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Post-Covid-Reha: Vor allem körperlicher Effekt gut

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©Kira Hofmann, APA, dpa
Eine mehrwöchige ambulante Rehabilitation hilft Post-Covid-Patienten stark, was ihre physische Leistungsfähigkeit angeht. Doch im Vergleich zu anderen Patientengruppen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma oder COPD bleibt die Lebensqualität deutlich eingeschränkt. Das haben Wiener Wissenschafter in einer Studie in der Therme Wien herausgefunden.

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Ferdinand Prüfer vom Ludwig Boltzmann Institut für Rehabilitationsforschung in Wien und seine Co-Autoren haben ihre Studie vor kurzem in den "Archives of Rehabilitation Research and Clinical Translation" veröffentlicht (doi: 10.1016/j.arrct.2025.100516). Die Studie sei durchgeführt worden, "um die Ergebnisse von Rehabilitationsbemühungen bei Personen mit dem Post-Covid-Syndrom mit jenen bei Kranken mit Lungen-, Herz-Kreislauf-, Stoffwechselerkrankungen oder orthopädischen Leiden zu vergleichen", schrieben die Fachleute.

Insgesamt wurden 597 Patienten mit ambulanter Rehabilitation im entsprechenden Zentrum der Therme Wien in die Untersuchung aufgenommen. 227 Personen litten an Post-Covid, 147 hatten ein orthopädisches Leiden, 84 waren wegen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zur Rehabilitation gekommen, weitere 83 Patienten litten an Stoffwechselerkrankungen, 35 an chronisch obstruktiver Lungenerkrankung und 24 an Asthma. Das Durchschnittsalter der gesamten Gruppe betrug rund 50 Jahre, knapp 55 Prozent waren Frauen.

Es handelte sich um eine "individuelle, multidisziplinäre ambulante Rehabilitation (sechs bis zehn Wochen, insgesamt 3.000 Minuten, mindestens drei Sitzungen/Woche von zwei bis drei Stunden pro Sitzung) einschließlich Kraft-/Ausdauertraining, Physiotherapie, psychologischer Betreuung und Ernährungsberatung", wie die Autoren feststellten.

Ein wesentliches Merkmal der Post-Covid-Betroffenen: Sie waren mit einem Durchschnittsalter von 44,7 Jahren jünger. Weiters waren 75,4 Prozent Frauen. Das war der höchste Frauenanteil unter den verschiedenen Patientengruppen. So war bei den Personen mit orthopädischen Erkrankungen das Geschlechterverhältnis mit 52,4 Prozent Frauen zum Beispiel fast ausgeglichen (Asthma: 58,3 Prozent Frauen; COPD: 40 Prozent).

Gemessen wurden speziell die Gehstrecke, die binnen sechs Minuten zurückgelegt werden konnte und die Lebensqualität (EuroQuol-5D-Fragebogen). Dies erfolgte zu Beginn und am Ende der Rehabilitationsbemühungen.

"Alle Gruppen zeigten während der Rehabilitation signifikante Verbesserungen. Patienten mit Post-Covid wiesen allerdings die niedrigsten Werte für die Lebensqualität insgesamt sowohl bei Aufnahme als auch bei Entlassung aus der Rehabilitation auf. Die um die Ausgangswerte bereinigten Werte zeigten, dass die Post-Covid-Gruppe trotz allgemeiner Verbesserungen eine signifikant niedrigere Lebensqualität angab als die anderen ambulanten Rehabilitationsgruppen, mit Ausnahme der COPD-Gruppe", stellten die Wissenschafter in der Studie fest.

Im Gegensatz dazu erzielte die Post-Covid-Gruppe die größten Zuwächse der körperlichen Funktionsfähigkeit mit im Durchschnitt einem Zuwachs an möglicher Gehstrecke während des sechsminütigen Tests von 60,4 Metern. Bei den Asthma-Patienten stieg die mögliche Gehstrecke zum Beispiel um 30,9 Meter, bei den Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen um durchschnittlich 47,4 Meter und schließlich bei den Orthopädie-Patienten um 46,8 Meter (Gesamtdurchschnitt für alle Patienten: plus 50,5 Meter). Die um die Ausgangswerte bereinigten Werte zeigten die höchste körperliche Funktionsfähigkeit bei Patienten mit Post-Covid (Sechs-Minuten-Gehtest: 632,4 Meter zurückgelegte Strecke; Gesamtgruppe: 603,4 Meter).

Doch sowohl bei der Selbsteinschätzung der Lebensqualität auf einer hundertstufigen Skala (100 als optimaler Wert) und per normiertem Fragebogen zeigten die Post-Covid-Patienten sowohl zu Beginn der Rehabilitation als auch am Ende deutlich schlechtere Werte als die anderen Patientengruppen. Ähnlich war das nur bei den Personen mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD).

Die Wissenschafter: "Obwohl die ambulante Rehabilitation mit Verbesserungen der körperlichen Funktionsfähigkeit bei Patienten mit Post-Covid-19 einherging, bestehen weiterhin Defizite in der Lebensqualität, was im Widerspruch zu anderen gängigen Indikationen für ambulante Rehabilitation steht. Gezielte Rehabilitationsstrategien, welche die psychische Gesundheit und die Fatigue berücksichtigen, sind erforderlich, um die Genesung nach Post-Covid-19 zu optimieren." Speziell sollte man sich in Zukunft um die psychischen Komponenten von Post-Covid bemühen, ebenso um die Milderung der Erschöpfungszustände (Fatigue).

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