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Gen-Therapie kehrt Gedächtnisverlust bei Mäusen um

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Forschung über Gedächtnis von Mäusen
©APA, dpa, Friso Gentsch
Schweizer Forscherinnen und Forscher haben das Gedächtnis alter Mäuse wieder auf Jugendniveau gebracht. Dies gelang ihnen durch eine Gentherapie, die gezielt einzelne Gedächtniszellen verjüngt, wie sie im Fachmagazin "Neuron" berichten. Der altersbedingte Verlust geistiger Leistungsfähigkeit gilt bisher als weitgehend irreversibel. Die Studie eines Forschungsteams der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) stellt diese Annahme in Frage.

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Durch eine kurzzeitige Aktivierung von drei sogenannten Reprogrammierungsfaktoren in ausgewählten Gedächtnisneuronen erreichten sogar Mäuse mit Alzheimer wieder Leistungen auf dem Niveau junger Mäuse. Dieses Resultat gilt für die Forschenden als Machbarkeitsbeweis, wie die EPFL in einer Mitteilung zur am Dienstagabend erschienenen Studie erklärte. Die Studie zeigt, dass die Funktion einer bestimmten Gruppe von Neuronen wiederhergestellt werden kann, auch wenn der kognitive Abbau bereits begonnen hat. Eine Anwendung beim Menschen ist allerdings noch Zukunftsmusik.

Erinnerungen werden im Gehirn nicht flächendeckend gespeichert, sondern in kleinen Gruppen spezialisierter Nervenzellen, sogenannten Engrammen. Diese Zellen werden beim Lernen aktiviert und beim Erinnern erneut "angeschaltet". Im Alter oder bei neurodegenerativen Erkrankungen funktionieren diese Engrammzellen jedoch schlechter - mit Folgen für Lernfähigkeit und Gedächtnis.

Das EPFL-Team um Neurowissenschaftler Johannes Gräff setzte genau hier an: Statt das gesamte Gehirn zu beeinflussen, verjüngten sie gezielt nur jene Engrammzellen, die während des Lernens aktiv waren. Möglich wurde dies mithilfe von Gentherapie-Vektoren, die direkt in bestimmte Hirnregionen der Mäuse injiziert wurden.

Die kognitive Leistung der Mäuse überprüften die Forschenden mit standardisierten Lern- und Gedächtnisaufgaben. Dabei wird etwa gemessen, wie effizient sich Tiere in einer unbekannten Umgebung orientieren oder wie gut sie sich an zuvor Gelerntes erinnern. Alte Mäuse schnitten nach der Behandlung deutlich besser ab als unbehandelte Kontrolltiere.

Auch in Mäusen mit Alzheimer zeigten sich klare Effekte: Die Tiere lernten wieder effizientere Strategien und konnten sich langfristig an räumliche Informationen erinnern.

(S E R V I C E - Fachartikelnummer DOI: 10.1016/j.neuron.2025.11.028)

ARCHIV - 24.11.2017, ----, ---: ILLUSTRATION - Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin einer tierexperimentellen Forschungseinrichtung hat eine Maus in der Hand. In Japan haben Forscher überlebensfähige Mäuse mit zwei biologischen Vätern erzeugt. (Illustration zu dpa "Ohne Erbgut einer Mutter: Mäuse-Babys mit zwei Vätern geboren") Foto: Friso Gentsch/dpa +++ dpa-Bildfunk +++.

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