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Gebäude des iranischen Expertenrats bei Angriff getroffen

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Zerstörungen in iranischer Hauptstadt Teheran
©AFP, APA, ATTA KENARE
Bei neuen US-israelischen Luftangriffen ist nach Angaben iranischer Medien das Gebäude des Gremiums getroffen worden, das einen Nachfolger des getöteten obersten Führers Ayatollah Ali Khamenei wählen soll. Die "amerikanisch-zionistischen Verbrecher" hätten das Gebäude des Expertenrats in der südlich von Teheran gelegenen Stadt Ghom angegriffen, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim am Dienstag. Örtliche Medien zeigten Aufnahmen des schwer beschädigten Gebäudes.

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Israels Armee startete nach eigenen Angaben zudem eine großangelegte Angriffsserie in Teheran. Ziel der Luftangriffe sei Infrastruktur der Führung, teilte die Armee mit. Einwohner der Stadt berichteten von schweren Explosionen. In der Nacht auf Dienstag hatten Kampfflugzeuge auch das Präsidentenbüro attackiert.

Die USA und Israel hatten Samstagfrüh massive Luftangriffe auf den Iran begonnen. Dabei wurde unter anderem Irans oberster Führer Khamenei getötet. Als Reaktion greift der Iran seit Samstag Israel sowie US-Einrichtungen in der Golfregion an. Nach Khameneis Tod soll der Expertenrat rasch einen Nachfolger bestimmen. Das Gremium besteht aus 88 Juristen, die alle acht Jahre von den iranischen Bürgern gewählt werden. Der Expertenrat bestimmt den obersten Führer des Landes auf Lebenszeit.

Unterdessen begann die israelische Luftwaffe nach Armeeangaben eine "groß angelegte" Angriffswelle auf Teheran. "Das Militär hat eine neunte Angriffswelle in Teheran gestartet", erklärte die Armee am Dienstag, dem vierten Tag des Iran-Krieges. "Die Luftwaffe hat nun eine groß angelegte Angriffswelle gestartet, die auf die Infrastruktur des iranischen Terrorregimes in Teheran abzielt."

Laut iranischen Medienberichten griffen Israel und die USA auch einen der beiden Hauptstadtflughäfen in Teheran an. Die Umgebung des Flughafens Mehrabad im Westen der Stadt sei angegriffen worden, schrieb die Nachrichtenagentur Mehr am Dienstag und veröffentlichte Bilder einer grauen Rauchwolke, die offenbar hinter einer Landebahn aufstieg. Zuvor hatten zahlreiche Explosionen Teheran erschüttert.

Bewohner der Metropole, in der rund 15 Millionen Menschen leben, berichteten am Dienstag von einer schlaflosen Nacht. "Die Fenster haben gezittert und das Geräusch von Kampfjets war am Himmel zu hören", sagte ein 34 Jahre alter Journalist. Es seien die bisher schwersten Bombardierungen gewesen. "Aber ich habe das Gefühl, dass noch schwierigere solcher Nächte kommen und ich mich irgendwie darauf vorbereiten muss."

US-Präsident Donald Trump schloss Gespräche mit der iranischen Führung vorerst aus. "Ihre Luftabwehr, Luftwaffe, Marine und Führung sind weg", schrieb Trump am Dienstag auf seiner Onlineplattform Truth Social. "Sie wollen reden. Ich habe gesagt: Zu spät!" Zuvor hatten die iranischen Revolutionsgarden massive Vergeltungsschläge gegen die USA und Israel angekündigt. Ins Visier nahm Teheran auch Europa, welches vor einem Kriegseintritt gewarnt wurde.

Nach Angaben des Roten Halbmonds gibt es mittlerweile mindestens 787 Tote im Iran. Die Hilfsorganisation berichtete auf Telegram von Attacken in 153 Städten. Die in Norwegen ansässige Menschenrechtsorganisation Hengaw sprach am Montag sogar von mehr als 1.500 Todesopfern im Iran. Rund 1.300 der Toten seien Mitglieder der Streitkräfte, etwa 200 Zivilisten. Die Aktivisten stützen sich bei ihrer Arbeit auf ein Netzwerk von Kontakten im Land.

Die Hilfsorganisation Roter Halbmond sprach von Angriffen in mehr als 150 Städten im Iran. Tausende Mitarbeiter von Rettungsdiensten seien landesweit im Einsatz. Das UNO-Menschenrechtsbüro ging am Dienstag auf Berichte über einen Angriff auf eine Mädchenschule am Samstag mit fast 200 Toten ein und verlangte eine umfassende Untersuchung. Nach Angaben einer Sprecherin könnte es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Israelische Vertreter hatten gesagt, ihnen seien keine Angriffe zu dem Zeitpunkt in der besagten Region bekannt. Sie wollten die Berichte ebenso wie die Amerikaner prüfen. Am Dienstag kamen Menschenmassen zu Trauerfeiern in der betroffenen Stadt zusammen.

Inmitten der israelisch-amerikanischen Angriffe bestätigte die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEA) neue Schäden an Eingangsgebäuden der unterirdischen Urananreicherungsanlage in Natanz. Die Organisation geht nicht davon aus, dass Radioaktivität freigesetzt und die Anlage weiter beschädigt worden ist, wie sie mitteilte. Israel und die Vereinigten Staaten hatten bereits im vergangenen Sommer Einrichtungen des iranischen Atomprogramms bombardiert.

Bei neuen iranischen Raketenangriffen auf Israel wurden mehrere Menschen im Zentrum des Landes verletzt. Der israelische TV-Sender N12 berichtete von Einschlägen von Raketen- und Trümmerteilen rund um die Küstenmetropole Tel Aviv. Zuvor hatte es in weiten Teilen des Landes Luftalarm gegeben und Sirenen hatten geheult. Zahlreiche Einwohner harrten in Schutzräumen aus.

Der Iran setzte auch seine Angriffe in der Golfregion fort. Die katarische Regierung sieht mittlerweile "rote Linien" überschritten. Nicht nur attackiere der Iran militärische Ziele, sondern nehme auch lebenswichtige Infrastruktur ins Visier. Auch aus anderen Ländern wurden Angriffe gemeldet.

An Iranian flag is placed amids rubble and debris next to a destroyed residential building near Ferdowsi square in Tehran on March 3, 2026. The United States and Israel started striking Iran on February 28, killing Iran's supreme leader and top military leaders, and prompting authorities to retaliate with strikes on Israel and across the Gulf. (Photo by ATTA KENARE / AFP)

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