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Man könne bereits jetzt nur mehr eingeschränkte Beratungsleistungen anbieten, ab Juni müsse man den Betrieb komplett einstellen, bestätigte am Montag eine ZARA-Sprecherin gegenüber der APA einen Bericht des "Standard". Seit acht Jahren sei der Verein vom Bund mitfinanziert worden, in den vergangenen Jahren durch das Familienministerium. Im Jahr 2025 lag die Fördersumme bei 330.000 Euro.
Man habe das Absageschreiben für die Förderung Anfang April bekommen. Betroffen ist der Förderzeitraum ab 1. Jänner 2026, das bedeute, dass ZARA bereits in finanzielle Vorleistung habe gehen müssen. "Das ist der Grund, warum wir in ein finanzielles Defizit gekommen sind", so die Sprecherin.
Betroffen sind beide Beratungsstellen des Vereins, sowohl jene betreffend der Meldestelle "Hass im Netz", für die die Förderungen bezogen wurden, als auch die dadurch mitbetroffene Beratungsstelle gegen Rassismus, hieß es. Man habe bereits alle Mitarbeiter vorsorglich kündigen müssen, so die Sprecherin, betroffen sind demnach 18 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - "die komplette Belegschaft vom Verein ZARA".
Aus dem Familienministerium von Bauer hieß es, der Verein ZARA wurde seitens der Sektion Familie und Jugend in den Jahren 2020 bis 2022 mit je 300.000 Euro und in den Jahren 2023 bis 2025 mit je 330.000 Euro gefördert.
Betreffend des Förderstopps verwies man auf einen Regierungsbeschluss vom März: In einem Ministerratsvortrag vom 4. März habe sich die Bundesregierung zu den Ergebnissen der Förder-Taskforce und dem zugehörigen Bericht zur Neuausrichtung der Förderungslandschaft in der Republik Österreich bekannt - und damit auch zur "Entwirrung von Kompetenzen, um Mehrfachförderungen zu verhindern" sowie zur Absenkung der Förderungsbasis.
Es müssten "in allen Bereichen Einsparungen vorgenommen werden". Daher könne die beantragte Förderung "nicht gewährt werden". Das Bundeskanzleramt fördere weiterhin Projekte im Bereich der Familienberatung, Gewaltprävention und Kinderschutz, hieß es.
Überrascht zeigten sich Vizekanzler Babler und die Ministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung, Holzleitner: Hass im Netz nehme zu, auf ZARA zu verzichten, könne man sich "nicht leisten" - "eine Absicherung des Beratungsangebots ist wesentlich", so Babler.
Mit dem Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen bestehe ein Übereinkommen, dass Gewaltschutz eine hohe Priorität der gesamten Bundesregierung darstellt. Wenn man sehe, dass digitale Gewalt zunimmt, dann müsse man Schutzangebote sichern und gesetzliche Rahmenbedingungen verschärfen, so Holzleitner. Beide kündigten daher an, alle Möglichkeiten zu prüfen, um den Fortbestand von ZARA zu sichern. Auch SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Ruth Manninger erklärte, die "wichtige Arbeit" von Zara müsse "unbedingt fortgesetzt werden"
Auch die Präsidentin der Arbeiterkammer (AK), Renate Anderl, forderte einen Erhalt von ZARA. Der Verein spiele eine "wichtige Rolle gegen Hass im Netz, Rassismus und digitale Gewalt". Gerade in Zeiten zunehmender digitaler Gewalt - insbesondere gegen Frauen - seien spezialisierte Beratungs- und Unterstützungsangebote unverzichtbar. Ähnlich äußerte sich der Bundesgeschäftsführer des Gewerkschaftsbundes (ÖGB), Willi Mernyi: Die Beratung sei ein "Schutzschild gegen Hass und Gewalt" und ein "unverzichtbarer Pfeiler unserer Demokratie". "Ich appelliere dringend an die Verantwortlichen, diese Entscheidung zu überdenken und eine nachhaltige Finanzierung sicherzustellen."
Seitens ZARA hofft man noch darauf, dass kurzfristig eine Förderung gewährt wird, wie es seitens des Vereins zur APA hieß. Aber selbst eine Förderung in der Höhe des letzten Jahres würde auf längere Sicht nicht reichen - vor allem brauche es eine planbare Förderung, nicht nur für ein Jahr.
Von der Stadt Wien erhält der Verein 2026 rund 93.500 Euro. Diese Förderung soll nicht gekürzt werden, hieß es in der ORF-Sendung "Wien heute". "Die Förderabteilung ist mit dem Verein im Austausch und es soll ein reduziertes Angebot ihrer Leistungen geben", teilte das Büro von Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (NEOS) mit.
Scharfe Kritik am Förder-Aus kam von zahlreichen Institutionen. Die Gleichbehandlungsanwaltschaft betonte in einer Aussendung, jede NGO - "so auch ZARA" - sei ein "wichtiges Puzzleteil". Viele österreichische NGOs seien aktuell von finanziellen Kürzungen betroffen. Man beobachte das "mit großer Sorge". ZARA sei eine "unabdingbare Ressource für Menschen, die von Hass im Netz und Rassismus betroffen sind", so Sandra Konstatzky, Leiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft.
Auch die NGO SOS Mitmensch äußerte einen "scharfen Protest" gegen den Förderstopp; SOS-Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak zeigte sich ebenso "entsetzt" wie die Datenschutzorganisation epicenter.works. Auch die Menschenrechtsorganisation Südwind verurteilte den Förderstopp, ebenso der Verein Aufstehn.at zur Förderung zivilgesellschaftlicher Partizipation und die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH).
Der Klagsverband verwies wie auch andere Institutionen darauf, dass man mit ZARA den einzigen "Trusted Flagger" Österreichs verliere, der bei Cybergewalt gegen Erwachsene und illegaler Hassrede priorisierte Löschungen bei Social-Media-Plattformen beantragen könne.
Einen Appell an Ministerin Bauer, eine ausreichende Finanzierung sicherzustellen, kam auch von der Katholischen Aktion Österreich. Von einem "verheerenden Signal für Betroffene von Hass und Gewalt" sprach die Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien. Auch die NGO Attac Österreich verurteilte den Schritt "aufs Schärfste".
Die Wiener ÖVP-Integrationssprecherin Caroline Hungerländer verteidigte die Kürzung: "Gerade in Zeiten knapper Budgets braucht es klare Prioritäten, transparente Zuständigkeiten und einen effizienten Mitteleinsatz." Gerade im Bereich Beratung, Prävention und Sensibilisierung gebe es bereits zahlreiche Vereine und Einrichtungen, so die Gemeinderätin. Es müsse daher auch die Frage erlaubt sein, wo es Überschneidungen und Doppelgleisigkeiten mit anderen Angeboten gibt.
Die Grünen forderten in einer Aussendung die "sofortige Rücknahme" des Förderungsstopps. "Das ist ein verantwortungsloser Frontalangriff auf den Opferschutz. Vor wenigen Tagen inszeniert sich diese Regierung noch vollmundig als Kämpferin gegen digitale und KI-generierte Gewalt und jetzt zerschlägt die ÖVP mit dem Vorschlaghammer genau jene Struktur, die Betroffene tatsächlich schützt. Das ist an Zynismus kaum zu überbieten", sagte Frauensprecherin Meri Disoski in einer Pressemitteilung.
"Wenn der Staat jetzt die Unterstützung für diese Arbeit einstellt, ohne adäquaten Ersatz zu stellen, ist das eine gravierende Verschlechterung für den Schutz der Menschenrechte in Österreich", erklärte auch die Grüne Menschenrechtssprecherin Agnes Prammer. Sie sieht die Koalitionspartner der ÖVP gefordert: "SPÖ und NEOS müssen jetzt Farbe bekennen." Auch die Wiener Grünen bezeichneten den Schritt als "politisch verantwortungslos".






