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voestalpine startet 2027 mit grünem Stahl

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Inmitten geopolitischer Verwerfungen zieht der Stahlkonzern voestalpine als riesiger CO2-Emittent seinen Klimaschutzkurs durch. "Wir haben fünf Hochöfen, die abzulösen sind", sagte Konzernchef Herbert Eibensteiner am Mittwoch im Klub der Wirtschaftspublizisten in Wien. In einem ersten Schritt wird 2027 je einer in Linz und Donawitz durch einen Elektrolichtbogenofen ersetzt. "Wir investieren dort 1,5 Mrd. Euro und schon in einem Jahr beginnen diese beiden Werke hochzufahren."

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Der Baufortschritt verlaufe plangemäß und mehr als die Hälfte der Investitionssumme sei bereits geflossen. "Wir bauen ein Stahlwerk mitten in eine produzierende Firma, mit allen logistischen Schwierigkeiten", berichtete Eibensteiner.

Bis 2029 sollen die CO2-Emissionen des Konzerns dadurch gegenüber 2019 um 30 Prozent verringert werden. "Dann wird es weitere Schritte geben, die bis 2050 zu null Emissionen führen sollen", so der CEO. Ab 2030 wird an den beiden Standorten jeweils ein weiterer Hochofen abgelöst, wodurch der CO2-Ausstoß zunächst um 50 Prozent zurückgehen soll.

Doch die Umstellung bedeutet auch erhöhten Strombedarf. "Für uns ist eine Verlängerung der CO2-Freizertifikate wichtig, die bis 2034 auslaufen", betonte der Voest-Chef. Der Konzern brauche "ausreichend Strom, ausreichend Netze und ausreichend Wasserstoffnetze", hielt Eibensteiner fest. "Das ist alles nicht da, nicht ausreichend da - deshalb brauchen wir eine Verlängerung dieser Freizertifikate." Weil diese Energiethemen nicht gelöst seien, brauche die Voest "mehr Zeit, um das umzusetzen".

"Wir können nicht die Ziele verschärfen und gleichzeitig haben wir die Energie nicht zur Verfügung - es muss eine Erleichterung bei der Zuteilung der CO2-Zertifikate geben", forderte der CEO nachdrücklich. Derzeit hat das die EU in Arbeit: "Der Rat hat die Kommission beauftragt, bis in den Sommer erste Vorschläge zu machen."

Zusätzliche Energie werde aber auch generell für Nutzungen wie E-Autos und Rechenzentren gebraucht. "Wenn es um diese Netze geht, müssen wir eine UVP-Gesetzesnovelle machen", sagte Eibensteiner. Natürlich bleibe auch der Ausbau der erneuerbaren Energie inklusive Netze wichtig.

Die hohen Energiepreise - zunächst infolge des Angriffs Russlands auf die Ukraine und zuletzt der USA und Israels auf den Iran - drücken auch auf die wirtschaftlichen Erwartungen. "Was jetzt natürlich passiert ist, dass dieser leichte Rückenwind, den wir jetzt schon gehabt haben, in der Zukunft vielleicht etwas eingebremst wird", erwartet der Konzernchef. Längerfristig höhere Energiekosten "bedeuten Inflation, bedeuten Zinsen, bedeuten aber auch geringeres Wirtschaftswachstum". "Wir werden bis zum ersten Halbjahr wissen, wie sich die aktuelle Situation auch längerfristig auswirkt."

Der Industriestrompreis, den die Regierung per 1. Jänner 2027 in Aussicht gestellt hat, sieht Eibensteiner positiv. "Ich bin mir noch nicht klar über die Berechnungsmethoden, aber es wird eine gewisse Verbesserung geben." In Linz produziere die Voest ihren Strom selbst - aus den Gasen des Hochofens. "Für uns ist Gas relevant", erklärte der Konzernchef.

Die Behinderung der Straße von Hormuz im Zuge des Iran-Krieges habe sich aber nicht auf die voestalpine ausgewirkt. Die Meerenge müssten zwar nicht nur 27 Prozent der globalen Öllieferungen passieren und 20 des weltweiten LNG-Handels, doch davon gingen nur 13 Prozent nach Europa. "Deshalb haben wir in Europa keine Engpässe gehabt", so Eibensteiner. "Unser Gas kommt aus Norwegen, über Italien, Nordafrika - wir sind dort deutlich besser aufgestellt - und LNG kommt bei uns sehr stark aus den USA und immer noch aus Russland."

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