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Der Vorfall markiert eine deutliche Eskalation im Konflikt der beiden Nachbarstaaten. Die Regierung in Islamabad wirft Afghanistan vor, militanten Gruppen Unterschlupf zu gewähren, die Angriffe in Pakistan verüben. Die Taliban weisen dies zurück und bezeichnen den Kampf gegen Extremisten als innerpakistanisches Problem.
Pakistan bezeichnete die Angaben aus Kabul als falsch und irreführend. Die Streitkräfte hätten in der Nacht zum Dienstag "präzise militärische Einrichtungen und Infrastruktur zur Unterstützung von Terroristen" ins Visier genommen, hieß es aus Islamabad. "Die sichtbaren Sekundärexplosionen nach den Einschlägen deuten eindeutig auf große Munitionsdepots an Ort und Stelle hin", schrieb Informationsminister Attaullah Tarar auf der Online-Plattform X. Ein Sprecher der pakistanischen Regierung kündigte an, die "Anti-Terror-Einsätze" würden fortgesetzt, bis die "Extremisten und ihre Infrastruktur" beseitigt seien.
Vor Ort bot sich ein Bild der Zerstörung. Als Reuters-Reporter das Gelände am Dienstag besuchten, zeugten geschwärzte Wände eines einstöckigen Gebäudes von den Feuern, die dort Stunden zuvor gewütet hatten. Von anderen Häusern blieben nur Schutthaufen aus Ziegeln, Metall und Holz zurück. Zwischen den Trümmern lagen persönliche Gegenstände der Patienten verstreut, darunter Kissen, Schuhe und Kleidungsstücke. Rettungskräfte suchten nach weiteren Opfern.
Augenzeugen berichteten von drei Explosionen, die sich ereigneten, als die Menschen im Krankenhaus gerade ihr Abendgebet beendeten. "Der ganze Ort fing Feuer. Es war wie der Weltuntergang", sagte ein 50-jähriger Überlebender namens Ahmad, der in der Einrichtung behandelt wurde. "Meine Freunde verbrannten im Feuer, und wir konnten nicht alle retten." Nach Angaben des Taliban-Sprechers Hamdullah Fitrat handelte es sich um das staatliche Omid-Krankenhaus, ein 2016 gegründetes Rehabilitationszentrum mit 2000 Betten, in dem Patienten lokalen Medienberichten zufolge auch berufliche Fortbildungen erhielten.
Der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Afghanistan, Richard Bennett, zeigte sich bestürzt über die Berichte. Er forderte beide Seiten zur Deeskalation und zur Einhaltung des Völkerrechts auf. Der Angriff erfolgte nur wenige Stunden, nachdem China seine Bereitschaft erklärt hatte, im Konflikt zwischen den beiden Staaten zu vermitteln. Die Regierung in Peking mahnte beide Seiten, eine Ausweitung des Krieges zu vermeiden und an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
Die Beziehungen zwischen den muslimischen Nachbarn, die eine 2600 Kilometer lange Grenze teilen, haben sich zuletzt drastisch verschlechtert. Die jüngste Gewalteskalation ereignet sich nur wenige Tage vor dem Fest des Fastenbrechens (Eid al-Fitr), das das Ende des heiligen Monats Ramadan markiert.
Erst vor wenigen Tagen hatte Pakistan Ziele in Afghanistan angegriffen. Bei Luftschlägen in Kabul gab es laut der UN-Hilfsmission in Afghanistan (UNAMA) Tote und Verletzte. Bis einschließlich vergangenen Freitag seien in dem Konflikt seit Ende Februar in Afghanistan mindestens 75 Zivilisten getötet und 193 verletzt worden, teilte UNAMA damals mit.
Afghanistan wiederum hatte zuletzt auch Ziele in Pakistan angegriffen, etwa in der Hauptstadt Islamabad.
Der Sprecher der Taliban-Regierung, Sabiullah Mujahid, sagte dem Sender Tolonews nach den jüngsten Angriffen auf Kabul, nun sei nicht die Zeit für Diplomatie. Afghanistan werde zurückschlagen, sagte er.






