beschwerlich. Nicht alle Larven schlüpfen, gelangen zu den Blüten und klammern sich schließlich an die richtigen Wildbienen. Am Ende wird nur etwa jede tausendste Larve zu einem ausgewachsenen Schwarzblauen Ölkäfer. Außerdem schwinden die Lebensräume, Pflanzen und Wildbienen, auf die die Ölkäfer angewiesen sind, zusehends.

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