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Volksschule dauert in der Hälfte der EU-Länder sechs Jahre

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Dauert oft sechs Jahre
©APA, HELMUT FOHRINGER, THEMENBILD
Die NEOS haben die Diskussion über die Dauer der Volksschulzeit neu belebt. Schon Mitte der 2000er, als in der rot-schwarzen Koalition inbrünstig über die Einführung einer Gesamtschule für die Zehn- bis 14-Jährigen gestritten wurde, hatten ÖVP-Landespolitiker wie Niederösterreichs Erwin Pröll als Exitstrategie eine Verlängerung der Volksschule auf sechs Jahre ins Spiel gebracht. In gut der Hälfte der 27 EU-Länder sind sechs Jahre jetzt schon Standard.

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Konkret gibt es laut "Eurydice", dem Informationsnetz zum Bildungswesen in Europa, in 14 Ländern der Union eine sechsjährige Primarstufe (Daten aus 2023/24). Eine Volksschule für die Sechs- bis Zwölfjährigen, wie sie Bildungsminister Christoph Wiederkehr und die Wiener Bildungslandesrätin Bettina Emmerling (beide NEOS) in Pilotprojekten in der Bundeshauptstadt erproben wollen, findet man aktuell in neun EU-Ländern (Belgien, Griechenland, Irland, Luxemburg, Niederlande, Portugal, Slowenien, Spanien, Zypern). In Malta wird die sechsjährige Volksschule schon ab einem Alter von fünf Jahren besucht, in Estland geht man ab sieben in die Põhikool. Auch in Finnland, Lettland und Schweden beginnt die sechsjährige Primarstufe erst bei den Siebenjährigen.

Vier Jahre Volksschule wie in Österreich findet man in der EU sonst nur in sechs weiteren Ländern. In Deutschland, der Slowakei und Ungarn gilt die Schulpflicht dabei wie hierzulande ab sechs Jahren, in Kroatien, Litauen und Polen ab sieben. In Deutschland mit seinen je nach Bundesland sehr unterschiedlichen Bildungssystemen gibt es mit Berlin und Brandenburg Sonderfälle: Dort dauert die Grundschule sechs Jahre.

In Bulgarien, Frankreich, Italien, Rumänien und Tschechien verbringen die Kinder fünf Jahre in der Volksschule. In der bulgarischen Natchalno utchilishte geht es mit sieben Jahren los, in den übrigen Ländern mit sechs. Eine siebenjährige Volksschule findet man in der Union nur in Dänemark, die Folkeskole oder Grundskole wird von Kindern zwischen sechs und 13 besucht.

Zwischen der weiteren Ausgestaltung des Bildungssystems und der Dauer der Primarstufe scheint es übrigens keinen direkten Zusammenhang zu geben: Unter den 13 EU-Ländern, die laut Eurydice ein Gesamtschulsystem haben, findet man Länder wie Polen mit seinen vier Jahren Primarstufenzeit genauso wie Dänemark mit sieben. Bei den 14 EU-Ländern mit einer sechsjährigen Volksschule halten sich jene mit einer Gesamtschule und einem differenzierten Schulsystem wie Österreich mit seiner Aufteilung der Zehnjährigen auf Mittelschule und AHS die Waage.

In Österreich laufen aktuell Vorbereitungen des Bildungsministeriums für etwaige Pilotprojekte zu einer Verlängerung der Volksschule, nachdem Wiens Bildungsstadträtin Emmerling die Bundeshauptstadt als Modellregion ins Spiel gebracht hat. Im Bund hat sich die schwarz-rot-pinke Bundesregierung in ihrem Arbeitsprogramm vorgenommen, Modellregionen für die "Gemeinsame Schule der Zehn- bis Zwölf- bzw. 14-Jährigen" zu erleichtern. Wiens Stadtregierung hat sich dafür schon im Regierungsprogramm als "aktiver Partner" angeboten.

Noch stehe man bei den Planungen ganz am Anfang, wird aus Bund wie Stadt gegenüber der APA betont. Zu klären sind pädagogische Fragen, etwa welche Inhalte in einer um zwei Jahre verlängerten Volksschule unterrichtet werden sollen und ob dafür Klassenlehrer wie in der Volksschule oder Fachlehrer wie in den weiterführenden Schulen zuständig sein werden. Dazu kommen organisatorische Fragen wie der Schulraum, wenn an den Volksschulen plötzlich zwei zusätzliche Jahrgänge Platz finden sollen und an Mittelschulen und AHS zwei Jahrgänge wegfallen.

Zuletzt hat die sechsjährige Volksschule 2007 die heimische Innenpolitik beschäftigt, damals im Zuge der intensiv ausgetragenen Debatte über eine Einführung der Gesamtschule. Die SPÖ konnte sich damals mit ihren Ideen bei der ÖVP bekanntermaßen nicht durchsetzen; schlussendlich wurden nur die Hauptschulen leicht abgewandelt, mit mehr Ressourcen ausgestattet und in "Neue Mittelschulen" umbenannt.

Service: https://data.europa.eu/doi/10.2797/212303

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