Brotkäfer: Was tun gegen die Schädlinge in der Wohnung?

Mit dem bloßen Auge kaum ersichtlich, können Brotkäfer beträchtlichen Schaden an Vorräten, aber auch Büchern anrichten. Oft hausen die kleinen, braunen Käfer lange Zeit unbemerkt in Lebensmitteln und Vorratsschränken. Da sie sich sehr schnell vermehren, ist es sehr wichtig, einen Befall so früh wie möglich zu erkennen und zu bekämpfen.

von Brotkäfer © Bild: imago images/blickwinkel

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Wie sehen Brotkäfer aus?

Brotkäfer (lat. Stegobium paniceum) zu identifizieren ist nicht immer ganz einfach. Gerne werden sie auch mit anderen Schädlingen verwechselt. Sie sind etwa 2 bis 4 Millimeter lang, haben eine hellbraune, rotbraune oder dunkelbraune Färbung, einen rundlich ovalen Körperbau und gelbliche Haare am gesamten Körper. Dazu haben die Käfer verhältnismäßig lange Fühler mit drei Verdickungen an den oberen Enden, ein „dreieckiges“ Halsschild, das kapuzenartig über dem Kopf liegt, und sie sind gute Flieger. Oft krabbeln sie aber durch die Gegend.
Die eigentlichen Schädlinge sind aber die gekrümmten Larven , die der Brotkäfer gerne in Lebensmitteln ablegt. Sie sind gelblich-weiß und werden bis zu 5 Millimeter lang. Sie spinnen sich einen ovalen, gesponnenen Kokon, in dem sie sich häuten und verpuppen.

Brotkäfer
© imago images/blickwinkel So sehen Brotkäfer aus

Brotkäfer oder Tabakkäfer?

Verwechseln kann man den Brotkäfer am ehesten mit dem Tabakkäfer. Beide ähnlich groß und haben einen sehr ähnlichen Körperbau. Ihre kurze helle Behaarung verleiht den rehbraunen Käfern einen leichten Schimmer. Der Unterschied: Der Brotkäfer hat einen relativ lang gestreckten Hinterleib von dem sich das etwas breitere, scharf gerandete Halsschild abhebt, während beim Tabakkäfer das Halsschild rund zuläuft und ihm eine kompakt ovale Körperform verleiht. Zudem unterscheiden sich die schmalen Fühler des Tabakkäfers von den an drei Gliedern verdickten Fühlern des Brotkäfers.

Was lockt den Brotkäfer an?

Die Käfer liebe alle getreidehaltige Nahrungsmittel wie Brot, Nudeln, Reis oder Haferflocken, verspeisen aber im Grunde alles was in irgendeiner Form Stärke enthält. In die Wohnung gelangen sie als gute Flieger durch offene oder undichte Fenster, Risse und Spalten im Mauerwerk, oder aber gleich mit den eingekauften Lebensmitteln, die bereits im Geschäft befallen waren. Die Schädlinge sind nicht auf eine bestimmte Jahreszeit begrenzt, sondern kommen das ganze Jahr über vor.

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Wo nisten sich Brotkäfer ein?

Wie der Name schon sagt, legen Brotkäfer ihre Larven bevorzugt in stärkehaltigen Lebensmitteln wie eben Brot ab. Lebensmittel und andere Orte, in denen Brotkäfer sich vermehren sind unter anderem:

  • Brot
  • Getreide
  • Gewürze
  • Hülsenfrüchte
  • Teigwaren
  • Kaffee
  • Tee
  • Schokolade
  • Suppenwürfel
  • Zwieback
  • Tiertrockenfutter
  • getrocknete Pflanzen
  • Tabak
  • Bücher
  • Leder

In betroffenen Lebensmitteln vermehren sich auch Milben und Schimmelpilze schneller. Sie sind auch in Bibliotheken zu finden, wo sie Bücher mit Ledereinbänden befallen können. Deswegen werden sie auch Bücherwurm genannt.
Besonders gefährdet sind Lebensmittel die lange gelagert werden. Vor allem in Bäckereien kommt das Tier häufig vor, daher kommt der Name Brotkäfer.

Ein Brotkäfer lebt nur etwa drei Wochen lang. In dieser Zeit frisst er nicht mehr sondern paart sich und legt bis zu 100 weiße Eier in die genannten Lebensmittel. Nach ca. drei Monaten verpuppen sich die Larven in einem Kokon, den sie aus dem Material ihrer Nahrung spinnen. Darin verbleibt das Tier bis zur Ausbildung des fertigen Käfers. Je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit dauert die Entwicklung des Brotkäfers vom Ei bis zum erwachsenen Tier zwischen ca. 40 bis zu 200 Tage. Die Vermehrung erfolgt bei Temperaturen zwischen 15 und 34 °C .

Wenn sie sich einmal in den Vorräten festgesetzt haben, fressen sie sich anschließend durch alles, was ihnen in den Weg kommt. Auch Plastik und Papier sind kein Hindernis für sie, um an den Vorratsschrank zu kommen. Besonders wohl fühlen die Tiere sich in Spalten und Ritzen. Daher können sie auch einen Hinweis auf bestehende Bauschäden am Gebäude geben. Spalten, Ritzen, mangelhafte Zwischendecken: Überall hier gefällt es den Brotkäfern besonders gut. Bauschäden sind nicht nur oft ein Zugangsweg für Brotkäfer, sondern bieten den Schädlingen auch Schutz. Eine weitere Möglichkeit für einen Brotkäfer-Befall kann außerdem ein Pilzbefall im Holz sein. Der Pilz dient dem Käfer dabei als Nahrungsquelle.

Brotkäfer
© imago images/blickwinkel Eine von Brotkäfern zerfressene Gewürztüte: Die Käfer machen auch vor Plastikverpackungen nicht Halt

Wie entdeckt man einen Befall?

Dem Befall zu entdecken ist gar nicht so einfach, weil der Käfer selbst eben so klein und zudem nachtaktiv ist. Tagsüber versteckt er sich gerne. Am ehesten sieht man die Spuren, die die Larven hinterlassen: Verunreinigungen und Verklebungen durch ihre Gespinstfäden sind typische Merkmale eines Befalls. Die Öffnungen, durch die sich die geschlüpften Käfer entfernen, sind als stecknadelkopfgroße Löcher in den befallenen Produkten zu sehen. An Verpackungsmaterialien aus Papier oder Pappe sind auch Fraßspuren der Larven zu finden.

Wie wird man den Brotkäfer wieder los?

Brotkäfer sind nicht gesundheitsschädlich und übertragen auch keine Krankheiten. Auch ist es vollkommen unbedenklich, Nahrungsmittel zu verzehren, die mit dem Käfer oder den Käferlarven befallen sind. Dennoch muss man sie schnellstmöglich wieder loswerden, sobald man den Befall entdeckt hat, da die Larven Lebensmittel durch Kot und Gespinstfäden verunreinigen und diese im Anschluss verderben.

Zunächst sollte man erst einmal das Ausmaß des Befalls ermitteln. Dies funktioniert am besten mit Klebefallen, die einen ungiftigen Sexuallockstoff enthalten und an den Stellen, wo der Befall vermutet wird aufgestellt werden. Dabei ist aber Vorsicht geboten: Brotkäfer können Pheromone aus mehreren hundert Metern Entfernung wahrnehmen und könnten, angelockt von der Falle, erst recht durch geöffnete Fenster herein kommen.

Schränke ausräumen und reinigen

Die betroffenen Vorratsschränke müssen nun ausgeräumt und sorgfältig bis in jede Ritze am besten mit Essigwasser gereinigt werden, befallene Lebensmittel muss man entsorgen, wenn man Ruhe von dem Getier haben möchte.

Lebensmittel tiefkühlen oder backen

Vermeintlich nicht oder nur gering befallene Lebensmittel können zur Sicherheit für mindestens einen Tag in die Tiefkühltruhe bei -18 °C oder aber über eine Stunde bei 60°C in den Backofen gelegt werden, um einen geringen Befall abzutöten.

Schlupfwespen

Eine weitere ökologisch unbedenkliche Möglichkeit ist die Bekämpfung mit auf den Schädling spezialisierten parasitären Schlupfwespen (Lagererzwespe). Diese Wespen sind die Fressfeinde der Brotkäferlarven und fressen diese auf. Sind alle Larven aufgefressen, haben auch die Wespen keine Lebensgrundlage mehr und suchen sich neue Nahrung außerhalb der Wohnung. Lagererwespen können im Zoofachhandel, in Baumärkten und Gartencentern gekauft oder auch online bestellt werden.

Kieselgur

Eine andere ökologische Möglichkeit ist der Einsatz von Kieselgur. Das weißliche Pulver, das größtenteils aus den Schalen fossiler Kieselalgen besteht, tötet die Eier und Larven ab, ist jedoch für Menschen ungefährlich. Allerdings muss man während der Anwendung einen Atemschutz tragen und das Pulver anschließend auch wieder entfernen, was zusätzlichen Aufwand beschert. Zudem sollten Sie während der Anwendung wegen des Staubs eine Schutzbrille und einen Atemschutz tragen.

Sprays

Ungeziefersprays sind auch eine Möglichkeit die Käfer in Sekundenschnelle zu töten – dies ist jedoch keine besonders ökologische Variante und besonders dort, wo Lebensmittel aufbewahrt werden, auch keine gute Idee. Bei einem schweren und hartnäckigen Befall ist die Einschaltung einer professionellen Schädlingsbekämpfung zu empfehlen. Dann sollten einige Käfer in einem Glas gesammelt und vorgezeigt werden, damit der Profi weiß welches Mittel er einsetzen muss.

Vorbeugende Maßnahmen

Als vorbeugende Maßnahme sollten Lebensmittel kühl (unter 18 °C) und trocken gelagert und dicht verschlossen sein, z.B. in Gläsern mit Schraubverschluss, Kunststoffbehältern oder Blechdosen. Bereits beim Einkauf sollte man auf etwaige kleine Löcher in den Verpackungen achten. Dazu gilt: Nicht zu viele Lebensmittel einlagern. Beim Lüften in den Abendstunden Lichter abdrehen, Brotkäfer werden vom Licht angezogen. Und zu guter Letzt: Wenn man alte Bücher und Flohmarktschätze erwirbt, sollte auch diese auf einen „Bücherwurm-Befall“ prüfen.