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Starmer warnte zudem vor den Folgen der parteiinternen Revolte: Die vergangenen 48 Stunden hätten die Regierung destabilisiert und reale wirtschaftliche Kosten für Großbritannien verursacht. Vor der Kabinettssitzung hatte der Regierungschef noch mit Parteikollegen über seine politische Zukunft beraten. Mehrere Regierungsmitarbeiter waren zurückgetreten, und knapp 80 Abgeordnete seiner Labour Party hatten öffentlich auf Starmers Rücktritt gedrungen.
Nach hat der vorentscheidenden Kabinettssitzung erhielt Starmer den Rückhalt seiner Ministerinnen und Minister. Niemand am Tisch habe den Premierminister herausgefordert, meinte Arbeitsminister Pat McFadden zu Mittag auf Sky News. Zugleich trat ein erstes Mitglied der britischen Regierung im Rang einer Staatssekretärin zurück. Staatssekretärin Miatta Fahnbulleh forderte Starmer in ihrer im Onlinedienst X veröffentlichten Rücktrittserklärung zugleich ebenfalls zum Rückzug auf: Der Regierungschef solle "das Richtige für das Land und die Partei tun und einen Zeitplan für einen geordneten Übergang" an der Regierungsspitze nennen.
Hintergrund ist eine der schwersten Niederlagen für die Mitte-Links-Partei bei Kommunal- und Regionalwahlen in der vergangenen Woche. Britischen Medienberichten zufolge hatten schon vor Fahnbulleh sogar mehrere Kabinettsmitglieder, darunter Innenministerin Shabana Mahmood und Außenministerin Yvette Cooper, Starmer dazu gedrängt, ein Datum für seinen Rückzug zu nennen.
Labour steckt seit Monaten in dem Dilemma, dass es im Parlament ohnehin niemanden gäbe, der als logische Nachfolgerin oder Nachfolger infrage kommen würde. Genannt wird immer wieder der Name von Gesundheitsminister Wes Streeting. Der hat aber enge Verbindungen zum ehemaligen britischen Botschafter in den USA, Peter Mandelson, der im Skandal um den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hatte gehen müssen.
Als Premierminister kann Starmer nicht abgewählt werden, wohl aber als Parteichef - was auch einem Ende als Regierungschef gleichkäme. Wer Starmer herausfordern wollte, bräuchte dafür die offizielle Unterstützung von mindestens 20 Prozent der Labour-Abgeordneten im Unterhaus - aktuell sind das 81 Parlamentarier. Zwar hatten 70 der gut 400 Abgeordneten, darunter viele Hinterbänkler, dem Regierungschef im Laufe des Montags ihre Unterstützung entzogen - das heißt aber nicht, dass sie sich hinter einer herausfordernden Kraft vereinen würden.
"Die Menschen machen sich Sorgen wegen der aktuellen Konflikte und drohender globaler Krisen", schrieb Verteidigungsminister John Healey auf der Plattform X. "Sie erwarten von ihrer Regierung, das Land sicher durch diese Zeit zu führen - so wie es der Premierminister derzeit tut." Mehr Instabilität liege nicht im Interesse Großbritanniens. Seinen Verteidigungsminister soll Starmer Berichten zufolge schon in der Nacht zu einer Krisensitzung empfangen haben.
Bereits am Montag hatte der Premier während einer Rede erklärt, im Amt bleiben zu wollen. "Ich weiß, dass ich meine Zweifler habe, und ich weiß, dass ich ihnen das Gegenteil beweisen muss - und das werde ich", sagte Starmer. Wirklich überzeugend waren die Sätze nicht. Am Montagmorgen schrieb die Nachrichtenagentur PA: "Keir Starmer steht vor der größten Führungskrise seiner Amtszeit als Premierminister."
Die Boulevardzeitung "The Sun" meinte: "Starmer steht am Abgrund. Keirs Amtszeit als Premierminister befindet sich im freien Fall." In abgeschwächter Form gingen auch weitere Medien in den Tag. "Zeit zu gehen, sagt das Kabinett", schrieb "The Telegraph". Die Zeitung "The Guardian" befand: "Starmer steht mit dem Rücken zur Wand."
Labour hatte am Donnerstag bei den Kommunalwahlen in England über 1.400 Mandate in kommunalen Gremien verloren. Bei der Parlamentswahl in Wales, der jahrzehntelangen Labour-Hochburg, rutschte die Partei hinter die Unabhängigkeitspartei Plaid Cymru und Reform UK auf Platz drei. Erste Rücktrittsforderungen über das Wochenende hatte Starmer überstanden. Auch die erste Ankündigung, den Premier in eine Führungswahl zu zwingen, wurde zurückgezogen.
Die Briten sind es bereits gewohnt, dass sich die Regierungschefs in der Downing Street die Klinke in die Hand geben. Nach den beiden konservativen Politikern der Tories, Liz Truss (50) im Oktober 2022 und Boris Johnson (61) im September 2022, wäre Starmer (63) der dritte britische Premier innerhalb von fünf Jahren, der vorzeitig seinen Posten räumt beziehungsweise räumen muss. Seine Partei würde dennoch zunächst in der Regierung bleiben, eine Nachfolgerin oder ein Nachfolger würde von einem parteiinternen Gremium bestimmt werden.
Starmer hatte am Montag eine Drohkulisse für den Fall aufgebaut, dass nicht mehr Labour am Ruder wäre. Wenn seine Partei es nicht hinbekomme, werde das Land "einen sehr dunklen" Weg einschlagen, sagte er - und warnte insbesondere vor den Rechtspopulisten von Reform UK mit Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage, die bei den Wahlen am Donnerstag triumphiert hatten. Am Samstag soll in London eine große Rechtsdemonstration stattfinden.
(FILES) Britain's Prime Minister Keir Starmer reacts as he prepares to leave the Elysee Presidential Palace in Paris on April 17, 2026. British Prime Minister Keir Starmer promised on May 9, 2026, he would "listen to voters" after his Labour party received a historic drubbing in local and regional elections. (Photo by Tom Nicholson / POOL / AFP)






