René Benko
©APA/EXPA/Johann GroderMehr als 20 frühere Mitarbeiter der Signa-Gruppe haben bei der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft eine umfangreiche Strafanzeige eingebracht. News liegen die Details dazu vor.
Die Ex-Mitarbeiter werfen früheren Entscheidungsträgern des maroden Konglomerats vor, das Signa-Mitarbeiterbeteiligungsprogramm systematisch zur Täuschung genutzt, Rückzahlungen verweigert sowie einzelne Personen gezielt bevorzugt zu haben. Der geltend gemachte Gesamtschaden beläuft sich aktuell auf rund 2,8 Millionen Euro.
Kern des Vorwurfs
Mitarbeiter und externe Projektpartner hatten über ein Treuhandmodell die Möglichkeit, sich an der Signa Prime Selection AG zu beteiligen. Ein freier Verkauf der Aktien war vertraglich ausgeschlossen. Die einzige realistische Ausstiegsoption bestand darin, die Aktien über eine sogenannte Put-Option zum offiziell ausgewiesenen Unternehmenswert (Net Asset Value, NAV) an Signa-Gesellschaften zurückzuverkaufen.
Obwohl zahlreiche Beteiligte ihre Put-Option in den Jahren 2022 und 2023 fristgerecht nutzten, blieben die zugesicherten Auszahlungen aus. Gleichzeitig sollen andere Personen – insbesondere Führungskräfte oder dem Management nahestehende Beteiligte – ihre Aktien sehr wohl und teilweise noch kurz vor der Insolvenz zu Geld gemacht haben.
Laut der Strafanzeige, die News und Krone vorliegt, soll der Signa-Gruppe bereits ab 2022 bekannt gewesen sein, dass zentrale Gesellschaften in einer schweren wirtschaftlichen Krise steckten und faktisch zahlungsunfähig gewesen sein sollen. Gegenüber den Mitarbeiter-Aktionären sei dies jedoch bewusst verschwiegen worden, um panische Rückkaufsforderungen zu vermeiden.
Selektive Auszahlungen
Besonders belastend erscheint der Vorwurf, dass im Jahr 2023 noch etwa 2,8 Millionen Euro an einzelne ausgewählte Personen ausbezahlt wurden, während die Mehrheit der Beteiligten leer ausging. News-Recherchen zufolge soll der langjährige Signa-Holding-Chef Marcus Mühlberger wenige Wochen vor der Pleite noch eine hohe sechsstellige Summe erhalten haben. Auch Ex-Casinos-Chef und Signa-Aufsichtsrat Karl Stoss soll nach einem persönlichen Schreiben an Signa-Gründer René Benko knapp eine Million Euro kassiert haben.
In der Strafanzeige werden mehrere ehemalige Geschäftsführer und Organträger der Signa-Gesellschaften namentlich genannt, darunter Mühlberger und sein Co-Chef in der Signa-Holding. Zudem wird angeregt, auch die Rolle von René Benko umfassend zu prüfen, der laut Insidern als möglicher faktischer Entscheidungsträger gilt. Nach Angaben mehrerer Beteiligter sollen wesentliche Rückkauf- und Auszahlungsentscheidungen zumindest unter seiner Kenntnis erfolgt sein. Für alle genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung.
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