ABO

Ihre Fotos kennt jeder: Warum Getty Images jetzt Insolvenz anmeldet

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
4 min
Artikelbild

©ImageBroker

Die weltbekannte Bildagentur Getty Images hat in den USA ein Insolvenzverfahren nach Chapter 11 eingeleitet. Ein Aus ist das nicht: Die Getty-Familie und eine Beteiligungsfirma des Koch-Konzerns wollen bis zu 533 Millionen Dollar einschießen und das Unternehmen von der Börse nehmen. Für Kunden und Fotografen soll sich vorerst nichts ändern.

News auf Google bevorzugen

Was passiert ist

Getty Images Holdings hat am 21. Oktober für mehrere US-Gesellschaften ein freiwilliges Verfahren nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts beantragt, zuständig ist das Insolvenzgericht für den Bezirk Delaware. Es handelt sich um ein sogenanntes vorverhandeltes Verfahren: Der Sanierungsplan wurde bereits am 12. Oktober mit den wichtigsten Kreditgebern und Anteilseignern vereinbart, das Gericht soll ihn nun absegnen.

Firmenchef Craig Peters spricht von einem formalen Schritt. Die Einreichung sei „ein verfahrenstechnischer Schritt, um die bereits angekündigte finanzielle Restrukturierung umzusetzen“, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens. Abgeschlossen sein soll die Sanierung bis Jahresende.

Wer jetzt Geld nachschießt

Getragen wird der Plan von zwei Investoren: Mitglieder der Getty-Familie und Gesellschaften von Koch Equity Development, der Beteiligungstochter des US-Konzerns Koch, haben bis zu 533 Millionen Dollar an frischem Eigenkapital zugesagt. Eine Koch-Gesellschaft stellt zusätzlich eine Finanzierung von bis zu 143 Millionen Dollar für die Dauer des Verfahrens bereit. Ziel ist laut Getty ein deutlicher Abbau der Schulden.

Nach der Sanierung sollen die beiden Investoren das Unternehmen vollständig besitzen, Getty Images wird damit wieder privat. Für die bisherigen Aktionärinnen und Aktionäre sieht es schlecht aus: Die börsennotierten Class-A-Aktien sollen nach dem Plan voraussichtlich ersatzlos eingezogen werden. Die Aktie war zuletzt unter einen Dollar gefallen, die New Yorker Börse hatte bereits die Streichung vom Kurszettel angekündigt.

Warum Getty in Schieflage geriet

Die 1995 gegründete Agentur aus Seattle ist einer der größten Anbieter von Presse-, Stock- und Archivfotos weltweit, ihre Bilder erscheinen täglich in Medien rund um den Globus. Finanziell lief es zuletzt aber schlecht: Für 2025 wies Getty einen Verlust von 206,1 Millionen Dollar aus, dazu kommt eine hohe Schuldenlast.

Einen Ausweg sollte die Fusion mit dem Rivalen Shutterstock bringen, ein Geschäft im Wert von 3,7 Milliarden Dollar. Im Juli 2026 zog Getty die Reißleine: Die britische Wettbewerbsbehörde CMA hatte den Zusammenschluss nur unter der Bedingung genehmigt, dass Shutterstock sein Geschäft mit Pressebildern verkauft. Das wollte Getty nicht. Mit dem nun eingeleiteten Verfahren will das Unternehmen neben den Schulden auch rechtliche Verbindlichkeiten bereinigen, die nicht das laufende Geschäft betreffen.

Was das für Kunden und Fotografen bedeutet

Das Bildarchiv bleibt in Betrieb. Getty Images arbeitet laut eigenen Angaben normal weiter und erwartet keine Auswirkungen auf Fotografinnen und Fotografen, Partner, Kunden, Beschäftigte und Lieferanten. Beim Gericht wurden Anträge eingebracht, damit Gehälter, Kundenservice und Zahlungen an Lieferanten ohne Unterbrechung weiterlaufen können.

Ein Verfahren nach Chapter 11 ist im US-Recht kein Konkurs im Sinne einer Zerschlagung. Es ist ein Sanierungsverfahren unter Gläubigerschutz, ähnlich dem Sanierungsverfahren in Österreich: Das Unternehmen führt seine Geschäfte weiter, während es seine Schulden unter Aufsicht des Gerichts neu ordnet.

Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER