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Claude Duet: Was der neue KI-Agent von Anthropic kann und wer ihn nutzen darf

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Smartphone mit mehreren KI-Assistenten-Apps auf dem Display
Foto:©Unsplash/Solen Feyissa

Mit Claude Duet hat Anthropic einen KI-Agenten vorgestellt, der nicht auf Befehle wartet, sondern sich von selbst meldet, wenn etwas Aufmerksamkeit braucht. Er schreibt Morgenbriefings, erledigt Aufgaben im Hintergrund und fragt vor jeder Zahlung nach. Was der Agent kann, wo er an Grenzen stößt und wer ihn nutzen darf.

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Was ist Claude Duet?

Das US-Unternehmen Anthropic hat am 21. Oktober 2026 eine Forschungsvorschau von Claude Duet geöffnet. Dabei handelt es sich um eine eigene App, in der der KI-Assistent Claude als sogenannter proaktiver Agent arbeitet. Der Unterschied zum bekannten Chatbot: Die normale Claude-App wartet, bis jemand ein Gespräch beginnt. Claude Duet kommt dagegen von selbst auf seine Nutzerinnen und Nutzer zu, meldet, was ihre Aufmerksamkeit braucht, erledigt übertragene Aufgaben und arbeitet weiter, wenn das Handy längst weggelegt ist.

Zielgruppe sind laut Anthropic vor allem Berufstätige und Inhaber kleiner Unternehmen, die mehr auf dem Tisch haben, als sie überblicken können. Technische Grundlage ist das KI-Modell Claude Opus 5.5. Es soll dem Agenten das Urteilsvermögen geben, zu entscheiden, was sofort wichtig ist, was warten kann und wann er vorher nachfragen muss.

Das kann Claude Duet

Jeden Morgen schickt Claude Duet ein kurzes Briefing mit den wichtigsten Punkten aus den verbundenen Apps, etwa aus dem E-Mail-Postfach und dem Kalender. Untertags behält der Agent diese Dienste im Blick und schreibt nur dann, wenn etwas eine Entscheidung braucht. Dazu prüft er die verknüpften Konten alle paar Stunden. Ein Dauerbetrieb würde laut Anthropic das Nutzungskontingent zu schnell aufbrauchen. Wie oft und worüber der Agent informiert, lässt sich festlegen.

Dazu kommen Aufgaben, die man dem Agenten per Nachricht überträgt. Die Bandbreite reicht nach Angaben des Herstellers vom Ansetzen eines Termins bis zu aufwendigeren Projekten:

  • Antwortentwürfe auf verpasste E-Mails und Chatnachrichten

  • offene Rechnungen in Buchhaltungs- oder Zahlungsdiensten finden und Zahlungserinnerungen vorbereiten

  • die Gehaltsabrechnung vorbereiten, mit Stunden, Prämien und Spesen

  • Verträge aufsetzen und zur elektronischen Unterschrift schicken

  • Dashboards, Präsentationen, Finanz- und Verkaufsprognosen erstellen

  • Prototypen und einfache Web-Apps bauen sowie einen Onlineshop einrichten und verwalten

Claude Duet kann dafür auf mehr als 6.000 Anbindungen und Erweiterungen aus dem Claude Marketplace zugreifen, darunter Gmail, Google Kalender, Google Drive, Slack, Notion, HubSpot, Stripe, Shopify, Canva und Docusign. Fertige Ergebnisse liefert der Agent als Dokument, Tabelle oder Präsentation zur Durchsicht.

Anthropic nennt Beispiele von Testerinnen und Testern: Einer Immobilienmaklerin meldete der Agent ungefragt, dass eine Wohnungsbesichtigung am falschen Tag im Kalender stand. Einer Markenberaterin bereitete er ein Briefing für ein Kundengespräch vor und bot an, den Termin zu verschieben, weil er direkt vor ihrem Flug lag.

So arbeitet der KI-Agent

Claude Duet übernimmt das Gedächtnis, die gespeicherten Fähigkeiten (Skills) und die verbundenen Apps aus dem bestehenden Claude-Konto. Die Einrichtung soll dadurch kaum Aufwand machen. Kommuniziert wird in einem einzigen fortlaufenden Gesprächsverlauf, per Text oder per Sprache, ähnlich wie mit einem Kollegen über einen Messenger.

Die eigentliche Arbeit erledigt der Agent auf einem eigenen virtuellen Computer in der Cloud, samt eigenem Browser. Laptop oder Handy müssen dafür nicht eingeschaltet bleiben. Der Agent entscheidet selbst, welche Apps und welche Schritte eine Aufgabe braucht, und schickt eine Benachrichtigung, sobald sie erledigt ist oder eine Prüfung braucht. Was er bereits getan hat und gerade tut, lässt sich in der App nachverfolgen und steuern.

Freigaben, Passwörter und Datenschutz

Lesen, entwerfen und vorbereiten darf Claude Duet selbstständig. Bevor er aber eine Nachricht verschickt, eine Zahlung leistet, ein Dokument unterschreibt oder etwas löscht, zeigt er genau an, was er vorhat, und wartet auf eine Freigabe. Manche Dinge sind auch mit Zustimmung tabu: Der Agent handelt nicht mit Wertpapieren und überweist kein Geld zwischen Konten. Jede verbundene App lässt sich jederzeit wieder trennen.

Für Einkäufe nutzt Claude Duet die digitale Geldbörse Link des Zahlungsanbieters Stripe. Der Agent bestätigt den Artikel, Link verlangt eine eigene Freigabe der Ausgabe, bezahlt wird mit einer virtuellen Karte, sodass die echte Kartennummer nicht weitergegeben wird. Passwörter und Anmelde-Token sieht der Agent nach Angaben von Anthropic nie direkt.

Weil ein Agent, der E-Mails liest und verschickt, ständig entscheiden muss, wohin Informationen fließen, hat Anthropic zusätzlich einen eigenen Prüfmechanismus eingebaut. Er kontrolliert jede Nachricht und blockiert die Weitergabe besonders heikler Daten wie Kreditkartennummern oder Ausweisdaten. Gesundheits- oder private Finanzdaten gehen nur hinaus, wenn Nutzerinnen und Nutzer das ausdrücklich angeordnet haben. Außerdem soll sich der Agent gegen versteckte Anweisungen auf Webseiten wehren, sogenannte Prompt Injections. Nach Unternehmensangaben haben interne Testteams und eine externe Sicherheitsfirma das System gezielt auf Schwachstellen geprüft.

Was Claude Duet noch nicht kann

Anthropic bezeichnet Claude Duet ausdrücklich als frühe Version. Der Agent kann einen E-Mail-Verlauf falsch verstehen, die Dringlichkeit einer Sache falsch einschätzen oder etwas übersehen, das zwischen zwei Prüfungen eintrifft. Weil er für die Arbeit gebaut ist, sind private Erledigungen wie das Buchen von Tickets eine Schwäche. Was der Agent in seinem Browser tut, lässt sich noch nicht live mitverfolgen.

Vorerst ist Claude Duet eine eigene App, getrennt von der normalen Claude-App. Wie beide künftig zusammenspielen, will Anthropic von den Erfahrungen der ersten Nutzer abhängig machen. Angekündigt ist zudem, dass sich der Agent mit Erlaubnis auch mit im Passwortmanager 1Password gespeicherten Zugangsdaten auf Webseiten anmelden können soll.

Verfügbarkeit, Preis und Nutzungslimits

Claude Duet gibt es als eigenständige App für iOS und Android, am Computer läuft er im Browser über claude.ai. Zugang bekommen zunächst nur Abonnentinnen und Abonnenten der Tarife Pro und Max in den USA, und zwar über eine Warteliste. Team- und Enterprise-Tarife für Unternehmen sind nicht dabei. Einen Termin für Österreich und den Rest Europas hat Anthropic nicht genannt.

Ein eigenes Abo braucht es nicht, die Funktion ist in Pro und Max enthalten. Pro kostet laut Anthropic 20 US-Dollar im Monat, bei jährlicher Zahlung 17 US-Dollar pro Monat, Max ab 100 US-Dollar im Monat, jeweils ohne Steuern. Allerdings teilt sich Claude Duet die Nutzungslimits mit dem restlichen Claude-Abo. Die Hintergrundprüfungen zählen mit, und größere Aufgaben wie ein Finanzmodell oder eine Präsentation verbrauchen deutlich mehr Kontingent als ein normales Gespräch.

Mit Claude Duet steigt Anthropic in einen Markt ein, in dem auch Meta und OpenAI persönliche KI-Agenten anbieten. Entscheidend für den Erfolg dürfte weniger die Technik sein als die Frage, wie sehr Nutzerinnen und Nutzer bereit sind, einem Programm Zugriff auf Postfach, Kalender und Buchhaltung zu geben.

Monatsabo ab € 21,75
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