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Zwei Tote bei russischem Drohnenangriff in Charkiw

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Russischer Angriff in Charkiw diese Woche
©AFP, APA, SERGEY BOBOK
Bei einem russischen Drohnenangriff in Charkiw in der Ostukraine sind in der Nacht auf Freitag zwei Menschen in einem Haus getötet worden. Nach Rettungsdienst-Angaben wurde das Haus in dem Dorf Pidserednie vollständig zerstört. Zuvor meldete Kiew russische Angriffe auf Hafenanlagen in Odessa. Indes trat unter Vermittlung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA eine lokale Feuerpause für die Umgebung des von Russland kontrollierten Kernkraftwerks Saporischschja in Kraft.

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Bei dem Drohnenangriff in Pidserednie in der Region Charkiw wurde eine weitere Person verletzt. Die russische Armee bemüht sich um eine Rückeroberung der nahe gelegenen Stadt Kupjansk, die sie 2022 eingenommen hatte, die aber später von der ukrainischen Armee zurückerobert worden war.

Zuvor hatte die ukrainische Regierung russische Angriffe auf Hafenanlagen in der südlichen Region Odessa gemeldet. Daraufhin seien Brände ausgebrochen. Lagerhäuser, Lebensmittelcontainer und Geräte seien beschädigt worden, sagte Vize-Ministerpräsident Olexij Kuleba. Der ukrainische Seekorridor sei trotz der Angriffe weiterhin betriebsbereit. Über die Strecke im Schwarzen Meer wird trotz des Kriegs wichtige Fracht transportiert, darunter viel Getreide.

Nach Angaben aus Bukarest schoss die Ukraine eine Drohne in unmittelbarer Nähe zur rumänischen Grenze ab. Der Flugkörper sei während eines russischen Angriffs auf ukrainische Hafen-Infrastruktur nur 100 Meter vom rumänischen Dorf Chilia Veche entfernt niedergegangen, teilt das Verteidigungsministerium mit. Rumänien habe Kampfjets aufsteigen lassen, um die Lage zu beobachten. Das NATO-Mitglied meldete bereits mehrfach Verletzungen seines Luftraums durch russische Drohnen.

Nach ukrainischen Raketenangriffen in der Nacht waren rund 50.000 Menschen in der russischen Stadt Belgorod ohne Strom. Es gebe schwere Schäden an der Energieinfrastruktur, was auch die Wasser- und Wärmeversorgung beeinträchtige, teilt Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow auf Telegram mit. Etwa die Hälfte der Betroffenen soll bis zum Tagesende wieder am Netz sein. Eine Stellungnahme der Ukraine liegt zunächst nicht vor.

Unter Vermittlung der IAEA ist am Freitag eine lokale Feuerpause am ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja in Kraft getreten. Ziel sei die Wiederherstellung der 330-Kilovolt-Reserveleitung, teilte die UNO-Behörde mit. Derzeit liefen Entminungsarbeiten, um den Reparaturteams einen sicheren Zugang zu ermöglichen. Zuvor hatte bereits die russische Kraftwerksleitung die Feuerpause gemeldet und erklärt, die Reparatur werde mindestens eine Woche dauern. Die Strahlungswerte seien normal.

Das größte Atomkraftwerk Europas steht seit kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 unter russischer Kontrolle. Es produziert derzeit keinen Strom, ist aber auf externe Energie angewiesen, um das nukleare Material zu kühlen und einen Unfall zu verhindern. Moskau und Kiew werfen sich regelmäßig gegenseitig vor, die Sicherheit der Anlage durch Angriffe in der Nähe zu gefährden. Die Frage der künftigen Kontrolle über das Kraftwerk gilt als einer der Streitpunkte bei den schleppenden, von den USA vermittelten Friedensgesprächen, die im kommenden Monat fortgesetzt werden sollen.

Angesichts ausgehender Patriot-Munition erwägt die Ukraine nach Angaben von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow die Bildung von Konsortien mit Verbündeten zum Bau eigener Flugabwehrsysteme. Ziel sei die Herstellung von Waffen, die ballistische Raketen abfangen könnten. Die Bestände an PAC-3-Raketen für das US-Flugabwehrsystem Patriot seien inzwischen "kritisch" niedrig. Fedorow machte die Äußerungen in dieser Woche vor Journalisten. Ob bereits entsprechende Gespräche mit Verbündeten stattgefunden haben, ist zunächst nicht klar.

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