René Benko
©APA/Georg HochmuthWas als exklusives Sommerfest am Gardasee begann, beschäftigt nun auch die Ermittler. Das im Buch „Inside Signa“ enthüllte Treffen im Umfeld von René Benko ist seit Kurzem Gegenstand brisanter Untersuchungen. News kennt die Details.
Am 15. Juli 2017 war es so weit. Für den Finanzjongleur Benko zählte jedes noch so kleine Detail. Monatelang wurde geplant, nichts durfte schiefgehen. Seine Assistenten und Geschäftsführer kümmerten sich intensiv um die Einladungslisten. Alles sollte nach seinem Geschmack ablaufen. Gegen 19 Uhr trafen die ersten Gäste in der Villa Ansaldi ein.
Wie bei James Bond
Das Wetter spielte mit. Viele erschienen sommerlich in Weiß, wie es der Dresscode auf der Einladung verlangte. Vor der Villa trieb eine Frau in schwarzem Badeanzug mit silberner Haube auf einem Podest im Pool. Dahinter tanzten in weiß gekleidete Frauen am Beckenrand, im Garten begleitete ein Streichquartett die Ankommenden. Noch Jahre später berichteten Gäste von einer Szenerie wie aus einem James-Bond-Film.
Einige der prominentesten Besucher wählten die Anreise über den See. In tiefroten Riva-Motorbooten aus Mahagoni fuhren sie heran. Unter ihnen: Musikikone Tina Turner, die dem Schweizer Freundeskreis Benkos seit Jahren verbunden war. Auch private Aufenthalte im Luxuschalet in Oberlech zählten dazu. Für das Fest wurde eigens ein offener Pavillon errichtet. Unter freiem Himmel nahmen die Gäste Platz. Der Abend ist durchinszeniert. Alles war genau dort, wo es stehen sollte.


Villa Ansaldi. Am Gardasee hält Benko über eine diskrete Liechtensteiner Stiftung ein opulentes Anwesen direkt am Ufer.
© APA-Images / OTS / aurena.atTisch Nummer 1
Der wichtigste Tisch stand an der Spitze des Pavillons. Es war Tisch Nummer eins. Für die Nummer eins im damals noch auf Hochtouren laufenden Signa-Konglomerat. Einstige Weggefährten sehen den Abend im Rückblick als Gipfelpunkt von Benkos Machtfülle.
Neben René Benko nahm Sebastian Kurz Platz. Auch Wolfgang Sobotka, damals Innenminister, saß dort. Ebenfalls an Tisch eins: Der Investor und passionierte Jäger Siegfried Wolf. Am Ende des Pavillons stand eine Bühne, davor ein schwarzer Konzertflügel. Eine Showeinlage folgte der nächsten, kaum eine Pause dazwischen. Der Abend arbeitete sich seinem Höhepunkt entgegen.
Dann betrat ein deutscher Soul-Sänger die Bühne. Eine kurze und innige Umarmung mit Gastgeber René Benko, Applaus brandete auf. Die Gäste standen auf, klatschten, sangen mit. Xavier Naidoo stimmte „Dieser Weg“ an. Es ist der Moment, auf den alles zulaufen sollte. Unter dem Feuerwerk über dem See lehnte sich René Benko in die Arme seiner Frau. Der Himmel glühte. Die Gäste wirkten gelöst. Das Fest war vorbei. Der Plan ist aufgegangen.
Ein Fest auf Kosten der Signa
Einige Wochen später. Mitte August 2017 ist René Benko wieder in der Villa Ansaldi. Und scheint sich an sein Fest zu erinnern. Er meldet sich bei einem engen Mitarbeiter. Die Abrechnung steht an.
„Gibt es schon eine Aufstellung nach einzelnen Positionen (Xavier, Band, Künstler, Zelt, Catering, etc.), was das fst gekostet hat, müssen uns nämlich überlegen, wie wir die Kosten dann final aufteilen“
Keine drei Minuten später kommt die Antwort:
„Ja gibt es ca. 650tsd und bekommst morgen“
Rund 650.000 Euro für ein einziges Sommerfest am Gardasee. Allein der Kurzauftritt von Xavier Naidoo wird später mit 280.000 Euro beziffert. Verbucht werden die Kosten auf einem Konto der „Signa Communications“, einer Tochter der Signa Holding. Ein Fest auf Kosten der Signa.
Prominenter Spender
In den Einladungen war auf einen Konsumationswert von rund 65 Euro pro Person hingewiesen worden – unterhalb üblicher Schwellenwerte. Wer wollte, konnte vor Ort 65 Euro entrichten, offiziell für karitative Zwecke, gegen Quittung.
Zahlreiche Gäste zahlten. Wolfgang Sobotka scheint später auf einer internen Spenderliste auf. 500 Euro spendete er für sich und seine Begleitung. Eine Spende von Sebastian Kurz findet sich in den Unterlagen nicht.
Penible Ermittler
Laut Recherchen von News und Krone war das Fest am Gardasee offenbar mehr als nur ein ausgelassenes Sommertreffen unter Signa-Freunden. Dem Vernehmen nach gehen die Ermittler mittlerweile stark davon aus, dass es sich um ein rein persönliches Fest von und für René Benko gehandelt haben soll. Anlässlich seines 40. Geburtstags. Detail am Rande: Dieser war zwar bereits am 20. Mai. Aber wurde von Benko nur im kleinen Rahmen mit seiner Familie zelebriert. Und auch diesen Tag verbrachte er in der Villa Ansaldi.
Auch war in der Einladung von einem „Sommerfest“ die Rede, doch aus Sicht der Finanzermittler sprechen mehrere Punkte für eine private Feier. So soll etwa anstelle von Geschenken für den Gastgeber um Spenden für karitative Zwecke gebeten worden sein.
Persönliche Einladung
Auch René Benko selbst brachte das Fest in einem News vorliegenden persönlichen Schreiben an einen Schweizer Verlagsmanager mit seinem Geburtstag in Verbindung. In der Nachricht heißt es:
„Noch eine andere Idee: SIGNA macht anlässlich meines 40er ein sensationelles Sommerfest am Gardasee mit Xavier Naidoo als Stargast und Sänger des Abends (wäre eigentlich als ‚Überraschung‘ für mich gedacht gewesen – aber es haben die letzten Tage zu viele sich verplaudert J) – das Fest findet am Samstag 15. Juli abends statt – mir wurde auch gesagt, dass einige Schweizer Freunde wie Ernst Tanner, Tina Turner, … zugesagt haben – Ihr könntet mit Sicherheit unkompliziert mit Dieter Berninghaus direkt mitfliegen und wieder retour – hättet Ihr Zeit?“
Dieser Beitrag ist ursprünglich in der News-Printausgabe Nr. 09/2026 erschienen.







