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Älter als 15.000 Jahre: Auf den DNA-Spuren der ersten Hunde in Europa

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Mensch und Hund schon lange verbunden
©APA, dpa, Thomas Warnack
Der Frage, wann aus dem Wolf der "beste Freund des Menschen" - der Hund - wurde, widmeten sich zwei im Fachjournal "Nature" veröffentlichte internationale Studien mit Beteiligung der Universität Wien. Der früheste direkte genetische Nachweis eines Hundes entstammt demnach einem rund 15.800 Jahre alten Fund aus der Türkei. Zudem seien die Vierbeiner in Europa schon vor 14.000 Jahren, und damit noch in Jäger-Sammler-Gemeinschaften, verbreitet gewesen.

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Einen genauen Zeitrahmen für die Domestizierung festzustellen, sei herausfordernd, u. a. weil es schwierig ist, die Überreste von Hunden und Wölfen zu unterscheiden, schreiben die Forschenden rund um William Marsh vom Natural History Museum in London und Lachie Scarsbrook von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München in ihrer Studie. Archäologische Hinweise gebe es zwar mitunter schon von vor rund 15.000 Jahren, der älteste eindeutige genetische Beweis stammte aber bisher aus mittelsteinzeitlichen Funden aus dem Nordwesten Russlands (rund 10.900 Jahre alt).

Insgesamt waren an dem Forschungsunterfangen 17 Institutionen beteiligt, darunter mit Tom Higham und Maddalena Gianni das Department für Evolutionäre Anthropologie der Universität Wien. "Wir haben die chronologischen Informationen mittels Radiokarbondatierung bereitgestellt", erklärte Higham gegenüber der APA.

Auf Ausgrabungen wie Gough's Cave im Vereinigten Königreich oder Pınarbaşı in der Türkei haben die Forschenden vollständige Genome entnommen. Diese wurden mit den Genomen von insgesamt über 1.000 anderen Wölfen und Hunden, bzw. deren sterblichen Überresten, verglichen. Das Ergebnis der Analysen: Sowohl in der Türkei als auch im Vereinigten Königreich handelte es sich bei den Funden eindeutig um Hunde - wobei Ersterer mit rund 15.800 Jahren der älteste direkt genetisch nachgewiesene Hund ist.

An den Fundorten gebe es Hinweise darauf, dass die Hunde absichtlich zusammen mit Menschen begraben wurden. Laut Isotopenanalysen seien die Tiere zudem etwa in der Türkei wahrscheinlich vom Menschen mit Fisch gefüttert worden - beides deute darauf hin, dass die Vierbeiner in unterschiedlichen Kulturen von Jäger-Sammlern von kultureller Wichtigkeit waren.

Es handle sich um einen "entscheidenden Durchbruch" bei dem Verständnis der frühesten Hunde, wird der Co-Erstautor William Marsh in einer Presseaussendung des Natural History Museums zitiert. "Anhand dieser Exemplare konnten wir weitere alte Hunde aus Fundstätten in Deutschland, Italien und der Schweiz identifizieren, was eindeutig belegt, dass diese bereits vor mindestens 14.000 Jahren in ganz Europa und der Türkei weit verbreitet waren", so Marsh weiter.

Die zweite Studie einer Forschungsgruppe um Anders Bergström vom Francis Crick Institute in London und der University of East Anglia in Norwich (beide: UK) untersuchte auch Genome - und zwar von 216 Funden von Caniden (also Hunden und ihre nächsten Verwandten), die zwischen rund 14.000 und 1.000 Jahre alt waren. Zentral waren dabei die 14.200 Jahre alten Überreste eines Hundes aus der Höhle Kesslerloch in der Schweiz.

Weil Hunde die einzigen Tiere seien, die schon vor dem Beginn der Landwirtschaft domestiziert wurden, gebe es viele offene Fragen dazu, inwiefern sich der Übergang von Jäger-Sammler-Lebensweise zu einer sesshaften, landwirtschaftlich geprägten Existenz auf die Tiere auswirkte, heißt es in der Publikation. Dabei spiele vor allem die sogenannte neolithische Transition eine Rolle: Denn diese umfasste neben diesem Übergang große Migrationen von Menschen und domestizierten Tieren aus Südwestasien nach Europa.

Die Ergebnisse zeigen, dass es bei den Vierbeinern zwar eine Zunahme von Erbgutspuren aus Südwestasien gebe, insgesamt fiel diese aber geringer aus als beim Menschen. "Dies deutet darauf hin, dass Hunde aus lokalen Jäger- und Sammlergruppen einen wesentlichen Beitrag zu den Hundepopulationen leisteten, die bei neolithischen Bauerngemeinschaften in Europa lebten", schreiben die Forschenden in "Nature".

"Die beiden Studien stimmen in allen wesentlichen Punkten überein, allerdings basierten sie auf unterschiedlichen Proben", so Higham. "Anhand von beiden wissen wir nun, dass es im Paläolithikum im Vereinigten Königreich, in der Schweiz und in der Türkei Hunde gab. Und da die DNA aller dieser Hunde ähnlich ist, wissen wir auch, dass es genauso alte Hunde in Deutschland und Italien gab."

(S E R V I C E - Link zu den Studien: https://doi.org/10.1038/s41586-026-10170-x ; https://doi.org/10.1038/s41586-026-10112-7 )

04.01.2026, Baden-Württemberg, Uttenweiler: Ein Mann und eine Frau schauen sich zusammen mit ihren Hunden den Sonnenaufgang an. Foto: Thomas Warnack/dpa +++ dpa-Bildfunk +++.

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