ABO

Anthropic: Claude-Entwickler will 5 Prozent seiner Aktien in einen Gemeinwohlfonds geben

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
5 min
Menschen arbeiten an Schreibtischen in einem Großraumbüro
Foto:©Unsplash/Arlington Research

Das KI-Unternehmen Anthropic will fünf Prozent seiner Aktien in einen neuen Fonds für das Gemeinwohl einbringen. Der Anteil soll mit dem Firmenwert wachsen. Als ein mögliches Einsatzfeld nennt Anthropic die Folgen künstlicher Intelligenz für den Arbeitsmarkt. Was über den Fonds bekannt ist und was noch offen bleibt.

News auf Google bevorzugen

Fünf Prozent der Aktien für das Gemeinwohl

Das US-Unternehmen Anthropic, das die KI-Modelle der Reihe Claude entwickelt, gründet einen eigenen Fonds für das Gemeinwohl. In den sogenannten Anthropic Public Benefit Fund sollen zunächst fünf Prozent der Unternehmensanteile fließen. Das kündigte die Firma am Sonntag an. Die Aktionärinnen und Aktionäre müssen dem noch zustimmen.

Der Anteil kann mit dem Firmenwert wachsen. Für jede Steigerung des Unternehmenswerts um 50 Prozent über einem festgelegten Ausgangswert kann das Board, also das Leitungsgremium des Unternehmens, dem Fonds weitere zwei Prozent der Aktien zuweisen. Wie hoch dieser Ausgangswert ist und welchen Wert der Fonds in Dollar hat, nennt Anthropic nicht.

Wofür das Geld verwendet werden soll

Der Fonds soll laut Anthropic mehr Spielraum und Größe bieten als bisherige Programme. Denkbar seien große Spenden an gemeinnützige Organisationen oder direkte Zahlungen an bestimmte Bevölkerungsgruppen. Als Beispiel nennt das Unternehmen die Auswirkungen künstlicher Intelligenz auf den Arbeitsmarkt, wo künftig mutigere Ansätze nötig sein könnten.

Für die Untersuchung von Arbeitsmarktfolgen durch KI hat Anthropic bereits 200 Millionen Dollar zugesagt. Forschung zur Sicherheit von KI-Systemen, angewandte biomedizinische Forschung und verbilligte Zugänge zu Claude für gemeinnützige und wissenschaftliche Einrichtungen sollen weiterhin direkt im Unternehmen bleiben.

Keine Lobbyarbeit mit dem Fonds

Rechtlich ist der Fonds eine hundertprozentige Tochtergesellschaft in Form einer LLC, also einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, und keine klassische gemeinnützige Stiftung. So sollen sich die Formen der Unterstützung flexibel anpassen lassen. Die Anteile dürfen laut Anthropic weder für Lobbying noch für politische Spenden verwendet werden, weder in den USA noch anderswo.

Anthropic stellt den Schritt den in der Branche üblichen, mit dem Firmenwert steigenden Aktienpaketen für Führungskräfte gegenüber. Diese Anteile fließen nach Darstellung des Unternehmens stattdessen in den Fonds. Details zu Struktur, Kontrolle und den Bewertungsschwellen will Anthropic in den kommenden Monaten vorlegen, dazu einen Bericht über die Erfüllung seines Gemeinwohlauftrags.

Rund ein Fünftel der Anteile für das Gemeinwohl

Der Fonds kommt zu bestehenden Zusagen hinzu. Die Gründerinnen und Gründer von Anthropic haben sich bei der Gründung verpflichtet, 80 Prozent ihrer Anteile zu spenden. Für Beschäftigte gibt es ein Programm, das Aktienspenden verdoppelt, rund die Hälfte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nimmt daran teil.

Zusammen mit diesen Zusagen sollen nach Angaben des Unternehmens rund 20 Prozent der Anteile dem Gemeinwohl zugutekommen, zuzüglich möglicher weiterer Tranchen. Anthropic ist als Public Benefit Corporation organisiert, eine US-Rechtsform, die Unternehmen neben dem Gewinn auch auf einen Gemeinwohlzweck verpflichtet.

Was noch offen ist

Mit dem Hinweis auf den Arbeitsmarkt greift Anthropic eine Frage auf, die mit der Verbreitung von KI-Werkzeugen in Büros, Verwaltung und Softwareentwicklung an Bedeutung gewinnt: wer die Folgen trägt, wenn Tätigkeiten automatisiert werden. Wie genau der Fonds hier eingesetzt werden soll, hat das Unternehmen noch nicht festgelegt.

Wie groß die Wirkung des Fonds wird, hängt von mehreren offenen Punkten ab: von der Zustimmung der Aktionärinnen und Aktionäre, vom künftigen Firmenwert und davon, nach welchen Regeln das Geld vergeben wird. Konkrete Programme hat Anthropic noch nicht angekündigt.

Monatsabo ab € 21,75
Ähnliche Artikel
2048ALMAITVEUNZZNSWI314112341311241241412414124141241TIER