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Der ÖVP-Politiker, der von Oktober 1977 bis März 1995 an der Regierungsspitze des Bundeslandes stand, ist am 23. Dezember im 97. Lebensjahr verstorben. Er galt als volksnah - seine dienstäglichen frühmorgendlich beginnenden Sprechtage für jedermann waren legendär - und als jemand, der das Verbindende vor das Trennende stellte.
In die Amtszeit des überzeugten Europäers fielen große politische Ereignisse wie der Fall des Eisernen Vorhangs und der EU-Beitritt Österreichs. Zu den bewegendsten Momenten zählte er selbst, als er am 11. Dezember 1989 gemeinsam mit dem südböhmischen Kreisvorsitzenden Miroslav Šenkyř am Grenzübergang Wullowitz den "Eisernen Vorhang" durchschnitt. Ein kleines Stück davon bewahrte er zeitlebens auf. Auch nach seinem Abschied aus der Landesregierung blieb er politisch aktiv. So war er etwa bis 2017 Obmann des Oberösterreichischen Seniorenbundes - damals war er 88 Jahre alt.
Bereits am Freitag war der Sarg in der Minoritenkirche des Landhauses aufgebahrt und die Oberösterreicher konnten Abschied nehmen. Am Samstag folgte dann der offizielle Teil der Trauerfeierlichkeiten. Zu deren Beginn würdigte Landtagspräsident Max Hiegelsberger (ÖVP) Ratzenböck als Landesvater, Gestalter und als "zutiefst sozialen Menschen", dem es wichtig gewesen sei, nahe bei den Menschen zu sein, und dem es um das Aufeinanderzugehen gegangen sei. "Ratzenböck hat eine Zeit geprägt, in der es für Oberösterreich an der Zeit war, sich zu öffnen", so Hiegelsberger.
Der amtierende Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) nannte Ratzenböck "eine der prägendsten Persönlichkeiten unserer Zeitgeschichte". Teil seines Fundaments sei gewesen, dass er den Zweiten Weltkrieg miterleben musste und in einer zerrissenen Welt aufgewachsen sei. Die Zeitenwende nach dem Fall des Eisernen Vorhangs habe Ratzenböck "nicht nur miterlebt, er hat sie mitgestaltet". Ratzenböcks Zitat "Streit zehrt, Frieden nährt" sei "heute aktueller denn je zuvor".
Ein Erfolgsgeheimnis seines Vor-Vorgängers sei wohl gewesen, immer authentisch und er selbst gewesen zu sein. "Es gab keine publikumsbezogenen Rollenspielereien, es gab keine Marketingverrenkungen", so Stelzer. Als Meilenstein seines politischen Handelns nannte er u.a. die Einführung des Pflegegeldes, aber auch den Aufbau des Industriestandorts und die Gründung des Musikschulwerks.
Im Anschluss an die Trauersitzung folgte ein Requiem im Linzer Mariendom. Diözesanbischof Manfred Scheuer zitierte in seiner Predigt Hannah Arendt, wonach Politik "angewandte Liebe zur Welt" sei. "Ich glaube, dass im Leben und im Wirken von Josef Ratzenböck diese politische Dimension von Liebe durchscheint." Ratzenböck habe "Verantwortung übernommen und er hat die Leute gemocht", habe Anteilnahme und "Empathie im Fühlen, Denken und Handeln" an den Tag gelegt.
Die Beisetzung erfolgt dann im Familienkreis. Ratzenböck hinterlässt seine Frau Anneliese, mit der er seit 1954 verheiratet war und zwei Kinder hat.






