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Zugleich mahnte Selenskyj die Verbündeten, den Druck auf Moskau nicht zu verringern. Zuvor schrieb er auf der Plattform X, die Vorbereitungen für ein neues trilaterales Treffen - mit den USA - in dieser Woche liefen bereits.
Mit Blick auf die nächste Runde der Ukraine-Gespräche forderte Selenskyj "echte Ergebnisse". Moskau dürfe die Verhandlungen nicht als Verzögerungstaktik missbrauchen, um neue Sanktionen des Westens zu verhindern, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Ansprache.
Angesichts der massiven Schäden an der Energieinfrastruktur durch die russischen Angriffe forderte Selenskyj die Flugabwehr zu einem besseren Schutz der Anlagen auf. "Die Führung der Luftstreitkräfte muss beim Schutz deutlich schneller reagieren", sagte Selenskyj. Er habe dies bei einem Treffen mit dem Verteidigungsminister und den Kommandeur der Luftstreitkräfte erklärt. Im ganzen Land gibt es massive Strom- und Heizungsausfälle.
Die Lage sei nicht nur in der Hauptstadt Kiew schwierig, sondern unter anderem auch in den Regionen Charkiw, Saporischschja, Dnipropetrowsk, Tschernihiw und Sumy. "Klar, in Kiew gibt es jetzt die meisten Herausforderungen", sagte Selenskyj. "Ein Großteil der Häuser hat keine Heizung, darunter auch solche, die schon seit langer Zeit ohne Heizung sind."
Die bisherigen Ergebnisse seien nicht ausreichend, kritisierte der Präsident. "Ich erwarte von den Kiewer Behörden, dass sie ihre Arbeit verstärken - viele Städte und Gemeinden sind bereit zu helfen", sagte er. "Ich habe die Regierung beauftragt, zusätzliche Ressourcen bereitzustellen." Es brauche auch mehr Wärmestellen.
Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte am Montag, die Verhandlungen am Wochenende in Abu Dhabi hätten in einem "konstruktiven Geist" stattgefunden. Zugleich sagte er, "es wäre ein Fehler, von diesen ersten Kontakten bedeutende Ergebnisse zu erwarten". "Es liegt noch viel Arbeit vor uns", fügte Peskow hinzu.
"Ich würde nicht sagen, dass dort irgendeine Art Freundlichkeit herrschte", sagte der Kremlsprecher weiter. Dies sei in dieser Phase "kaum möglich". "Aber wenn man durch Verhandlungen etwas erreichen will, muss man konstruktiv miteinander sprechen", fügte er hinzu. Auch Selenskyj hatte die Gespräche in Abu Dhabi als "konstruktiv" bezeichnet.
Deutschlands Außenminister Johann Wadephul prangerte unterdessen eine fehlende Kompromissbereitschaft Russlands an. Nach den Verhandlungen am Wochenende habe er hauptsächlich "ein stures Beharren Russlands in der entscheidenden territorialen Frage" vernommen, sagte Wadephul am Montag bei einem Besuch in der lettischen Hauptstadt Riga. Wenn von Seiten Russlands "keine Beweglichkeit vorhanden ist, habe ich die Befürchtung, dass die Verhandlungen noch lange dauern können", fügte er hinzu. "Deswegen müssen wir in Europa uns jetzt darauf einstellen, dass wir weiter gefordert sind, die Ukraine zu unterstützen."
Russland hält rund 20 Prozent der Ukraine besetzt und dringt seit Langem darauf, die vollständige Kontrolle über die gesamte Donbass-Region in der Ostukraine zu übernehmen - obwohl die russische Armee nur einen Teil des Donbass kontrolliert. Kiew lehnt diese Forderung entschieden ab.
Deutschlands Verteidigungsminitser Boris Pistorius kritisierte unterdessen die anhaltenden russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine als "besonders zynisch". Während bei den Verhandlungen in Abu Dhabi über eine mögliche Waffenruhe gesprochen werde, bombardiere Russland "mit unerbittlicher Härte und Brutalität in einem bitterkalten Winter" die zivile Energieinfrastruktur, um "völkerrechtswidrigen Terror gegen die ukrainische Bevölkerung auszuüben", sagte Pistorius am Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem litauischen Verteidigungsminister Robertas Kaunas in Berlin.
Mit Blick auf die Forderungen aus Kiew nach zusätzlicher Munition für die Luftverteidigung erklärte Pistorius, Deutschland habe etwa bei der Bereitstellung von Patriot-Systemen bereits "überproportional viel" getan und "mehr als ein Drittel" seiner eigenen Kapazitäten abgegeben. Weitere Lieferungen seien derzeit nicht möglich, da die Bundeswehr selbst auf Ersatz warte und ihre Ausbildungs- sowie Wartungsfähigkeit aufrechterhalten müsse.
Bei den Iris-T-Systemen sei Deutschland nach wie vor das einzige Land, das liefern könne - und tue dies "gewissermaßen kontinuierlich". Angesichts der "massiv zugenommenen" russischen Angriffe reichten die bisherigen Lieferungen dennoch nicht aus, sagte Pistorius. Mit Blick auf die westlichen Verbündeten der Ukraine sagte er, es sei "Aufgabe von uns allen, gemeinsam weiter in die Stocks zu gucken, insbesondere derjenigen, die noch Kapazitäten haben könnten".
NATO-Generalsekretär Mark Rutte appellierte unterdessen an das Europaparlament, in den Verhandlungen über das neue riesige EU-Darlehen für die Ukraine keine allzu strengen Auflagen für die Verwendung der Mittel zu verlangen. Er rate nachdrücklich dazu, der Ukraine einen flexiblen Umgang mit dem Geld zu ermöglichen, sagte Rutte bei einem Austausch mit Mitgliedern der Ausschüsse für Außen- und Verteidigungspolitik in Brüssel.
Dies werde nicht möglich sein, wenn man auf eine restriktive "Buy-European"-Klausel poche. Eine solche würde den Kauf von Rüstungsgütern in Europa verlangen und Geschäfte mit Rüstungsunternehmen etwa aus den USA erschweren.
Dass Europa derzeit seine Verteidigungsindustrie stärke, sei entscheidend, erklärte Rutte. Derzeit könne diese aber bei weitem nicht genug von dem liefern, was die Ukraine brauche, um sich heute verteidigen und morgen abschrecken zu können. "Wenn Sie dieses Darlehen nun voranbringen, möchte ich Sie daher dringend ermutigen, die Bedürfnisse der Ukraine an erste Stelle zu stellen", sagte er zu den Abgeordneten.
Besonders wichtig ist die Flexibilität nach Angaben von Rutte im Bereich der Luftverteidigung. Ohne bestimmte US-Systeme könne sich die Ukraine nicht im Kampf halten, erklärte er und nannte unter anderem das Raketenabfangsystem Patriot als Beispiel.
Die neuen EU-Darlehenspläne für die Ukraine sehen vor, dem Land bis Ende 2027 weitere 90 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. 60 Milliarden Euro davon sind für die militärische Unterstützung vorgesehen.
Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, dass mit dem Geld für die Streitkräfte militärische Ausrüstung vor allem in der Ukraine und in den EU-Staaten gekauft werden soll. Die Beschaffung in nicht-europäischen Ländern wäre aber erlaubt, wenn es benötigte Produkte dort nicht gibt. Theoretisch könnte diese Regelung in Verhandlungen zwischen den Mitgliedstaaten und dem Parlament aber noch einmal verschärft werden. Vor allem Frankreich setzt sich dafür ein.
Brisant ist das Thema auch, weil Deutschland und andere NATO-Staaten eigentlich auch in diesem Jahr für mindestens eine Milliarde US-Dollar (0,84 Mrd. Euro) pro Monat amerikanische Waffen und Munition für die Ukraine kaufen sollen. Dazu hatten sich die Länder im vergangenen Sommer bereit erklärt, um Forderungen von US-Präsident Donald Trump nachzukommen.






