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Reine Verlängerung der Volksschulzeit hat "wenig Sinn"

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"Grundsätzlich eine gute Idee"
©APA, THEMENBILD, ROLAND SCHLAGER
Für Bildungswissenschafterin Barbara Schulte ist eine Verlängerung der Volksschule auf sechs Jahre, wie sie in Wien per Pilotprojekt erprobt werden soll, grundsätzlich eine gute Idee. Es nehme Druck, wenn die Entscheidung für die weiterführende Schule erst mit zwölf statt zehn Jahren getroffen wird. Sei das Ziel mehr Chancengerechtigkeit, wie von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) angekündigt, habe eine reine Umstellung des Systems aber "relativ wenig Sinn".

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Für den individuellen Entwicklungsweg wäre es auf jeden Fall gut, wenn die Kinder erst später als bisher auf Mittelschulen und AHS aufgeteilt würden, so die Leiterin des Arbeitsbereichs für international vergleichende Schul- und Bildungsforschung an der Uni Wien zur APA. Derzeit müssten die Volksschülerinnen und Volksschüler, gerade wenn sie sich eingelebt haben, schon wieder wechseln und das sei mit viel Stress verbunden. Auch dass in diesem jungen Alter so viel bei der Entwicklung der Kinder passiert, spreche für einen späteren Übertritt.

Was die vor allem in den Städten teils schlechte ethnische und soziale Durchmischung der Schulen angeht, erwartet sich Schulte von einer Systemänderung keine Verbesserung. Schon jetzt würden bildungsaffine Eltern bestimmte Volksschulen vermeiden, um den Bildungsweg ihrer Kinder zu "optimieren". Daran würde eine Verlängerung wenig ändern.

Dasselbe gelte für den in Österreich besonders starken Einfluss der Familie auf die Bildungschancen. Es reiche nicht, die Volksschule von vier auf sechs Jahre zu verlängern oder vielleicht sogar so etwas wie ein Gesamtschulkonzept einzuführen, wenn sonst alles gleich bleibe, betonte Schulte. Sie plädiert dafür, bei einer etwaigen Reform auch die letzten beiden Kindergartenjahre mitzudenken und über diese acht Jahre hinweg Kinder mit Förderbedarf systematisch intensiv zu unterstützen. Dafür bräuchte es aus Schultes Sicht nicht nur mehr Lernhilfe, sondern auch Unterstützungspersonal etwa aus der Schulpsychologie.

Vor einem Umbau bräuchte es jedenfalls ein "ganzheitliches Konzept", betonte die Expertin. Immerhin wäre dieser mit viel Aufwand verbunden, von der Erstellung sinnvoller pädagogischer Konzepte bis zur praktischen Frage, in welchen Klassenräumen man die zusätzlichen Volksschuljahrgänge unterrichten würde. Den Zugang, eine sechsjährige Volksschule vorab in einem Pilotprojekt anzusehen, unterstützt die Bildungswissenschafterin. "Ich hoffe halt wirklich, dass man noch weiter denkt, weil die Lehrerinnen und Lehrer tagtäglich mit sehr komplexen Problemen konfrontiert sind und wirklich mehr Unterstützung brauchen."

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