ABO

Wifo/IHS senken wegen Iran-Kriegs Konjunkturprognose

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
8 min
Die beiden Institutschefs bei der Vorstellung der Zahlen
©APA, HANS KLAUS TECHT
Der Iran-Krieg und die stark gestiegenen Energiepreise bremsen die wirtschaftliche Erholung Österreichs. Die Wirtschaftsforscher von Wifo und IHS senken ihre Konjunkturprognose für 2026 deutlich. Ging man im Dezember noch von einem Wirtschaftswachstum von 1,2 (Wifo) bzw. 1,0 Prozent (IHS) aus, wird nun ein Plus von 0,9 bzw. 0,5 Prozent prognostiziert. Die Inflation soll heuer mit 2,7 bzw. 2,9 Prozent weiter über dem 2-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) liegen.

von

Nach den Rezessionsjahren 2023 und 2024 sollte sich die heimische Volkswirtschaft wieder langsam erholen. Im vergangenen Jahr wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) bereits um 0,6 Prozent. "Mit dem Ausbruch des Iran-Krieges und dem dadurch ausgelösten starken Anstieg der Öl- und Gaspreise haben sich aber die Unsicherheit stark erhöht und die Konjunkturaussichten merklich eingetrübt", schreibt das Institut für Höhere Studien (IHS) in seiner Prognose. Auch das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) stellte fest: "Der Iran-Krieg gefährdet die Konjunkturerholung."

Österreich importiere fast 63 Prozent des Energieverbrauchs, und zwar fast zur Gänze Erdöl und Erdgas, erklärte Wifo-Chef Gabriel Felbermayr am Freitag in Wien bei der Präsentation der aktuellen Prognose. Es habe in den letzten Wochen Preisschübe von rund 60 Prozent gegeben - das könne sich auch auf das BIP niederschlagen. Dieser Energiepreisschock wirkt sich entsprechend auf die Wirtschaft aus, bestätigte auch IHS-Chef Holger Bonin.

Das Wifo erstellte seine Prognosen aufgrund des "nicht abschätzbaren Kriegsverlaufs" auf Basis dreier Szenarien. Dauert der Iran-Krieg nur wenige Wochen und ist die Erdöl-Infrastruktur der Golfstaaten nicht nachhaltig beschädigt, rechnen die Experten in diesem "optimistischen Szenario" mit einem Wirtschaftswachstum heuer um 1,1 Prozent. In ihrem "Hauptszenario" gehen die Wifo-Ökonomen davon aus, dass der Krieg ebenfalls von kurzer Dauer ist, sich allerdings die Brennstoffe kräftiger verteuern. Dann würde die Wirtschaft um 0,9 Prozent wachsen. Im "pessimistischen Szenario" - lange Kriegsdauer, langfristig zerstörte Infrastruktur - werde der moderate Aufschwung unterbrochen und das BIP legt 2026 nur 0,2 Prozent zu.

Angesichts der "Unsicherheit über die weitere Entwicklung der Energiepreise" berechnete das IHS ebenfalls ein Alternativszenario, in dem die Erdöl- und Erdgaspreise in der Spitze stärker steigen und länger höher bleiben. In diesem Fall würde das BIP-Wachstum 2026 nur 0,3 Prozent und 2027 0,7 Prozent betragen.

Auch für 2027 passten die Wirtschaftsforscher ihre Zahlen an. Während das Wifo seine Prognose um 0,1 Prozentpunkte auf 1,3 Prozent kappte, geht das IHS von 0,8 Prozent aus. Die neuen Zahlen dienen als Basis für die Gespräche der Bundesregierung über das Doppelbudget 2027/28.

"Aber die Lage ist ernster, als dieser Blick auf die Zahlen des realen BIPs suggerieren", sagte Felbermayr. Diese reale BIP messe die Produktion, nicht die Kaufkraft im Land. Der Realwert des BIP berücksichtige die höhere Verbraucherpreisinflation und "dort sehen wir in unserem Hauptszenario nur mehr ein Wachstum von 0,3 Prozent", gibt der Ökonom zu Bedenken. Das Problem ist seiner Ansicht nach "die importierte Inflation".

"Die Inflationsrate dürfte trotz des Iran-Krieges weiter zurückgehen, jedoch verlangsamt der jüngste Energiepreisanstieg den Rückgang", kommt das Wifo zum Schluss. Die Inflationsrate im vergangenen Jahr lag bei 3,6 Prozent. Heuer soll den Berechnungen die Teuerungsrate im Jahresdurchschnitt 2,7 Prozent betragen, 2027 dann auf 2,3 Prozent sinken. Nach IHS-Schätzungen liegt der Verbraucherpreisindex heuer bei 2,9 Prozent, im kommenden Jahr bei 2,4 Prozent. Die EZB strebt eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent an, die als optimal für die Wirtschaft gilt.

Bonin warnt unterdessen vor "Zweitrunden-Effekten" - wie diese ausfallen, sei aber sehr schwer vorherzusagen. "Man sei schon Schritte gegangen, die schon richtig waren, auch wenn man keinen Schönheitswettbewerb damit gewinnt" - da könnte aber noch mehr passieren, sagte Felbermayr in Richtung Regierung. Er plädierte dafür, das Ziel auf die Kerninflation zu legen.

Die Lage am Arbeitsmarkt bleibt den Wirtschaftsforschern zufolge "nahezu unverändert". Während das Wifo für 2026 und 2027 mit 7,4 bzw. 7,1 rechnet, geht das IHS von 7,5 bzw. 7,4 aus. Felbermayr bereitet vor allem die gestiegene Arbeitslosigkeit bei Frauen "große Sorgen".

"Die gute Nachricht ist, dass die sektorale Produktion durchwegs auf einem Pfad der konjunkturellen der Besserung ist", sagte Felbermayr. Die Industrie sei mit 1,2 Prozent Wachstum heuer ein "Wachstumstreiber". Auch die realen Warenexporte dürften wieder wachsen - Grund dafür sei das Höchstgerichtsurteil in den USA zu den Zöllen sowie neue Handelsabkommen wie mit den Mercosur-Staaten.

Der Tourismus verzeichne dank einer erfreulichen Wintersaison eine Revision nach oben. Das Sorgenkind bleibt der Bau. Dort dürfte es laut Felbermayr aufgrund der hohen Energiepreise ein weiteres Jahr ohne positives Wachstum geben. Die deutlich höhere Unsicherheit drücke zudem auch auf das Investitions- und Konsumverhalten.

Die Wirtschaftsprognose dient als Basis für die Gespräche der Bundesregierung über das Budget 2027/28. Nach Ansicht des IHS-Chefs Holger Bonin sollte das "Sparpaket besser größer ausfallen", als die von Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) avisierten zwei Milliarden. Auch Wifo-Chef Gabriel Felbermayer plädierte für die Fortsetzung der Konsolidierungsmaßnahmen.

"Wir wollen unseren klaren Sanierungskurs beibehalten und unsere Ziele erreichen", betonte Marterbauer in einer ersten Reaktion auf die Wirtschaftsprognose. Dass sich das mit den schon eingeleiteten Maßnahmen nicht ausgehen wird, hat er jüngst bestätigt.

"Wir waren auf einem sehr guten Weg", sagte NEOS-Generalsekretär Douglas Hoyos laut Aussendung. Der Iran-Krieg bremse diese Erholung wieder. "Wir dürfen jetzt nicht die Fehler früherer Regierungen wiederholen, die wirtschaftliche Probleme mit der Gießkanne bekämpft haben", betonte er zudem.

Die FPÖ attestiert der Regierung "Handlungsunfähigkeit" und "mangelhaftes Krisenmanagement". FPÖ-Wirtschaftssprecherin Barbara Kolm fordert günstigere Energie durch Steuersenkungen wie die Abschaffung der CO2-Steuer. Nach Ansicht der Grünen entscheidet der Erneuerbaren-Ausbau über den Wohlstand Österreichs - nur dadurch könne sich Österreich aus der Abhängigkeit von Öl und Gas lösen, erklärte Jakob Schwarz, Budgetsprecher im Grünen Parlamentsklub.

WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger pocht "gerade in Phasen erhöhter Unsicherheit" auf "verlässliche Rahmenbedingungen" und keine neuen "Steuern und Belastungen" für Unternehmen. Eine Senkung der Lohnnebenkosten und Bürokratie-Abbau forderten IV-Generalsekretär Christoph Neumayer und Wirtschaftsbund-Generalsekretärin Tanja Graf. ÖGB Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth pocht auf "Schritte gegen die Teuerung" sowie auf eine Millionärssteuer.

Über die Autoren

Logo
Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER